Agriexpert

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Agriexpert (bis 1. Dezember 2013 Treuhand und Schätzungen) ist ein Dienstleistungsunternehmen des Schweizer Bauernverbandes und bietet Beratungen und Gutachten für die Landwirtschaft in der Schweiz an.

Inhaltsverzeichnis

Organisation[Bearbeiten]

Agriexpert ist ein in zwei Bereiche - Bewertung & Recht und Treuhand - unterteiltes Dienstleistungsunternehmen, welches das Ziel verfolgt, Bauernfamilien zu helfen, ihre vielfältigen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Agriexpert dient heute, 100 Jahre nach der Gründung, als Anlaufstelle für Bewertungs-, Rechts- und Treuhandanfragen. Neben Bewertungsgutachten, Rechtsfragen, Entschädigungsberechnungen, Unternehmensplanungen, Treuhand- sowie Raumplanung, gehört auch die Aufbereitung von Grundlagen für die landwirtschaftliche Bewertungs- und Rechtspraxis zu den Kernkompetenzen. Derzeit sind in den beiden Bereichen rund 42 Mitarbeitende beschäftigt, die Aufträge aus der ganzen Schweiz bearbeiten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die neue Eidgenossenschaft[Bearbeiten]

Zu Beginn der neuen Eidgenossenschaft im Jahr 1848 konnte die Schweizer Landwirtschaft vom Freihandel profitieren. Sie exportierte zum Beispiel Schweizer Obst und Zuchtvieh in alle Welt. Zur gleichen Zeit hielt die Industrialisierung Einzug und ermöglichte durch den Einsatz von Maschinen ein rationelleres Arbeiten. Mit dem Entstehen der ersten Eisenbahnen und der Zunahme der Anzahl Dampfschiffe auf den Ozeanen begannen jedoch grosse Agrarländer aus Übersee, den einheimischen Getreidebau zu konkurrenzieren. Die Preise der einheimischen landwirtschaftlichen Produkte hielten der Erhöhung der Produktionskosten infolge Verteuerung der Rohstoffe und Hilfsmaterialien nicht stand. Zur selben Zeit stiegen die Bodenpreise sowie die Löhne stark an, was zu wachsenden Schulden in der bäuerlichen Bevölkerung führte.

Bündelung der Interessen[Bearbeiten]

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Interessenvertretung der Landwirte in landwirtschaftlichen Vereinen organisiert. Um ca. 1890 begannen sich zusätzlich neue Gesellschaftsformen in der Schweizer Landwirtschaft in Form von Genossenschaften zu bilden. In diesen Kreisen entstand zunehmend die Meinung, dass der Grund für das Missverhältnis zwischen Produktionskosten und Preisen für landwirtschaftliche Erzeugnisse beim Freihandel liege und eine gemeinsame Interessenvertretung notwendig sei. Der Schweizer Bauernführer und erste Direktor des Schweizer Bauernverbands, Ernst Laur, hielt in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Bauernverbandes fest: "Weite Kreise erkannten die Notwendigkeit, den gesamten Schweizerischen Bauernverband zu einer grossen, geschlossenen Vereinigung zusammenzuführen. Die Landwirte mussten sich zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen vereinigen." Damit war die Voraussetzung zur Gründung des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) geschaffen.

Fehlende Lehre führte zur Gründung[Bearbeiten]

Der Boden ist ein Kapitalwert, der sich nicht beliebig vermehren lässt. Seit jeher war die Nachfrage danach gross. Damit verbunden waren stets hohe und vielfach übersetzte Bodenpreise. Mit der Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches im Jahr 1912 hatte die Schweiz ein einheitliches Recht erhalten, welches seither unter anderem in wichtigen Bestimmungen den Grundbesitz regelt. Landwirtschaftliche Kreise setzten grosse Hoffnungen in dieses Recht. Die Umsetzung verlangte eine einheitliche Handhabung der Vorschriften für die Schätzung der landwirtschaftlichen Liegenschaften.

Gülten, Überschuldung und zu hohe Preise für landwirtschaftliche Güter veranlassten den Schweizerischen Bauernverband zum Entschluss zur Gründung eines Schätzungsamts. Dies war jedoch kein einfaches Unterfangen, da noch selbst in wissenschaftlichen Kreisen eine volle Übereinstimmung in der landwirtschaftlichen Taxationslehre fehlte. Es mangelte an systematisch gesammeltem Erfahrungsmaterial, was die Taxatoren in den Anfängen dazu zwang, "nach dem Gefühl" vorzugehen. So nahm das Schätzungsamt des Schweizerischen Bauernverbands am 1. Januar 1914 seine Arbeit in Brugg auf.

