Werner Tigges

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Werner Tigges (* 10. Juli 1950 in Paderborn) ist ein deutscher Diplom-Sozialpädagoge und Gestalttherapeut. Er verfasste 2008 ein „Manifest zum menschenwürdigen Altwerden und für Pflege in den eigenen vier Wänden“. In Deutschland ist er zudem durch beratende Tätigkeit bei Film- und Fernsehproduktionen zu Themen wie Alter, Seniorenbetreuung und Pflege bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Tigges wurde in Paderborn geboren und besuchte das neusprachliche Gymnasium in Warstein. Es folgten der Besuch der kaufmännischen Berufsschule in Meschede, eine Berufsausbildung zum Fotokaufmann sowie der Wehrdienst als Aufklärer in Augustdorf. Aufgrund eigener Erfahrungen und seiner biografischen Prägung empfand Tigges schon bald, dass seine Berufung im sozialen und pflegerischen Bereich lag. Daher wandte er sich von seiner bisherigen kaufmännischen Ausrichtung ab und begann 1972 ein Studium der Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule in Paderborn. 1978 und 1982 folgten Fortbildungen zum Medienpädagogen und zum Gestalttherapeuten.

Tigges soziale Tätigkeit begann 1975 als Jugendbildungsreferent für verschiedene Bezirke in Lippstadt. Von 1979 bis 1989 war er als Sozialtherapeut und stellvertretender Leiter einer Rehabilitationseinrichtung für Suchtkranke tätig. Doch blieb sein soziales Engagement nicht auf Suchtkranke begrenzt. Er baute unter anderem eine Obdachloseneinrichtung, ein Arbeitslosenzentrum, eine teilstationäre Einrichtung für schwangere und alleinerziehende Mütter (Mutter-Kind-Haus) auf und befasste sich als Geschäftsführer des Vereins für Wohnung und Kontakte e.V. intensiv mit der Situation verschiedener gesellschaftlicher Randgruppen. Bereits von 1980 an engagierte sich Tigges für eine menschenwürdige Pflege und Unterbringung von pflegebedürftigen Senioren. In seiner Freizeit engagierte er sich für die Grauen Panther und gründete eine Wohnberatungsstelle für Senioren und Behinderte sowie ein Senioreninternetcafé in Paderborn.

Tigges Leidenschaft für Medien und Internet sowie sein intensives Engagement für die Verbesserung der Situation von Hilfebedürftigen in Deutschland führten ihn schließlich dazu, als freiberuflicher Sozialpädagoge eigene berufliche Schwerpunkte zu setzen. So begann er 2002 mit der Entwicklung von Internetdatenbanken im Seniorenbereich und gründete zugleich den Verein „Forum Neues Alter e.V.“. Seine Kenntnisse als Medienpädagoge nutzte er, um die Probleme von Hilfebedürftigen zu dokumentieren. 2005 schließlich gründete Tigges zusammen mit Michael Gomola eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), 2006 wurde er Mitbegründer der polnischen Firmen GKT-Serwis und CareWork, die sich für die legale und abgesicherte Vermittlung von Betreuungskräften aus Osteuropa einsetzen.

Neben seinem privaten und beruflichen Engagement ist Tigges zudem als Berater tätig. So war er von 1998 bis 2001 Mitglied im Vorstand der Wohnberatungsstellen im Sozialministerium Düsseldorf. Seit 2010 ist Tigges Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund, seit 2011 Mitglied im Verwaltungsrat der Barmer GEK. Auch an zahlreichen Film- und Rundfunkproduktionen, die sich mit der Pflegeproblematik in Deutschland befassen, wirkte Tigges als Vertreter der GKT-Serwis beratend oder als Gesprächsteilnehmer mit. So unter anderem an der Reportage „Heute ist gestern und morgen“, die in einer Koproduktion von Arte, WDR und der Gaßner Filmproduktion entstand und 2011 für den Deutschen Fernsehpreis nominiert wurde.[1] Die Reportage berichtet über Bogumila Kolpowska, eine polnische Pflegerin aus Posen, die vom GKT-Serwis vermittelt wurde.

