Othmar Feßler

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Othmar Feßler (* 18. Mai 1888; † unbekannt, nach 1962) war ein deutscher Staatsbeamter und Wirtschaftshistoriker. Feßler war von 1926 bis 1933 Referent in der Reichskanzlei.

Leben und Tätigkeit[Bearbeiten]

Feßler studierte Rechtswissenschaften. 1910 promovierte er zum Dr. jur. Von 1914 bis 1918 nahm er als Reserveoffizier am Ersten Weltkrieg teil.[1]

1919 wurde er sächsischer Staatsbeamter, zunächst als Regierungsassessor. Im November 1920 wurde er zum Regierungsrat, im Dezember 1921 zum Oberregierungsrat befördert. 1921 wechselte Feßler in den Reichsdienst, wo er im Reichswirtschaftsministerium tätig war. Im Dezember 1924 wurde er Ministerialrat. Von Juni 1926 bis März 1933 tat Feßler Dienst als Ministerialrat in der Reichskanzlei. In dieser Eigenschaft diente er allen Reichskanzlern von Hans Luther bis Adolf Hitler als Referent.[1]

Zwischen 1922 und 1933 nahm Feßler regelmäßig an Kabinettssitzungen und Ministerbesprechungen teil.[2] Als Leiter des Reichskanzlei-Referats I war er unter anderem für Fragen des Reichswirtschaftsministeriums, des Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, den Reichswirtschaftsrat, die Reichsbank, Handelsverträge und Zollfragen zuständig.[3] Reichskanzler Heinrich Brüning diente er als wirtschaftspolitischer Berater, so bei den Reparations-Konferenzen von Paris und London im Juli 1931.[4]

Ende März 1933 wurde Feßler, der bis 1933 Mitglied der Zentrumspartei war, von den Nationalsozialisten in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Ab Juli 1933 war Feßler in der Schiffahrtsabteilung des Reichsverkehrsministerium tätig. In dieser Stellung verblieb er mindestens bis 1939. Später arbeitete er im Reichsministerium für Bewaffnung und Kriegsproduktion.[1]

1945 war Feßler Gründungsmitglied der Brandenburger CDU, in der er zunächst stellvertetender Vorsitzender war.[5]

Neben seiner Tätigkeit im Staatsdienst tat Feßler sich als Wirtschaftshistoriker hervor. So veröffentlichte er eine Studie über die spanische Volkswirtschaft sowie eine Abhandlung über die Geschichte der deutsch-spanischen Handelsbeziehungen.

Um 1960 lebte Feßler in Dublin.[6]

Schriften[Bearbeiten]

  • Othmar Feßler: Die Entwicklung des sächsischen Staatsdienerrechts im 19. Jahrhundert. Dr. W. Rothschild, 1910, OCLC 78499641 (Dissertation).
  • Beiträge zur Geschichte der deutsch-spanischen Handelsbeziehungen (1924-1927), in: Spanischen Forschungen der Görresgesellschaft, Bd. 1, Münster 1928, S. 335-379.
  • Die spanische Volkswirtschaft, in: Ders. (Hrsg): Handbuch der Spanienkunde, Frankfurt am Main 1932, S. 73-106.
  • Zur Problematik der Schiffahrts-Subventionen, in: 1. Beilage der Deutschen Verkehrsnachrichten Nr. 23 vom 27. März 1934, S. 5-8.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Christian Witt: „Konservativismus als 'Überparteilichkeit'. Die Beamten der Reichskanzlei zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik 1900-1933“, in: Dirk Stegmann (Hrsg.): Deutscher Konservatismus im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Fritz Fischer zum 75. Geburtstag und zum 50. Doktorjubiläum, Berlin 1983, S. 277f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Peter Christian Witt: Konservativismus als 'Überparteilichkeit'. Die Beamten der Reichskanzlei zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik 1900-1933. In: Dirk Stegmann (Hrsg.): Deutscher Konservatismus im 19. und 20. Jahrhundert. Berlin 1983, S. 277f.; tabellarische Biografie Feßler, Othmar. In: Akten der Reichskanzlei: Weimarer Republik (abgerufen am 05. Juni 2014).
  2. Akten der Reichskanzlei: Die Kabinette Wirth I/II Luther I/II, Marx III/IV, Müller II, Brüning I/II, von Papen, von Schleicher.
  3. Geschäftsverteilungsplan der Reichskanzlei vom 1. 9. 1927 (BA R 43 I/1966, Bl. 64 ff.)
  4. Staatssekretär Pünder an Ministerialrat Feßler. 17. Juli 1931. In: Akten der Reichskanzlei: Die Kabinette Brüning I/II. Bd. 2, Dok. 395.
  5. Martin Broszat, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone. München 1990, S. 535; Ralf Thomas Baus: Die Christlich-Demokratische Union Deutschlands in der sowjetisch besetzten Zone 1945 bis 1948. Düsseldorf 2001, S. 142.
  6. Homenaje a Johannes Vincke para el 11 de mayo 1962. Band 1. Madrid 1962, S. 361.
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