Storyline (Wrestling)

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Storyline bezeichnet einen vom Board of Directors entwickelten Handlungsstrang innerhalb einer oder mehrerer Wrestlingorganisationen. Die Storyline ist eine Art Drehbuch, welche innerhalb des Marktführers WWE von professionellen Drehbuchautoren nach deren Vorgaben entwickelt werden. Sie ist ein Hauptbestandteil des modernen Sports Entertainment und wurde dauerhaft in den 1930er Jahren eingeführt.

Dauer einer Storyline[Bearbeiten]

Große Promotionen[Bearbeiten]

Storylines sind in den großen Promotionen in aller Regel auf einen längeren Zeitraum angelegt und werden meist auf einer bedeutenden Großveranstaltung der Liga abgeschlossen. Bedeutende Fehdenabschlüsse bilden dort den sogenannten Main Event, mit dem die Veranstaltung abgeschlossen wird. Erweist sich eine ausgearbeitete Storyline für eine Promotion als sehr erfolgreich, so werden Fortsetzungen geschrieben, die unter Umständen auf mehrere Jahre angelegt sind.

Independent Circle[Bearbeiten]

In der unabhängigen Wrestlingszene spielt die Storyline nur eine untergeordnete Rolle. In den dort vertretenen kleineren und mittleren Ligen existieren sogenannte Creative-Teams, die zusammen mit den Offiziellen der betreffenden Wrestlingorganisation bei Bedarf eine durchgängige Storyline oder aber nur vereinzelte Angless ausarbeiten. Im sogenannten Independent Circle ist vor allem der letztere Punkt vertreten, da in der unabhängigen Szene der Hauptschwerpunkt des Wrestlings nicht auf der „Show“ bzw. der Unterhaltung, sondern auf der sportlichen Betonung dieses Sports liegt. Hier wird vielfach noch das klassische Pro-Wrestling gezeigt. Deshalb wird dort die klassische Storyline nur minimal gehalten und vereinzelte Events ausgearbeitet. Dies trägt zum einen der Tatsache Rechnung, das die kleinen und mittleren Ligen über keinen festen Wrestlingkader verfügen, sondern Pro-Wrestler für jede einzelne Show buchen. Bei Bedarf wird aber auch bei diesen eine längerfristige Storyline ausgearbeitet, wenn ein Fehdenprogramm dauerhaft aussichtsreich erscheint. So beispielsweise die Fehde Thumbtack Jack gegen Adam Polak, die in der deutschen Liga Westside Xtreme Wrestling geführt wurde.

Zweck der Storyline und Kayfabe[Bearbeiten]

Sinn und Zweck einer Storyline ist es, dem Publikum die ausgearbeiteten Handlungsstränge zwischen einzelnen Wrestler bzw. um verschiedene Stables plausible nahezubringen. Aus diesem Grund werden dort auch viele Komponenten aus dem Realleben der Akteure eingearbeitet. Damit soll das Geschehen im Ring und auch das Wrestling als solches als „echt“ verkauft werden. Die am Tisch entwickelten Matches sollen demnach dem Publikum als reale Kämpfe dargestellt werden. Erstmals wurden vollständig ausgearbeitete Storylines und das damit verbundene Kayfabe um 1930 verwendet. Vor allem die damals bestehenden Federations wie die frühe American Wrestling Association und die National Wrestling Association wendeten diese an. Dieses Prinzip wurde 1948 dann auch von der National Wrestling Alliance übernommen und weiterentwickelt. So versuchen vor allem die großen Drei des Wrestlings, namentlich die WWE, Impact Wrestling und RoH mit ausführlichen Storylines ihr Publikum zu binden und Interessierte für ihr Wrestlingprodukt zu gewinnen. Die im Wrestling erlittenen Verletzungen, bei denen Wrestler „pausieren“ müssen, entsprechen in der Regel der Storyline. Wenn ein Wrestler sich – aus privaten oder gesundheitlichen Gründen – eine Auszeit nehmen möchte oder muss, so wird er mit einer in einem Match „schwerwiegenden Verletzung“ aus der aktuellen Storyline herausgeschrieben.

Beendigung des Kayfabe durch die WWF[Bearbeiten]

Ende der 1990er Jahre begann die damalige World Wrestling Federation gezielt, das bestehende Kayfabe aufzulösen. In Hollywood begann sie, Zeitungsinserate aufzusetzen, in denen Drehbuchautoren öffentlich aufgefordert wurden sich bei der WWF als Storyline-Schreiber zu bewerben.