Als Berater und Firmengründer ist Tigges seit 2006 vor allem in Diskussionen um einen in Deutschland vorherrschenden Pflegenotstand aktiv. Tigges setzt sich für ein menschenwürdiges Altern und die Bevorzugung häuslicher Pflege gegenüber der Heimunterbringung ein. Damit dies für alle Bevölkerungsgruppen möglich und bezahlbar wird, wirbt der GKT-Serwis – wie andere Agenturen auch – Betreuungskräfte aus Osteuropa an, die über die Agentur sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden. Tigges fokussiert thematisch also nicht allein eine bessere Versorgung alter, pflegebedürftiger Menschen. Er prangert auch den Missstand an, dass ein Großteil der Betreuungskräfte in Deutschland in illegale Beschäftigungsverhältnisse gezwungen wird. In seinem Pflegemanifest von 2008 beziffert Tigges die Zahl der illegal Beschäftigten auf rund 150.000 Personen und fordert die Umwandlung in reguläre Arbeitsverhältnisse. Auch die konsequente Umsetzung der „Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen“ (Pflege-Charta) gehört zu Tigges zentralen Anliegen. Damit die Qualität der Pflege und die Beschäftigung osteuropäischer Betreuungskräfte kontrollierbaren Bedingungen unterliegen, gründete die GKT-Serwis gemeinsam mit anderen Agenturen den "Bundesverband der Vermittlungsagenturen für Haushaltshilfe und Seniorenbetreuung in der 24-Stunden-Betreuung" (BSHB), dessen erster Vorsitzender Tigges ist.

2010 fasste Tigges seine Erfahrungen mit der 24-Stunden-Betreuung und die Ergebnisse zahlreicher Debatten und Diskussion in dem Buch „Pflege – Wohin?“ zusammen.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

  • 37 Grad: „Ein Engel für Opa.“ ZDF, Sendung „37 Grad“. 2008
  • WDR: Reportage: Hier und Heute. Altenhilfe auf Polnisch, 2008
  • ARD Exclusiv: „Pflegerin mit Herz.“, 2009
  • ARTE: „Heute ist gestern und morgen.“, 2011
  • Dokumentarfilm: "Family Business", 2016, Fachberatung [2]

Rundfunk[Bearbeiten]

  • 24 Stundenpflege aus Polen.“ WDR 4: Thema: Haushalthilfen und 24 Stundenpflege aus Polen, 2007
  • Polnische Haushaltshilfen“: Reportage im Deutschlandfunk, 2007
  • Beitrag zur Aufklärung“: Talkrunde im Deutschlandfunk. Radiointerview, 2007
  • Schwerpunkt: Wanderungsbewegung im erweiterten Europa“ WDR 5: Leonardo – Migrationsforschung, 2009.

Werke[Bearbeiten]

  • Wenn Pflege unbezahlbar wird.“ Deutscher Hausfrauen-Bund e.V. Magazin, Juli/ August 2006
  • Altenheim oder Pflege zu Hause - wohin im Alter?“ In: Hamburger Abendblatt. 19. Februar 2007
  • Polinnen helfen rund um die Uhr.“ In: Rheinische Post. 1. September 2007
  • Lohnt eine ausländische Pflegekraft für die Eltern?“ In: Rente & Co, Sonderausgabe, Lenz-Verlag 6/2008
  • Initiative Pflegemanifest. Pflege-Schwarzarbeit beseitigen“. In: Carekonkret. Die Wochenzeitung für Entscheider in der Pflege. 28. Januar 2011
  • Werner Tigges, Gabriele Diewald und Dr. Gisela Strebenitzer: „Pflege – Wohin?“. BoD 2010, ISBN 9783839164440
  • Werner Tigges, Michael Gomola: „Schamhaft verschwiegene Wahrheiten in der Altenpflege: Was man über das Altern wissen sollte - und meist gar nicht wissen will“. BOD 2013, ISBN 978-3848258864

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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