Ywesee

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche
ywesee GmbH
Datei:Logo ywesee GmbH.gif
Rechtsform GmbH
Gründung 2005
Sitz Zürich, Schweiz
Leitung Zeno R.R. Davatz
Mitarbeiter 3
Branche OpenSource Softwareentwicklung
Website ywesee.com
Stand: Januar 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014

ywesee GmbH (gesprochen why we see) ist eine Schweizer Softwarefirma mit Sitz in Zürich, Schweiz. Am 1. August 2000 als Einzelfirma von Zeno R. R. Davatz gegründet, wurde sie im Februar 2005 in eine GmbH umgewandelt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Rechtsstreit mit Documed[Bearbeiten]

ywesee setzt sich seit dem Jahr 2000 für Public Domain Medikamentenstammdaten im Schweizer Gesundheitswesen ein. Dieser Einsatz ist mit mehreren Urteilen an unterschiedlichen Gerichten der Schweiz und durch einen Entscheid der Schweizer Wettbewerbskommission (WEKO) dokumentiert.[2][3] Sämtliche Software von ywesee ist OpenSource. Im Dezember 2003, ein paar Tage vor Weihnachten, wurde ywesee (noch Einzelfirma) mit einer Superprovisorischen Verfügung von Documed konfrontiert.[4] Diese Verfügung wurde im Januar 2004 vom Zivilgericht Basel-Stadt aufgehoben.[5] Per Ende 2004 wurde Documed von der Galenica Gruppe übernommen.[6] Am 11. Februar 2005 reichte Documed die Hauptklage ein.[7]

Die Klage der Documed wurde vom Schweizer Bundesgericht unter anderem auch deshalb abgewiesen, weil es sich bei der Fach- und Patienteninformation um eine amtliche geforderte Information handelt.[8] Amtlich geforderte Sammlungen können in der Schweiz nicht urheberrechtlich geschützt werden.[9] Der Leitentscheid vom Schweizer Bundesgericht vom 13. Februar 2008 und die Verfügung der Schweizer Wettbewerbskommission vom 7. Juli 2008 bildeten die Grundlage für das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVGER) vom 17. Juni 2011.[10][11][12]

Arzneimittelinformations-Publikationsplattform Swissmedic (AIPS)[Bearbeiten]

WTO Ausschreibung[Bearbeiten]

Das Bundesverwaltungsgerichtsurteil vom 17. Juni 2011 resultierte darin, dass Swissmedic die Entwicklung einer eigenen IT-Lösung für ein vollständiges Verzeichnis der Fach- und Patienteninformationen beschloss, die Arzneimittelinformations-Publikationsplattform Swissmedic (AIPS). Aufträge von Schweizer Bundesbehörden, welche den Betrag von CHF 248'000 überschreiten, müssen über eine WTO-Ausschreibung vergeben werden. Die Ausschreibungsunterlagen für die Anforderungen an die Plattform waren sehr umfangreich.[13] Die WTO-Ausschreibung der Swissmedic wurde durch ein Tiefstangebot von der HCI Solutions, einer Tochterunternehmung der Galenica-Gruppe, gewonnen.[14] Das gewonnene Ausschreibungsvolumen für das Erstellen und Betreiben der Plattform beträgt CHF 475.000 über 5 Jahre.[15]

Publikationspflicht[Bearbeiten]

Seit dem 1. Januar 2013 müssen alle Schweizer Pharmafirmen ihre Fach- und Patienteninformationen im AIPS der Swissmedic publizieren.[16][17] Die Publikation der Fach- und Patienteninformation im AIPS der Swissmedic ist für die Pharmafirma kostenlos. Alle im AIPS gesammelten Daten sind Public Domain und können täglich kostenlos als XML heruntergeladen werden.[18] Seit dem 1. Januar 2014 werden die Fachinformationen der Schweizer Pharmafirmen nicht mehr in Papierform publiziert.[19] Die Patienteninformation (Packungsbeilage) wurde in der Schweiz noch nie in einem umfassenden Buch publiziert.

