Albert Schmidt

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Albert Schmidt (* 8. Mai 1899 in Zeppenfeld im Kreis Siegen ) war Kriminalrat und SS-Hauptsturmführer (SS-Nr. 353277 ) bei der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) von 1937 bis 1945. Im Jahre 1942 gehörte er dem Standgericht Esch und Luxemburg-Stadt an, welches zwanzig Todesurteile verkündigte und vollstreckte. Ab 1956 wurde er Mitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst (BND)


Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule in Zeppenfeld betätigte er sich einige Jahre im Postdienst. Im Jahre 1917 trat er am 1. Oktober als Kriegsfreiwilliger in die Kriegsmarine ein. Nach einer kurzen infanteristischen Ausbildung wurde er zum Dienst auf dem Linienschiff SMS Westfalen kommandiert. Am 10. März 1919 wurde er aus dem Militärdienst entlassen. Danch besuchte er die Handelsschule in Siegen. Am 20. Februar 1920 begann ei einen Dienst bei der Sicherheitspolizei in Wesel. Dabei wurde er bei der Niederschlagung des Aufstands im Ruhrgebiet eingesetzt. Danach wurde er Angehöriger der Schutzpolizei.[1]. Ab dem 1. Oktober 1928 versah er den Dienst bei der Kriminalpolizei.[2]

Dienst bei der Gestapo[Bearbeiten]

Zur Gestapo kam er am 1. März 1937. Am 20. April 1940 wurde er Mitglied der SS und beim Sicherheitsdienst der SS, dem SD. Yon 1939 bis 1942 war er in der Abteilung II (zuständig für Heimtückeangelegenheiten und Ostarbeiterfragen) der Staatspolizeistelle Trier (Stapo Trier) tätig. Im Jahre 1942 gehörte er als Beisitzer dem Standgericht Esch und Luxemburg-Stadt an. Danach versah er den Dienst bei der Stapo Trier bis 1945. Im Befehalsblatt Nummer 7 der Ausgabe A des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD vom 10. Februar 1944 wurde er als Krimnalrat mit der Leitung der Außendienststelle Trier beauftragt.[3][4]

Beisitzer beim Standgericht[Bearbeiten]

Am 31 August 1942 verhängte der Gauleiter und Chefs der Zivilverwaltung von Luxemburg Gustav Simon über den Bereich der Stadt Esch den Ausnahmezustand wegen eines Streiks. Ebenso wurden für den Bereich von ganz Luxemburg der Ausnahmezustand verhängt. Gegen Streikende wurde der Tod durch Erschießen angekündigt. Zu diesem Zweck wurde ein Standgericht in Esch und Luxemnurg-Stadt mit folgender Besetzung eingerichtet[5]:

  • Vorsitzender: Oberregierungsrat und Leiter de Stapo Trier und des SD Luxemburg Fritz Hartmann
  • 1. Beisitzer: Landgerichtsdirektor vom deutsche Sondergericht Luxemburg Adolf Raderschall
  • 2. Beisitzer: SS-Obersturmführer Albert Schmidt von der Stapo Trier
  • Ankläger : 1. Staatsanwalt beim deutschen Sondergericht Luxemburg Dr. Leonhard Drach

Schon in der Nacht vom 1. September 1942 tagte das Standgericht und verurteilte

  • den Leiter des Wirtschaftsamtes Michel Worre (Wilz)
  • den Stadtsekretär Nikolas Müller (Wilz)

Das Urteil wurde am 2. September 1942 vollstreckt.

Jeweils einen Tag später wurden folgende Todesurteile vollstreckt (3. September 1942):

  • Postunterinspektor in Luxemburg Nikolaus Johann Kons
  • Lehrer (Wilz) Karl Meiers
  • Lehrer (Wilz) Josef Ewen
  • Lehrer (Wilz) Alfred Brück
  • Lehrer (Wilz) Cölestin Lommel
  • Dreher (Differdingen) Alfons Weets
  • Werkzeugschlosser (Differdingen) Johann Peter Schneider
  • Telefonarbeiter (Differdinegen) Ernst Toussaint
  • Werkzeugschlosser (Kahler) Nikolaus Betz

Am 4. September 1942 wurden folgende Todesurteile vollstreckt:

  • Schriftsetzer (Itzig) Leo Zeimes
  • Schlosser (Differdingen) Robert Mischo
  • Schlosser (Differdingen) Renatus Angelsberg
  • Postbeamter (Luxemburg) Johann Schroeder

Am 5. September 1942 wurden diese Todesurteile vollstreckt:

