Turnierrüstung Gustav II.Vasa

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Turnierrüstung für Ross und Reiter Gustav II. Adolf von Schweden

Die Turnierrüstung Gustav II.Vasa, ist eine schwedische Rüstung, die von holländischen Plattner und Schwertfeger Charles Dartené um 1620 als Turnierrüstung für Gustav II. Adolf (* 19. Dezember 1594 in Stockholm; † 16. November 1632 bei Lützen) , König von Schweden, genannt "Der Löwe des Nordens", gefertigt, der höchstwahrscheinlich auch die Vergoldete Rüstung Charles I. von England fertigte.

Die zur Rüstung gehörende Prunkschabracke wurde von dem Knopfmacher Hindrich Eggertz und dem Perlensticker Carl Plageman gefertigt[1], [2], [3].

Die Rüstung wurde wohl für die Hochzeit Gusatv II. Adolf mit Maria Eleonora von Brandenburg (* 11. November 1599 in Königsberg; † 28. März 1655 in Stockholm) am 25. November 1620 bestellt[4].

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung des Reiters

Die Rüstung besteht aus einer Turnierrüstung für den Reiter, sowie einer Prunkschabracke für das Pferd. Die Rüstung des Reiters besteht aus einem Visierhelm, einem Ringkragen, Brust- und Rückenpanzer, kompletten Armzeugen, Bauch- und Gesäßreifen, sowie ganten Beinzeugen. Zusätzlich gehört ein Rock zur Rüstung, der in der gleichen Art und Dekoration wie die Schabracke gearbeitet ist.

Der Helm ist mit einem zweiteiligen Visier versehen, das aus Ober- und Unterteil besteht. Beide sind nach oben aufklappbar wobei das obere Visier mit den Augenschlitzen, sowie den Luftgeben versehen ist. Die Luftgeben sind als runde Löcher auf jeder Seite des Visiers angelegt, je etwa 30 Stück pro Seite. Auf der rechten Helmseite sind die hakenförmigen Riegel zum Verschluß des Helmes, sowie eine Vorrichtung zum Öffnen und Schließen des Visiers mit behandschuhten Händen angebracht, die zum Teil mit einem Federmechanismus zum Öffnen und Verriegeln ausgestattet sind. Die Helmkalotte selbst ist zweiteilig und kann zum An- oder Ablegen aufgeklappt werden. Der Verschluß erfolgt ebenfalls mit den abgerundeten Haken. Der Helmkamm ist schmal gearbeitet und einige Zentimeter hoch. An der Rückseite des Helmes ist eine durchbrochen verzierte Federhülse zur Befestigung eines Helmbusches angebracht.

Der Brustpanzer ist mit einem starken Mittelgrat versehen und ansonsten glatt gearbeitet. Der untere Rand ist nach vorn ausgewölbt und mit vier Bolzen zum Anhängen der Tassetten versehen. Am oberen Brustvereich sind je rechts und links ein Verriegelungshaken angebracht. Die Befestigung mit dem Rückenpanzer geschieht mit Lederbändern und Schnallen, die im Schulterbereich und nahe an der Hüfte positioniert sind. An den Arm- und Kopfausschnitten sind Bänder zur Abstumpfung der Bleche aufgearbeitet bzw. der Rand umgeschlagen. Beide Panzerstücke sind ohne Verzierungen gearbeitet. Die Bauchreifen bestehen aus acht geschobenen Reifen, die mit Nieten verbunden sind. Am oberen Rand sind Löcher ausgearbeitet, die zum anhängen am Brustpanzer dienen und mit Haken verriegelt werden können.

Die Armzeuge sind an den Schulterpanzern (Achseln) fünffach geschoben und am Außenrand mit Nieten verziert. Die Geschübe sind durch Nieten miteinander beweglich verbunden. Die Oberarmröhren sind ebenfalls fünfach geschoben und durch ein Drehscharnier mit den Ellbogenpanzern, die mit kleinen Ellbogenkacheln ausgestattet sind verbunden. Die Ellbogenpanzer sind ebenfalls dreifach geschoben und mit den Unterarmröhren verbunden.

Die Panzerhandschuhe bestehen aus Hentzen, die mit Stulpen ausgestattet sind. Der Daumen ist einzeln ausgearbeitet und beweglich mit der Hentze verbunden. Der Bereich der Finger besteht aus zwei Panzerplatten, die geschoben sind. Kurz über dem Daumenpanzer ist ein abgekantetes Blech angebracht das im nach außen zeigenden Bereich über dem Daumen liegt. Es sorgt dafür, das bei getragener Hentze der Daumen nicht weiter nach oben bewegt werden kann, zum Beispiel durch einen Schlag gegen den Daumen und somit der Daumen nicht brechen kann.

Die Tassetten sind lang gearbeitet und reichen bis unterhalb des Knies. Sie bestehen aus achtzehn Geschüben und dem Kniepanzer.

Die Beinzeuge bestehen auf aufgrund der langen Tassetten aus den Unterschenkelröhren die mit den Eisenschuhen verbunden sind. Die Unterschenkelröhren sind zweiteilig und konnen zum leichteren Anziehen aufgeklappt werde. Der geamte Fußbereich ist bis auf den Zehenpanzer achtzehnfach geschoben. Der Zehenpanzer besteht aus einem zwei Teilen, einem oberen- und einem unteren Panzer, die durch Nieten verbunden sind. Hinten an den Fersen sind drehbare Sporen befestigt. Die gesamte Rüstung wurde nach der Fertigstellung vergoldet[5].


Die Prunkschabracke

Die Prunkschabracke und der Rock des Reiters sind aus Samt gefertigt, wobei die Dekorationsstickereien aus Gold-, Seiden- und Silberfäden bestehen.

