Turnierharnisch Christian I. von Sachsen

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Christian I. von Sachsen. Kupferstich von Margaret[a] Rastrumin (Maler); Johann Dürr (Stecher, tätig um 1640 bis um 1680).

Der Turnierharnisch Christian I. von Sachsen ist eine Rüstungsgarnitur für das „Welsche-“ oder auch „neue deutsche Gestech“, bestehend aus Harnisch mit Verstärkungs- oder Wechselteilen und einer halben Rossstirn. Die Rüstung wurde im Jahre 1588 von dem Plattner Anton Pfeffenhauser (* 1525 Augsburg; † 1603 Augsburg) für den Kurfürsten Christian I. von Sachsen (* 29. Oktober 1560 in Dresden; † 25. September 1591 ebenda), hergestellt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung für den Reiter besteht aus einem geschlossenen Helm aufschlächtigem Visier. Er ist mit einem mittelhohen Helmgrat versehen sowie einer Luftgebe, die aus einer durchbrochenen Klappe besteht. Die Durchbrüche sind linienfähig und in einer Kreis- und innerhalb des Kreises sternförmigen Anornung eingearbeitet. Das Visier kann mit einem Seil, das auf der rechten Visierseite angebracht ist auch mit einer behandschuhten Hand geöffnet werden. Das Visier ist leicht erhöht und so gestaltet, das ein Ausblick daraus nur bei leicht gesenktem Kopf möglich ist. Der Brustpanzer ist in Art einer Tapulbrust gestaltet und besitzt einen Bauchreifen.

Die Schulterpanzer sind siebenfach geschoben und mit Hinterpflügen versehen. Am rechten Schulterpanzer ist ein Brechrand angebracht. Am Armzeug sind am Ellebogen ganze Muscheln angebracht, die Unterarme bestehen aus geschlossenen Röhren. Die Panzerhandschuhe sind geschoben und mit Fingern ausgestattet. Die Tassetten sind siebenfach geschoben, die Kniekacheln viermal, wobei die Beinröhren geschlossen sind. Die Panzerstiefel der Rüstung sind im gesamten Fußbereich geschoben gestaltet.

Das Armzeug auf der linken Rüstungsseite ist durch Wechselteile verstärkt. Am Brustpanzer ist eine große (Stechtartsche) angeschraubt und im Ellbogenbereich mit einer vergrößerten und verstärkten Ellbogenkachel („Stechmäusel“, franz. „Gard de bras“) versehen.

Das Dekor der Rüstung besteht aus Blumen-, Ranken- und Blattornamenten die geätzt und vergoldet wurden. Die einzelnen Rüstungsteile sind mit einem Ornamentband versehen, das auch mittig vertikal über die Mitte des Brustharnischs verläuft und die anderen Rüstungsteile an den Außenrändern begrenzt. Im Inneren der Bänder sind ebenfalls Blumen- und Blattmotive eingearbeitet, die durch eine schwarze Außenlinie eingefasst werden. Auf der Stechtartsche ist eine Abbildung der Jungfrau Maria mit einem Siegeskranz in der Hand angebracht, geätzt und ebenfalls vergoldet. Das gleiche Motiv wiederholt sich auf dem Wappenschild, das auf der Stirn der zur Rüstung gehörenden halben Rossstirn angebracht ist.

Die Rüstung hat ohne die Wechselteile ein Gewicht von 33,184 kg. Sie wird heute in der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aufbewahrt.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jutta Bäumel: Dresdner Rüstkammer, Historisches Museum: Meisterwerke aus vier Jahrhunderten. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 1992, ISBN 978-3-363-00573-8, S. 93.
  • Antje Scherner: In fürstlichem Glanz: der Dresdner Hof um 1600. Electa, 2014, ISBN 978-88-370-2722-3, S. 118.

Einzelnachweise[Bearbeiten]


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