Rüstung für Feld und Turnier des Matthäus Lang von Wellenburg

Aus MARJORIE-WIKI
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rüstung des Matthäus Lang von Wellenburg, Bischof von Gurk

Die Rüstung für Feld und Turnier des Matthäus Lang von Wellenburg ist eine deutsche Rüstung, die 1511 für Matthäus Lang von Wellenburg (* 1468 in Augsburg als Matthäus Lang; † 30. März 1540 in Salzburg) 1505 Fürstbischof von Gurk bis 1522, 1510 Bischof von Cartagena und ab 8. Juni 1519 Erzbischof von Salzburg, sowie vom 26. Februar 1535 Kardinalbischof von Albano. Der ausführende Plattner war der berühmte Augsburger Rüstungsschmied Konrad Seusenhofer (* um 1450-1460 Geburtsort unbekannt, vermutlich Augsburg; † 10. Mai 1518 in Innsbruck, Tirol). Seusenhofer war der bedeutendste Plattner der Frührenaissance in Mitteleuropa.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rüstung ist al typischer Maximiliansharnisch gearbeitet. Sie besteht aus einem Helm, Ringkragen, Brust- und Rückenpanzer, ganzen Armzeugen, Bauch- und Gesäßreifen, Tassetten und Beinzeugen. Der Helm ist leicht oval, zum Hals hin schmaler werdend gearbeitet. Die Helmoberseite ist gerieft und mit einem niedrigen Kamm ausgestattet. Das Visier des Helmes ist als Blasebalg- oder Faltenvisier gestaltet, wonach die Bezeichnungen von der Visierform abgeleitet wurden. Das Visier ist einteilig und mit fünf „Falten“ versehen. Auf der rechten Seite ist eine Mechanik angebracht, die das Öffnen und Verschließen des Helmes mit behandschuhten Fingern erleichtern soll.

Der Ringkragen ist vierfach geschoben.

Brust- und Rückenpanzer sind teils breit gerieft und besitzt blanke und glatte Stellen. In Abständen sind doppelte, vertikal ausgearbeitete Riefen angebracht, die über den gesamten Panzer verlaufen. Dazwischen liegen glatte und blanke Felder, die unverziert sind. Auf der rechten Brustseite ist ein Rüsthaken angebracht, der zum Auflegen der Lanze beim Anritt dient. Auf dem Brustpanzer sowie an den Armzeugen sind Löcher angebracht, die zur Aufnahme von Verstärkungs- oder Wechselteilen dienten, die heute jedoch nicht mehr erhalten sind.

Die Armzeuge sind asymmetrisch gearbeitet. Beide Schulterpanzer (Achseln) sind mit einem hohen Brechrand ausgestattet. Die Oberarmröhren sind im Bereich der Schulterpanter vierfach geschoben und durch Drehgelenken mit den Ellbogenpanzern verbunden. An den Ellbogenpanzern sind große Ellbogenkacheln angebracht. Das Armzeug ist geschlossen gestaltet, was heißt, das auch die Ellbogeninnenseiten durch Geschübe geschützt sind. Die Unterarmröhren sind zweiteilig gestaltet und verriegelbar. Die gerieften Panzerhandschuhe sind als Hentzen ausgeführt und auf dem Handrücken fünffach, an den Fingerplatten dreifach geschoben. Die Daumen sind separat hergestellt und beweglich mit dem Handpanzer verbunden. Die Daumen sind vierfach geschoben.

Die Bauchreifen bestehen aus vier flachen Bändern die ebenfalls geschoben und durch Nieten beweglich verbunden sind.

Die Tassetten sind gerieft und an den Bauchreifen mit Lederriemen und Schnallen befestigt und fünffach beweglich geschoben. Sie reichen bis auf die Oberschenkel.

Die Beinpanzer sind größtenteils gerifelt und bestehen aus den Oberschenkelröhren, die nach hinten geöffnet und mit Lederriemen am Bein fixiert sind. Die Kniepanzer sind auf der Vorderseite halbrund gearbeitet und auf der Außenseite mit Kniekacheln versehen. Die Unterschenkelpanzer sind zweiteilig und nicht gerieft sondern glatt und blank. Sie können mit Haken verschlossen werden. Die Panzer an den Knöcheln sind vierfach geschoben, die am Oberfuß gerieft und fünffach geschoben. Der Vorderfußpanzer besteht aus zwei Platten, die über und unter den Zehen befestigt sind.


Die Dekoration verläuft auf der gesamten Rüstung fast gleich. Sie sind in den Doppelbändern angelegt, die horizontal und vertikal angelegt sind. Die Doppelbänder sind von jeweils drei Riefen begrenzt. Die Dekore im Inneren der Doppelbänder bestehen aus Blumen, Blüten, Ranken, Putten, Fabelwesen und Laubwerk. Die geätzten Darstellungen sind im Anschluss vergoldet worden. An den Außenseiten der jeweils äußeren Riefen ist eine Art Nahtmuster angebracht, das an allen Dekorbändern zu finden ist.

Die Rüstung wird heute im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt.

Literatur[Bearbeiten]

  • K.K. Ambraser-Sammlung, Eduard Freiherr von Sacken: Geschichtliche Einleitung und die Rüstkammern, Band 1. W. Braumüller, Hofbuchhändler, 1855, S. 177.
  • Schlosssammlung Ambras: Übersicht der kaiserlich-königlichen Ambraser-sammlung (in unteren k.k. Belvedere) nach ihrer dermaligen aufstellung. Ausgabe4 Auflage. 1858, S. 1 , NR. 56.

Weblinks[Bearbeiten]

Info Sign.svg Dieser Artikel wurde gemäß CC-BY-SA mit der kompletten Versionsgeschichte aus dem ehemaligen Waffentechnik-Wiki importiert.