Meilensteine[Bearbeiten]

  • 1914: Das Schätzungsamt des Schweizerischen Bauernverbands nimmt am 1. Januar 1914 seine Arbeit in Brugg auf.
  • 1919: Im Kanton Schaffhausen tritt das erste Steuergesetz in Kraft, worin landwirtschaftliche Liegenschaften nach dem amtlichen Ertragswert zu bewerten sind.
  • 1923: Erste Liegenschaftstaxationskurse werden in verschiedenen Teilen der Deutschschweiz durchgeführt.
  • 1925: Erstmals erscheint die Schrift „Das bäuerliche Erbrecht“, herausgegeben durch den Schweizerischen Bauernverband.
  • 1953: Ein neues eidgenössisches Schätzungsreglement, welches vom Schätzungsamt bearbeitet wurde, tritt in Kraft.
  • 1963: Eine neue Schätzungsanleitung wird herausgegeben, welche auf den Buchhaltungsergebnissen der Jahre 1940 bis 1960 gründet.
  • 1964: Das Schätzungsamt feiert sein 50-jähriges Bestehen. Die Jubiläumsveranstaltung findet am 25. September im Gasthof Bären in Birr mit einer stattlichen Anzahl von ehemaligen Mitarbeitern statt.
  • 1976: Die eidgenössischen Schätzungsnormen werden total revidiert. Zusätzlich führt das Schätzungsamt das Sekretariat der Schätzungskommission.
  • 1979: Am 1. Juli tritt die neue Anleitung für die Ertragswertschätzung landwirtschaftlicher Liegenschaften in Kraft.
  • 1981: Das Schätzungsamt heißt neu Abteilung „Grundbesitz und Bewertung“.
  • 1986: Am 1. August wird eine neue Schätzungsanleitung eingeführt.
  • 1987: Ein neuer Kommentar zum landwirtschaftlichen Pachtrecht im Verlag des Schweizerischen Bauernsekretariats erscheint.
  • 1994: Die bäuerliche Buchstelle wird mit der SBV Schätzungsabteilung zu Treuhand und Schätzungen zusammengeschlossen. Ebenfalls tritt das Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht in Kraft.
  • 1996: Im Februar tritt die neue „Anleitung für die Schätzung des landwirtschaftlichen Ertragswerts“ in Kraft.
  • 2001: Die Abteilung SBV Treuhand und Schätzungen erhält die ISO-Zertifizierung 9001-2000.
  • 2007: Es wird ein Vorabdruck des überarbeiteten Kommentars zum landwirtschaftlichen Pachtrecht herausgegeben.
  • 2011: Es erscheint die 2., vollständig überarbeitete Auflage des Kommentars zum Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht.
  • 2013: Im Dezember werden das Erscheinungsbild und die Namensgebungen der verschiedenen Dienstleistungen des Bauernverbandes reorganisiert. Aus Treuhand und Schätzungen wird Agriexpert.
  • 2014: Agriexpert feiert sein 100-jähriges Bestehen. Die 2., vollständig überarbeitete Auflage des Kommentars zum Bundesgesetz über die landwirtschaftliche Pacht wird von Agriexpert herausgegeben.

Leiter des Schätzungsamts[Bearbeiten]

  • 1914 – 1917 Carl Tanner
  • 1917 – 1939 Ernst Aebi
  • 1939 – 1948 Bendicht Arni
  • 1948 – 1958 Willy Neukomm
  • 1958 – 1962 Robert Lutz
  • 1962 – 1972 Herbert Wittwer
  • 1972 – 1983 Hanspeter Späti
  • 1983 – 1991 Eduard Hofer
  • 1991 – 1996 Christian Reusser
  • 1994 Fusion bäuerliche Buchstelle und Schätzungsabteilung zu SBV Treuhand und Schätzungen
  • 1996 – 2010 Ulrich Ryser (Leiter SBV Treuhand und Schätzungen)
  • 2004 - Martin Goldenberger (Bereichsleiter Schätzungen)
  • 2010 - Martin Würsch (Leiter SBV Treuhand und Schätzungen)
  • 2013 SBV Treuhand und Schätzungen wird zu Agriexpert (Leiter: Martin Würsch, Leiter Bewertung & Recht: Martin Goldenberger, Leiter Treuhand: Martin Angehrn)

Entwicklung der Aufträge[Bearbeiten]

In den ersten Jahren konnten die Aufträge aufgrund der Weltkriege nur bedingt bearbeitet werden. Das Volumen nahm jedoch schnell einen erheblichen Umfang an. Das ursprüngliche Team entwickelte sich ständig weiter. Gegen Ende der sechziger Jahre war eine tendenzielle Abnahme der Aufträge zu verzeichnen. Gründe dafür waren einerseits der steigende Ausbau der kantonalen Beratungsstellen, welche sich zunehmend ebenfalls im Tätigkeitsfeld des Schätzungsamts etablierten. Andererseits nahm die Anzahl von aufwändigen Spezialgutachten ständig zu. Ebenfalls war das Schätzungsamt am Anfang der siebziger Jahre von Todesfällen und krankheitsbedingten Abwesenheiten der Mitarbeitenden überschattet. 2005 erledigte der Bereich Schätzungen von SBV Treuhand und Schätzungen auf Basis der neuen Schätzungsanleitung die Neueinschätzung aller landwirtschaftlichen Grundstücke des Kantons Schwyz. Die erforderliche Aufstockung des Personalbestandes wurde danach beibehalten. Seit 2006 ist die Rechtsschutzversicherung AGRI-protect bei SBV Treuhand und Schätzungen (heute Agriexpert) beheimatet, was den Personalbestand um zwei Juristen erhöhte. Beides führte ab 2003 zu einer Steigerung der Auftragsentwicklung. Die Haupttätigkeit des Bereichs Bewertung & Recht von Agriexpert bidlen damals wie auch heute Schätzungsgutachten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]