Abendmahl im 1. Korintherbrief

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Darstellung des Abendmahls nach dem Korintherbrief
Christus der Fels

Im Folgenden soll das Abendmahl im ersten Korintherbrief vorgestellt werden. Ich werde mich dabei nicht damit beschäftigen, in wie weit Paulus als tatsächlicher Autor anzunehmen ist und in welcher Situation er diesen Brief an wen genau schrieb. Das wird zu genüge bereits in der Einleitung zum ersten Korintherbrief behandelt.

Es handelt sich um zwei Stellen, die dieser Thematik gewidmet sind: 10,16-21 und 11,20-34 (wobei natürlich der Kontext zu beachten ist). Beide werde ich anhand einiger Kommentare (Klauck 1984, Schrage 1995, Wolff 1982) untersuchen und das gesamte Thema durch Conzelmann 1967 und Goppelt 1976 eingrenzen.

Der richtige Gastgeber[Bearbeiten]

Einleitung[Bearbeiten]

In diesem Abschnitt behandelt Paulus nicht so sehr das Abendmahl an sich, sondern nimmt es, um es den paganen Ritualen gegenüber zu stellen. Er möchte den Korinthern zeigen, dass ihr Umgang mit den Opferzeremonien in ihrer Umgebung zu sorglos ist. Zwar hat er ihnen in Kapitel 8 versichert, dass der Verzehr von Götzenopferfleisch unbedenklich ist, jedoch kommt es hier nicht mehr nur zum Verzehr sondern zur aktiven Teilnahme an den Ritualen (Klauck 1984, S. 72), was für die korinthischen Gläubigen zu gefährlich ist. Paulus geht davon aus, dass die Opfer, die den Göttern geopfert werden, zwar nicht bei diesen ankommen, da sie ja nicht existieren, er meint jedoch in Vers 20, dass hinter diesen Religionen der Teufel steht und die Opfer so letztendlich den Dämonen gebracht werden. Somit sind sie bei diesen Feierlichkeiten letztendlich die Gastgeber. Und an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen ist für einen Gläubigen nach Paulus´ Meinung völlig unzulässig, da man sich für einen Herren, dem man dienen möchte, entscheiden muss: für Christus oder den Teufel.

Vers 16 - Gemeinschaft durch Leib und Blut[Bearbeiten]

Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? (revELB)

Darstellung des Abendmahls durch Jesus

Bei diesem durch einen parallelismus membrorum formelhaft wirkenden Vers handelt es sich um eine vorpaulinische Gemeindeüberlieferung. Goppelt nimmt sogar an, es handele sich um die älteste Abendmahlsüberlieferung (Goppelt 1976, S. 476). Er beginnt mit einem Genitivus objectivus. Diese Segnung des Kelches kann durch jedes Gemeindemitglied ausgeführt werden, von einer weiteren Qualifikation oder dem Innehaben eines bestimmten Amts als Voraussetzung ist im Neuen Testament nicht die Rede (Schrage 1995, S. 437). Klauck und Wolff nehmen an, dass das Brechen des Brotes und das Segnen des Kelchs aus der jüdischen Passahtradition stammen (Klauck 1984, S. 73; Wolff 1982, S. 52-53).

Auffällig ist, dass Paulus hier die sonst normale Reihenfolge Brot - Wein vertauscht hat. Schrage nimmt an, dass er sich damit von paganen Ritualen abgrenzen wollte, die das Reichen von Brot und Wein ebenfalls kannten, und keinen feste Liturgie der Abendmahlsfeier prägen wollte, sondern vielmehr auf seine inhaltliche Erklärung der Bedeutung des Abendmahls vorbereiten wollte (Schrage 1995, S. 433-434).