  • Eisenbahnarbeiter (Ettelbrück) Michel Dax
  • Professor Dr. math. (Echternach) Alfons Schmidt
  • Eisenbahnanstreicher (Ettelbrück) Johann Thull
  • Dachdecker (Diekirch) Emil Heiderscheid

Das letzte Todesurteil wurde am 8. Septzember 1942 vollstreckt:

  • Walzendreher (Schifflingen) Eugen Biren

Folgende Personen wurden der Gestapo überstellt[6]:

  • Direktor und Betriebsführer Mathias Koener (Esch-Alzig)
  • Substitut-Staatsanwalt Johann Peter Fischer (Luxemburg)
  • Substitut-Staatsanwalt Dr. Edmund Heldenstein (Luxemburg)
  • Substitut-Staatsanwalt Josef Scgmit (Luxemburg)
  • Hilfs-Staatsanwalt Marzellus Würth (Luxemburg)

Weiterhin wurden noch fünfzehn andere Personen an die Gestapo überstellt[7].

Im Jahre 1951 wurde Albert Schmidt in Luxemburg von einem Gericht als Angehöriger des Standgerichts in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Deshalb wies er sich bis 1964 mit zum Teil falschen Personalangeben aus[8]

Mitarbeiter beim BND[Bearbeiten]

Im Jahre 1956 nahm Albert Schmidt beim BND (als V-2079 mit dem Decknamen Scholz) als hauptamtlicher Mitarbeiter eine Tätigkeit auf. Er wurde mit einer Pauschalbesoldung und als Sachbearbeiter im Außendienst eingestellt. Als im Jahre 1963 eine Überprüfung von BND-Angehörigen auf eine NS-Belastung durch die Organisationseinheit 85(ORG 85)[9] einsetzte, wurde Schmidt als politisch nicht tragbar eingeschätzt. Eine dienstliche Trennung wurde aber nicht vorgenommen, da Schmidt am 8. Mai 1964 das Rentenalter erreichte. Die zuständige Kommission verfügte aber, dass eine Weiterbeschäftigung auch auf Honorarbasis nicht erfolgen sollte.

Die für Schmidt zuständige Dienststelle setzte sich jedoch über diese Anweisung der Kommission hinweg und es kam zu einer weiteren Beschäftigung über einen Vertrag mit der Otto Ludowski & Co. GmbH Industrieberatung[10][11].

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft[Bearbeiten]

Im Zeitraum von 1965 bis 1969 ermittelte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen Schmidt wegen der Beteiligung an Tötungsverbrechen im Rahmen des Standgerichts in Luxemburg von 1942 in 20 Fällen und 31 Deportationen in ein KZ. Die Ermittlungen wurden allerdings eingestellt, da inzwischen für das Delikt Totschlga nach fünfzehn Jahren die Verjährung eingesetzt hatte[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In einem Fragebogen aus dem Jahr 1938 gab er an, seit dem 20. Februar 1920 der Schutzpolizei anzugehören
  2. Die Daten zum Lebenslauf und zum Teil zur Gestapo, SS und SD sind in der CIA-Datei https://www.cia.gov/library/readingroom/docs/SCHMIDT%2C%20ALBERT_0003.pdf Zu finden
  3. Sabrina Nowack, Sicherheistrisiko NS- Belastung, Personalüberprüfugen im Bundesnachrichtendienst in den 1960er Jahren, Berlin 1916, S. 316/317 und S. 475 - Hier wird als letzter Dienstgrad bei der Gestapo noch Krimnalkommisser angegeben
  4. Befehlsblatt des Chefs der Sicherheitspolizei, und des SD, Nr. 7, 4. Jg., Berlin, 10. Februar 1944
  5. Andre Hogengarten, Die Zwangsrekrutierung der Luxemburger zur Wehrmacht und SS-Sonderlager/KZ Hinzert, Hinzert 7. Oktober 2006
  6. Die Überstellung zur Gestapo bedeutete die Einlieferung in ein Spezial Polizeigefängnis der Gestapo oder in ein KZ
  7. Eberhard Klopp, Hinzert - kein richtiges KZ? Trier 1983, S. 39, 41, 43, 44, 47, 49 und 53
  8. Sabrina Nowack, Sicherheitsrisiko NS-Belastung, ebenda, S. 316
  9. Organisationseinheit 85
  10. Sabrina Nowack, Sicherheitstrisiko NS-Belastung, ebenda, S. 316
  11. Solche Firmen benutzte der BND als Tarnfirmen, um außerhalb des regulären Dienstbetriebs verschiedenste Tätigkeiten zu verschleiern
  12. Sabrina Nowack, Sicherheitstrisiko NS-Belastung, ebenda, S. 317 FN 106
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