Armenisch-Aserbaidschanische Kämpfe seit April 2016

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Am 2. April 2016 kam es zwischen den Streitkräften der Republik Bergkarabach und Aserbaidschanischen Truppen zu schweren Kämpfen an der Frontlinie in der umstrittenen Region Bergkarabach. Am selben Tag kündigte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium die einseitige Einstellung der aktiven Kämpfe an.[13] Nach offiziellen Stellungnahmen der beteiligten Seiten wurden bei den Kämpfen 18 armenische und 12 aserbaidschanische Soldaten getötet.[14] Der UN-Nothilfekoordinator bestätigte den Tod von drei Zivilisten.[15] Beide Seiten beschuldigten die jeweils andere für den Ausbruch der neuen Feindseligkeiten und damit, den im Mai 1994 im sogenannten Bischkek-Protokoll geschlossenen Waffenstillstand gebrochen zu haben.

Armenisch-Aserbaidschanische Kämpfe seit April 2016
Teil von: Bergkarabachkonflikt
Datum 2. April 2016–5. April 2016[1][2]
Ort Bergkarabach
Ausgang Waffenstillstand; fortgesetzte Waffenstillstandsverletzungen
Territoriale Änderungen leichte Gebietsgewinne Aserbaidschans[3][4], ansonsten Status quo ante bellum
Konfliktparteien
Bergkarabach RepublikBergkarabach Bergkarabach
ArmenienArmenien Armenien
AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan
Verluste
Offizielle armenische Angaben:
  • 44 getötete, 21 vermisste und 122 verletzte Soldaten[5]
  • 5 getötete Freiwillige[5][6]
  • 4 getötete und 6 verwundete Zivilisten[5]
  • 14 zerstörte Panzer[7]

Aserbaidschanische Angaben:[8]

  • 370 Soldaten getötet
  • 12 Panzer und 12 gepanzerte Fahrzeuge, 15 Artillerie-Systeme zerstört
Offizielle Aserbaidschanische Angaben:
  • 31 Soldaten getötet, 10+ verletzt
  • 3–6 getötete Zivilisten, 6–26 verwundete Zivilisten[9][10]
  • 1 Mi-24-Hubschrauber und 1 Drohne abgeschossen[11][7]
  • 1 Panzer zerstört[12]

Armenische Angaben:

  • 300 getötete, 2000 verwundete Soldaten[5]
  • 2 Helikopter zerstört und 13 abgeschossene Drohnen[7]
  • 26 Panzer, 4 IFV, 1 AEV, 1 MRL zerstört[7]

Kämpfe[Bearbeiten]

Nach Angaben von armenischer Seite griffen aserbaidschanische Truppen in der Nacht vom 1. auf den 2. April entlang der Kontaktlinie an. Am Morgen des 2. April wurden bei Martuni ein Kind durch Raketenbeschuss getötet und zwei weitere verletzt.[16] Aserbaidschanische Quellen gaben an, dass am 2. April aserbaidschanische Positionen unter heftigen Beschuss durch armenische Stellungen kamen. In der Folge seien mehrere Zivilisten verwundet und getötet worden.[17] Aserbaidschanische Truppen führten dann Angriffe in der Umgebung der Städte Ağdərə, Tərtər, Ağdam, Xocavənd und Füzuli.[18] Aserbaidschan gab außerdem an, dass seine Grenztruppen plötzlich unter Beschuss durch Mörser- und hochkalibrige Granaten gekommen und deswegen gezwungen gewesen sei, Gegenmaßnahmen durchzuführen.[19] Laut aserbaidschanischem Verteidigungsministerium konnten die anfänglichen armenischen Gebietsgewinne durch einen Gegenangriff an mehreren Orten und auf strategische Anhöhen gebrochen werden.[17][18] Laut armenischen Offiziellen wurden alle Einwohner Talış und Madaqiz evakuiert und in Unterkünften in der Region untergebracht. [20] Laut OCHA waren von den Kämpfen zunächst 14.400 Einwohner betroffen, doch kam es zu keiner Flucht, auch Soforthilfemaßnahmen waren nach deren Einschätzng nicht erforderlich.[15]

Der Sprecher des armenischen Verteidigungsministers Artsrun Hovhannisyan hat Aserbaidschan des unprovozierten Angriffs mit koordinierter Bodenoffensive beschuldigt. Es seien auch Kampfflugzeuge, Panzer und Artillerie eingesetzt worden, um in Bergkarabach einzufallen.[19] Am ersten Tag der Kämpfe gab Armenien an, dass mindestens drei Panzer, zwei Helikopter und zwei Drohnen zerstört wurden.[21]

Die Positionen der armenischen Front wurden unter anderem mit Artillerie verstärkt und in Bergkarabachs Hauptstadt Stepanakert wurden mehrere hundert Reservisten einbeordert, verstärkt durch Freiwillige.[22]

Am 3. April erklärte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium eine einseitige Waffenruhe. Das armenische Verteidigungsministerium widersprach den aserbaidschanischen Behauptungen, wonach die gegnerischen Waffen nicht schweigen würden.[23]

