Psychodynamische Intelligenz

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Der Begriff Psychodynamische Intelligenz (PsyQ), früher auch als "Persönlichkeitsbildender Quotient" bekannt, umfasst verschiedene Aspekte der menschlichen Intelligenz. Damit angesprochen sind vorwiegend rationale, emotionale und spirituelle Intelligenz sowie ihr emergentes Zusammenwirken[1].

Definition[Bearbeiten]

PsyQ bezeichnet in der Literatur von Linda Roethlisberger und den daran anknüpfenden Publikationen anderer Autoren die sog. psychodynamische Intelligenz[1][2]. Dabei wird diese hauptsächlich als ein emergentes, dynamisches Zusammenwirken der drei Intelligenzen von IQ (rationale Intelligenz), EQ (emotionale Intelligenz) und SQ (spirituelle Intelligenz) begriffen[3].

Grundlegendes[Bearbeiten]

Der Begriff PsyQ wurde erstmals von Linda Roethlisberger im Jahr 2000 in die Literatur eingeführt[4][5], den sie anfänglich in der ausgeschriebenen Form auch als persönlichkeitsbildenden Quotienten[3] und teilweise auch als das "menschliche schöpferische Potenzial“[6] sowie als trilogische[7] Intelligenz bezeichnete, bis sich schießlich psychodynamische Intelligenz [8] in jüngeren Publikationen durchsetzte. Auch wenn sich die ausgeschriebene Form immer wieder entwickelte, so ist dennoch der Begriff PsyQ und die grundsätzliche Idee dahinter immer gleich geblieben: In ihren Werken und der darauf bezogenen Literatur wird im Wesentlichen davon ausgegangen, dass diese drei Intelligenzen (rationale, emotionale und spirituelle) die Persönlichkeit eines Menschen entscheidend mitprägen sowie immer in Kombination und nie getrennt von einander zur Anwendung im Kontext konkreter Lebenssituationen kommen[9]. Um diese Verbindung im Sinne einer neuen, sozusagen vernetzten Intelligenz zu verdeutlichen, wird auch der Ausdruck „IQ+EQ+SQ=PsyQ“ verwendet[10]. Wie ein Mensch seine persönliche Existenz wahrnimmt und gestaltet ist im Rahmen dieses Ansatzes somit abhängig von seiner psychodynamischen Intelligenz[11]. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Roethlisberger die erste war, die den Begriff PsyQ im Sinne einer menschlichen Intelligenz - wie vergleichsweise IQ, EQ, oder SQ - aufgriff und prägte. Aus urheberrechtlichen Gründen hat sie den Namen PsyQ sowie die damit verbundene Methode und das Ausbildungsmodell in mehreren europäischen Ländern sowie in den USA markenrechtlich schützen lassen[12].

Anwendung und Praxis[Bearbeiten]

Zusätzlich geht Roethlisberger davon aus, dass diese psychodynamische Intelligenz – so wie etwa der IQ – trainier- und steigerbar ist[13]. Sie entwickelte dafür ein eigenes Verfahren, das sie als Trilogos-PsyQ-Methode bezeichnet. Es basiert hauptsächlich auf Elementen der praktischen bzw. praxisorientierten Philosophie sowie der transpersonalen Psychologie[14]. Sie gründete dazu das TRILOGOS Institut für Persönlichkeits- und Bewusstseinsschulung an dem noch heute eine mehrstufige Diplomausbildung zur Entwicklung der psychodynamischen Intelligenz angeboten wird[15][16].

Eine ausgeprägte, gut entwickelte psychodynamische Intelligenz wird auch als PsyK[17] (menschliche Kompetenz) bezeichnet und es werden dabei vorwiegend Aspekte der Persönlichkeitsbildung und ethischen Bewusstseinsentwicklung angesprochen[1]. Die bewusste praktische Nutzung des SQ in Bezug zum IQ und EQ soll dabei "optimale Balance"[18] und psychisches Gleichgewicht schaffen, um dadurch Veränderungs- und Entwicklungsprozesse im Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen zu ermöglichen[19]. Insbesondere die Ausbildung sozialer Kompetenzen, wie Selbstverantwortung und Verantwortung gegenüber dem privaten und beruflichen Umfeld, stehen dabei im Vordergrund[20].