Antwort des Bundesrates vom 15. Februar 2012[Bearbeiten]

Der Schweizer Nationalrat Ignazio Cassis reicht eine Interpellation zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 17. Juni 2011 ein. Der Schweizer Bundesrat antwortet darauf und nennt das Ebook unter anderem "zeitgemäss".[20]

Bedeutung der Urteile und der Publikationspflicht im AIPS[Bearbeiten]

Auf Grund der Bemühungen von ywesee und der gescheiterten Klagen gegen das Unternehmen befinden sich nun alle Fach- (Deutsch und Französisch) und Patienteninformationen (Deutsch, Französisch und Italienisch) der Schweiz im Public Domain und sind kostenlos als XML für jedermann erhältlich. Somit kann heute jeder eine Software mit den AIPS-Daten bauen ohne vorher eine einzige Firma um Erlaubnis fragen zu müssen. Wären die Fach- und Patienteninformationen urheberrechtlich geschützt, könnte man diese Daten nicht kostenlos beziehen.

Stellungnahme der Schweizer Ärztezeitung[Bearbeiten]

Die Schweizerische Ärztezeitung publiziert einen Artikel "35 Jahre Arzneimittel-Kompendium et quo vadis"[21]. Die Replik von ywesee auf den Artikel stellt die Zusammenhänge nochmals anders dar[22].

Zweite Untersuchung der WEKO[Bearbeiten]

Im Dezember 2012 eröffnet die Schweizer Wettbewerbskommission eine weitere Untersuchung gegen die Documed, e-mediat und HCI-Solutions.[23][24]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internet-Auszug Handelsregister des Kantons Zürich. In: zh.powernet.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  2. Publikation von Arzneimittelinformationen: Eröffnung der Verfügung. In: ywesee.com. Abgerufen am 2. März 2014.
  3. Weko beendet Untersuchung gegen Documed AG. In: www.news.admin.ch. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  4. Gesuch um vorsorgliche Verfügung vom 17. Dezember 2003. In: ywesee.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  5. Urteil des Zivilgerichtspräsidiums Basel-Stadt vom 20. Januar 2004. In: ywesee.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  6. Galenica Gruppe übernimmt Documed AG per Ende 2004. In: SHAB. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  7. Klagebegründung Documed vom 11. Februar 2005. In: ywesee.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  8. Art. 13Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche Arzneimittel-Fachinformation. In: Verordnung des Schweizerischen Heilmittelinstituts über die Anforderungen an die Zulassung von Arzneimitteln (AMZV).
  9. Art. 5Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche Nicht geschützte Werke. In: Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (URG).
  10. Schweizer Bundesgerichtsurteil vom 13. Februar 2008, Leitentscheid. In: ywesee.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  11. Verfügung der Schweizer Wettbewerbskommission vom 24. Juli 2008. In: ywesee.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  12. Bundesverwaltungsgerichtsurteil vom 17. Juni 2011, auf Französisch. In: docs.google.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  13. Ausschreibungsunterlagen der Swissmedic zur AIPS Plattform. In: docs.google.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  14. Geschäftsbericht Swissmedic 2012. In: swissmedic.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014., siehe Seite 54
  15. Galenica-Tochter Documed auch mit Dumping-Vorwurf konfrontiert. In: docs.google.com. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  16. AIPS - Arzneimittel-Information Publikationssystem. In: swissmedic.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  17. AIPS Informationsveranstaltung Swissmedic, 22. Januar 2013. In: swissmedic.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  18. XML Download AIPS Swissmedic. In: swissmedic.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  19. NACH BUCHAUSGABE 2013 NUR NOCH AKTUELLE ELEKTRONISCHE PUBLIKATIONEN. In: documed.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  20. Das Ende des Arzneimittelkompendiums?. In: http://www.parlament.ch. Abgerufen am 2. März 2014.
  21. 35 Jahre Arzneimittel-Kompendium et quo vadis. In: ywesee.com. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  22. Zeit zum Umsatteln. In: ywesee.com. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  23. Die WEKO eröffnet eine Untersuchung betreffend die Kommerzialisierung von Medikamenteninformationen. In: news.admin.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  24. Die zweifelhaften Methoden der Galenica-Tochter Documed. In: tagesanzeiger.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  25. Stiftung Refdata, basierend auf den e-mediat Datenbanken. In: refdata.ch. Abgerufen am 26. Januar 2014.
Info Sign.svg Dieser Wikipedia-Artikel wurde, gemäß GFDL, CC-by-sa mit der kompletten History importiert.