Trypophobie

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Lochmuster in der Frucht einer Lotosblume

Als Trypophobie (griechisch τρύπα (trýpa) „Loch“ und φόβος (phóbos) „Furcht“) wird ein Angst- oder Ekelgefühl beim Betrachten von Objekten bezeichnet, die mit einem unregelmäßigen Muster von Löchern übersät sind.[1] Das Phänomen und dessen Bezeichnung wurden 2005 im Internet geprägt.[2][3] Durch das Verbreiten von Videos und Fotomontagen in Online-Communities und sozialen Netzwerken wurden Massenmedien darauf aufmerksam.[4][5] Nach Angaben in den Onlineforen und Webseiten löse die Betrachtung von Bildern dieser Objekte bei den Betroffenen Juckreiz, Panikattacken, Schweißausbrüche und Herzklopfen aus. Einige gaben an, der Grund für diese Reaktionen sei „Abscheu beziehungsweise Ekel“ oder die Möglichkeit, dass „etwas in diesen Löchern leben“ könne.[2]

Medizinisch ist es bisher weder als Angststörung (Phobie) anerkannt noch in nennenswertem Umfang untersucht. Die bisher einzige wissenschaftliche Studie zu dem Thema stammt aus Großbritannien aus dem Jahr 2013.[6] Sie hat ein nennenswertes Medienecho,[7][2][5][8] aber bisher keine wesentliche Resonanz in der Fachwelt gefunden.[9]

Die Abneigung werde von den Betroffenen als Angst oder als Gefühl von Unwohlsein bis hin zu Bedrohlichkeit vor Objekten oder Lebewesen geschildert, die ein sichtbares Muster aus unregelmäßigen Löchern aufweisen, wie zum Beispiel einem Bienenstock oder einem Ameisenhügel. Zur Auslösung genüge die bloße Betrachtung der Objekte durch den Betroffenen, auch wenn davon keine direkte Gefahr ausgeht.[8]

In ihrem Fachartikel[6] in der Zeitschrift Psychological Science gehen die britischen Wissenschaftler Arnold Wilkins und Geoff Cole vom Centre for Brain Science der University of Essex, eigenen Angaben zufolge Pioniere bei der wissenschaftlichen Untersuchung der Trypophobie, davon aus, dass die – nicht näher spezifizierte – Reaktion der Betroffenen durch eine biologisch verankerte Abscheu zustande komme und nicht auf ein „angelerntes“ kulturelles Verhalten zurückzuführen sei. Ihre Forschungsarbeit erörtert, wie das Verhalten auf Hirnaktivitäten zurückzuführen sein könnte, die Muster mit Gefahr assoziieren. Die Strukturen, die eine Reaktion hervorrufen konnten, bestanden aus Ansammlungen von Löchern in Haut, Fleisch, Holz, Schwämmen, Humus, Honigwaben, Seife, Käse, Pflanzen, Wunden und Blasen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Juan Carlos Martínez-Aguayo, Renzo C. Lanfranco, Marcelo Arancibia, Elisa Sepúlveda, Eva Madrid: Trypophobia: What Do We Know So Far? A Case Report and Comprehensive Review of the Literature. In: Frontiers in Psychiatry. Nr. 9, 2018, ISSN 1664-0640, S. 15, doi:10.3389/fpsyt.2018.00015, PMID 29479321, PMC 5811467 (freier Volltext) – (englisch, frontiersin.org [abgerufen am 17. Dezember 2018]).
  2. 2,0 2,1 2,2 Rose Eveleth: Trypophobia Is a Fear of Holes. In: Smithsonian Magazine, 5. September 2013. Abgerufen am 28. Februar 2015. 
  3. Trypophobia. In: knowyourmeme.com. Abgerufen am 1. März 2015 (englisch).
  4. The improbable horror of clusters, Statesman Journal. 11. Dezember 2010. Archiviert vom Original am 3. Februar 2013. Abgerufen am 28. Februar 2015. 
  5. 5,0 5,1 Are You Afraid of Holes? In: Scientific American. 1. März 2014, abgerufen am 23. Februar 2015 (englisch).
  6. 6,0 6,1 G. G. Cole, A. J. Wilkins: Fear of Holes. In: Psychological Science. 24, Nr. 10, 11. Oktober 2013, S. 1980-1985. ISSN 0956-7976. doi:10.1177/0956797613484937.
  7. Gregory Thomas: Phobia about holes is not officially recognized, but U.K. scientists look into it. In: Washington Post, 1. Oktober 2012. Abgerufen am 28. Februar 2015. 
  8. 8,0 8,1 Tyrpophobie (sic): Wenn Löcher Phobien auslösen. In: Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe Februar 2014. 10. Februar 2014, S. 70, abgerufen am 23. Februar 2015.
  9. Web of Science Search. In: Web of Science. Thomson Reuters, abgerufen am 7. März 2014 (englisch, gebührenpflichtig; findet zum Schlagwort trypophob* nur den Artikel Cole & Wilkins 2013 und ein Konferenzabstract derselben Autoren ebenfalls von 2013. Beide Einträge zusammen sind gemäß Web of Science bisher ein einziges Mal zitiert worden).
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