Phantagon

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Phantagon [fantaˈgoːn] (von griech.: φαντασία phantasía – ‚Erscheinung‘, ‚Vorstellung‘, ‚Traumgesicht‘, ‚Gespenst‘ und γωνία gōnía ‚Winkel‘) ist ein Wort, das erstmals der deutsche Schriftsteller Ralf Isau umfassend beschrieb. Als Adjektiv bedeutet es: Vielfältig in einem Maß, das nur durch die Phantasie des Wahrnehmenden begrenzt ist. Das Substantiv hat mehrere Bedeutungen: 1. (Math.) Vieleck, dessen Anzahl von Seiten die Phantasie des Betrachters bestimmt. 2. Roman, in dem jeder Leser eine andere Mischung verschiedener literarischer Formen oder Gattungen (Genres) erblickt. 3. Äußerst wandlungsfähiger Texter, der verschiedensten Leserkreisen aus dem Herzen spricht; jede Gruppe nimmt ihn als einen der ihren wahr.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Isau prägte den Begriff des Phantagons erstmals am 23. Juni 2005[1]. Zuvor hatte sein Lektor bemängelt, Isau sei zu vielfältig. Er empfahl ihm, sich auf nur eine Literaturform zu beschränken. Der Schriftsteller widersetzte sich dem Vorschlag: Seine Leser schätzten seine Bücher, gerade weil sie so facettenreich und nicht einem einzigen Genre zuzurechnen seien. Etliche Kritiker teilen diese Einschätzung. Ein Rezensent urteilte über Isaus vierbändigen Romanzyklus Der Kreis der Dämmerung, er sei „ein absolut erwachsenentauglicher, beeindruckender Fact-Fiction-Thriller-Drama-Fantasy-Mix“ [2]. Um sich nicht auf eine Gattung festlegen zu lassen, erklärte Isau seine Romane kurzerhand zu Phantagonen und wechselte den Verlag.

In den Folgejahren fand der Begriff Eingang in die Presseberichterstattung, in Diskussionsforen, in Online-Nachschlagewerke und Sachbücher[3]. Die kanadische Literaturwissenschaftlerin Prof. Sandra L. Beckett führte den Terminus „Phantagon“ 2008 in die wissenschaftliche Fachliteratur ein.[4]

Im Januar 2013 gründete Isau eine Agentur für Textentwicklung, die er Phantagon nannte. Zu dieser Zeit erweiterte er den Terminus um eine adjektivische Bedeutung. Demnach beschreibt das Beiwort „phantagon“ die Eigenschaft der Vielfalt „in einem Maß, das nur durch die Phantasie des Wahrnehmenden begrenzt ist.“

Vorläufer[Bearbeiten]

Jedes System der Kategorisierung muss die Wirklichkeit verallgemeinern, damit sie in ein abstraktes Schema passt. Dabei kommt es zwangsläufig zu falschen Einordnungen – Kunst sucht grundsätzlich nach neuen Wegen. In der Literatur entstanden Phantagone, lange bevor Isau den Begriff geprägt hat. Der englische Dramatiker Henry Arthur Jones etwa vermischte häufiger die Gattungen. Er schrieb Phantagone für die Bühne, die sich über Genres wie Romanze, ‚Problem play‘, Gesellschaftsdrama und Komödie erstreckten.[5]

Bedeutung[Bearbeiten]

Ursprünglich wandte Isau den Begriff des Phantagons nur auf die Literatur an. Mit seinem Verweis auf die Mathematik wollte er lediglich das zugrunde liegende Konzept veranschaulichen. Dieses lässt sich auf jegliche schöpferische Arbeit übertragen. Demnach legt der Kreative das Phantagon vielschichtig an, damit es sich bei jeder Person, die es wahrnimmt, anders entfalten kann. Dennoch darf ein Phantagon nie beliebig sein. Hier bietet sich der Vergleich mit einem Traum an. Zwei Individuen können von demselben Erlebnis ganz unterschiedlich träumen: Eine Ursache führt zu mehreren Wirkungen. Der differenzierende Faktor beim Phantagon ist die Phantasie des Wahrnehmenden. Die Vorstellungskraft des Rezipienten macht das Phantagon zu einer subjektiven Erfahrung. Dadurch wirkt es nach Isaus Theorie stärker auf die Gefühle ein, als dies bei einer streng formalen Kommunikation der Fall wäre. Das Phantagon ist also keine neue Kunst- oder Literaturgattung, sondern ein Meta-Genre[6]. Ein phantagones Werk überspannt somit mehrere Gattungen, bis eine Person es wahrnimmt und es einer oder mehreren Kategorien zuordnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralf Isau: Die Phantagon-Story
  2. Helmuth Santler: »Der Kreis der Dämmerung«, Buchbesprechung in bestofweb.at (hier im Internet Archive)
  3. Nicola Bardola: Die 50 besten Kinder- und Jugendbücher 2011, cbj Verlag (München), Nachwort. ISBN 978-3570222621
  4. Sandra L. Beckett: Crossover Fiction – Global and Historical Perspectives (engl.), Routledge Chapman & Hall, S. 145. ISBN 978-0415879361. Siehe Google-Buchsuche
  5. Henry Arthur Jones Wikipedia
  6. Duden Online, Bedeutung des Präfixes „meta-“

Weblinks[Bearbeiten]