Adultismus

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Adultismus beschreibt das Machtverhältnis, genauer gesagt die Machtungleichheit zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die vorgegebenen Machtstrukturen ergeben sich aus der gesellschaftlichen Rangordnung, die unser Leben prägt. Adultismus ist eine Form der Benachteiligung, die entsteht, wenn Kinder und Jugendliche als unreife, inkompetente Wesen wahrgenommen werden, die sich den Vorgaben der ‚reifen’ Erwachsenen beugen müssen – nicht wegen konkreter (Gefahren-) Anlässe, sondern als Prinzip. Auf Grund der klaren Machtverteilung und der Untermauerung durch Gesetze, Traditionen (soziale Konstrukte) und soziale Institutionen gilt Adultismus als eine Form der Diskriminierung.

„Ein wichtiges Indiz dafür, ob erwachsenes Verhalten adultistisch tendiert ist oder nicht, ist die Antwort auf die selbst gestellte Frage: Würde ich mit einem Erwachsenen genauso re-den, ihn genauso behandeln, genauso mit ihm umspringen? Lautet die Antwort Nein, und dient das Gesagte oder Getane nicht dem absolut notwendigen Schutz des Kindes, kann davon ausgegangen werden, dass das Handeln, die Worte und Sätze von Adultismus geprägt sind“ definiert Manuela Ritz (2008) in ihrem Text „Kindsein ist kein Kinderspiel“. Es geht primär um die Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Verhalten gegenüber Kin-dern sowie den Unterschied zwischen objektiven und subjektiven Entscheidungen. In einem adultistischen Kontext werden Kinder als Objekte wahrgenommen, die geformt und kontrolliert werden müssen. Die meisten Menschen haben ihre Empfindungen in der Rolle des machtlosen Kindes verdrängt und können sich schwer an negative Aspekte ihrer Kindheit erinnern. Viel angenehmer ist die Rolle des machtvollen Erwachsenen, der auf Grund seiner Entwicklung als kompetenter, intelligenter und reifer Mensch angesehen wird, auch und gerade wenn sie als Gegenreaktion zu vermeintlicher ‚Kindertyrannei’ gesehen wird. Dieser Machtunterschied wird in vielen Bereichen des Alltags deutlich, etwa in der Beschaffenheit von Alltagsgegenständen, die an der Größe eines Erwachsenen orientiert sind. Selbst in Kindergärten sind solche Ausdrücke von Adultismus zu finden, wenn zwar Tische und Stühle für Kinder gemacht sind, nicht jedoch die Treppen oder Türklingen. Die Welt ist für Erwachsene gemacht, Kindsein ist ein vorübergehender Zustand. So lassen sich alle beobachteten Verhaltensweisen, die durch diese Machtungleichheit ent-stehen, in die Entstehungsstrukturen von Diskriminierung einordnen. Es handelt sich um Festschreibung gesellschaftlich anerkannter Normen und Werte, das Kreieren eines von Vorurteilen und Zuschreibungen geprägten Menschenbildes, die soziale Bedeutung aufgrund öffentlicher Präsenz, das Manifestieren spezifischer Regeln und Gesetze sowie die Verinnerlichung dieser Strukturen (ebd.). Ein wichtiger Auftrag für die Kindheitswissenschaften besteht darin, diese Machtstrukturen zu erkennen und zu benennen, sie zu hinterfragen und sie schlussendlich aufzuheben, um für Kinder die größtmöglichen Entwicklungsperspektiven zu schaffen.

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