Für die Interpretation äußerst relevant ist die Übersetzung der Genitivkonstruktion "die Gemeinschaft des Blutes (bzw. des Leibes) des Christus". Die revidierte Elberfelder übersetzt diese Formulierung genau so und entzieht sich damit einer weiteren Interpretation. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass sie alle Genitivkonstruktionen immer als subjectivus übersetzt und damit dem Leser die Entscheidung überlässt. In diesem Fall hält es die Revidierte Lutherübersetzung ebenso. Die Schlachter übersetzt die Konstruktion „die Gemeinschaft mit dem Blut des Christus“, also als objectivus. Das heißt dann, dass der Gläubige entweder in eine geistliche und somit symbolische oder aber sogar in eine reale Gemeinschaft mit dem Blut, bzw. dem Leib Christi tritt. Die Einheitsübersetzung formuliert: „Teilhabe am Blut Christi“, was ebenso ein objectivus ist. Die Neue Genfer Übersetzung überträgt den Vers etwas freier mit “Bedeutet das nicht, dass wir Anteil an dem haben, was das Blut Christi für uns bewirkt hat?“, was ein Genitivus auctoris ist. Das bedeutet, dass die Gläubigen in eine Gemeinschaft miteinander und mit Christus treten, die Blut und Leib erst hervorgebracht haben. Der zweite Teil der Genitivkonstruktion ist weniger problematisch, da aus dem Überlieferungskontext deutlich wird, dass Blut und Leib allein von Christus sind. Alle Übersetzungen wählen hier den Genitivus subjektivus. Conzelmann schließt auch die katholische Interpretation aus, dass es sich um den realen Leib Christi handele, da seiner Meinung nach sonst das Wort "Fleisch" statt "Leib" benutzt hätte werden müssen (Conzelmann 1967, S. 136).

Klauck und Schrage sprechen sich bei dieser Formulierung wie die Neue Genfer Übersetzung für einen Genitivus auctoris aus, meinen aber, dass der Fokus nicht so sehr auf der Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen sondern v.a. auf der Gemeinschaft mit Gott, bzw. Christus liegt. Dies liegt insofern nahe, als dass der Opfertod Christi genau das bewirken sollte: Eine erneute Gemeinschaft der Menschen mit Gott, da sie nun durch das Opfer keine Schuld mehr tragen, sondern geistlich rein Gemeinschaft mit Gott haben können (Klauck 1984, S. 73, Schrage 1995, S. 439). Schrage meint sogar, dass Christus selbst bei dieser Zeremonie anwesend ist und die Gläubigen nicht nur symbolisch sondern ganz real Anteil am Leid Christi haben (Schrage 1995, S. 438-439). Damit fügt er sich in das katholische Eucharistieverständnis ein. Wolff interpretiert dagegen in protestantischer Tradition, dass die Gläubigen durch dieses Ritual lediglich symbolischen Anteil an der erlösenden Wirkung der Tat haben (Wolff 1982, S. 53).

Außerdem nimmt Klauck an, dass die Formulierung „den wir segnen“ den Auftakt zu ausführlichen Eucharistiegebeten darstellt (Klauck 1984, S. 73). Wolff sieht in der Erwähnung des Blutes einen Hinweis auf den gewaltsamen Tod Christi (Wolff 1982, S. 53), während Goppelt es allgemeiner als das hingegebene Leben an sich deutet (Goppelt 1976, S. 266).

Vers 17 - Einheit[Bearbeiten]

Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die vielen, denn wir alle nehmen teil an einem Brot. (revELB)

Dieser Vers wird allgemein als kleiner Exkurs gesehen, da es sich in diesem Abschnitt, wie oben bereits erläutert, nicht so sehr um die hier betonte Gemeinschaft und Einheit handelt, als vielmehr um eine Warnung vor dem Götzendienst. Somit ist er ein Vorgriff auf die in Kapitel 11 dargestellte Problematik. Die Frage ist hier, ob es sich um eine Einheit mit Christus oder nur eine Einheit unter den Gläubigen handelt und ob diese symbolisch oder real zu verstehen ist. Schrage spricht wieder für die katholische Lehre: reale Einheit mit Christus (Schrage 1995, S. 441), während Wolff erneut die evangelische Position ergreift und meint, die Einheit haben nur die Gläubigen untereinander und sie ist auch nur symbolisch zu verstehen (Wolff 1982, S. 54).

