Total Supplier Management

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Total Supplier Management (TSM) ist in Analogie zum Total-Quality-Management TQM ein ganzheitlicher Ansatz, der eine effiziente Steuerung der gesamten Lieferantenbasis eines Unternehmens zum Ziel hat. Er beinhaltet die Integration, Bewertung und Qualifizierung bestehender sowie auch neuer Lieferanten. Dabei wird die Zusammenarbeit mit allen betroffenen Unternehmensbereichen über den gesamten Produktlebenszyklus betrachtet.

Total Supplier Management basiert auf einer bereichsübergreifenden Bewertung und Prognose der Lieferantenleistung. Dies dient der präventiven Identifikation von Leistungsdefiziten, um Maßnahmen frühzeitig einzuleiten und die Lieferantenleistung nachhaltig sicherzustellen. Die effiziente Lieferantensteuerung erfolgt durch ein bereichsübergreifendes Gremium, das regelmäßig geeignete Maßnahmen entscheidet und ein abgestimmtes Auftreten gegenüber den Lieferanten koordiniert (One-face-to-the-supplier).

Inhaltsverzeichnis

Die acht Elemente des Total Supplier Managements[Bearbeiten]

Das Total Supplier Management lässt sich aus acht grundlegenden Elementen zusammensetzen. Da die Elemente aufeinander aufbauen, ist eine durchgängige Implementierung erfolgsentscheidend.

Zentrale Organisationseinheit[Bearbeiten]

Eine zentrale Organisationseinheit koordiniert alle Aktivitäten gegenüber den Lieferanten bereichsübergreifend, bündelt das Know-how und vermeidet zusätzlichen Aufwand, welcher durch unabgestimmte Maßnahmen der einzelnen Fachbereiche entstehen würde.

Lieferantenbewertung[Bearbeiten]

Die Lieferantenleistung wird anhand harter und weicher Faktoren durch unterschiedliche Instrumente zentral erfasst. Das Ergebnis dient in Kombination mit einer Trendbetrachtung als Entscheidungsgrundlage für weitere Schritte.

Bereichsübergreifendes Gremium[Bearbeiten]

Die konsolidierten Erkenntnisse aus der Leistungserfassung werden in einem bereichsübergreifenden Gremium zur Maßnahmenableitung betrachtet. Dieses Gremium setzt sich aus Vertretern verschiedener Fachbereiche wie Einkauf, Qualitätsmanagement, Logistik und Entwicklung zusammen.

Eskalationsmodell[Bearbeiten]

Durch das Gremium werden anhand eines gestuften und standardisierten Eskalationsmodells weitere Maßnahmen zur effizienten Sicherstellung bzw. Wiederherstellung der Lieferantenleistung entschieden.

Lieferantenentwicklung[Bearbeiten]

Diese Maßnahmen beinhalten die Durchführung von Lieferantenentwicklungsprojekten vor Ort, bei denen Vertreter aller betroffenen Fachbereiche die Prozesse gemeinsam mit den Lieferanten analysieren und verbessern.

Interne Prozessoptimierung[Bearbeiten]

Bei Lieferantenprojekten werden oft auch Mängel in den Prozessen des eigenen Unternehmens festgestellt, die es dem Lieferanten erschweren, die vereinbarte Leistung zu erbringen. Diese fehlenden Vorleistungen werden zentral erfasst, so dass resultierend eine interne Optimierung der Geschäftsprozesse initiiert werden kann.

Reportingsystem[Bearbeiten]

Ziel eines effizienten Reportingsystems ist es, die Fortschritte der Prozessoptimierung bereichsübergreifend zu kommunizieren und die Lieferantenleistung zu überwachen.

Risikomanagement[Bearbeiten]

Durch einen Risikofilter werden potentielle Risiken bei Anlaufmanagement, Verlagerungen, Insolvenzen, etc. identifiziert, um bei kritischen Ereignissen eine frühzeitige Risikosteuerung zu ermöglichen.

TSM-Prinzipien[Bearbeiten]

Ein erfolgreiches Lieferantenmanagement erfüllt sechs Prinzipien, die für dessen Wirksamkeit ausschlaggebend sind. Die Wirksamkeit und das Zusammenspiel der einzelnen Elemente des Total Supplier Managements werden durch die Erfüllung dieser Prinzipien beschrieben. Dies ermöglicht eine Aussage über den Umsetzungsgrad und den Beitrag des Lieferantenmanagements zur Sicherstellung von Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmenserfolg. Entsprechend dieser Prinzipien wurden sechs Kernaussagen formuliert, die ein optimales Lieferantenmanagement beschreiben.

Partnerschaftliches Lieferantenmanagement[Bearbeiten]

Ein ganzheitliches Lieferantenmanagement ist partnerschaftlich. Es stellt mit seinem langfristig kooperativen Ansatz die Voraussetzungen für gemeinsame Prozess- und Kostenoptimierungen bei Abnehmer, Lieferant und an deren Schnittstelle dar.

Bereichsübergreifendes Lieferantenmanagement[Bearbeiten]

Ein ganzheitliches Lieferantenmanagement ist bereichsübergreifend. Es koordiniert bei gemeinsamen Maßnahmen alle betroffenen Fachbereiche gegenüber den Lieferanten und minimiert somit den Aufwand für Sondermaßnahmen.