Im Verlaufe der Kämpfe trafen aus Bergkarabach abgefeuerte Mörsergranaten ein Dorf in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan. Es gab keine Berichte von dort über Verletzte oder angerichteten Schaden.[24]

Am 5. April erklärten offizielle Stellen beider Seiten, dass die Kampfhandlungen eingestellt und der Waffenstillstand wiederhergestellt würde,[25][26] doch am 8. April wurde von einem Austausch von Artilleriefeuer zwischen aserbaidschanischen und armenischen Streitkräften berichtet, durch die nach armenischen Angaben zwei Soldaten getötet wurden.[27]

Internationale Reaktionen[Bearbeiten]

Europaische Union  Europäische Union: Die Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik Federica Mogherini forderte die Parteien auf „die Kämpfe sofort zu stoppen und stattdessen den Waffenstillstand zu beobachten.“

Vereinte Nationen  UNO UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte, dass alle involvierten Parteien sofort ihre militärisch ausgetragenen Feindseligkeiten einstellen und die Bedingungen des Waffenstillstandsabkommen beachten.

20px OIC – Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit verurteilte die „Attacken der armenischen Kräfte an den Grenzen der okkupierten Regionen und Jerewans respektloses Verhalten gegenüber Aserbaidschans verkündete Waffenruhe.“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.panarmenian.net/eng/news/209646/
  2. http://www.bbc.com/news/world-europe-35964213
  3. Прекращение огня в Нагорном Карабахе: "стреляют, но не так сильно" (Russisch) In: RIA Novosti. 6. April 2016. Abgerufen am 9. April 2016.
  4. 32 Armenian soldiers dead, 121 wounded, 25 missing (Englisch) In: Public Radio of Armenia. 6. April 2016. Abgerufen am 9. April 2016.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Larisa Alaverdyan: Armenian side has no POW from Azerbaijan.
  6. Karabakh: Five killed as Armenian volunteers’ bus comes under Azeri fire – Karabakh (Englisch) armenianow.com. Abgerufen am 5. April 2016.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Karabakh army downs 13th Azerbaijani drone. In: PanARMENIAN.Net.
  8. Azerbaijani MP offers to write off loan debts of deceased servicemen, their families (Englisch) In: Trend.Az. 5. April 2016. Abgerufen am 9. April 2016.
  9. Cease-fire largely holding around Nagorno-Karabakh - US News (Englisch) In: US News & World Report. Abgerufen am 9. April 2016.
  10. Baku says Armenia’s military dictatorship threats values that civilized world stands for (Englisch) In: AZERNEWS. Abgerufen am 9. April 2016.
  11. 18 Armenian, 12 Azerbaijani troops killed in fighting (Englisch) 2. April 2016. Abgerufen am 9. April 2016.
  12. Минобороны Азербайджана назвало потери в боях
  13. NKR Defence Ministry’s Statement (English) NKRmil.am. Abgerufen am 4. April 2016.
  14. Минобороны Азербайджана: Перестрелка в Карабахе прекратилась (russisch) In: Komsomolskaja Prawda. 2. April 2016. Abgerufen am 2. April 2016.
  15. 15,0 15,1 Nagorno-Karabakh Conflict Situation Report No. 1 (englisch) ReliefWeb. 3. April 2016. Abgerufen am 4. April 2016.
  16. (02/04/16 [10:25) Press release] (Englisch) NKRmil.am. 2. April 2016. Abgerufen am 4. April 2016.
  17. 17,0 17,1 Cəbhədə vəziyyətlə bağlı son məlumat (Aserbaidschanisch) Ministerium für Verteidigung Aserbaidschans. 2. April 2016. Abgerufen am 5. April 2016.
  18. 18,0 18,1 В боях в зоне карабахского конфликта погибли 12 военнослужащих ВС Азербайджана (Russisch) TASS. 2. April 2016. Abgerufen am 2. April 2016.
  19. 19,0 19,1 Heavy Fighting Erupts in Nagorny-Karabakh (Englisch) In: Georgia Today on the Web.
  20. Azerbaijan, Armenia forces clash as Putin urges ceasefire. Yahoo.
  21. ‘Large-Scale’ Fighting Reported In Karabakh In: RFE/RL. 2. April 2016.
  22. Heavy Fighting Continues In Karabakh. In: RFE/RL. 3. April 2016.
  23. Azerbaijan claims cease fire in Nagorny-Karabakh, Armenia says hostilities continue. 3. April 2016.
  24. Mortar Shells from Nagorno-Karabakh Conflict Hit Northeastern Iran (englisch) Tasnim. 3. April 2016. Abgerufen am 4. April 2016.
  25. http://www.bbc.com/news/world-europe-35964213
  26. http://www.panarmenian.net/eng/news/209646/
  27. http://www.nytimes.com/aponline/2016/04/08/world/europe/ap-eu-azerbaijan-armenia.html?_r=0
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