Inhaltliche Diskussion und Rezeption in der Fachwelt[Bearbeiten]

In Kooperation mit Experten aus unterschiedlichen Disziplinen versucht Roethlisberger das Vorhandensein und die Trainierbarkeit der psychodynamischen Intelligenz auch wissenschaftlich zu belegen[4][21][22][23][24][25][26]. Als Roethlisberger im Jahr 2000 die Idee einer solchen Intelligenz in einer inter- und transdisziplinären Publikation einbrachte, diskutierte sie dabei mit Vertretern aus Philosophie, Medizin, Architektur, Wirtschaft, Psychologie, Theologie, Physik und Rechtswissenschaft[4]. Ein bekannter Autor dabei war u.a. Prof. Dr. Jörg Rehberg (Strafrecht). Ergänzend wurde die Trilogos-PsyQ-Methode im wissenschaftstheoretischen Kontext des konstruktiven Realismus diskutiert[27][28]. Insbesondere der spirituellen Komponente der persönlichkeitsbildenden Intelligenz wurde dabei eine tragende Rolle zugesprochen[22][24][29]. Da diese Methode mit verschiedenen Techniken in Bezug auf Imagination, Intuition und Inspiration, wie etwa diverse Entspannungsverfahren (u.a. autogenes Training und katathymimaginatives Bildererleben), sowie Selbstreflexionsmethoden bezüglich Gesundheit, Beziehungen und Beruf, aber auch Elementen der transpersonalen Psychologie arbeitet[30], um die psychodynamische Intelligenz eines Menschen zu steigern, erfolgte auch eine Diskussion und Rezeption in Bereichen der Psychologie und Psychotherapie. So hält etwa die Psychotherapeutin Karin Bliemel in einer interdisziplinären Reflexion fest, dass damit die Erfahrbarkeit und Veränderung der subjektiven Wirkichkeitskonstruktionen effektiv gelingen kann (Integration des Schatten-Archetyps)[31]. Ihr Fazit: Diese Methode zeichnet sich im Vergleich zu tiefenpsychlogischen Verfahren insofern aus, als dass die biopsychosozialen Prozesse durch die explizite Einbindung von SQ erweitert werden[32]. Die Psychologin Barbara Gissrau stellte einen Vergleich zwischen dem Ansatz von Roethlisberger und anderen psychologischen Systemen an[21]. Sie kam dabei zu dem Schluss, dass Roethlisberger einen vergleichsweise ausdifferenzierten Ansatz im Kontext der transpersonalen Psychologie aufzuweisen hat, und dass sie eine Methode anbietet, die mittels intra-, inter- und transpersonalen Ebenen (etwa Selbst, Höheres Selbst, Logos) eine psychologische, persönlichkeitsbildende Intervention im Sinne eines Prozesses der Individuation ermöglicht[33]. Mit dieser Arbeit wurden auch die Referenzen zur Psychodynamik von C.G. Jung verdeutlicht[34]. Das Potenzial der Trilogos-PsyQ-Methode und die Relevanz des PsyQ als einer persönlichkeitsbildenden Intelligenz im Hinblick auf Persönlichkeits- und ethischer Bewusstseinsentwicklung wurde von Michael Weiss mittels einem existenzialistischen Ansatz aus philosophisch-praktischer Sicht untersucht[35]. Durch ihn fand der Begriff PsyQ auch Eingang in den Diskurs der Organisationsethik[36].