Präventives Lieferantenmanagement[Bearbeiten]

Ein ganzheitliches Lieferantenmanagement ist präventiv. Es identifiziert frühzeitig Lieferantendefizite und leitet somit rechtzeitig und effizient Abstellmaßnahmen ein.

Nachhaltiges Lieferantenmanagement[Bearbeiten]

Ein ganzheitliches Lieferantenmanagement ist nachhaltig. Es behebt die Ursachen für Leistungsdefizite dauerhaft und vermeidet somit den Aufwand, der durch ein erneutes Auftreten entstehen würde.

Standardisiertes Lieferantenmanagement[Bearbeiten]

Ein ganzheitliches Lieferantenmanagement ist standardisiert. Es besitzt definierte, zielgerichtete Methoden und reagiert effizient auf drohende und akute Probleme mit Lieferanten.

Zentrales Lieferantenmanagement[Bearbeiten]

Ein ganzheitliches Lieferantenmanagement ist zentral. Es erkennt das wiederholte Auftreten fehlender Vorleistung gegenüber den Lieferanten und initiiert daraus eine interne Optimierung der Geschäftsprozesse.

Nutzen des Total Supplier Managements[Bearbeiten]

Das heutige Lieferantenmanagement in Industrieunternehmen ist eher reaktiv ausgerichtet. Ein präventiver Ansatz und eine bereichsübergreifende Koordination aller betroffenen Unternehmensbereiche erfolgt kaum. In der Zukunft wird jedoch eine effiziente Steuerung der gesamten Lieferantenbasis und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess KVP an der Schnittstelle zum Lieferanten für Unternehmen erfolgsentscheidend sein.

Durch das Total Supplier Management lassen sich Prozess- und Kostenvorteile in den folgenden Bereichen erzielen

  • Reduzierung der Prozesskosten für Sondermaßnahmen durch ein effizientes, standardisiertes Lieferantenmanagement
  • Reduzierung der Prozesskosten für Sondermaßnahmen durch präventive und bereichsübergreifend abgestimmte Maßnahmen
  • Reduzierung der Prozesskosten durch stabile Prozesse (Vorleistungen an der Schnittstelle zum Lieferanten durch KVP)
  • Reduzierung der Prozesskosten beim Lieferanten durch stabile Vorleistung (Prozesskostenrechnung), durch welche Materialkostenpotentiale für den Abnehmer entstehen.

Die Herleitung der Potentiale folgt dem Total Cost Ansatz (TCO). Der Nachweis der Potentiale resultierend aus der Einführung eines Total Supplier Managements fällt mit den heutigen Strukturen der Prozesskostenrechnung jedoch noch schwer.

Umsetzung[Bearbeiten]

Herausforderungen bei der Einführung eines Total Supplier Managements sind der bereichsübergreifende Ansatz, das Umdenken zu einem partnerschaftlichen Lieferantenmanagement sowie das Vermitteln von Vorteilen für einen präventiven Ansatz

Bei der Umsetzung des Total Supplier Managements müssen neben den Lieferanten alle betroffenen Unternehmensbereiche, wie Einkauf, Qualität, Logistik und Entwicklung einbezogen werden. Dies erfordert bereits frühzeitig das schlüssige Aufzeigen der Notwendigkeit eines ganzheitlichen Vorgehens, die Ableitung und Kommunikation der Vorteile sowie die enge Einbindung der betroffenen Verantwortlichen (Führungskoalition). Das Change Management muss daher neben der Prozessentwicklung alle Maßnahmen begleiten, die für eine erfolgreiche Umsetzung und Verankerung des TSM in der Unternehmenskultur notwendig sind. Eine nützliche sowie strukturierte Vorgehensweise zur erfolgreichen Projektdurchführung kann z.B. durch die aufeinander aufbauenden acht Schritte nach John P. Kotter erfolgen.

Letztendlich ist der Aufwand zur Definition der Struktur und der Prozesse geringer als der Aufwand zur nachhaltigen Verankerung des Total Supplier Managements im Unternehmen und bei allen Beteiligten. Eine erfolgreiche Umsetzung ohne ein professionelles Change Management ist nur schwer möglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jahns Christopher: Supply Management : neue Perspektiven eines Managementansatzes für Einkauf und Supply. St. Gallen : SMG Publ. [u.a.] 2005
  • Jahns Christopher, Moser Roger, Hartmann Evi: Schaffung von Wettbewerbsvorteilen durch die Auswahl strategischer Lieferanten. Wissenschaft & Praxis, Auflage: 1 Mai 2006, ISBN 3-89673-345-1
  • Janker Christian G.: Multivariate Lieferantenbewertung. Deutscher Universitätsverlag; Auflage: 1 (Juli 2008), ISBN 3824482789
  • Rink Christian, Wagner M. Stephan:Lieferantenmanagement: Strategien, Prozesse und systemtechnische Unterstützung. In: Brenner Walter und Wenger Roland (Hrsg.): Elektronische Beschaffung.Springer Berlin Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34017-1

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]