Rudolf von Ribbentrop

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Rudolf Joachim von Ribbentrop (* 11. Mai 1921 in Wiesbaden) ist ein ehemaliger persönlich haftender Geschäftsführer und Gesellschafter der Henkell & Co. Sektkellerei, vormals deutscher Offizier, zuletzt im Rang eines SS-Hauptsturmführers. Er ist der älteste Sohn des 1945 zum Tode verurteilten NSDAP-Politikers Joachim von Ribbentrop[1] und ein Enkel des Sektunternehmers Otto Henkell.

Leben[Bearbeiten]

Rudolf kam 1921 als erstes von insgesamt fünf Kindern des Ehepaars Joachim und Anneliese von Ribbentrop (geb. Henkell) in Wiesbaden zur Welt. Er hat zwei Schwestern (Bettina und Ursula) sowie zwei Brüder (Adolf und Barthold), die allesamt noch am Leben sind. Der Bruder Adolf Henkell-von Ribbentrop ist der Stiefvater des ehemaligen deutschen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.[2] Nach seiner schulischen Ausbildung auf einem Berliner Gymnasium sowie einem Auslandsjahr an der Westminster School in London[1] im Jahr 1936 schickten ihn seine Eltern auf eine NAPOLA in Ilfeld im Südharz.[1] Im Anschluss leistete er seinen sechsmonatigen Freiwilligendienst beim Reichsarbeitsdienst ab und meldete sich 1939 zu Kriegsbeginn zur SS-Verfügungstruppe, der späteren Waffen-SS. Somit folgte Rudolf den Spuren seines Vaters Joachim, dessen Vaters und eines Urgroßvaters, welche alle bereits in zwei verschiedenen Kriegen (Deutsch-Dänischer - und Erster Weltkrieg) gedient und Auszeichnungen erhalten hatten.[1]

Am 1. September desselben Jahres wurde er als Rekrut dem Infanterieregiment SS-Standarte "Deutschland" unter SS-Standartenführer Felix Steiner zugeteilt.[1] Mit dieser Kompanie nahm er auch unter anderem am Frankreichfeldzug teil und erlitt seine erste Verwundung. Im Zuge dessen erhielt Ribbentrop das Eiserne Kreuz II. Klasse[1] und wurde am 13. August 1940 zum SS-Sturmmann befördert; anschließend erfolgte die Kommandierung an die SS-Junkerschule in Braunschweig. Rudolf schloss den Lehrgang erfolgreich ab und war nun Standartenoberjunker, ein Anwärter auf den Rang eines SS-Unterführers. Am 20. April 1941 erhielt er eine Beförderung zum SS-Untersturmführer und, während der deutschen Russlandoffensive, als Zugführer das Kommando über die erste Kompanie der SS-Division Nord in Finnland.[1] Im Zuge dessen wurde er abermals verwundet und soll den Finnischen Freiheitsorden verliehen bekommen haben. Im Februar 1942 konnte er die Heilanstalten Hohenlychen wieder verlassen und kam zum neu aufgestellten Panzerregiment der 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler[1], wo er erst die Führung des dritten, dann des sechsten und schließlich des siebten Zuges übernahm. Als Zugführer der siebten Kompanie erlitt er abermals Verwundungen und erhielt daraufhin das Eiserne Kreuz I. Klasse. Im Rahmen des Unternehmens Zitadelle im Jahr 1943 verdingte er sich unter anderem in der Schlacht um Charkiw und wurde mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.[3] Am 1. August desselben Jahres wechselte Ribbentrop von der Ost- an die Westfront und trat als SS-Obersturmführer der 12. SS-Panzer-Division Hitlerjugend bei. Hier wurde er während einer Autofahrt bei Le Neubourg am 3. Juni 1944 vom Feuer einer britischen Spitfire-Maschine getroffen und zum vierten Mal verwundet. Später bescherte Rudolf der Verteidigungskrieg in der Normandie das Deutsche Kreuz in Gold[4], seine letzte Auszeichnung, außerdem wurde er in Frankreich auch ein fünftes Mal verletzt. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Hauptsturmführer Rudolf von Ribbentrop mit seiner Einheit vor den amerikanischen Streitkräften in Österreich.[1]

