TANDLER Zahnrad- und Getriebefabrik

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Tandler Zahnrad- und Getriebefabrik
Datei:TANDLER Logo Hoch3.jpg
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 3. Juni 1949
Sitz Bremen
Leitung Gert Siegfried Tandler
Mitarbeiter ca. 200
Umsatz 40 Mio. Euro[1]
Website http://www.tandler.de/
Firma Tandler in Bremen (2006)

Die Tandler Zahnrad- und Getriebefabrik GmbH & Co. KG ist ein Bremer Familienunternehmen, welches hochpräzise Getriebe und Verzahnungsteile für den Maschinenbau herstellt. Durch die eigene Härterei ist es der Tandler Gruppe möglich, das Angebot einer geschlossenen Leistungskette von der Teilfertigung bis hin zur Auslieferung ganzer Antriebseinheiten zu bieten.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 3. Juni 1949 gründet Siegfried F. Tandler eine Zahnradfabrik am Doventorsdeich in Bremen. In dieser Zeit fertigt Tandler hauptsächlich, Teile für Bremer Unternehmen der Automobilindustrie an. 1968 werden die ersten eigenen Spiralkegelgetriebe auf der Hannover Messe vorgestellt. Drei Jahre später wird das Werk II in der Kornstraße eingeweiht. Vor der Erweiterung des Werks werden dort fast ausschließlich Getriebe hergestellt, wie z.B. das Drehzahl-Überlagerungsgetriebe, dass Tandler selbst entwickelt hat und im Jahre 1973 auf den Markt bringt. 1977 wird die Firma Kutz & Schulze mit Sitz in Hamburg aufgekauft. Sie verfügt über eine eigene Zahnradfertigung und eine Lohnhärterei.[2]

Gert Siegfried Tandler, Sohn des Unternehmensgründers, tritt 1983 offiziell in die Firma ein. 1989 werden die beiden Firmen in eine GmbH & Co. KG umgewandelt. Zehn Jahre nach Firmeneintritt, wird Gert Siegfried Tandler zum Geschäftsführer bestellt. Gleichzeitig wurde die Härterei Tandler GmbH & Co. KG als eigene Gesellschaft mit Sitz in der Kornstraße ausgegliedert. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum 1999 konnte zusätzlich die Einweihung des Neubaus der Härterei Tandler GmbH & Co. KG. zelebriert werden.

Am 26 Dezember 2000 verstirbt Firmengründer und Seniorchef Siegfried F. Tandler im Alter von 86 Jahren. Sein Sohn Gert ist seitdem alleiniger geschäftsführender Gesellschafter.

2001 stellt Tandler auf der Hannover Messe Industrie die neue Getriebereihe ServoFoxx vor. Diese kombiniert die bewährten Elemente der übrigen Tandler Getriebereihen mit Planetengetrieben. Tandler ist immer häufiger auf Messen vertreten, wie auch im April 2004 bei der Techno Classica. Hier lebt die Beziehung zu der Automobilindustrie, speziell im Oldtimer-Segment wieder auf. Noch im gleichen Jahr ist die Zusammenlegung der beiden Bremer Werke in der Kornstraße vollendet. 2009 feiert Tandler 60-jähriges Firmenjubiläum.[3]

Arbeitsbereiche[Bearbeiten]

Bei Tandler findet der gesamte Prozess von der Konstruktion, bis hin zur Fertigstellung von Verzahnungsteilen und Getrieben im eigenen Hause statt. Dazu gehören z.B. die Montage der Getriebe, die Verzahnung der Räder oder die Wärmebehandlung in der Härterei. Zwischen den verschiedenen Arbeitsschritten werden stets Qualitätskontrollen ausgeführt.[4]

Getriebetechnik[Bearbeiten]

Spiralkegelgetriebe[Bearbeiten]

Das besondere Kegelradgetriebe bietet die Möglichkeit eines rechtwinkligen Antriebs; 9 Standard-Baugrößen; Übersetzungen i = n1:n2 = 1:2 bis 6:1; Drehmomente M bis 8000 Nm.[5]

Hochleistungs-Kraftgetriebe[Bearbeiten]

Hochleistungs-Kraftgetriebe WS6

Hochleistungs-Kraftgetriebe sind für Einsatzfälle, in denen besonders hohe Drehmomente bei kleinem Baumraum auftreten, geeignet; 4 Baugrößen; Übersetzungen i = n1:n2 = 1:1 bis 3:1; Drehmomente M bis 1200 Nm.[6]

Vergleicht man die Standard-Spiralkegelgetriebe mit den Hochleistungskraftgetrieben, wird deutlich, dass das HL-Getriebe trotz gleicher Baugröße bis zu doppelt so große Drehmomente übertragen kann. Dies ist auch der Grund, weshalb die Hochleistungskraftgetriebe überall dort eingesetzt werden, wo hohe Drehmomente bei den üblichen Drehzahlen auf kleinerem Raum benötigt werden.[6]

