Trabharnisch Herzog August von Sachsen

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Die Rüstung im Dresdner Zwinger

Der Trabharnisch Herzog August von Sachsen ist eine deutsche Rüstung, die um 1560/1562 von dem bekannten Plattner Peter von Speyer (geb. ca. 1521, erstmals erwähnt 1559) in Annaberg gefertigt wurde. Die Rüstung wurde für den Kurfürsten Herzog August von Sachsen (* 31. Juli 1526 in Freiberg; † 11. Februar 1586 in Dresden) hergestellt. August von Sachsen nutze die Rüstung im Kampf, da er nachweislich in dieser Rüstung mit älteren Bruders Moritz von Sachsen (* 21. März 1521 in Freiberg; † 11. Juli 1553 bei Sievershausen) am 24. April 1547 an der Schlacht bei Mühlberg teilnahm.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Brustpanzer und die Schwebescheiben

Die Rüstung ist ein sogenannter Trabharnisch und auch eine Dreiviertelrüstung. Sie besteht aus einem Helm, Brust- und Rückenpanzer, Kettenhemd, Schulterpanzern, Panzerhandschuhen, Bauch- und Gesäßreifen, Schwebescheiben und Tassetten. Zur Rüstung gehört noch ein Schwert, das ebenfalls in der gleichen Vitrine im Museum ausgestellt ist.

Der Helm ist vom Typ eine offene Sturmhaube mit einem aufschlächtigen Kinnreff. Die Helmkalotte ist kugelförmig gearbeitet und mit einem offenen Gesichtsausschnitt statt einem Visier ausgestattet. Über dem Gesichtsausschnitt ist ein nach vorn spitz zulaufender Augenschirm am Helm angesetzt.Unter dem Gesichtsausschnitt befindet sich das Kinnreff, ein Panzer der das Kinn schützt und nach dem Entriegeln nach oben aufklappbar ist. Am unteren Ende des Helmes befindet sich der Ringkragen, der am Helm befestigt ist und der dreifach geschoben gestaltet ist. Auf der Helmrückseite ist eine Federhülse zur Aufnahme eines Helmbusches angebracht.

Der Brustpanzer ist in der Form einer Tapulbrust gearbeitet und mit einem leichten Mittelgrat versehen. Am oberen Ende, nahe dem Hals ist ein vertikaler, dreieckiger Keil auf der Rüstungsbrust angebracht dessen Rand seilförmig („geseilt“) gearbeitet ist und von dem Keil ausgehend die Umgebung mit einem halbrund ausgetriebenen Abschitt versieht, der nach unten spitz zuläuft, einer um 1550 oft gebräuchlichen Gestaltungsart. Die Taille ist schmal gearbeitet und am unteren Ende sind vier Bauchreifen angehangen, die ebenfalls geschoben sind. Der Rückenpanzer ist glatt gearbeitet und ebenfalls mit vier Gesäßreifen ausgestattet.

Die Armpanzer bestehen aus sechsfach geschobenen Achseln (Schulterpanzer, die am Brustpanzer mit Lederriemen fixiert sind. Der Armschutz besteht aus einem Kettenhemd, das über den Kopf angezogen wurde und unter dem Brustpanzer getragen wird. Das Kettenhemd reicht etwa bis auf die Oberschenkel des Trägers und hat die gleiche Länge wie die Rüstung.

Die Panzerhandschuhe sind mit zum Arm spitz zulaufenden Stulpen versehen und am Handrücken und den einzelnen Fingern mehrfach geschoben, so dass sie einen Fecht-Panzerhandschuh bilden.

Die Tassetten sind achtfach geschoben und an den Bauchreifen angehangen.

Dekoration[Bearbeiten]

Das Dekor der Rüstung besteht aus silbernen, vertikalen Bändern, die auf dem schwarz lackierten Hintergrund angebracht sind. Die Bänder verlaufen in unterschiedlicher Breite über fast alle Rüstungsteile. Fast alle Außenränder der einzelnen Rüstungsteile sind von den Bändern begrenzt und mit versilberten Rundkopfnieten versehen. Der untere Bauchreif ist zusätzlich auf jeder Seite mit drei ausgetriebenen Blattdarstellungen versehen und das vorletzte Tassettengeschübe ist mit halbkugelförmigen Austreibungen gearbeitet.

Die Bänder sind mit Gravuren von Blättern, Fantasiefiguren wie Wassermännern etc. versehen. Diese wurden nach Fertigstellung versilbert. Das unter dem schon erwähnten dreieckigen Blech entstandene, spitz zulaufende Feld ist mit Darstellungen komplett ausgefüllt. Auf der Brust läuft ein breites Band genau über dem Mittelgrat. Die Schwebescheiben sind mit einem silbernen Rand versehen, der ebenfalls mit den Nieten verziert ist. Das Hauptmotiv befindet sich auf der linken Brustseite und besteht aus der Darstellung einer Kreuzigungsszene, vor der ein Soldat kniet und betet.

Die Rüstung befindet sich heute im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Schöbel, Jürgen Karpinski: Prunkwaffen: Waffen und Rüstungen aus dem Historischen Museum Dresden. 5. Auflage. Edition Leipzig, 1985, S. 27, 42 (Bild).
  • Manfred Bachmann, Harald Marx, Eberhard Wächtler: Der Silberne Boden: Kunst und Bergbau in Sachsen. Deutsche Verlags-Anstalt, 1990, S. 114.
  • Antje Scherner: In fürstlichem Glanz: der Dresdner Hof um 1600. Electa, 2004, ISBN 978-88-370-2722-3, S. 76.

Weblinks[Bearbeiten]

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