Württembergisches Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 120

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Württembergisches Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 120
Aktiv 1914–1919
Land Königreich Württemberg Königreich Württemberg
Streitkräfte Deutsches Heer (Deutsches Kaiserreich)
Teilstreitkraft Heer
Truppengattung Infanterie
Typ Infanterie-Regiment
Grobgliederung Siehe Gliederung
Stationierungsort Siehe Garnisonen
Leitung
Kommandeure Siehe Liste der Kommandeure

Das Württembergische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 120 war von 1914 bis 1919 ein Regiment des württembergischen Heeres.

Geschichte[Bearbeiten]

Entsprechend dem Mobilmachungsplan wurden die Bataillone des Regiments am 2. August 1914 in Stuttgart, Leonberg und Esslingen am Neckar aufgestellt. Nach Abschluss der Mobilmachung rückte es am 10. und 11. August 1914 per Bahn an die Westfront aus.[1]

Garnisonen[Bearbeiten]

Als Kriegsformation hatte das Regiment keine Friedensgarnison. Das Ersatzbataillon war zunächst in Stuttgart[2] stationiert. Gegen Ende des Krieges wurde es nach Esslingen am Neckar[3] verlegt.

Teilnahme an Gefechten und Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Appell am 20. Dezember 1916 in Menin.

Im Ersten Weltkrieg wurde das Regiment überwiegend an der West- und kurzzeitig auch an der Ostfront eingesetzt:[4]

Ab 10. August 1914 marschierte das Regiment in den Vogesen auf. Bei Grendelbruch wurde es am 18. August 1914 in ein erstes Gefecht verwickelt. Es fielen acht Soldaten, 47 wurden verwundet. Nach der Einnahme von La Boisselle blieb es dort bis Anfang März 1915 in Stellung. Daran schloss sich bis Juli 1915 eine Verwendung als Heeresreserve in Nordfrankreich.

Mitte des Jahres 1915 wurden zur Verstärkung der russischen Front Truppenteile aus dem Westen nach Osten verlegt. Mit Marschbefehl vom 20. Juli 1915 verlegte auch das Reserveregiment an den Narew im Raum Białystok im heutigen Polen. Bis Mitte Oktober 1915 rückte es über Kowno an der Memel und Wilna bis an den Narotsch-See vor.[5]

Die Rückverlegung an die Westfront erfolgte vom 18. bis 22. Oktober 1915. Im Raum Saarburg und Avricourt verbleib das Regiment bis Anfang März 1916.

Von 7. März bis Anfang April 1916 fand es Verwendung vor Verdun. Nach Stellungskämpfen bei Reims wurde es Mitte September 1916 an die Somme verlegt, wo es sich bis Mitte Dezember 1916 wieder im Stellungskampf befand. Mit dem Ausscheiden aus dem Verband der 58. (Sächs.) Infanterie-Division verlegte das Regiment Mitte Dezember 1916 zur 204. (Württ.) Infanterie-Division an den Wytschaetebogen in Flandern. Dort kämpfte es über ein Jahr bis Ende Februar 1918.[6]

Eine längere Ruhephase verbrachte es Mitte Juni bis Mitte August 1917 im Oberelsass.

Bis Anfang Juni 1918 wurde das Regiment bei Lille, Douai und westlich der Somme eingesetzt.[7] Daran anschließend befand es sich bis Ende August 1918 überwiegend im Stellungskampf zwischen der Somme und der Oise in Nordfrankreich. Aufgrund schwerer Verluste wurden die Bataillone in nur noch drei Kompanie untergliedert. Am 1. September 1918 wurde die abgekämpfte Truppe per Bahn nach Lothringen verlegt. Dort kam die Einheit zur Ruhe und wurde mit aufgelösten Truppenteilen der 54. (Württ.) Reserve-Division aufgefrischt. Das bisherige III. Bataillon des Württ. Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 248 kam als II. Bataillon zum Reserveregiment. Mit Rücksicht auf die geringe Stärke dieses neuen II. Bataillons blieb jedoch die bisherige 5. Kompanie als solche bestehen. Die bisherige 6. und 7. Kompanie traten zum I. und III. Bataillon, eine 6., 7. und 8. Kompanie wurde samt Stab aus dem III./478 gebildet. Teile einer aufgelösten Minen-Werfer-Kompanie verstärkten die Truppe zusätzlich. Im Raum Cambrai und an der Sambre war es bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918 in heftige Abwehrkämpfe verwickelt. So zählte das Regiment am Abend des 18. Oktober 1918 nur noch etwa 300 Mann.