Fehden zwischen Wrestlern und Stables[Bearbeiten]

Die Fehdenprogramme einer Liga, also die künstlich entwickelten Auseinandersetzungen zwischen Wrestlern umfassen sowohl den Einzel- als auch den Tag-Team-Bereich. Diese „Fehden“ werden dem Publikum als reale Rivalitäten der betreffenden Parteien dargestellt.

Auch sogenannte Stables der jeweiligen Ligen laufen unter dem Gesichtspunkt der Storyline. Stables können jedoch auch ein unerwartetes Eigenleben entwickeln. So wurde beispielsweise das Stable der Four Horsemen als reines Gimmick aufgestellt, das rund um den damaligen NWA-Champion Ric Flair aufgebaut wurde. Doch im Laufe der Zeit entwickelte dieses Stable sich innerhalb der National Wrestling Alliance und der WCW zu einem realen Machtfaktor, der vor allem den Backstage-Bereich kontrollierte.

Wrestling-Titel[Bearbeiten]

Gewinn[Bearbeiten]

Der Gewinn oder Verlust eines Wrestlingtitels bildet einen wesentlichen Bestandteil der Storyline. Mit dem Erhalt eines untergeordneten Titel einer Promotion beginnt der Aufbau eines Pro-Wrestlers zum Star. Die Promotion zeigt dem Wrestler und dem Publikum damit an, dass sie in den Qualitäten des Betreffenden großes Potenzial zieht und er nun von der Organisation gefördert wird. Der Erhalt einer Championship wird vertraglich für eine bestimmte Dauer fest vereinbart.

Der Karrierehöhepunkt eines jeden Wrestlers ist der Erhalt des höchsten Titels der Promotion. Bei den großen Wrestlingorganisationen wie der WWE, bei Impact Wrestling und der NWA ist dieses ein Welttitel. Bei kleineren Verbänden wird der höchste Titel durch den regionalen Schwergewichtstitel dargestellt.

Festverträge in der unabhängigen Szene[Bearbeiten]

Während die WWE generell ihren Kader mit Festverträgen an sich bindet, werden in der unabhängigen Szene einschließlich der NWA die Wrestler nur für einzelne Matches verpflichtet. Allein die amtierenden Champions bekommen Festverträge, der sie verpflichtet, ihren Titel nur innerhalb der Promotion oder des betreffenden Dachverbandes zu verteidigen. Damit wird verhindert, dass ein amtierender Champion außerhalb seiner Stammpromotion und ohne deren Wissen den Titel verteidigen und womöglich verlieren wird.

Es werden jedoch vielfach fremde Titel in Promotionen ausgekämpft, die dann für ein größeres Publikum sorgen und die Veranstaltungsräume füllen. Dafür werden zwischen den betreffenden Wrestlingorganisationen verschiedene Kooperationsverträge abgeschlossen und eine dementsprechende Storyline ausgearbeitet.

Besonderheiten innerhalb der NWA[Bearbeiten]

Während der Independent Circle seine Titel nur regional austrägt, gelten in der National Wrestling Alliance einige Besonderheiten. Alle ihre Welttitel werden global in allen Affiliates und regionale nur im entsprechenden Wrestling-Territorium.

Titelverlust[Bearbeiten]

Im Wrestling stellen plötzliche Titelverluste die Folge eines uneingeplanten Ereignisses dar. Diese können auf real erlittene Verletzungen zurückzuführen sein. Aufgrund dessen ist dann der amtierende Champion nicht in der Lage, seinen Titel länger zu halten oder zu verteidigen, da er sich auf ungewisse Zeit aus dem aktiven Geschehen zurückziehen muss. Ein anderer Fall ist die Suspendierung eines Pro-Wrestlers aufgrund eines negativen Auffallens in der Öffentlichkeit. Auch bei Verstöße gegen verschiedene Regeln einer Promotion können Titel unerwartet wechseln.

Sonderfälle „Hooker-Match“ und „Screwjob“[Bearbeiten]

Hooker-Match[Bearbeiten]

Einen der zwei Sonderfälle bildet das Hooker-Match. Dieses wird angesetzt, wenn sich ein Wrestler oder ein Champion nicht an die abgesprochenen Handlungsstränge einer Storyline hält oder Matchabläufe während einer Show eigenmächtig abwandelt und dadurch nicht nur die betreffende Show, sondern vielmehr auch die Gesundheit aller Akteure gefährdet. In einem solchen Fall setzen die verantwortlichen Promotionen dann ein solches Hooker-Match an. Dieses ist kein Teil der Storyline, sondern reale Auseinandersetzungen, bei denen der betreffende Wrestler durch einen ihm in allen Punkten überlegenden Gegner öffentlich abgefertigt wird. Bei Titelträgern ist damit in der Regel auch ein Titelverlust verbunden und der Hooker ist für eine gewisse Zeit ein Übergangschampion, bis eine neue Storyline bezüglich der neuen Situation ausgearbeitet wurde.

