Tonnenrockharnisch Claude de Vaudrays

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Rüstung Claube de Vaudrays im Kunsthistorischen Museum Wien

Der Tonnenrockharnisch Claude de Vaudrays ist eine italienische Rüstung für den Turnierkampf zu Fuß. Die Rüstung wurde um 1495 von dem Plattner Giovanni Marco Meraviglia (Tätig um 1495 in Mailand) und seinen Mitarbeitern, sowie dem Plattner Damiano Missaglia, für Claude de Vaudray (etwa *1450—†1515), Kämmerer und Rat Herzog Karls des Kühnen von Burgund (* 10. November 1433 in Dijon; † 5. Januar 1477 bei Nancy) sowie "Champion aller Waffen" hergestellt. Der berühmte Turnierchampion Vaudray forderte viele andere Kämpfer zum großen "Artus- und Rosengartenturnier" , das zum Reichstag von Worms 1495 abgehalten wurde.

Der Turnierkämpfer der seine Herausvorderung annahm war Maximilian I. (* 22. März 1459 in Wiener Neustadt; † 12. Januar 1519 in Wels, Oberösterreich) der selbst viele Turniere bestritt, mehrere gewann und auch sogar einen Gegner beim Turnier in Arnheim getötet hatte. Maximilian gewann das Turnier zu Fuß und auch zu Pferd[1] gegen Vaudray und bekam als Siegespreis dessen Rüstung, die sich seitdem in den Wiener Sammlungen befindet[2]. Als Waffen für den Kampf zu Fuß waren Zweihänder und zweihändige Streithämmer vorgesehen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung in einer Zeichnung aus dem Buch von W. Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, aus dem Jahre 1898

Der Tonnenrockharnisch Claude de Vaudrays ist ein typischer Tonnenrockharnisch aus der Zeit der Herstellung. Der Helm ist ein Grand Bacinet (auch "Grosse Beckenhaube") mit einem "Blasebalgvisier" (durch die Ähnlichkeit der Visierform mit den Falten eines Blasebalges) und fast kugelförmiger Helmkalotte. Als Luftgebe dienen viele runde und rechteckige Löcher und Schlitze, die in das Visier einearbeitet sind. Der Ringkragen ist mit dem Helm und dem Brustpanzer fest verbunden, was eine schlechte Bewegungsfähigkeit des Kopfes, aber großen Schutz beitet. Der Brust- und Rückenpanzer ist zweiteilig, das heisst, je aus einem Ober- und Unterteil, die miteinander vernietet sind.

Die Armzeuge bestehen aus sechsfach geschobenen Achseln , Ober- und Unterarmpanzern, die mit den Ellbogenkacheln verbunden sind. Die Panzerhandschuhe bestehen aus Hentzen mit angedeuteten Fingern und separatem Daumen. Der Tonnenrock ist in normaler Ringform gearbeitet und siebenfach geschoben. Die Bänder sind durch Nieten verbunden und so gearbeitet das sie flexibel aufgehangen sind.

Das Beinzeug besteht aus Oberschenkel-, Knie-, Unterschenkelpanzerung sowie Eisenschuhen- Die Ober- und Unterschenkelpanzer bestehen aus Röhren, die an den Seiten verschlossen werden. Die Röhren sind ganz geschlossen bis auf die Kniebeugen, die nach hinten offen gelassen sind. Die Eisenschuhe sind im vorderen Bereich geschoben, abgeflacht und leicht verbreitert.

Die gesamte Rüstung ist nicht verziert, aber mit Beschlagmarken Giovanni Marco Meraviglias auf dem rechten Panzerhandschuh und dem Helm versehen. Die Mitarbeit Damiano Missaglias gilt als sicher, da er eine Produktionsgemeinschaft mit Meravaglia gegründet hatte. Die beiden arbeiteten die Rüstung nach französischer Art mit einem großen Bascinet, vermutlich da die Rüstung nach Burgund verkauft wurde[3], [4] . Die Maße der Rüstung sind:

  • Hohe 179 cm
  • Breite 90 cm
  • Tiefe 51 cm

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dietmar Pieper, Johannes Saltzwedel: Die Welt der Habsburger: Glanz und Tragik eines europäischen Herrscherhauses - Ein SPIEGEL-Buch. DVA, 2010, ISBN 978-3-641-04162-5.
  2. Werner Paravicini, Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, Band 32 von Enzyklopädie deutscher Geschichte, Verlag Oldenbourg Verlag, 2011, Seite 109, ISBN 978-3-486-70416-7 S.109
  3. Die Rüstung bei Europeana, (deut., eingesehen am 30. Dezember 2013)
  4. Die Rüstung auf der Website des Kunsthistorischen Museum Wien, (deut., eingesehen am 30. Dezember 2013)

Literatur[Bearbeiten]

  • Sir Guy Francis Laking, Sir Guy Francis Laking, Charles Alexander Cosson (Baron de.): A record of European armour and arms through seven centuries, Band 1. Neuauflage Auflage. G. Bell and Sons, 1992, S. 208,Tafel 242.
  • Kathryn A. Edwards: Families and Frontiers: Re-Creating Communities and Boundaries in the Early Modern Burgundies, Band 26 von Studies in Central European Histories. BRILL, 2002, ISBN 978-0-391-04106-6, S. 80.
  • Wendelin Boeheim: Handbuch der Waffenkunde Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1890. Fourier, Wiesbaden 1985, ISBN 978-3-201-00257-8, S. 531.

Weblinks[Bearbeiten]

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