Schnippeldisko

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Schnippeldisko ist eine im Jahr 2012 entwickelte Aktionsform, die es erlaubt, Teilnehmer von Massenaktionen mit vegetarischem Essen zu versorgen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bei Kundgebungen mit überregionaler Mobilisierung stellte sich immer die Frage der angemessenen Verpflegung. Keine professionell organisierte Manifestation möchte heute noch die Empfehlung ausgeben, ein jeder solle sich durch mitgebrachtes selbst versorgen - wenn durch gemeinsames Kochen auch eine viel schönere Option zur Verfügung steht. Viele, die im Rahmen eines Castortransportes stundenlang bei nasskaltem Wetter an der Bahntrasse (Harlingen) durch den Wald geirrt sind, werden bestätigen können, wie eine heiße Suppe eine sehr willkommene Stimmungsverbesserung bewirken kann. Überall, wo sich viele motivierte Menschen zusammen finden, um in Differenz zur Gravitation des Existierenden zu bestehen, gibt es den Trend zur zeitlichen Ausdehnung. Nach einer Stunde der Proklamationen möchte man noch nicht nach Hause gehen. Wie man etwa beim G8 Gipfel Heiligendamm sehen konnte, ist das durchaus auch unter Außerachtlassung jeglicher gesicherten Daseinsvorsorge tagelang möglich. Doch längst gibt es mobile Volksküchen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, auch unter abenteuerlichen Umständen tausende schmackhafter Gerichte zuzubereiten. Einige dieser Küchengruppen stammen noch aus wendländischen Zeiten, und seit dem ist die Redewendung, auch essen sei eine politische Handlung, nicht mehr weg zu denken. Der Löwenanteil der anfallenden Arbeiten wird dabei von freiwilligen Helfern, den sogenannten Schnipplern geleistet, die das Gemüse waschen und mundgerecht zuschneiden (selten auch schälen). Erfahrungsgemäß ist es nicht einfach, genügend Schnippler zu bekommen, die sich vor dem eigentlichen Programm einfinden, um das Essen vorzubereiten. Bietet man diesen aber auch zu früher Stunde bereits ein attraktives Unterhaltungsprogramm mit Musik, wird alles leichter zu bewältigen. Durch die dann erreichbare zahlenmäßige Stärke können sie getrost ihrem ganz eigenen Arbeitstempo überlassen werden – so entstand die Idee zur Schnippeldisko. Eingedenk der Tatsache, dass man ist, was man isst, kann die Essenzubereitung dabei eine mehr oder weniger zentrale Rolle des Gesamten ausmachen. Inzwischen ist die Schnippeldisko ein selbstständiges Veranstaltungsformat geworden.

Akteure[Bearbeiten]

Erstmalig angewendet wurde dieses Prinzip für die (2.) Wir haben es satt![1] Demo in Berlin am 20./21. Januar 2012, die vom Meine Landwirtschaft[2] Bündnis organisiert wurde, wobei die Slow Food Youth Deutschland[3] für die Schnippeldisko am Vorabend verantwortlich war. Ausführende Volksküche war Fläming Kitchen, die diese Funktion seit damals auf zahlreichen Großveranstaltungen Mitteleuropas übernahmen und so zur Verbreitung des Konzeptes beitrugen. Die nahtlose Integration von Schnippeln, Kochen und gemütlichem Essen in ein öffentlichkeitswirksames Rahmenprogramm hat nun Eventcharakter erlangt und wurde in aller Welt erfolgreich erprobt.

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

  • Der Vorläufer: Feeding the 5000, 2009, London [4]
  • Vokü bei der Filmgala zu Taste the Waste, Aachen, 19. September 2011 [5]
  • Disco Soupe 1, diese Gruppe trug mit ihrer website maßgeblich zur globalen Bekanntheit bei, Februar 2012, Paris [6]
  • international: Niederlande, Spanien, Italien, Brasilien, USA, Neuseeland, Südkorea, Indien...(Berichte dazu im Social Media)
  • Katholikentag, Regensburg, 2014 [7]

Durchführung[Bearbeiten]

Wer eine Schnippeldisko plant, sollte Erfahrungen im improvisierten Zubereiten der praktisch nie nach Wunschliste beschafften Gemüse haben. Die Tafeln und lokale SoLaWi-Landwirte haben oft mit nicht-der-Norm-entsprechendem Gemüse geholfen. Zu den von den Gesundheitsämtern regelmäßig eingeforderten Auflagen gehört zum Beispiel die formale Belehrung der Schnippler zur Hygiene. Beim Aufbau erfordern die vielen nötigen Sitzgelegenheiten noch den größten Aufwand, neben Bühne, Essensausgabe, Abwaschstraße usw. Die Verwendung von Einweggeschirr wird als eher kontraproduktiv angesehen. Eine notwendige Mindestanzahl an Schnipplern gibt es so zwar nicht, aber man sollte nicht hoffen, dass pro Stunde und Nase mehr als 15 Portionen Gemüseklein entstehen. Die Abgabe der Speisen erfolgt mit der unausgesprochenen Bitte um eine Spende nach Selbsteinschätzung. Da meistens Reste übrig sind, werden diese in der Regel noch am Schluss verteilt.

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

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