Literatur[Bearbeiten]

  • Linda Roethlisberger: Der sinnliche Draht zur geistigen Welt. 1995 (1. Aufl., Bauer Verlag). 2010 (7. Auflage, Goldmann Akrana Verlag). ISBN 978-3-442-21898-1 / Russische Ausgabe: ISBN 5-85684-295-2
  • Linda Roethlisberger: Im Kontakt mit der inneren Stimme. Bauer Verlag. 1999. ISBN 3-7626-0721-4
  • Linda Roethlisberger (Hrsg.): Der Flug des Quantenschmetterlings. Impulse zur Verantwortung des einzelnen für das Ganze. Via Nova Verlag. 2000. ISBN 3-928632-69-8
  • Linda Roethlisberger: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Trilogos Verlag. 2002.
  • Michael Weiss: Kann Spiritualität wissenschaftlich sein? Dr. Kovač Verlag. 2004. ISBN 978-3-8300-1502-4
  • Linda Roethlisberger und Michael Weiss: Medusa's Mirror strangified. Linking CR with PSYQ®. In: Martin J. Jandl und Kurt Greiner (Hrsg.): Science, Medicine and Culture, Festschrift for Fritz C. Wallner. Peter Lang Verlag. 2005. ISBN 978-3-631-53652-0
  • Linda Roethlisberger: Die magische Kraft der Intuition. Der inneren Stimme folgen. Heinrich Hugendubel Verlag. 2005. ISBN 3-7205-2688-7 / Tschechische Ausgabe: ISBN 80-903592-8-0 / Niederländische Ausgabe: ISBN 978-9-0453-0436-6 / Russische Ausgabe: ISBN 978-5-9591-0177-0
  • Linda Roethilsberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. ISBN 3-631-55517-2
  • Linda Roethlisberger: Intuition ist erlernbar. Nutzen Sie die spirituelle Kraft im Alltag. Heinrich Hugendubel Verlag. 2006. ISBN 978-3-7205-2745-3 / Ungarische Ausgabe: ISBN 978-9-6352-8971-4 / Russische Ausgabe: ISBN 978-5-486-01919-7 / Litauische Ausgabe: ISBN 978-5-415-02049-2
  • Barbara Gissrau: Selbstbilder – Ichbilder. Trilogos Verlag. 2008. ISBN 978-3-9522878-0-4
  • Michael Weiss: Wir können nicht nicht glauben. Menschliche Überzeugungskraft als realitätsbewirkender Faktor. Trilogos Verlag. 2008. ISBN 978-3-9522878-1-1
  • Karin Bliemel: Systeme in Balance. Wege zur Integration durch PsyQ. Ein Beitrag zum EU-Jahr des Interkulturellen Dialoges 2008. Trilogos Verlag. 2008. ISBN 978-3-9522878-2-8
  • Michael Weiss (Autor) und Linda Roethlisberger (Hrsg.): Die Entdeckung des PsyQ. Unser inneres Ordnungssystem erkennen und nutzen. Via Nova Verlag. 10. August 2010. ISBN-13: 978-3866161719

