Adolf Sultan

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Adolf Sultan (* 2. Februar 1861 in de:Golub-Dobrzyń als Abraham Sultan; † 17. August 1941 in Berlin) war ein deutscher de:Spirituosenhersteller.

Inhaltsverzeichnis

Eltern[Bearbeiten]

Adolf Sultan war der Sohn von Johanna Barnass und Wolff Sultan (* 1832 in Golub-Dobrzyń; 1897). Wolfgang Sultan gründete 1858 die W. Sultan, Spritfabrik, später Sultan & Co in Mocker bei Thorn. Ab 1869 hat Wolff Sultan auch in Thorn ein Spritfarikation.

Abraham Sultan erhielt 1879 die Hochschulzulassung und nannte sich fortan Adolf Sultan. Im Februar 1889 heiratete er, Margarethe Mirjam Victorius (*1868; † Ende 1902 in Berlin) die jüngere Schwester von Leo Victorius (*1865 in de:Grudziądz; †1. April 1902). Leo Victorius war ein Sohn des Fabrikbesitzers Carl Victorius, dessen Witwe der verwittwete Adolf Sultan heiratete.

Margarethe und Adolf Sultan hatten drei Kinder: Anna Frieda, genannt Ännchen (* Ende November 1889; † 1899) Clara Paula genannt Claire (* 1891 † 1943 wurde denunziert und sofort nach ihrer Ankunft im de:KZ Auschwitz vergast. Sie besass ein gültiges Ausreisevisum ) und de:Herbert Sultan.

Aus der Ehe von Ida Rosa (Coba) Sultan, geb. Lewino (* 26. November 1872; † 13. Mai 1958) 1941 Exil in der Schweiz, 1946 Emigration in die USA, in erster ∞ Leo Victorius gehen drei Kinder hervor: Jacob Curt (*1895), Anna genannt Anni Victorius (* 20. Februar 1897 in de:Grudziądz; † 6. Juli 1993 in Alameda (CA), Pianistin [1]) und Käthe (1901 Käte Victorius , Psychoanalytikerin « Der Moses des Michelangelo ») hervor.[2]

Im Februar 1904 heiratete Adolf Sultan Coba, Witwe von Leo Victorius. In der Ehe wurden Wolfgang Sultan (*Anfang 1905 † erschoss sich 1936, nachdem ihn die Gestapo wegen "Rassenschande" vorgeladen hatte. Er hatte sich mit einer nichtjüdischen Krankenschwester verlobt. Seine Geliebte nahm sich wenige Tage später das Leben.) und de:Grete Sultan geboren.

Wohnorte[Bearbeiten]

1901 verkauft Adolf Sultan sein Haus in Thorn und zieht in die Rankestraße 33.

Grunewald, Delbrückstr. 6 a[Bearbeiten]

1905 beauftrage Adolf Sultan de:Richard Riemerschmidt, auf dem 2.617 Quadratmeter großen Grundstück am Hubertussee in Berlin-Grunewald, einen Gesamtentwurf einer Villa zu fertigen. Diese wurde 1905 bis 1906 erstellt und 1965 abgerissen. Die Familie zog im Oktober 1906 ein.[3] Neben den sieben Kindern nahm am Tisch des Spritfarbikanten auch die de:Reichsfinanzverwaltung in Form der de:Branntweinsteuer platz. Zu Beginn der de:Weltwirtschaftskrise ging das Anwesen in das Eigentum desde:Reichsfinanzverwaltung über. Diese vermietete an Lucia (Lucy) Ephraimson (geborene Abt 1899 - 1996). Ihre Söhne Hans und Max Ephraimson besuchten das de:Private Waldschule Kaliski. Ihr Untermieter war der de:Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, dessen Mietvertrag bis zum 31. Dezember 1935 befristet war, weshalb Frau Ephraimson einen Nachmietvertrag mit der PriWaKi-Schule ab 1. Januar 1936 schloss. Der SD war 1934 zur Ausführung des de:Röhm-Putsches gegründet wurden, Die SS war zu dieser Zeit noch kein Wirtschaftsbetrieb, sondern war auf Finanzierung aus der Reichsfinanzverwaltung angewiesen. Nach dem de:Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und in Vorbereitung auf die de:Nürnberger Gesetze wurde der Beamtensstand der Reichsfinanzverwaltung aufgestockt. 1935 wurde das Gebäude zur Ausbildung von Zollbeamten im Grenzpolizeidienst genutzt. 1938 zogen dort Teile des SD - Auslandsnachrichtendienstes ein. 1940 nutzte de:Alfred Naujocks das Gebäude als Fälscherwerkstatt der de:Aktion Bernhard. Aus von Naujocks in britischer Gefangenschaft angefertigten Grundrissen des Gebäudes geht hervor , dass die technische Abteilung vom Keller bis zum zweiten Stock vier Etagen des Gebäudes beanspruchte.[4]

Nikolassee, Ernst-Ring-Straße 2–4[Bearbeiten]

 
Ernst-Ring-Straße 2-4

Im Herbst 1927 zog die Familie in das Anwesen Nikolassee Ernst-Ring-Straße. Es hat weniger Wohnfläche als das Grunewaldhaus am Hubertussee. Auf dem neuen Grundstück befindet sich neben der Villa auch ein Gartenhaus, das Grete zum Üben und Unterrichten nutzen konnte.[5]

Im Oktober 1939 wurde der "Rittergutsbesitzer Adolf Sultan" aus dem Grundbuch von Berlin-Zehlendorf gestrichen: Der nunmehrige "Adolf Israel Sultan" habe seine Familienvilla einem Volksdeutschen übereignet. Die Kaufsumme wird einbehalten. Coba und Adolf Sultan erlangten ein Visum für die Schweiz. Kurz vor der Abreise nahm Adolf Sultan Gift: "Er wollte nicht aus Deutschland fort. Deswegen hat er sich aus dem Leben geholfen", erklärte Grete Sultan. Nur Coba kann von Verwandten über die Grenze nach Basel gebracht werden. [6]

Von 1945 bis 1959 wird das Anwesen als Postadresse der de:Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit genutzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anni Victorius, [1][2]
  2. Käte Victorius, [3]
  3. Peter-Alexander Bösel, Berlin-Grunewald in historischen Ansichten, S. 90
  4. Florian Altenhöner, Der Mann, der den 2. Weltkrieg begann: Alfred Naujocks, Fälscher, Mörder, Prospero, 2010 - War criminals - 389 S. , 2010, S. 144[4]
  5. Moritz von Bredow, Rebellische Pianistin - DIGITAL: Das Leben der Grete Sultan zwischen Berlin und New York, [5]
  6. de:Der Spiegel, MUSIK Flucht und Fuge, [6]