Brechscheibe und Brechschild

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Brechscheibe an einem Gestechharnisch Maximilian I.

Die Brechscheibe und das Brechschild auch "Garbeisen", sind Schutzvorrichtungen an Turnierlanzen.

Beschreibung[Bearbeiten]

 
Brechschild an einem Harnisch für das Scharfeisenrennen

Beide Schutzvorrichtungen, die Brechscheibe und auch das Brechschild dienen dem Schutz der Hand der die Lanze beim Anreiten und zusammentreffen hält.

Beim Brechschild, das wesentlich größer gestaltet ist, dient es außerdem zum Schutz der weniger gepanzerten rechten Seite. Beide werden von dem hinteren Ende auf das Lanzenholz aufgezogen und mit der Hilfe von Schreauben fixiert. So ist ein schneller Austausch nach einem Bruch der Lanze möglich.

Die Brechscheibe (franz. "Rondelle couvre-mains", engl. "Round lance-plate") kann aus einem Blech getrieben hergestellt werden oder aber aus mehreren Einzelteilen die zur runden Endform zusammengenietet werden. An frühen Modellen war eine schmaler Stutzen, der sogenannte "Lanzenstutzen" angebracht, in dem die Befestigungsschrauben saßen. Später wurde dieser Stutzen etwas länger und wurde dann aus einem einzelnen Stück geschmiedet das an die runde Scheibe angesetzt wurde, was auf Bildern auch deutlich zu sehen ist. Beim Stechzeug wurde ein passender Werkzeugschlüsel mitgeführt, der für alle Schrauben an der Rüstung, als auch an der Befestigungsschraube der Brechscheibe verwendet werden kann. Die Brechscheibe wurde bei den Turnierarten Geschifttarschenrennen, Geschiftscheibenrennen (Welsches Gestech) und beim Krönleinrennen benutzt.

Das Brechschild erfüllt die gleichen Funktionen wie die Brechscheibe jedoch mit dem Unterschied das dieses wesentlich größer ist und der Körperform des Trägers mehr angepasst. Es schützt nicht nur die Hand des Trägers, sondern den gesamten Arm und die Brust bis hinauf zur Schulter. Das Brechschild ist länglich, aus mehreren Bestandteilen gearbeitet und an der dem Körper zugewandten Seite vertikal gerade , an der dem Körper abgewandten Seite gerundet und bildet somit einen Halbkreis. Der Lanzenstutzen ist länger als an der Brechscheibe, die Befestigung ist dieselbe. Die größeren Brechschilder wurden bei den sogenannten "Scharfrennen" oder "Anzogenrennen" , das heisst bei Turnierrennen mit einer scharfen Lanze, dem "Renneisen" verwendet, da sie bei einem Auftreffen der Lanzenspitze auf dieses mehr Schutz bieten und ein abgleiten der Lanzenspitze vom Körper weg fördern. Ziel hierbei war es den Gegner durch einen Treffer auf Brust oder Kopf den Gegner aus dem Sattel zu heben (Abrennen)[1].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wendelin Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1890, Fourier Verlag, Wiesbaden 1985, Seite 537 bis 571, ISBN 978-3-201-00257-8
 
Brechscheibe an einem Gestechharnisch

Literatur[Bearbeiten]

 
Brechschild
  • Michael Störmer: Die Rüstkammer: ein Kompendium mittelalterlicher Nahkampfwaffen. G&S Verlag GmbH, 1999, ISBN 978-3-925698-46-0, S. 69.
  • Franz Trautmann: Kunst und Kunstgewerbe vom frühesten Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts: Ein Handund Nachschlagebuch zur leichten Orientirung in Fächern und Schulen, Meistern, Nachahmungen, Mustern, Technik, Zeichen und Literatur. C.H. Beck, 1869, S. 357.
  • Josef Fleckenstein, Max-Planck Instituts fur Geschichte: Das ritterliche Turnier im Mittelalter.: Beiträge zu einer vergleichenden Formen- und Verhaltensgeschichte des Rittertums. Einundzwanzig Beiträge. Band 80 von Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Vandenhoeck + Ruprecht, 1985, ISBN 978-3-525-35396-7, S. 529.
  • Heinrich Müller, Albrecht Dürer, Deutsches Historisches Museum: Albrecht Dürer: Waffen und Rüstungen. Von Zabern, 2002, ISBN 978-3-86102-121-6, S. 125.
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