Verse 18 bis 20 - Gemeinschaft durch den Altar[Bearbeiten]

Seht auf Israel nach dem Fleisch! Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar? Was sage ich nun? Dass das einem Götzen Geopferte etwas sei? Oder dass ein Götzenbild etwas sei? Nein, sondern dass das, was sie opfern, sie den Dämonen opfern und nicht Gott. Ich will aber nicht, daß ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen. (revELB)

Die Phrase „nach dem Fleisch“ grenzt das Volk Israel, das biologischer Nachkomme Abrahams ist, von den Christen ab, die oft als „Israel nach dem Geist“ bezeichnet werden (siehe hierzu Röm. 9,6-8). Paulus spielt auf den Opferkult der Juden an, die nach der Opferzeremonie auch teilweise von dem Geopferten essen durften und somit an der durch die Opferung hervorgerufene Gemeinschaft teilhatten. Dort ist Gott selbst die Autorität, mit der die Gemeinschaft ermöglicht wird und die die Gemeinschaft ermöglicht und damit der Gastgeber und Tischherr (Wolff 1982, S. 54-55). So hat man durch die aktive Teilnahme an einem paganen Ritual auch Anteil an der dahinter stehenden Macht. Paulus räumt ein, dass es zwar keine Götzen gibt, warnt aber dennoch vor der Teilnahme, da die Opfer den Dämonen und damit letztendlich dem Teufel dargebracht werden, da dieser hinter jenen Religionen steht. So würde man also durch eine solche kultische Handlung Gemeinschaft mit Dämonen haben. Paulus drückt ganz klar aus, dass er dies für die Korinther nicht wünscht.

Vers 21 - Nur ein Herr[Bearbeiten]

Ihr könnt nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnt nicht am Tisch des Herrn teilnehmen und am Tisch der Dämonen. (revELB)

Die Gabe gesegneten Weins ist, wie oben bereits erwähnt, auch in paganen Ritualen bekannt gewesen. Allerdings war ein rituelles Brotbrechen nicht bekannt, weshalb auch Paulus hier etwas allgemeiner formuliert, um Abendmahl und Götzenkult einander gegenüberstellen zu können (Klauck 1984, S. 74). Paulus benutzt hier statt dessen einen Begriff, der auch „Schaubrottisch“ heißen kann (Schrage 1955, S. 446-447). Er schafft eine kunstvolle Antithese und weist die Korinther darauf hin, dass, wenn sie sich für das Teilnehmen am Tisch Christi entschieden haben, sie nicht am Mahl der Götzen teilhaben können, dessen Gastgeber letztendlich die Dämonen sind (Schrage 1995, S. 447).

Probleme[Bearbeiten]

Einleitung[Bearbeiten]

Nachdem Paulus das Abendmahl bereits in einem anderen Kontext behandelt hat, kommt er in den Versen 11,20-34 auf ein Problem, das die Korinther im Ablauf der Feier haben, zu sprechen. Er rügt sie, dass sie sich nicht dem Anlass entsprechend verhalten. Einerseits haben sie Streit untereinander, wie er drei Verse zuvor meint, und andererseits behandeln die reichen Gemeindemitglieder benachteiligte Geschwister falsch, indem sie ihnen während des Mahls nichts zu essen geben, sondern sie hungern lassen. Dies steht der Botschaft, die das Abendmahl eigentlich transportiert - die Einheit der Gemeinde untereinander und mit Christus - völlig entgegen. Er führt ihnen deshalb noch einmal die Einsetzungsworte Jesu vor Augen, ermahnt sie, künftig mehr aufeinander zu achten und droht ihnen sogar diesseitiges Gericht an, falls sie so fehlerhaft fortfahren.

