Theodor Gröver

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Theodor Gröver (* 5. Dezember 1909 in Riesenbeck, Kreis Tecklenburg; † 25. August 1975 in Hörstel) war als SS-Untersturmführer (SS-Nr. 280 187) und Kriminalkommissar Angehöriger der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und des Sicherheitsdienstes der SS (SD).

Werdegang[Bearbeiten]

Als Sohn eines Tischlermeisters besuchte er das Gymnasium in Rheine bis zur Unterprima. Danach arbeitete er im Betrieb seines Vaters. Er wechselte seine Tätigkeit, wobei er eine Banklehre für die nächsten drei Jahre in Ibbenbüren absolvierte. Wehrübungen leistete er 1935 ab, wobei sein Plan war, Zahlmeister bei der Wehrmacht zu werden.

Im Juni 1936 wurde er Mitglied der SS. Im selben Jahr ging er nach Berlin, um dem SD beizutreten. Dort nahm er seinen Dienst im SD-Hauptamt auf. Danach wurde er im April 1937 zur SD-Schule in Bernau versetzt. Einen Monat später wurde er am 1. Mai 1937 Mitglied der NSDAP. Den Überfall auf Polen am 1. September 1939 folgte sein Einsatz in Polen mit einer Einheit der Einsatzgruppe V der Sicherheitspolizei.

Es folgte im Jahr 1940 ein Lehrgang an der Führerschule der Sicherheitspolizei und des SD in Berlin-Charlottenburg für Kriminalkommissare.

Dienst bei der Gestapo[Bearbeiten]

Ab August 1940 wurde er zur Außenstelle der Geheimen Staatspolizei, der Staatspolizeistelle Würzburg (Stapo Würzburg), abkommandiert, wo im Oktober 1940 seine Ernennung zum Kriminalkommissar erfolgte. Im September 1941 kam er zur Einsatzgruppe C nach Kiew, wo er in das Einsatzkommando 6 (EK 6) eingeteilt wurde. Dort wurde er im Raum Dnjepropetrowsk[1] und Stalino[2] eingesetzt. Nach Verlassen des EK 6 wurde er dem Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Kiew (KdS Kiew), dem späteren SS-Obergruppenführer Erich Ehrlinger[3] unterstellt. Seine Aufgabe bestand darin, ukrainische Kriminalpolizisten auszubilden. Im Juli 1942 baute er die Dienststelle in Uman[4] auf.

Da er im Dienst öfter mit einer Trunkenheit auffiel, wurde er im Oktober 1942 nach Würzburg zurückversetzt. Das SS- und Polizeigericht in Nürnberg verurteilt ihn im April 1943 wegen einer unter Trunkenheit begangenen tätlichen Beleidigung zu acht Monaten Gefängnis, die er im SS-Straflager Danzig-Matzkau absaß. Damit war seine Laufbahn als SS-Führer beendet. Danach kam er zu einer Entwöhnung in das KZ Buchenwald. Im September 1944 wurde er als SS-Sturmmann in der Waffen-SS eingesetzt und geriet im Frühjahr 1945 in US-amerikanische Gefangenschaft.[5]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Wegen seiner Zugehörigkeit zur SS, zum SD und zur Gestapo wurde er in Ludwigsburg und Kornwestheim interniert. Am 6. Mai 1946 wurde er zur Internierung nach Darmstadt verlegt. Vom 7. auf den 8. April 1947 gelang ihm die Flucht aus der Internierung. Später kommt die Legende auf, er sei nach seiner Entlassung aus der Internierung im Jahre 1947 nach Riesenbeck gegangen. Dort betrieb er ein ambivalentes Textilgewerbe. In Untersuchungshaft geriet er im Zusammenhang mit seiner Dienstzeit beim EK 6 vom 30. April 1962 bis zum 15. Dezember 1964. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts Wuppertal wurde vom 18. Oktober bis zum 30. Dezember 1965 für mehrere Angeklagte der Prozess wegen Kriegsverbrechen in den besetzen Gebieten der Sowjetunion ein Prozess geführt, darunter auch gegen Theodor Gröver. Er wurde beschuldigt, in leitender Stellung an der Exekution von Juden beteiligt zu sein, auch als Einzeltäter. Etwa 800 Patienten einer Anstalt für Geisteskranke in Igrin wurden dort unter seinem Kommando erschossen. Wegen dieser Tat und der Ermordung von zehn Juden wurde er zu fünf Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Das Urteil wurde zweimal zur Revision dem Bundesgerichtshof (BGH) vorgelegt. Am 13. Dezember 1967 bestätigte der BGH das Urteil von LG Wuppertal.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dnjepropetrowsk in der deutschsprachigen Wikipedia
  2. Stalino in der deutschsprachigen Wikipedia
  3. Erich Ehrlinger in der deutschprachigen Wikipedia
  4. Uman in der deutschsprachigen Wikipedia
  5. Irene Sagel-Grande (Hrsg.): Justiz und NS-Verbrechen. Band 22. Amsterdam 1981, S. 505–506 (uva.nl [abgerufen am 6. Januar 2018] Lfd.Nr. 606).
  6. Christina Ullrich: „Ich fühl' mich nicht als Mörder“: die Integration von NS-Tätern in die Nachkriegsgesellschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-23802-6, S. 249–250 (354 S.).
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