Rudolf Schlegel

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Rudolf Schlegel (* 11. Juli 1913 in Chemnitz - 2. März 1979 in Friedrichshall) war ein Angehöriger des Sicherheitsdienstes der SS (SD). In den besetzten Gebieten der Sowjetunion war er an mehreren Massentötungen von Zivilisten beteiligt.

Werdegang[Bearbeiten]

In Chemnitz besuchte er die Volksschule. Am Reform-Realgymnasium in Chemnitz legte er im März 1933 die Prüfung zum Abitur erfolgreich ab. Es folgte ein Vorbereitungslehrgang für den Beruf eines Gewerbelehrers für sechs Monate. Danach begann er ein Studium am Pädagogischen Institut der Technischen Hochschule Dresden.

In seiner Studienzeit leistete er einen freiwilligen Arbeitsdienst vom 1. Februar bis 10 Mai 1934 ab. Vom 1. November 1935 bis zum 30. September 1936 diente er als Soldat beim Flakregiment 10 in Dresden. Seit dem 1. Mai 1937 war er Mitglied der NSDAP. Am 5. Mai 1937 trat er in die SS ein. Die Prüfung zum Gewerbelehrer bestand er im Herbst 1938.

Karriere beim SD[Bearbeiten]

Um ein Studium im Ausland zu beginnen und die finanziellen Mittel zu erlangen, bewarb er sich Anfang 1939 beim SD-Oberabschnitt Elbe (SDOA Elbe) in Leipzig, wo er als Angestellter im Bereich Volkstum und Volkskunde tätig wurde. Mit dem Beginn des Krieges am 1. September 1939 blieb er als hauptamtlicher Angehöriger beim SD. Da der SDAO Elbe nach Dresden verlegt wurde, nahm er eine Tätigkeit beim SD-Abschnitt Chemnitz im Sachbereich der kulturellen Fragen auf. Seit Ende 1940 begann er eine Lehrtätigkeit an der Polzeischule in Pretzsch im Fach Geschichte.

Im Kriegsdienst auf sowjetischen Territorium[Bearbeiten]

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde er dem Einsatzkommando 8 (Ek 8) [1] eingeteilt. Das Ek 8 folgte der Wehrmacht im Bereich des Mittelabschnitts. In Minsk blieb das EK 8, um dann nach Mogilew verlegt zu werden. Schlegel blieb mit einem Teilkommando ab Ende 1941 in Minsk, wo er der Dienstelle des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD (KdS) in Minsk angehörte bis zum Mai 1943. Am 1. September 1942 war er zum SS-Hauptsturmführer befördert worden.

Nach der Versetzung zum SD-Abschnitt Prag im Mai 1943 blieb er dort bis in den letzten Monaten des Krieges. Zuletzt erfolgte eine Kommandierung zum Begleikommano Wlassow in Tirol.[2]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Bei Kriegsende tauchte er als Zivilist unter, wobei er seine Militärausweise vernichtet hatte. Als Arbeiter in der Landwirtschaft und in einer Ziegelei wurde er bis 1949 tätig. Danach war er Vertreter für Schokoladenarikel. Im Jahre 1955 nahm er eine Beschäftigung bei der Firma Daimler-Benz in Stuttgart-Untertürkheim auf, wo er als Ausbilder im Gebiet der kaufmännischen Lehre unterrichtete. Am 6. Mai 1960 wurde Schlegel wegen des Verdachts auf Verbrechen in den besetzzten Gebieten der Sowjetunion verhaftet.

Der Prozess[Bearbeiten]

Am 21. Mai 1963 verurteilte das Landgericht Koblenz Schlegel wegen folgender Strafftaten:

- bei der sogenannten "Märzaktion 1942" war er an einer Massenexekution von insgeamt 1000 Personen beteiligt, wobei er eigenhändig eine ungenannte Zahl erschoss.

- im Zeitraum von April bis Juni 1942 wurden 200 Juden vom Ghetto Slonim[3] unter seinem Kommando getötet, wobei er eigenhändig an den Tötungen mitwirkte.

- bei einer Massentötung von Juden mit Gaswagen wirkte er im Sommer 1942 mit, wobei 900 Menschen umkamen.

- als Begleiter eines Transports, wo er die Aufsicht führte und überwachte, wurden 400 Personen zu einer Hinrichtung geführt.

- bei der Auflösung des Ghetto Sluzk wurden 1600 Juden umgebracht. Schlegel beteiligte sich persönlich daran, wobei er etwa 20 Menschen tötete.

Diese Straftaten wurden als Beihilfe zum Mord gewertet. Er wurde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

In einer Personalbeurteilung zu einer Ordensverleihung im April 1942 wurde Schlegel wie folgt beurteilt:

„SS-Obersturmführer Rudolf Schlegel hat seit Beginn des sicherheitspolizeilichen Einsatzes in Weißruthenien die nachrichtendienstliche Arbeit in vorbildlicher Weise aufgebaut. Besondere Verdienste hat er sich im Hinblick auf die Erfassung der polnischen Widerstandsbewegung, der in Weißruthenien aufgetretenen Schwierigkeiten und der dortigen Befriedung dieses Raumes erworben. Von außenstehenden übergeordneten Dienststellen wurde dem SS-Obersturmführer Rudolf Schlegel persönlich wiederholt die höchste Anerkennung für seine Arbeitsleistung ausgesprochen.“[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einsatzkommando 8
  2. Irene Sagel-Grande et al., Justiz und NS-Verbrechen, Band 19, Lfd.-Nr. 552, S.163 ff, Amsterdam
  3. Ghetto Slonim in der englischsprachigen wikipedia
  4. Christina Ullrich: "Ich fühl' mich nicht als Mörder" - Die Integration von NS-Tätern in die Nachkriegsgesellschaft,. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2011, S. 264.
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