Drehzahlüberlagerungsgetriebe[Bearbeiten]

Drehzahlüberlagerungsgetriebe sind koaxial und rechtwinklig und speziell für Einsatzfälle geeignet, in denen Abläufe exakt zueinander passen müssen; 12 Baugrößen; Übersetzungen i = n1:n2 = 1:3,75 bis 5:1;Drehmomente M bis 2500 Nm.[7]

Dieses Getriebe wird für Königswellenmaschinen verwendet. Eine Maschine mit einer mechanischen Welle verfügt über einen Hauptantriebsmotor, der eine Königswelle antreibt. Auf dieser Königswelle sind Getriebe angeordnet, die die einzelnen Stationen antreiben. Zur Erreichung der perfekten Synchronisation der Bearbeitungsstationen kommen dabei Drehzahlüberlagerungsgetriebe der Baureihen PE2, PD2 und SP2 zum Einsatz, die ein gezieltes Beschleunigen und Abbremsen mit einer relativ einfachen Steuerung und günstigen kleinen Steppermotoren ermöglichen. Das geringe Massenträgheitsmoment dieser Anordnung ermöglicht eine sehr schnelle Regelung und sorgt somit für einen schnellen Ausgleich von Fehlern. Hauptbestandteil des Tandler Drehzahlüberlagerungsgetriebes, ist ein Planetengetriebe. Anders als bei einem herkömmlichen Planetengetriebe ist das Hohlrad jedoch nicht fixiert, sondern kann durch eine Schnecke gedreht werden. So wird eine Übersetzungsänderung ermöglicht, wodurch die Ausgangsdrehzahl nach oben oder unten korrigiert werden kann.[8]

ServoFoxx Getriebe[Bearbeiten]

ServoFoxx Getriebe PL2 FS 2-stufig

Planeten- und Flanschgetriebe-Kombinationen; 9 Baugrößen; Übersetzungen i = n1:n2 = 2:1 bis 1000:1; Drehmomente M bis 2000 Nm.[9]

Das ServoFoxx Getriebe ist eine Variante, die für Servomotoren konzipiert ist. Dieses Getriebe wird beispielsweise in Verpackungs- und Druckmaschinen verwendet. Das ServoFoxx Programm deckt Nennmomente von 20 Nm bis 7000 Nm ab, wobei nahezu alle Übersetzungen bis 6000:1 möglich sind. Es umfasst Planeten- und Spiralkegelgetriebe und ihre Kombinationen. Dadurch werden nahezu alle Einsatzfälle abgedeckt. Die Planetengetriebe PL2, gibt es in Übersetzungen bis 10:1 einstufig und darüber hinaus bis 1000:1 (2- oder 3-stufig). Für Übersetzungen bis 6:1 oder ins Schnelle kann das Flanschservo-Spiralkegelgetriebe der zweiten Generation FS2 verwendet werden. Neben einem hohen Wirkungsgrad, ist es aufgrund der rechtwinkligen Anordnung der Wellen sehr raumsparend.[8]

Planetengetriebe P[Bearbeiten]

Planetengetriebe;4 Baugrößen; Übersetzungen i = n1:n2 = 3:1 bis 100:1; Drehmomente M bis 700 Nm.[10]

Das Ausgangsnenndrehmoment der Planetengetriebe liegt zwischen 28 Nm beim kleinsten Getriebe P 10, bis zu 400 Nm beim größten Getriebe P 40. Die Verwendung von Aluminiumteilen, sowie die Optimierung aller Bauteile hinsichtlich Bauraum und Drehmomentübertragung, erzielen eine sehr hohe Leistungsdichte bei kleinem Massenträgheitsmoment. Das Getriebe besitzt nicht die aufwendige zweiteilige Kupplung der ServoFoxx Getriebe, wodurch es kompakter ist. Aufgrund der Klemmung des Motorzapfens im Sonnenritzel übernimmt der Motor einen Teil der Lagerung. Folglich gibt es je nach Motorzapfenlänge verschiedene Aluminiumflanschplatten für alle gängigen Motoren. Auch die im Durchmesser deutlich zu groß dimensionierten Abtriebswellen bei einigen Servomotoren werden hier abgedeckt. Werden höhere Übersetzungen gefordert, bietet sich die Verwendung eines zweistufigen Planetensatzes an. Dadurch, dass die Abtriebgehäuse der zweistufigen Planetengetriebe P 12 bis P 42 sehr kompakt sind, beträgt die Länge nur geringfügig mehr, als bei den einstufigen Modellen. Alle Getriebe der P-Baureihe der ServoFoxx Getriebe besitzen eine schützende Lebensdauerfettschmierung. Die Außenteile des Getriebes bestehen aus Aluminium oder sind durch eine Oberflächenbehandlung gegen Korrosion geschützt.[10]

Sondergetriebe =[Bearbeiten]

Getriebe mit Sonderopionen für bestimmte Anwendungsfälle und optionierte Getriebe auf Basis des Standardprogrammes, können nach Kundenwünschen angepasst werden.

