Pornographiesucht

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Pornographiesucht ist ein Laienbegriff, der eine psychische Abhängigkeit von der Beschäftigung mit Material pornographischen Inhalts beschreiben soll.

Somit präsentiert sich „Pornographiesucht“ als Beschäftigung mit Bildern und Texten und wird dementsprechend abgetrennt von „Sexsucht“, die früher als Satyriasis bzw. „Donjuanismus“ des Mannes bzw. der Nymphomanie der Frau bezeichnet wurde und u. a. als Promiskuität auf möglichst häufigen Sexualverkehr mit vielen Partnern abzielt.

Dazwischen steht die „Cybersexsucht“ oder Internetsexsucht mit ihrem exzessiven Gebrauch des Internets und des Telefons zur sexuellen Stimulation, wobei es stets einen virtuellen Kontakt zwischen zwei oder mehr Teilnehmern gibt – sei es via Tastatur, Ton- und/oder Bildübermittlung.

Zum Begriff[Bearbeiten]

Sucht ist der umgangssprachliche Begriff für verschiedene medizinisch-psychologische Krankheitsbilder.[1]

Sowohl das DSM-IV als auch die ICD-10 verzichten zur Gänze auf die Erwähnung einer „Pornographiesucht“. Eingeordnet werden kann die Symptomatik in der ICD-10 unter „nicht näher bezeichnete Zwangsstörungen“ bzw. „gesteigertes sexuelles Verlangen“ bzw. so wie andere stoffungebundene Süchte (pathologisches Spielen, Kaufen oder Internetsurfen) unter „sonstige abnorme Gewohnheiten und Störung der Impulskontrolle“ - alles Einordnungen, die auch auf Ablehnung stoßen, da es sich hier wie bei den substanzunabhängigen Suchtformen um eine komplexe Abhängigkeitsstörung handeln dürfte, sofern die Kriterien für die Diagnose einer Abhängigkeit erfüllt werden.[2] Teils wird allerdings auch die Bezeichnung „Sucht“ bewusst weiter verwendet, um verschiedene Verhaltensauffälligkeiten von substanzgebundenen Abhängigkeiten abzugrenzen und dennoch zu betonen, dass es sich dabei um mehr als individuelle „Abweichungen vom Normalen“ handelt.

Zur Unterscheidung „stoffgebunden“ und „stoffungebunden“: Bei stoffgebundenen Abhängigkeitsyndromen werden Substanzen dem Körper auf verschiedenen Wegen (Schlucken, Schnupfen, Inhalieren, Injizieren) zugeführt, bei stoffungebunden nicht.

Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms[Bearbeiten]

Zur Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms müssen nach der ICD-10 mindestens drei der folgenden Kriterien während des letzten Jahres gemeinsam erfüllt gewesen sein:

  • ein starker Wunsch/Zwang, die Substanz einzunehmen
  • Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren (bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Konsums)
  • fortschreitende Vernachlässigung anderer Aktivitäten und Verpflichtungen
  • anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen, wobei der Konsument selbst die „Schädlichkeit“ als solche erkennen muss.
  • Toleranzerhöhung (größere Mengen werden benötigt, damit dieselbe Wirkung eintritt)
  • körperliches Entzugssyndrom (das manchmal auftritt)

Nun ist zwar der Konsum von pornographischen Inhalten zumeist nicht direkt mit schädlichen Folgen körperlicher Natur verbunden, Pornographiesüchtige verspüren jedoch ein zwanghaftes Verlangen, berichten vom Nicht-mehr-aufhören-können und vom großen Zeitaufwand. Somit wären drei Kriterien für Abhängigkeit erfüllt. Stieglitz [3] unterscheidet:

  • Unerlaubter Gebrauch - von der Gesellschaft nicht toleriert
  • Gefährlicher Gebrauch – wahrscheinlich schädliche Folgen für den Konsumenten
  • Dysfunktionaler Gebrauch – der Betroffene kann psychischen oder sozialen Anforderungen nicht mehr gerecht werden
  • Schädlicher Gebrauch – hat bereits Zellschäden oder psychische Störungen hervorgerufen

Kritik[Bearbeiten]

Insbesondere das Kinsey Institute kritisiert die Verwendung des Suchtbegriffes in Zusammenhang mit häufiger Nutzung von Pornographie. In einem Hearing vor einem Unterausschuss des US-amerikanischen Senates wurde betont, dass die Bezeichnung der Betroffenen als süchtig ihnen nicht helfe.[4] Beim selben Hearing verwies eine Sexualtherapeutin auf das Überangebot von geschätzt 420 Millionen einschlägiger Webpages und die logische Konsequenz: “Wer Schwierigkeiten hat, sich einzubremsen, für den gibt es mehr mit nur einem Klick.”[4]

Die psychoanalytische Position betont, dass übermäßiger Pornographie-Konsum stets nur die Folge einer neurotischen Störung sein könne, also das Symptom eines Problemes und nicht das Problem an sich. Die Hochkonjunktur der Pornographie sei ein Weg der Flucht, und Sucht ein Mittel, um die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten zu vermeiden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Carnes, Patrick: Wenn Sex zur Sucht wird. München, 1992
  • Cooper, Alvin/Scherer, Coralie/Boies, Sylvian/Gordon, Barry: Sexuality on the Internet: From Sexual Exploration to Pathological Expression. In: Professional Psychology: Research and Practice, 1999, 30(2), 154-164
  • Poppelreuter, Stefan und Gross, Werner (Hrsg.); Nicht nur Drogen machen süchtig.“ Weinheim 2000
  • Pritz, Alfred und Batthyany, Dominik (Hrsg.): Rausch ohne Drogen. Substanzungebundene Süchte, Wien, New York 2009
  • Roth, Kornelius: Sexsucht. Krankheit und Trauma im Verborgenen. Berlin 2007

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Im offiziellen Sprachgebrauch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) existierte von 1957 bis 1963 der Begriff Sucht (engl.: addiction). Seither wurde er aus guten Gründen nicht wieder eingeführt und stattdessen durch Missbrauch und Abhängigkeit (engl. dependence) ersetzt. Schließlich wurde nach 1969 das Missbrauchskonzept zugunsten vier definierter Klassen des Gebrauchs verworfen, siehe: Stieglitz (Hrsg.) et al 2002). Kompendium. Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin. Basel:Karger. Mit der ICD-10 wurde das Konzept des "schädlichen Gebrauchs" anstelle des Missbrauchs eingeführt.
  2. State of the art: Stoffungebundene Süchte (Österreichische Ärztezeitung Nr.17, 2009)
  3. Stieglitz (Hrsg.) et al.: Kompendium. Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin. Basel: Karger 2002.
  4. 4,0 4,1 http://men.webmd.com/guide/is-pornography-addictive
  5. Pathognostica, Heft 4, 2003
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