Vers 20 - Kein Herrenmahl[Bearbeiten]

Wenn ihr nun zusammenkommt, so ist es nicht möglich, das Herrenmahl zu essen. (revElb)

Schon allein aufgrund der vorher beschriebenen Streitigkeiten aber noch viel mehr wegen der im Folgenden beschriebenen Situation können die Korinther, so Paulus, das Abendmahl in seiner Symbolträchtigkeit nicht mehr feiern. Sie können die Einheit des Leibes Christi, wie er die Gemeinde oft bezeichnet, nicht mehr repräsentieren. Dies prangert er in den folgenden Versen an, um zum Schluss aber trotzdem einen Lösungsvorschlag zu präsentieren.

Conzelmann nimmt an, dass die Korinther noch ein weiteres Problem hatten, das hier zwar nicht direkt angesprochen wird, sich aber doch aus dem Kontext ergibt. Im ganzen Brief wird deutlich, dass die Gemeindemitglieder sehr großen Wert auf ihre geistlichen Gaben legen und auch sonst sehr von sich eingenommen sind. Sie meinen, das Abendmahl sei ein weiterer geistlich-mystischer Akt, der jeden Einzelnen (!) Gott näher bringt und ihm das Heil noch mehr garantiert. Somit vernachlässigen sie die Gemeinschaft, da sie diese für das Abendmahl nicht als notwendig erachten (Conzelmann 1967, S. 132).

Verse 21 und 22 - Das Problem[Bearbeiten]

Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken. Habt ihr denn nicht Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämt die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich nicht! (revElb)

Die Gemeindemitglieder in Korinth stammten aus allen Bevölkerungsschichten. Es gab sowohl einige sehr reiche Mitglieder als auch viele arme, die oft Sklaven oder Tagelöhner waren. Die Gemeinde traf sich in einem Privathaus und aß dort wohl auch zusammen, wobei v.a. die Reichen Nahrung mitbrachten. Im Rahmen dieses Mahls wurde dann auch das Abendmahl gefeiert. Die Sklaven und Tagelöhner konnten über ihre Zeit nicht frei verfügen, sondern mussten für ihre Herren Arbeit verrichten, weshalb sie zu den Versammlungen oft erst verspätet hinzustießen. Währenddessen hatten die reichen Mitglieder, die nicht arbeiten mussten und über ihre Zeit frei verfügen konnten, aber bereits angefangen zu essen. So waren sie schon satt und etwas angetrunken, wenn ihre ärmeren Geschwister ankamen, die natürlich noch Hunger hatten, aber nichts mehr oder kaum noch etwas zu Essen ab bekamen. Wenn dann das Abendmahl gefeiert wurde, so konnten zwar alle daran teilnehmen, aber der Unterschied hätte faktisch nicht größer sein können: die einen satt und angetrunken, die anderen hungrig und abgearbeitet (Klauck 1984, S. 81-82). So gerieten die Ärmeren in die Versuchung, die Zeremonie nicht in Gedenken an den Opfertod Jesu zu feiern, sondern sich an Brot und Wein wenigstens etwas zu sättigen. In dieser Athmosphäre ist nicht mehr Gott der Mittelpunkt und Tischherr, sondern die Reichen, die ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und auch noch die Armen in Versuchung führen, das Abendmahl zu ihrer eigenen Sättigung zu missbrauchen (Wolff 1982, S. 80-81).

Dieses Verhalten ist für Paulus äußerst verwerflich. Er kritisiert die Gemeinde dafür aufs Schärfste, gipfelnd in der Aussage "Hierin lobe ich nicht!". Er fordert die Reichen auf, sich zu Hause zu sättigen und den Armen nichts vorzuessen. Dieser Vorschlag ist für ihn aber noch nicht befriedigend, wie später deutlich wird. Auffällig ist, dass er hier die Gemeinde im Kollektiv anspricht und nicht Einzelne zur Verantwortung zieht. Man kann also davon ausgehen, dass es mehrere Führungspersönlichkeiten gab, oder zumindest nicht einen einzigen Gemeindeobersten (Klauck 1984, S. 82).

