Scherif Amrawi

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Sherif Muhammad Amraoui (* 1944; † 19. Juni 2005), auch Amrawi, war ein Imam aus Meknes. Er entstammte der nördlichen Wazzane-Linie (Ouezzane) marokkanischer Shurafa (Scherifen), sein Vater war gar selbst in Moulay Idris geboren worden, dem Ort des Grabes von Idris I. Obwohl arabischer Nachkomme des Propheten Mohammed (Idrisiden), wuchs Amraoui inmitten von arabisierten Berbern und berberisierten Arabern auf. Für Araber oder Berber gänzlich untypisch hatte Amraoui wie aber viele seiner nordmarokkanischen Verwandten grüne Augen.

Unter dem Druck der Verhaftungswelle im Anschluss an republikanische Umsturzversuche Anfang der 1970er Jahre übersiedelte er vorübergehend nach Salé - jene Küstenstadt, die schon im 17. Jahrhundert Republik gewesen war. Mit religiös ummantelter Kritik am Absolutismus des damaligen Königs Hassan II. gewann er schließlich im konservativen Meknes eine kleine Schar sowohl arabischer als auch berberischer Schüler und Anhänger - ebenso aber das Misstrauen reicher Shurafa anderer Linien, da zum Beispiel auch die Königsfamilie der Alaouiden (Alawiden, nicht verwechseln mit Aleviten in Syrien/Libanon oder der Türkei) einen Prophetenstammbaum beansprucht. Wegen seiner als "unstandesgemäß" empfundenen Heirat ließen ihn die reichen Verwandten fallen. Amrawi musste fortan als Fahrer im Innenministerium seinen Lebensunterhalt verdienen. Das hinderte ihn nicht daran, Kritik an Hassans Treffen mit Israels damaligem Premier Peres (1986) zu üben ebenso wie an Algerien und Spanien, denen er gemeinsame Pläne zur Teilung Marokkos vorwarf (Westsahara-Frage). Scharf kritisierte er vor allem die Politik der USA, im Orient pro-westliche Diktaturen gegen deren Völker zu unterstützen, um einen demokratischen Siegeszug der Re-Islamisierung zu verhindern. 2003 begrüßte er den Putschversuch in Mauretanien, der sich gegen die Hinwendung dieses vom Militär regierten Nachbarlandes zu den USA und Israel gerichtet hatte.

Einige seiner Kinder und Brüder dienen zurzeit im Staatsapparat des Hassan-Nachfolgers Muhammad VI., ein Sohn ist auf der Militärakadamie ausgerechnet der Luftwaffe, von der die Putschversuche 1971 und 1972 einst ausgegangen waren. Ein Bruder Amraouis ist bereits Oberst der Armee. Seine sechs Töchter unterstützen die zaghafte Emanzipationspolitik des Königs.

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