In den großen Wrestlingverbänden sind diese Hooker-Matches heute sehr selten bzw. werden von diesen gar nicht mehr angesetzt. Im Independentbereich sind diese jedoch noch öfters anzutreffen. Erkennbar ist ein solches Match in der Regel daran, dass der betreffende Wrestler meist bei einer Promo oder Interview im Rahmen einer Show durch einen der anwesenden Offiziellen (in der Regel durch den hauptverantwortlichen Booker) unerwartet darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass er noch am gleichen Abend noch ein Match bestreiten wird. Ein echtes Hooker-Match zeichnet sich dadurch aus, dass der Gegner erst wenige Minuten vor Beginn des Matches – meist wenn der Wrestler und der Referee schon im Ring sind – bekannt gegeben wird. So wird vermieden, dass sich der abzustrafende Wrestler auf seinen Kontrahenten einstellen kann.

Die Marktführer wie WWE führen ihre Hooker-Matches allgemein nur noch im Rahmen einer ausgearbeiteten Storyline.

Screwjob[Bearbeiten]

Den anderen Sonderfall bildet der Screwjob. Dieser führt einen Bruch der laufenden Storyline vonseiten der Offiziellen bei. Das heißt, vonseiten der Geschäftsführung und der Booker. Das bekannteste Beispiel bildet der Montreal Screwjob von 1997. Bei diesem wurde in Kanada Bret Hart um das reguläre Ende seiner aktiven Laufbahn in der damaligen World Wrestling Federation betrogen, als deren Eigentümer Vince McMahon das entscheidende Match vorzeitig abläuten und Hart somit verlieren ließ.

Ein ähnlich gelagerter Fall passierte auch der Wrestlerin Wendy Richter am 25. November 1985 in der WWF, als sie ihren Titel bei der ersten WrestleMania als amtierende WWF-Damen-Championess vorzeitig an ihre ehemalige Mentorin Fabulous Moolah verlor. Moolah wurde von Vince McMahon bei diesem Screwjob als „Hooker“ eingesetzt, da sich Richter mehrmals weigerte, ihren Titel abzugeben, da sich die Storyline zwischenzeitlich geändert hatte. In Folge dieser neuen Storyline sollte Richters Kontrahentin, eine unbekannte und maskierte Wrestlerin, neue Damen-Championess werden. Nach dem unvorhergesehenen Titelverlust entpuppte sich die maskierte Unbekannte namens The Spider Lady als Wendy Richters langjährige Mentorin.

Besonderheit gegenüber Außenstehenden[Bearbeiten]

Im einem Match werden in der Regel alle Schläge und Tritte angedeutet, um die Akteure nicht zu gefährden. Die maximale Schlagkraft in einem Serienmatch liegt bei ca. 45 bis 50 Prozent.

In den kleineren Ligen der unabhängigen Wrestlingszene einschließlich der National Wrestling Alliance werden bei gewissen Konstellationen alle Schläge und Tritte voll durchgezogen, um dem Publikum eine ganz besondere Härte der Auseinandersetzung zu vermitteln. Dieses wird vor allem beim Hardcore-Wrestling und den daraus entstandenen Formen Deathmatch-Wrestling und Ultraviolent-Wrestling angewandt.

Sind in einem Wrestlingring Personen, die außerhalb der Szene stammen oder aus dem Publikum sind und die einen Akteur tätlich angreifen, so haben alle Pro-Wrestler weltweit in allen Ligen die offizielle Order, alle angewandten Aktionen der Verteidigung mit voller Wucht und maximaler Schlagkraft durchzuführen. Das soll verhindern, dass der Heel im Ring (gegen den wahrscheinlich die Aktion des Zuschauers gilt) als „Weichei“ herabgestuft und damit dessen Gimmick ruiniert wird. Ebenfalls werden alle Aktionen von den Wrestlern voll durchgezogen, wenn dieser gegen einen anderen Sportler antritt, wie beispielsweise gegen einen Boxer.

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