Verse 23 bis 26 - Der Ursprung[Bearbeiten]

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm und, als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis! Ebenso aber auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr dieses Brot esst und diesen Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. (revElb)

Als Kontrast zu ihrem Verhalten führt Paulus den Korinthern nun den Urpsrung des Abendmahls vor Augen und verweist auf Jesus als den Urheber der Traditionskette. Daraus, dass er die Informationen direkt von ihm erhalten hat, zieht Paulus seine Autorität in diesem Gebiet. Und indirekt spricht er sich selbst von der Schuld am negativen Zustand in Korinth dadurch los, dass er sagt, er habe genau das, was er jetzt noch einmal erzählt, der Gemeinde schon einmal mitgeteilt.

Er beginnt, indem er die Situation näher beschreibt: Er erwähnt Zeit, Ort und die Anwesenden. Damit gibt er dem Geschehen einen realistischen Rahmen und verhindert so, dass es mystifiziert wird (Conzelmann 1967, S. 135). Bei dem Ablauf, den er darauf beschreibt, kann man die Züge eines in jüdischer Sitte stattfindenen Mahls gut erkennen, wo der Gastgeber das Mahl eröffnete, indem er sich aus der liegenden Position aufsetze, ein Brot nahm, Gott dafür dankte und lobte, woraufhin alle mit "Amen" antworteten, es in so viel Stücke zerriss, wie Personen anwesend waren, jedem eins gab und dann begann zu essen. Abgeschlossen wurde es, indem ein Becher Wein gesegnet und an alle weiter gereicht wurde (Klauck 1984, S. 73; Wolff 1982, S. 52-53). Klauck und Wolff sind der Meinung, dass es sich bei den Eigenschaften des Mahls nicht nur um die einer alltäglichen Speiseaufnahme handelt, sondern um die der Feier des Passahfestes. Schrage meint jedoch, dass auch jede normale Mahlzeit so ablief und man sich nicht unbedingt auf die Passahtradition berufen müsse (Schrage 1995, S. 432). Goppelt findet einen Komprmiss, indem er sagt, man könne das Abendmahl zwar auch aus der Sicht des Passahs interpretieren, wodurch die Interpretation eine größere Tiefe erlange, jedoch mache es auch als normale Mahlzeit Sinn (Goppelt 1976, S. 262).

Klauck sieht in den doppelt auftretenden Aufforderungen zum Gedenken an Jesus den Beginn einer Herauslösung des Abendmahls aus dem Rahmen der normalen Mahlzeit. Das Abendmahl bekommt dadurch einen sakraleren Charakter als im Lukasevangelium, wo es nur eine Aufforderung zum Gedenken gibt, und im Markus- und Matthäusevangelium, wo dieser ganz fehlt (Klauck 1984, S. 83). Conzelmann nimmt sogar an, dass diese Herauslösung hier bereits zur Vollendung gekommen ist und die Korinther das Abendmahl erst nach dem Ende des Sättigungsmahls feierten (Conzelmann 1967, S. 131-132). Die Herauslösung aus dem Kontext einer normalen Mahlzeit beobachtet auch Goppelt, allerdings eher in der Gegenüberstellung der palästinischen und hellenistischen Traditionen, also Sättigungs- und Gedenkmahle (Goppelt 1976, S. 269). Letztere Tradition sieht er allerdings zumindest etwas von den hellenistischen Mysterienmahlen beeinflusst (ebd, S. 336), während erstere sich eher als Fortführung des Mahls Christi und seiner Jünger versteht (Conzelmann 1967, S. 133).

