Thorsten Zwinger

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ZWINGER

ZWINGER (eigentlich Thorsten Zwinger, * 23. März 1962 in Greifswald) ist ein deutscher Maler.

Er lebt in Berlin und Greifswald, vertreten durch den Berliner Galeristen Werner Tammen und Howard Scott, New York.

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Werk und Rezeption[Bearbeiten]

Zwinger ist ein Maler aus der ostdeutschen Provinz. Er lebt in Greifswald an der Ostsee. Wer unter Kunstfreunden von Greifswald hört, denkt zuerst an den Romantiker Caspar David Friedrich, der hier 1774 geboren wurde. Der Reflex ist für Zwinger beflügelnd, aber auch eine Last. Beflügelnd, weil dieser Künstler vor 200 Jahren versuchte, die zeitgenössische Bildwelt durch analytische Formalisierungen zu vergeistigen. Er begann damit, an der Kunst eben ihr Künstliches zu referieren. Das war kalt gedacht, unter den Zeitgenossen wenig erfolgreich, aber das Authentischste, was man damals haben konnte. Beflügelnd für Zwinger auch, dass der Vorgänger die Abgelegenheit der Provinz also überwand, indem er sie intellektuell aufgab. Die Last dieses Erbes ist dann nicht, daß man als Greifswalder Künstler immer mit diesem besonderen Ahnen konfrontiert wird. Es wäre eine Ehre. Die Last ist, daß deutsche Romantik im Gegensatz zu damals heute mit undeutlichen Zweisamkeitsgefühlen und mit konzeptioneller Schummrigkeit verwechselt wird. Nichts liegt Zwinger ferner. Er zieht aus dem Widerspruch zwischen Geschichte und heutigem Anspruch die Energie, ein eigenes Programm zu entwickeln. Das erste dabei ist, wie damals die akademischen Rituale des Modernen beiseite zu lassen. Daher gibt es bei ihm weder die Leipziger Schule eines neuen Historismus noch Dresdner Post-Kolorismus noch Berliner Medienbetrieb oder New Yorker Universalismus. Zwinger malt Zwinger, das heißt eine aus seinen Instinkten gelenkte, ebenso freche wie streng beherrschte Ordnung von Bildsurrogaten, die er aus allem nimmt, was ihm zufliegt. In seine Bilder fließen Motive aus der Kunstgeschichte ein, aus Filmen, aus Wissenschaftsillustrationen, aus der Werbeästhetik – es macht keinen Unterschied. Das ist nicht neu, weil dieser Totalzugriff seit der Pop-Kunst funktioniert. Anders aber ist, daß bei Zwinger die Einbrüche aus der Kunst- und Alltagswelt ihre kommunikative Kenntlichkeit wieder verlieren. Zwinger enteignet sie um ihre Gebundenheit, um ihre Anspielungskraft, um ihr Herkommen. Sie werden in den Gemälden zu neuen Zeichen, zu Auslöschungsspuren, zu Ornamenten, zu Dekorationen, ganz gleich: wenn sie sich nur einer Neuschreibung unterwerfen lassen und zu etwas werden, was Zwinger als Hybrid zwischen Bedeuten, Informationsleere und Gestaltevidenz befriedigt.

Öffentlichen Sammlungen (Auswahl)[Bearbeiten]

 
Self with blue shadow 2

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


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