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 vgl. Michael Weiss (Autor) und Linda Roethlisberger (Hrsg.): Die Entdeckung des PsyQ. Unser inneres Ordnungssystem erkennen und nutzen. Via Nova Verlag. 2010.
  2. vgl. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 15
  3. 3,0 3,1 vgl. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 19
  4. 4,0 4,1 4,2 vgl. Linda Roethlisberger (Hrsg.): Der Flug des Quantenschmetterlings. Impulse zur Verantwortung des einzelnen für das Ganze. Via Nova Verlag. 2000.
  5. http://www.trilogos.com/archiv/elementi
  6. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 22
  7. www.trilogos.ch
  8. vgl. Michael Weiss (Autor) und Linda Roethlisberger (Hrsg.): Die Entdeckung des PsyQ. Unser inneres Ordnungssystem erkennen und nutzen. Via Nova Verlag. 2010. S. 33.
  9. vgl. Linda Roethlisberger: Der sinnliche Draht zur geistigen Welt. 5. Aufl. 2004. S. 18.
  10. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 22
  11. vgl. Michael Weiss (Autor) und Linda Roethlisberger (Hrsg.): Die Entdeckung des PsyQ. Unser inneres Ordnungssystem erkennen und nutzen. Via Nova Verlag. 10. August 2010.
  12. http://www.trilogos.com/rechtliches
  13. vgl. Linda Roethlisberger: Intuition ist erlernbar. Nutzen Sie die spirituelle Kraft im Alltag. Heinrich Hugendubel Verlag. 2006.
  14. vgl. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 51f.
  15. vgl. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 191 – 199.
  16. http://www.trilogos.com/schulung
  17. vgl. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 46f.
  18. vgl. Linda Roethlisberger: Vorwort. S. 11. In: Michael Weiss (Autor) und Linda Roethlisberger (Hrsg.): Die Entdeckung des PsyQ. Unser inneres Ordnungssystem erkennen und nutzen. Via Nova Verlag. 2010.
  19. vgl. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 16.
  20. vgl. Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 34.
  21. 21,0 21,1 vgl. Barbara Gissrau: Selbstbilder – Ichbilder. Trilogos Verlag. 2008.
  22. 22,0 22,1 vgl. Michael Weiss: Wir können nicht nicht glauben. Menschliche Überzeugungskraft als realitätsbewirkender Faktor. Trilogos Verlag. 2008.
  23. vgl. Karin Bliemel: Systeme in Balance. Wege zur Integration durch PsyQ. Ein Beitrag zum EU-Jahr des Interkulturellen Dialoges 2008. Trilogos Verlag. 2008.
  24. 24,0 24,1 vgl. Michael Weiss: Kann Spiritualität wissenschaftlich sein? Dr. Kovač Verlag. 2004.
  25. vgl. Linda Roethlisberger und Michael Weiss: Medusa's Mirror strangified. Linking CR with PSYQ®. In: Martin J. Jandl und Kurt Greiner (Hrsg.): Science, Medicine and Culture, Festschrift for Fritz C. Wallner. Peter Lang Verlag. 2005.
  26. vgl. Michael Weiss (Autor) und Linda Roethlisberger (Hrsg.): Die Entdeckung des PsyQ. Unser inneres Ordnungssystem erkennen und nutzen. Via Nova Verlag. 10. August 2010.
  27. vgl. Kurt Greiner: Vorwort. In: Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 11 – 13
  28. Linda Roethlisberger und Michael Weiss: Medusa's Mirror strangified. Linking CR with PSYQ®. In: Martin J. Jandl und Kurt Greiner (Hrsg.): Science, Medicine and Culture, Festschrift for Fritz C. Wallner. Peter Lang Verlag. 2005.
  29. Fritz Wallner: The Reason of the Rational and Irrational. In: Linda Roethlisberger: Die Trilogos-PsyQ®Methode. Mit vernetzten Symbolen zur Selbsterkenntnis. Peter Lang Verlag. 2006. S. 163 – 172
  30. vgl. Linda Roethlisberger: Intuition ist erlernbar. Nutzen Sie die spirituelle Kraft im Alltag. Heinrich Hugendubel Verlag. 2006.
  31. vgl. Karin Bliemel: Systeme in Balance. Wege zur Integration durch PsyQ. Ein Beitrag zum EU-Jahr des Interkulturellen Dialoges 2008. Trilogos Verlag. 2008. S. 59f.
  32. vgl. Karin Bliemel: Systeme in Balance. Wege zur Integration durch PsyQ. Ein Beitrag zum EU-Jahr des Interkulturellen Dialoges 2008. Trilogos Verlag. 2008. S. 60f.
  33. vgl. Barbara Gissrau: Selbstbilder – Ichbilder. Trilogos Verlag. 2008. S. 35f
  34. vgl. Barbara Gissrau: Selbstbilder – Ichbilder. Trilogos Verlag. 2008. S. 39f
  35. vgl. Michael Weiss (Autor) und Linda Roethlisberger (Hrsg.): Die Entdeckung des PsyQ. Unser inneres Ordnungssystem erkennen und nutzen. Via Nova Verlag. 10. August 2010.
  36. vgl. Michael Weiss: User-Generated-Ethics. Reflexionen zur Ethik als Wissenschaft in einer vorsorgenden Gesellschaft. In: Andreas Heller; Thomas Krobath (Hg.): Ethik organisieren, Freiburg: Lambertus Verlag 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

http://www.trilogos.ch

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