Außerdem fühlt Klauck sich durch die Verkündigung des Todes Christi an hellenistische Totenmahle erinnert, wo ebenso Wein gereicht wurde und man sich an den Toten erinnerte (Klauck 1984, S. 83). Jedoch kann man hier nur eine schwache Parallele erkennen, da die christliche Lehre ja davon ausgeht, dass Christus wieder auferstanden ist und man sich während des Abendmahls an die Auswirkungen seines Todes erinnert. In der hellenistischen Tradition gedachte man jedoch des Toten, was Christus ja nicht mehr ist. Goppelt fügt noch hinzu, dass die Durchführung der beiden Zeremonien auch nur oberflächliche Ähnlichkeiten aufweisen (Goppelt 1976, S. 270). Wolff geht davon aus, dass die Verkündigung des Todes durch die Rezitation der Einsetzungsworte oder durch ausführliches Gebet geschah, da die hier im Griechischen benutzten Begriffe auf eine verbale Handlung hindeuten (Wolff 1982, S.9 1-92). Die Formulierung "bis er kommt" deutet die für Paulus typische Naherwartung der Wiederkunft Christi an (ebd), die sich auch im Abschiedsgruß widerspiegelt (Maranatha wird meist mit "unser Herr, komm!" übersetzt) (Goppelt 1976, S. 348-349). Er setzt diese Parusie, die Christus in den Mittelpunkt rückt, dem korinthischen, diesseitig orientierten Individualismus entgegen (Conzelmann 1967, S. 310).

Verse 27 bis 32 - Die Folgen[Bearbeiten]

Wer also unwürdig das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch. Denn wer isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, wenn er den Leib des Herrn nicht richtig beurteilt. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen. Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber vom Herrn gerichtet werden, so werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden. (revElb)

Angesichts der drohenden Gefahr des Gerichts Gottes warnt Paulus die Gemeindemitglieder eindringlich, sich zu prüfen. Nur wenn man wirklich verstanden hat, was es bedeutet durch das, was Christus getan hat, gerettet zu sein und damit Teil der Gemeinde zu sein, sollte man seiner Meinung nach Brot und Wein nehmen. Was genau der Leib des Herrn hier ist, wird in der Forschungsliteratur diskutiert. Einerseits könnte er für den Leib Christi selbst stehen, was gut in den Kontext dieser Verse passte, andererseits aber auch für die Gemeinde. Ersteres hieße dann, dass das falsche Beurteilen bedeutet, den Opfertod Christi nicht zu würdigen, Letzteres, die Geschwister nicht richtig zu behandeln, was besser in den allgemeinen Kontext passen würde.

Die Folgen des falschen Handelns können von Krankheiten bis zum Tod reichen. Klauck schiebt dieses Gerichtshandeln Gottes vor allem darauf, dass die Toten der Gemeinde so schädlich waren, dass Gott sie hat sterben lassen, damit sie keinen Schaden mehr anrichten konnten (Klauck 1984, S. 84). Allerdings sind Krankheit und Tod nicht unbedingt Indizien dafür, dass genau die Kranken und Toten besonders schuldig waren, noch ist Gesundheit ein Beweis für individuelle Unschuld. Vielmehr sind die Krankheiten ein Zeichen für die Krankheit der gesamten Gemeinde und der Tod ein Hinweis auf den drohenden geistlichen Tod (Wolff 1982, S. 95). Es wird also deutlich, dass Paulus nicht mit der Feier an sich oder damit, dass einige Leute betrunken sind, Probleme hat, sondern vielmehr damit, dass nicht alle betrunken sind, d.h. dass einige Gläubige durch ihre Verspätung vom Feiern ausgeschlossen werden und somit keine Einigkeit herrscht.

Es folgen zwei Verse zum Gerichtshandeln Gottes, auf die ich nicht näher eingehen werde, da sie hier nicht zum Thema passen.

