Skill

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Skillerwerb im Wagnisbereich (Thüringen 1955)

Skill (aus altnordisch „skil“, engl. „skill“) bedeutet „Geschicklichkeit“, „Erfahrung“, „Kunstfertigkeit“, „Kenntnis“, „Können“, „Kompetenz“.[1]

Begriff[Bearbeiten]

Skills bezeichnen die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen, etwas sachgerecht bewerkstelligen zu können. Sie beschreiben, dass er sich in einem bestimmten Betätigungsfeld autodidaktisch oder durch eine spezifische Ausbildung sachkundig gemacht hat und entsprechend geübt, bewandert und ausgewiesen ist. In ihrer Summe charakterisieren sie die Qualifikation auf einem bestimmten Gebiet. Skills sagen etwas über die Eignung eines Menschen für seinen Beruf, über sein erworbenes Leistungsprofil, über sein Risikomanagement in Gefahrensituationen oder über das Umgangspotenzial mit anderen Menschen aus und beschreiben, inwieweit der Mensch in der Lage ist, in dem jeweiligen Umfeld selbstständig, sicher, erfolgreich und verantwortungsvoll zu agieren.[2]

Kompetenzgebiete[Bearbeiten]

Die erworbenen Fertigkeiten (acquired skills) können sich im Qualifikationsspektrum als sogenannte „Grundkompetenzen“ (basic skills) etablieren, etwa auf dem Gebiet des Sports, der Sprache, der Wissenschaft oder der allgemeinen Intelligenz. Sie können sich aber auch in den unterschiedlichen Anwendungsbereichen in Spezialdisziplinen weiter ausdifferenzieren, etwa auf dem Gebiet des Reitens (riding skills), des Fliegens (flying skills), auf dem Gebiet des Handwerks (mechanical skills), der Menschenführung (entrepreneurial skills), der Wissenschaft (analytical, cognitive skills), der Kunst (artistic skills) oder einer Berufsqualifikation (occupational, professional skills).[3]

Die Handlungsfähigkeit im realen Leben bestimmt sich entsprechend der Komplexität des Anwendungsbereichs aus einer Vielzahl solcher Skills aus technischen, intellektuellen, physischen, kommunikativen, sozialen Einzelfähigkeiten, wobei sogenannte „Schlüsselqualifikationen“ (key skills) eine wesentliche Rolle spielen.

Hard Skills und Soft Skills[Bearbeiten]

„Hard Skills“ sind klar fixierbare, durch Prüfungsnachweise gesicherte Fertigkeiten. Sie betreffen die rein fachliche bzw. berufliche Qualifikation und lassen sich weitestgehend quantitativ erfassen, objektivieren und vergleichen. Hard Skills werden in vielfältiger Weise erhoben, etwa für die Fahrerlaubnis eines Kraftfahrzeugs, die Lizenz eines Segelfliegers, den Zugang zu einer Hochschule oder die Aushändigung eines Meisterbriefs im Handwerk. Sie werden als unverzichtbar notwendige Qualifikationsmerkmale verstanden. Sie stellen die Basis für den Erfolg der angestrebten Tätigkeit dar und werden entsprechend als verlässliche Standardkompetenzen vorausgesetzt.[4]

Unter “Soft Skills” werden sogenannte „sanfte“ oder „weiche“ Kompetenzen verstanden, die sich im Wesentlichen auf Eigenschaften der Persönlichkeit beziehen, einen stark subjektiven Charakter haben und entsprechend schwieriger objektivierbar sind. Es sind Kompetenzen, die im zwischenmenschlichen Bereich, im Umgang mit anderen Menschen, im Bezug auf die Arbeitsmoral und das Klima in der Gemeinschaft bedeutend sind. Sie bewegen sich auf dem emotionalen, sozialen und wertethischen Sektor und spiegeln die Einstellung des Einzelnen, seine Motivation und seine Einsatzbereitschaft wider. Obwohl nicht zuverlässig nachweisbar, spielen die Soft Skills für die Gesamtqualifikation ebenfalls eine wesentliche Rolle. Sie werden als „wünschenswerte“ Qualifikationsmerkmale gesehen, die das Zusammenleben fördern und besonders für Führungskräfte unverzichtbar sind.[5]

Die Hard Skills stehen als Kompetenzausweis zunächst an vorderster Stelle. Niemand würde sich gern von einem Arzt operieren oder einem Anwalt vor Gericht vertreten lassen, der die Hard Skills einer langen Berufsausbildung nicht erfolgreich durchlaufen hat. Darüber hinaus sind aber auch die Soft Skills der Persönlichkeit für die Patienten bzw. Klienten wichtig, um Vertrauen zu dem jeweiligen Helfer aufbauen zu können.