Am 12. November 1918 begab sich das Regiment auf den Rückmarsch in die Heimat. Innerhalb des Regiments lockerte sich merklich die Disziplin, und so kam es Mitte Dezember 1918, insbesondere beim II. Bataillon, zu Unruhen.[8] Nachdem sich die Situation langsam wieder entspannt hatte, zog das Regiment am 23. Dezember 1918 in Esslingen am Neckar ein.

Am 10. Januar 1919 war die Demobilisierung abgeschlossen, und das Regiment wurde aufgelöst.

Rund 20.000 Personen gehörten dem Regiment in den viereinhalb Jahren seines Bestehens an. Davon sind rund 2.700 Soldaten gefallen, und 7.600 wurden verwundet.[9]

Organisation[Bearbeiten]

Verbandszugehörigkeit[Bearbeiten]

Mit Kriegsbeginn bildete das Regiment zusammen mit seinem Schwesterregiment Nr. 119 die 52. (Württ.) Reserve-Infanterie-Brigade und war der 26. (Württ.) Reserve-Division unterstellt.

Am 9. März 1915 erfolgte ein Unterstellungswechsel zur 116. (Sächs.) Infanterie-Brigade der neugebildeten 58. (Säch.) Infanterie-Division.

Nach fast 22 Monaten Zugehörigkeit zur sächsischen Division, wechselte das württembergische Regiment am 16. Dezember 1916 zur 204. (Württ.) Infanterie-Division. Dort verblieb es bis Kriegsende.[10]

Gliederung[Bearbeiten]

1914 war das Regiment in drei Bataillone à vier Kompanien gegliedert.

Im Juli 1916 wurde die bis dahin einzige Maschinen-Gewehr-Kompanie auf drei Kompanien erweitert, so dass jedes Bataillon über eine eigen MG- Kompanie verfügte.

Im selben Monat wurde aus entsprechend zivilberuflich qualifizierten Männern eine Infanterie-Pionier-Kompanie gebildet. [11]

Ab Herbst 1916 stellte jedes Bataillon einen eigenen Minen-Werfer-Zug auf. [12] 1918 wurden diese zu einer Kompanie zusammengefasst.

Gliederung im August 1914[13]

  • Regimentsstab
  • I./R. 120 mit 1. bis 4. Kompanie
  • II./R. 120 mit 5. bis 8. Kompanie
  • III./ R. 120 mit 9. bis 12. Kompanie

Kommandeure[Bearbeiten]

Nr. Name Beginn der Berufung
1. Oberstleutnant Neumann 2. August 1914
2. Oberst Ferdinand Ludwig Fromm[A 1] 27. Dezember 1914[14]
3. Oberstleutnant Eduard Fleischmann 1. Februar 1918

Siehe auch[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Berger: Die 204. (S.W.) Infanterie-Division im Weltkrieg 1914-18 (= Württembergs Heer im Weltkrieg, Heft 8), Berger's Literar. Büro und Verlagsanstalt, Stuttgart 1922
  • Ferdinand Fromm: Das Württembergische Reserve.-Infanterie-Regiment Nr. 120 im Weltkrieg 1914–1918 (Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914–1918, Band 4), Chr. Belsersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1920
  • Fritz von Graevenitz: Die Entwicklung des württembergischen Heerwesens, insbesondere im Rahmen des deutschen Reichsheeres. Die deutsche Oberste Führung im Weltkrieg in ihrer Bedeutung für die württembergischen Streitkräfte (= Württembergs Heer im Weltkrieg, Heft 1/2), Berger's Literar. Büro und Verlagsanstalt, Stuttgart 1921
  • Otto von Moser: Die Württemberger im Weltkriege, Chr. Belsersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1927

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Fromm, S. 1.
  2. Siehe Moser, S. 161.
  3. Siehe Fromm, S. 145.
  4. Siehe Fromm, S. 152ff.
  5. Siehe Moser, S. 352f.
  6. Siehe Moser, S. 546f. und 573f.
  7. Siehe Moser 672ff. und 686ff.
  8. Siehe Fromm, S. 143ff.
  9. Siehe Fromm, S. 145.
  10. Siehe von Graevenitz, S. 120.
  11. Siehe Fromm, S. 67.
  12. Siehe Fromm, S. 76.
  13. Siehe Moser, S. 114.
  14. Siehe Fromm, S. 11.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Am 1. Februar 1918 zum Kommandeur des Württ. Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 126 ernannt und löste dort seinen Nachfolger Oberstleutnant Eduard Fleischmann ab.
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