Sie besteht aus einem Halsstück, einem Bruststück, zwei Seitenstücken, einem Stück für die Kruppe sowie einer einzelnen Unterlage für den Sattel. Fedes Teilstück ist mit unterschiedlichen Stickereien als Motiven verziert.

Der Rock ist in Kreisform gearbeitet und mit einem Einschnitt zum Anziehen versehen. Die gestickten Motive bestehen aus Abbildungen von Blumen, Blüten und Gräsern, die sich zu ganzen Pflanzen verbinden. Dazwischen sind balken- und halbkreisförmige geometrische Muster dargestellt. Am Rand ist, wie bei allen Teilen eine goldene Bordüre angebracht, die eine Abgrenzung zur Außendekoration bildet, die aus fünfzehn einzeln voneinander getrennten, am Vorderbereich abgerundeten Flächen besteht, auf denen ebenfalls Pflanzen und Blätter abgebildet sind, jedoch in anderer Formgebung als die Pflanzen am Rock.

Das Stück für den Halsbereich besteht aus zwei Einzelteilen, die miteinander verschnürt werden können. Es zeigt wieder im Hintergrund die Blumen- und Pflanzendarstellungen wie auch auf den anderen Teilstücken. Das Hauptmotiv bildet auf diesem Stück die Abbildung zweier Wappen, die aus einem Wappenschild in roter Farbe bestehen und auf der Schildfläche der rechten Seite einen auf den Hinterbeinen stehenden Löwen zeigt, auf der linken Seite aber einen Reichsapfel, der mit einem Kreuz auf der Oberseite versehen ist. An den Seiten wird das Wappen ebenfalls durch zwei stehende Löwen begrenzt und über dem Schild ist eine große Krone eingearbeitet. Das Stück für den Halsbereich deckt ebenfalls einen Teil des Pferdekopfes ab und ist mit zwei Ausschnitten für die Ohren versehen.

Das Bruststück ist mit unterschiedlichen Darstellungen versehen. Es zeigt Ranken und Blüten und Blätter, sowie auf beiden Seiten rechts aussen ein geflügeltes Fabeltier. Zur Mitte am unteren Rand hin sind rechts und links des in der Mitte sitzenden Wappens eine Figur dargestellt, die eine Mischung aus Drachen und einem gekrönten Löwen zeigt. Der Schwanz der Figuren läuft in Blütenform aus und auf dem Rücken ist ein weiteres Blatt angebracht. An den Seiten der Figür ist wiederum ein großes Blatt angebracht, das Flügel oder Flossen darstellt. Das Wappen in der unteren Mitte besteht aus einem Schild das in dreigeteilt ist und die Farben blau, schwarz und gelb zeigt. Auf den Farben ist eine Art Getreidegebinde angebracht, aus dem an beiden Seiten Federn herauszuragen scheinen. Über dem Wappenschild ist eine Krone eingearbeitet. An den Außenseiten, durch die Borte abgetrennt sind schildförmige, kleine voneinander getrennte Abschnitte angebracht, die alle das gleiche Motiv einer Pflanze zeigen. Am unteren Rand sind die einzelnen Abschnitte nach außen abgerundet und mit der Darstellung der gleichen Pflanze oder Blüte dargestellt wie am Außenrand aller anderen Teilstücke.

Die beiden Seitenstücke zeigen gleiche Dekorationsmotive. Als Abbildungen bestehen dort aus Ranken und Pflanzen sowie Blättern, die runde Blüten formen. Unterhalb der an der unteren Aussenseite liegenden Goldbordüre sind ebenfalls wieder die abgerundeten, voneinander getrennten Stücke mit dem gleichen Pflanzendekor angebracht.

Das Teil für den Krupper zeigt ebenfalls das wiederkehrende Ranken- und Pflanzenmuster sowie eine als Zentralobjekt dienende Darstellung des schwedischen Wappens. Das Wappen besteht aus einem Wappenschild, dessen Schildfläche in Blau gehalten ist und drei Kronen zeigt. An den Seiten wird das Wappern von stehenden Löwen begrenzt, sowie einer über dem Wappenschild angebrachten Krone.

Die Rüstung und die Prunkschabracke sind gut erhalten und werden heute in den Livrüstkammaren in Stockholm/Schweden aufbewahrt[6], [7].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bilder der Arbeiten Eggertz an der Schabracke auf den Websites der Livrüstkammaren, Stockholm, (deut., engl., eingesehen am 18. März 2015)
  2. Bilder der Arbeiten Plagemans auf den Websites der Livrüstkammaren, Stockholm, (deut., engl., eingesehen am 18. März 2015)
  3. Die Rüstung auf den Websites der Livrüstkammaren, Stockholm, (deut., engl., eingesehen am 18. März 2015)
  4. Grieben-Verlag, Schweden, Ausgabe 16, Grieben-Verlag, 1930, Seite 186
  5. Die Rüstung auf den Websites der Livrüstkammaren, Stockholm, (deut., engl., eingesehen am 18. März 2015)
  6. Die Rüstung auf den Websites der Livrüstkammaren, Stockholm, (deut., engl., eingesehen am 18. März 2015)
  7. Die Prunkschabracke auf den Websites der Livrüstkammaren, Stockholm, (deut., engl., eingesehen am 18. März 2015)

Literatur[Bearbeiten]

  • Ann Grönhammar, Sofia Nestor, Livrustkammaren (Sweden): The Royal Armoury in the cellar vaults of the Royal Palace. Verlag Livrustkammaren, 2007, S. 60–62 (engl.).

Weblinks[Bearbeiten]

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