Otto Teischel

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Otto Teischel (* 3. September 1953 in Duderstadt) ist ein deutscher Philosoph, Psychotherapeut und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Geboren in Duderstadt (Kreis Göttingen). Im Alter von 2 ½ Jahren, aufgrund einer lebensbedrohlich erscheinenden Asthma-Erkrankung für drei Monate ins Seehospiz Kaiserin Friedrich auf die Insel Norderney verschickt. „Mutterseelenallein“ – was seinerzeit als Teil der „Behandlung“ galt. So wie man bis Mitte der 1980er Jahre den „Erziehungsratgeber“ der Nazi-Ärztin Johanna Haarer noch als „Standardwerk“ verkauft hat [„Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind“] und weltweit ebenso lange Kleinkinder ohne Narkose operiert worden sind. Sie seien noch „keine richtigen Menschen“ und hätten später ohnehin alles wieder vergessen, was sie früh erlebt haben. Tatsächlich traumatisiert jede frühe leibseelische Gewalterfahrung und Vernachlässigung ein Kind lebenslänglich.

 
Auf dem Weg ins Seehospiz Norderney

Aufgewachsen in Goslar entwickelte das Kind vom Krankenlager aus grandiose Überlebensstrategien und phantasierte sich, angeregt von Geschichten und TV-Sendungen („Ein Platz für Tiere“), eine Zukunft als Zoologe in Afrika herbei. Aus der kindlichen Naturforschung entwickelte sich beim Heranwachsenden das Fragen nach dem „Wesen des Menschen“ und dem „Sinn des Lebens“, die im Lauf der Zeit auf die Spur des eigenen Selbst und dessen Bestimmung geführt haben.

„Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst“ von Alice Miller wurde zu einem (über)lebenswichtigen Buch, das weltweit dazu beigetragen hat, die unverfügbare Würde jedes einzelnen Kindes als ein unantastbares Menschenrecht zu begründen. Eine lieblose, demütigende, beschämende Umgebung in der frühen Kindheit hat traumatische Folgen für die menschliche Entwicklung. Das Wissen um diese fatalen Zusammenhänge wurde zur persönlichen Berufung, diese Not in sich selbst und anderen leidenden Menschen zu lindern. Künftig „am roten Faden der eigenen Sehnsucht die blaue Blume der Romantik zu suchen“ – um sich womöglich mit Leib und Seele auf dieser Erde beheimatet zu fühlen und jederzeit der Schönheit des Wahrhaftigen vertrauen zu können.

Im Intro seines Buches über „Krankheit und Sehnsucht“ (2014) sind einige „wahlverwandte“ Menschen aus Geschichte und Gegenwart angeführt, die Teischel seit Jahrzehnten begleiten und sein eigenes Schaffen maßgeblich inspiriert haben:

"Bernhard Grzimek (1909 - 1987) - dessen Fernsehsendungen und Bücher die Naturliebe meiner Kindheit beflügelten und für mich die „Verhaltensforschung“ als ein einziges großes Abenteuer erscheinen ließ. Joseph von Eichendorff (1788 - 1857) - sein „Taugenichts“ hat schon früh meine Sehnsucht bestärkt und mir die „Romantik“ zur schönen Heimat verklärt, für immer. Albert Camus (1913 - 1960) - seine Revolte gegen Leid und Ungerechtigkeit lehrten mich, wie leidenschaftliches Denken und die Liebe zum Leben zusammengehören: „Ich empöre mich, also sind wir.“ Steven Demetre Georgiou (alias Cat Stevens alias Yusuf) (*1948) - seine Musik und sein Leben bezeugen für mich zutiefst glaubwürdig die lebenslange Suche eines Menschen nach wahrhaftiger, universeller Liebe, jenseits aller Ideologien. Alice Miller (1923 - 2010) - ihr lebenslanges Eintreten für die Würde des Kindes und die Aufklärung über dessen „Drama“, das sich fortsetzt, solange Menschen einander Gewalt antun, habe ich immer als Auftrag meiner Verantwortung empfunden. Das Wissen um die eigenen Verletzungen öffnet die Augen und wirkt heilsam für sich selbst und andere. „Tania“ Blixen (1885 - 1962) - deren Sehnsucht nach einem anderen Leben sie nach Afrika führte - an „die Wiege der Menschheit“ - und deren leidenschaftliches Leben auch mich für immer in den Bann dieser „dunkel lockenden Welt“ zog. Peter Handke (*1943) - die ernsthafte Feierlichkeit seiner Sprache bezeugt für mich die Schönheit unseres Daseins in der Welt. Sein wahrhaftiges Bemühen um die angemessene Wortform für das Wunder vor unseren Augen hat auch mich immer wieder zum Schreiben ermutigt. Emily Dickinson (1830 - 1886) - die mir „Poesie“ als die schöne Stimme einer Sehnsucht begreiflich werden ließ, die in sich selbst ihr Maß findet, wie unerfüllt sie zeitlebens auch bleiben mag. Edward Burne-Jones (1833 - 1898) - in dessen traumhaft schönen Bildgestalten für mich Kostbarkeit und Geheimnis der menschlichen Seele einen zeitlos gültigen Ausdruck fanden. Wim Wenders (*1945) - seine Filme haben mich „Sehen“ gelehrt und alle Sinne beflügelt. Seit „Paris, Texas“ (1984) wurde die Magie der Filmsprache für mich ein Weg der Selbsterkenntnis, für den ich auch andere zu begeistern versuche."