Verse 33 und 34 - Die Lösung[Bearbeiten]

Daher, meine Brüder, wenn ihr zusammenkommt, um zu essen, so wartet aufeinander. Wenn jemand hungert, der esse daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das übrige aber will ich anordnen, sobald ich komme. (revElb)

Nachdem Paulus das Problem geschildert und auf die Ursprünge des Abendmahls hingewiesen hat, bringt er nun einen Lösungsvorschlag. Dieser scheint auch durchdachter zu sein als der erste in Vers 22, wo er vorschlug, dass die Reichen sich vorher zu Hause sättigen. Das hätte das Problem der hungrigen Armen aber nicht gelöst. Deshalb fordert er die Reichen auf, auf die Ankunft der Armen zu warten und das mitgebrachte Essen mit ihnen zu teilen, sodass alle satt werden. Und sollte einer der Reichen zuvor zu hungrig zum Warten sein, so soll er bereits zu Hause essen, um dann auf seine ärmeren Geschwister warten zu können. Denn entgegen der Einstellung der Korinther, das Abendmahl bringe irgendeinen übersinnlich-geistlichen Vorteil, ist es eben vor allem die Gemeinschaft, die dadurch ausgedrückt werden soll (Conzelmann 1967, S. 311).

Mit der Anrede „meine Brüder“, die man auch als „meine Geschwister“ übersetzen kann, wodurch die Frauen dann offensichtlicher mit eingeschlossen wären, schlägt Paulus wieder einen versöhnlicheren Ton an und begibt sich sogar auf die selbe Ebene wie die Korinther. Er versucht also, diesen Konflikt friedlich zu lösen, um nicht noch mehr Unfrieden zu provozieren.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Folgend sollen die allgemeinen, von den Problemen der Korinther unabhängigen Aussagen zum Abendmahl aus den beiden Abschnitten kurz zusammengefasst werden.

  • Das Abendmahl ist Ausdruck der Gemeinschaft mit Jesus Christus und mit den gläubigen Geschwistern. Es ist wichtig, dass diese Gemeinschaft auch tatsächlich vorhanden ist und nicht nur durch den Ritus geheuchelt wird.
  • Im Zuge des Abendmahls wird der Tod Christi verkündigt. Darüber, was genau das bedeutet und wie es geschieht, gehen die Forschungsmeinungen auseinander.
  • Hat man sich für diese Gemeinschaft entschieden, so ist es unzulässig, „fremd zu gehen“, indem man an paganen Ritualen teil nimmt.
  • Das Abendmahl scheint ein für Gott sehr wichtiger Ritus zu sein, da das falsche Feiern schlimme Folgen haben kann. Daher ist es gut, die eigene Einstellung vor der Feier zu überprüfen, um ggf. nicht teil zu nehmen.
  • Jesus Christus hat das Abendmahl am Abend vor seinem Tod ins Leben gerufen.
  • Das Abendmahl wurde oft im Kontext eines gemeinsamen Essens gefeiert.

Literatur[Bearbeiten]

Bibelübersetzungen[Bearbeiten]

Zitate sind der Neuen Deutschen Rechtschreibung angeglichen worden.

  • Einheitsübersetzung 1980
  • Die Bibel nach Martin Luther 1984
  • Die Bibel. Elberfelder Übersetzung 1992
  • Das Neue Testament und frühchristliche Schriften 1999 (Hrsg. Klaus Berger, Christiane Nord)
  • Die Gute Nachricht 2000
  • Schlachter Version 2000
  • Neue Genfer Übersetzung 2003 (Teilausgabe des Neuen Testaments)
  • King James Version

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Conzelmann, Hans (1967): Grundriß der Theologie des Neuen Testaments, 5. Auflage 1992, J.B.C. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen.
  • Goppelt, Leonhard (1976): Theologie des Neuen Testaments, 3. Auflage 1991, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
  • Klauck, Hans Josef (1984): 1. Korintherbrief, aus der Reihe: Kommentar zum neuen Testament mit der Einheitsübersetzung, Bd. 7, 4. Auflage 2000, Echter Verlag, Würzburg.
  • Schrage, Wolfgang (1995): Der erste Brief an die Korinther. (1Kor 6,12-11,16), aus der Reihe: Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, Bd. VII/2, Benziger Verlag, Neukirchner Verlag, Düsseldorf.
  • Wolff, Christian (1982): Der erste Brief des Paulus an die Korinther. Zweiter Teil: Auslegung der Kapitel 8-16, aus der Reihe: Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, 3. Auflage 1990, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin.
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