Nach dem Krieg strengte er mit seiner Mutter Anneliese, Tochter des Sektfabrikanten Otto Henkell, einen Prozess gegen die Firma Henkell & Co. Sektkellerei und seinen Cousin Otto Henkell junior als deren Chef an. Auf der Grundlage eines Vertrags von 1942 durfte Anneliese einen ihrer Söhne zum geschäftsführenden Gesellschafter der Firma Henkell ernennen. Sie ernannte ihren ältesten Sohn Rudolf dazu. Der Cousin Otto Henkell junior widersetzte sich dem, und auch der Aufsichtsrat hielt es nicht für verkaufsfördernd, nach Joachim von Ribbentrops Verurteilung und Hinrichtung einen Namensträger Ribbentrop in der Geschäftsleitung zu haben. Rudolfs Mutter beharrte jedoch auf ihren Rechtsanspruch, und verklagte, zusammen mit ihrem Sohn Rudolf, ihren Neffen Otto Henkell junior als den Chef der Henkell & Co. Sektkellerei; allerdings benannte sie in der Folge ihren weiteren Sohn Adolf, der seinen Namen in Henkell-von Ribbentrop änderte, zum geschäftsführenden Gesellschafter.[5][6] Rudolf von Ribbentrop betätigte sich ab 1964 im Bankhaus Lampe in Frankfurt am Main und bei der Sektkellerei Henkell in Wiesbaden.[7][8][5]

1974 bis Ende 1981 war Rudolf von Ribbentrop Geschäftsführer der Henkell & Co. Sektkellerei und hielt einen persönlichen gesellschaftlichen Anteil von 18,5 Prozent am Unternehmen. Diese veräußerte er, ebenso wie die anderen Mitglieder des "Henkell-Clans" ihre Anteile, 1986 an drei Kinder des Lebensmittelmagnaten Rudolf August Oetker.[9]

1960 heiratete er Ilse-Marie Freiin von Münchhausen († 2010).[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf von Ribbentrop: Mein Vater Joachim von Ribbentrop: Erlebnisse und Erinnerungen. 2., aktualisierte Auflage. Ares Verlag, Graz 2013, ISBN 978-3-902732-23-1 (504 S.).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Jack: In the SS, in Nine Battles, Wounded Five Times & Awarded Nazi Germany’s Highest Award. Warhistoryonline.com, 8. August 2015, abgerufen am 30. Mai 2017 (englisch).
  2. Peter Mühlbauer: Elitenkontinuität. Heise.de, 11. November 2009, abgerufen am 30. Mai 2017: „Über die familiären und finanziellen Verbindungen Karl Theodor von und zu Guttenbergs“
  3. Walther-Peer Fellgiebel: Die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes 1939–1945. Ergänzungsband. Podzun-Pallas-Verlag GmbH, Friedberg 1992, ISBN 3-7909-0342-6 (40 S.).
  4. Klaus D. Patzwall; Veit Scherzer: Das Deutsche Kreuz 1941–1945. Inhaber und Geschichte. Band 2. Patzwall, Norderstedt 2001, ISBN 978-3-931533-45-8 (Verlagsseite [abgerufen am 30. Mai 2017]).
  5. 5,0 5,1 Familie Ribbentrop: Die Qualität des Sektes. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1951, S. 12–15 (online28. November 1951).
  6. Adolf Richard Barthold von Ribbentrop. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1963, S. 88 (online20. März 1963).
  7. Dr. Oetker und die Nazis. In: sueddeutsche.de. 20. Oktober 2013, abgerufen am 23. Mai 2017.
  8. Landeszentrale für politische Bildung Hamburg: Rudolf Pahl, hamburg.de
  9. Noble Hochzeit. Drei Oetker-Kinder wurden Besitzer eines neuen Sektimperiums. In: Die Zeit-Online. 4. Juli 1986, abgerufen am 30. Mai 2017.
  10. Genealogisches Handbuch der adeligen Häuser. In: Hans Friedrich von Ehrenkrook (Hrsg.): Genealogisches Handbuch des Adels. Band 127. Lahn Starke, 1998, ISBN 3-7980-0815-9, ISSN 0435-2408, S. 420 (655 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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