Ausbildung[Bearbeiten]

Teischel studierte Philosophie und Literaturwissenschaft an der Universität Regensburg und der Universität Hannover: Magister Artium (1980): „Der Begriff der Angst bei Heidegger und Jaspers“; Promotion (1986): „Selbstsein - Notwendigkeit und Paradox einer Philosophie der Existenz“ (bei Gerd-Günther Grau und Heinz Robert Schlette).

Von 1979 bis 1984 war Teischel, gemeinsam mit Elisabeth Miehe, Inhaber des Horizont-Ladens und Horizont-Verlages in Goslar.[1] 1984 - 1986 machte er ein Volontariat und übernahm eine Abteilungsleitung bei der Universitätsbuchhandlung Bouvier in Bonn. Nach seiner Promotion gründete Teischel 1986 als einer der ersten Philosophen Deutschlands eine eigene „Philosophische Praxis“ in Bonn-Beuel.[2] Von 1988 bis 2005 war er als Abteilungsleiter oder Mitarbeiter in verschiedenen Buchhandlungen in Westerland, Mannheim, München, Potsdam, Berlin und Klagenfurt tätig. In den Jahren entstanden mehrere Bücher und Aufsätze.

Psychotherapeutische Tätigkeit[Bearbeiten]

1998 begann er zudem eine Ausbildung in Existenzanalyse & Logotherapie (nach Viktor E. Frankl) am „Süddeutschen Institut für Logotherapie“ bei Elisabeth Lukas (bis 2002), die zur Grundlage für einen beruflichen Neubeginn als Psychotherapeut in Österreich wurde (ab 2003 „Psychotherapeutisches Propädeutikum“ an der Universität Klagenfurt).

Im Dezember 2005 erfolgte die Eintragung in die Liste der PsychotherapeutInnen beim Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.[3] Zusätzlich hat er sich in Palliative Care für psychosoziale Fachkräfte an der Christophorus Akademie der LMU München qualifiziert. Seit 2006 ist Teischel als selbständiger Psychotherapeut in eigener Praxis in Klagenfurt am Wörthersee tätig.[4] Dort war er außerdem als Einzel- und Gruppentherapeut in der „Psychotherapeutischen Ambulanz“ von Pro Mente und in der REHA-Klinik für Seelische Gesundheit angestellt. Hier leitete er sieben Jahre eine eigene Patientengruppe für „Filmtherapie“.[5] Außerdem arbeitet er als Lehrbeauftragter an den Pädagogischen Hochschulen in Kärnten und der Steiermark sowie als Vortragender für verschiedene Institutionen. Von 2011 bis 2017 Ausbildung zum Psychoanalytiker beim Salzburger Arbeitskreis für Psychoanalyse (Listeneintrag 2017).[6]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Lebensmüde, todestrunken - Suizid, Freitod und Selbstmord in Film und Serie. [Hrsg.] Springer, Heidelberg/Berlin, 2020. ISBN 3-662-60521-9
  • Trauerspiel – Vom therapeutischen Umgang mit berührenden Spielfilmen. Einführung in die existentielle Filmdeutung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2016. ISBN 3-525-40277-1
  • Krankheit und Sehnsucht – Zur Psychosomatik der Sucht. Springer, Heidelberg/Berlin, 2014. ISBN 3-642-41770-2
  • Das Maß der Sehnsucht - Versuch über das Wesen des Menschen. BoD, Norderstedt, 2012 (2.Auflage). ISBN 3-8311-3466-3
  • Seelenspiegel Film. When a Man loves a Woman - Eine exemplarische Deutung. BoD, Norderstedt, 2011. ISBN 3-8423-5683-2
  • Die Filmdeutung als Weg zum Selbst - Einführung in die Filmtherapie. BoD, Norderstedt, 2007. ISBN 3-8334-7989-2
  • Selbstsein – Notwendigkeit & Paradox einer Philosophie der Existenz. Peter Lang, Frankfurt, 1986. ISBN 3-8204-9693-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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