Walter Gürtler

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Walter Gürtler, auch Walthari Gürtler (* 25. Juli 1931 in Allschwil; † 30. August 2012 in Mülhausen, Frankreich), war ein Schweizer Bildhauer.

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Leben[Bearbeiten]

Walter Gürtler wurde als drittes und jüngstes Kind des Gemeindeförsters Josef Gürtler und dessen Frau Marie Gürtler-Valentin in Allschwil geborenm wo er auch heimatberechtigt war und von 1938 bis 1946 die Primar- und Sekundarschule besuchte, in der Jugendriege turnte und als Messdiener tätig war. Nach der Steinmetzlehre beim Baseler Steinmetz Alvin Seifried absolvierte er die Ausbildung zum Steinbildhauer bei Jakob Weder in Riehen. Parallel besuchte er 17 Semester an der Kunstgewerbeschule Basel (heute Hochschule für Gestaltung und Kunst) Kurse in Schrift, Gestalten, Aktzeichnen und Aktmodellieren. Am 30. April 1952 erlangte er das Fähigkeitszeugnis zum Steinbildhauer. Danach absolvierte er als Grenadier die Rekrutenschule in Losone. An seine Ausbildung schlossen sich ein Wanderjahr durch Italien, Frankreich, Griechenland, Spanien, Holland und Deutschland an. Von 1954 bis 1955 arbeitete er als Messe-Boy auf den Hochseeschiffen Basilea und Carona im Pendelverkehr von Europa nach Süd-, Mittel- und Nordamerika, sowie Haiti.

 
Die ehemalige Synagoge in Hégenheim, die Gürtler ab 1961 als Atelier und Lebensraum diente

Von 1955 bis 1960 wohnte und arbeitete Gürtler als freischaffender Künstler im Elternhaus in Allschwil. 1960 zog er dann in die dortige Hammerstrasse und gleichzeitig sein Atelier an der Mühlheimerstrasse in Kleinbasel. 1958 präsentierte er im Rahmen der Ausstellung «Plastik im Freien» in Biel seine Eichenskulptur «Die Ackerdistel / Grosse Sonne» aus. Am 27. Oktober 1961 erwarb er die profanierte Synagoge in Hégenheim, die ihm seither als Atelier und Lebensraum diente.[1] Von 1963 bis 1968 gehörte er der Künstlervereinigung «Gruppe 33» in Basel an und nahm an den Weihnachtsausstellungen in der Kunsthalle Basel teil.[2] 1964 fertigte er für die Baseler Tituskirche als Kunst-am-Bau-Arbeiten die Backsteinreliefs Kreuzkelch und Kornähre sowie den Taufstein. 1965 erhielt er ein Kunststipendium der Stadt Basel und 1966 einen Preis des Lions Clubs Basel. Mit dem Preisgeld realisierte er 1967 das grosse Atelierfenster an der Ostfassade der ehemaligen Hégenheimer Synagoge. Bekannt ist, dass er bis 2007 Anhänger des Paramahansa Yogananda und Sathya Sai Baba war. So nahm er 1970 beim Internationalen Bildhauersymposion Mauthausen mit seiner Monumentalplastik «Paramahansa Yogananda» aus Perger Granit teil. Gürtler, der sehr zunehmend naturverbundener und spiritueller lebte, war aktiver Gegner von Atomkraft und Kapitalismus sowie praktizierender Tauschhändler und Selbstversorger. Er war Mitglied der SRF-Meditationsgruppe in Basel und lud selbst zu Meditationskursen in die ehemalige Synagoge Hégenheim ein.

Nach Beginn mit kubistisch beeinflussten, statisch wirkenden Figuren entwickelt Gürtler bis Mitte der 1950er-Jahre eine vertikal ausgerichtete abstrakte Darstellungsweise in Anlehnung an Jean-Paul Laurens, Hans Arp, Constantin Brâncuși und an primitive Kunstformen. Er fertigte in der ehemaligen Synagoge in Hégenheim über 1'000 Holz-, Stein- und Eisenreliefs und -skulpturen, viele für den öffentlichen Raum und Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten, zudem mehr als 500 Zeichnungen und Skizzen. Bis 2011 nahm er an insgesamt 34 Ausstellungen in der Schweiz und in Frankreich teil. Skulpturen von ihm befinden sich in Europa, den Vereinigten Staaten und in Indien.

Gürtler starb nach kurzer Krankheit im Spital in Mülhausen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Léa Rogg: La Synagogue ou la Schule de Hégenheim. Le judaïsme d'Alsace et de Lorraine (ASIJA); abgerufen am 29. November 2016.
  2. Gruppe 33. Band 6 der Editions Galerie "Zem Specht", Basel 1983, S. 274 f. ISBN 978-3-856-96006-3
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