Skills versus Thrills[Bearbeiten]

In Gefahrensituationen kommt den Hard Skills als Bestandteilen eines gekonnten Risikomanagements eine große Bedeutung zu, da es im Extremfall um die Bedrohung von Leib und Leben für sich und andere geht. Die Soft Skills spielen dabei insofern eine maßgebliche Rolle, als sie bestimmend sind für das Wertbewusstsein und die Verantwortungsfähigkeit, mit der vor allem freiwillig Abenteuer eingegangen, Extremsportarten ausgeübt, gefährdende Situationen aufgesucht werden. Der Experimentalpsychologe Siegbert A. Warwitz unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen „Thrill-Suchern“ und „Skill-Suchern“:[6] Kennzeichnet sich der Thrill-Sucher dadurch, dass sein Handeln vorrangig auf das bloße Erleben eines Nervenkitzels ausgerichtet ist, bei dem das Gelingen mit einem erheblichen Anteil dem Zufall und einem freundlich gesinnten Schicksal überlassen bleibt, so strebt der Skill-Suchende das minutiös geplante, wertebasierte, von optimaler Qualifikation getragene, verantwortungsvoll eingegangene Wagnis an. Der Skill-Sucher ist nach Warwitz ein Mensch, der im Wagnis nicht ein öffentliches Spektakel, eine Sensation, eine Geltungssucht auslebt, sondern mit seiner Tendenz, persönliche Grenzen zu sprengen, Lebensmöglichkeiten zu erweitern und zu intensivieren, einer ethisch vertretbaren Sinnsuche nachgeht. Der Deutsche Alpenverein hat diese Problematik über seinen engeren Zuständigkeitsbereich, den Alpinismus, hinaus mit Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft unter der Fragestellung Risiko – Gefahren oder Chancen? auf mehreren Tagungen und Kongressen intensiv diskutiert.[7] Der Pädagoge Martin Scholz hat die Thematik unter dem Stichwort „Sinnorientierungen im Sport“ für die Erlebnispädagogik aufgegriffen.[8] Der Verhaltensforscher Felix von Cube hat dem Skill im Rahmen seiner verhaltensbiologischen Analysen des Umgangs mit dem Risiko Öffentlichkeit verliehen, indem er ausführt, dass nicht Wagnisverweigerung, sondern nur die Konfrontation und das allmähliche Beherrschen von Gefährdungen und Bedrohungen zu einem gekonnten Risikomanagement und zu mehr Sicherheit führt.[9][10] Der Koreaner Ryu Cheong-san hat sich mit der Bedeutung von Skills speziell unter erzieherischen Gesichtspunkten auseinandergesetzt.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stichwort „skill“, In: Cassell´s German and English Dictionary, ed. by Karl Breul, Cassell and Company, LTD, 10. Edition, London-Toronto-Melbourne-Sydney 1952, S. 534.
  • Stichwort „skill“, In: Paul Hemetsberger (Hrsg.): dict.cc, GmbH: Deutsch-Englisches Wörterbuch, Wien 2017
  • Ryu, Cheong-san: Die pädagogische Bedeutung von Soft Skills und Hard Skills. In: Journal der koreanischen praktischen Künste 23 (2017) S. 1-17.
  • Siegbert A. Warwitz: Sensationssucht oder Sinnsuche, Thrill oder Skill. In: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. 2., erweiterte Auflage. Baltmannsweiler 2016, ISBN 978-3-8340-1620-1, S. 300 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Skill – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cassell´s German and English Dictionary, ed. by Karl Breul, Cassell and Company, LTD, 10. Edition, London-Toronto-Melbourne-Sydney 1952, S. 534
  2. Siegbert A. Warwitz: Sensationssucht oder Sinnsuche, Thrill oder Skill, In: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. 2., erweiterte Auflage. Baltmannsweiler 2016, S. 300
  3. Stichwort skill, In: Paul Hemetsberger (Hrsg.): dict.cc, GmbH: Deutsch-Englisches Wörterbuch, Wien 2017
  4. Ryu, Cheong-san: Die pädagogische Bedeutung von Soft Skills und Hard Skills. In: Journal der koreanischen praktischen Künste 23 (2017) S. 1-17
  5. Ryu, Cheong-san: Die pädagogische Bedeutung von Soft Skills und Hard Skills. In: Journal der koreanischen praktischen Künste 23 (2017) S. 1-17
  6. Siegbert A. Warwitz: Sensationssucht oder Sinnsuche, Thrill oder Skill, In: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. 2., erweiterte Auflage, Baltmannsweiler 2016, S. 300
  7. Deutscher Alpenverein (DAV)(Hrsg.): Risiko – Gefahren oder Chancen? Tagungsbericht der Ev. Akademie Bad Boll, München 2004
  8. Martin Scholz: Erlebnis-Wagnis-Abenteuer. Sinnorientierungen im Sport. Hofmann, Schorndorf 2005
  9. Felix v. Cube: Gefährliche Sicherheit. Lust und Frust des Risikos. 3. Auflage, Hirzel, Stuttgart 2000
  10. Siegbert A. Warwitz: Die Theorie des Sicherheitstriebes, In: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. 2., erweiterte Auflage. Baltmannsweiler 2016, S. 242-259
  11. Ryu, Cheong-san: Die pädagogische Bedeutung von Soft Skills und Hard Skills. In: Journal der koreanischen praktischen Künste 23 (2017) S. 1-17

Siehe auch[Bearbeiten]

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