Prinzipiell sind alle Tandler Getriebearten miteinander kombinierbar. Einschränkungen ergeben sich nur aus technischen Faktoren.[11]

Verzahnungstechnik[Bearbeiten]

Spiralverzahntes Kegelrad

Verzahnungsteile werden bei Tandler komplett oder in Teilarbeit produziert. Tandler fertigt Zahnräder auf Bestellung der Kunden an. Entweder komplett von der Auslegung über die Produktion und Wärmebehandlung in der hauseigenen Härterei, oder als Lohnfertigung einzelner Arbeitsschritte.[12]

Jedes Zahnrad hat eine andere Funktion, deshalb ist es nötig, das richtige Produkt für den Einsatz auszuwählen. Für rechtwinklige Antriebe haben sich jedoch Spiralverzahnte Kegelräder, in Palloid- und Zyklo-Palloid-Verzahnungen geschliffen, geläppt oder hartverzahnt, aufgrund der Laufrate und der hohen Verlagerungsfähigkeit unter Last durchgesetzt. Das Hartschälen oder Schleifen, das nach dem Härten der Zahnräder durchgeführt wird, ist notwendig, um Härteverzüge zu eliminieren. Aber auch Gerad- und schrägverzahnte Stirnräder werden durch eine Wärmebehandlung und das folgende Zahnflankenschleifen gestärkt und verbessert.[13]

Einige Zahnräder besitzen auch eine Innenverzahnung, da hiermit eine maximale Platzausnutzung und präzise Führung von parallel laufenden Bewegungen mehrerer Teile, wie zum Beispiel im Planetengetriebe, kreiert werden kann.[14]

Härtereitechnik[Bearbeiten]

Datei:Härterei TANDLER.jpg
Härterei Tandler

Die Härtereitechnik dient zur Stärkung und Härtung des Stahls. Die Wärmebehandlung des Stahls muss wegen der unterschiedlichen Beanspruchung der Bauteile speziell angepasst werden.[15]

Die Härterei umfasst auch andere Fertigungsstadien, die ein Produkt nach der herkömmlichen Wärmebehandlung bekommen kann. Dafür werden kundenspezifisch Verfahren entwickelt, die überwacht und dokumentiert werden.

Bei allen Verfahren der Wärmebehandlung werden kontinuierlich, während und nach der Behandlung, Kontrollen und Messungen durchgeführt. Dazu werden stets Proben genommen, die zur Untersuchung der Härte, der Legierungszusammensetzung sowie der mikroskopischen Veränderungen des Stahls dienen. Die Bauteile werden nach Härte in Rockwell "C", Vickers, Brinell und UCI geprüft. Auch die Darstellung der Einsatzhärte-Tiefe (Eht) und Nitrierhärte-Tiefe (Nht)-Verläufe können überprüft werden und Informationen liefern.[16]

Renngetriebe[Bearbeiten]

Tandler racing drives

Zu Beginn der 1950er und 1960er Jahre, produzierte Tandler vorwiegend Differenziale für den Automobilhersteller Borgward. Auch heute widmet Tandler sich wieder der Automobilindustrie, allerdings nur für Kleinserien und Sonderanfertigungen für Rennsport historischer Fahrzeuge und Prototypen. So werden unter anderem Rädersätze hergestellt, welche individuell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten und abgestimmt werden. Der Einsatz von Tandler hergestellten Rädersätzen ermöglicht z.B. eine Übertragung höherer Leistungen oder Übersetzungsänderungen.

In der historischen Rennszene ist der Name Tandler bereits für hochwertige Rädersätze bekannt. So kommen Verzahnungsteile insbesondere in Fahrzeugen der Hersteller Porsche, Maserati, Ferrari, etc. zum Einsatz.[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gert Siegfried Tandler/ Tandler GmbH & Co. KG (Hrsg.): Tandler Genialität mit System. 2009.Achim; BerlinDruck.
  • Jörg Pohlmann: Elektronisch oder mechanisch. Getriebelösungen für Maschinen mit mehreren verknüpften Stationen. Aus: Der Konstrukteur. Antreiben-Steuern-Bewegen. Sonderheft 2008. Mainz; Vereinigte Fachverlage.
  • Jörg Pohlmann: Passend zu den Anforderungen. Kundenorientierte Getriebelösungen aus dem Baukasten. Aus: Der Konstrukteur. Magazin für Konstruktion und Entwicklung. 2009 7/8. Mainz; Vereinigte Fachverlage.
  • Tandler Zahnrad- und Getriebefabrik GmbH & Co. (Hrsg.): 50 Jahre Tandler. Von den Anfängen-bis zum weltweiten Begriff für Präzision 1949-1999. 1999. Minden; J.C.C. Bruns.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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