Operation Feuerzauber (1977)

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Mitglieder der GSG 9 des BGS auf dem Flughafen Köln/Bonn beim Verlassen der Lufthansa-Sondermaschine „Stuttgart“ am 18. Oktober 1977

Die Operation Feuerzauber (zum Teil auch: Operation Feuerschlag)[1] war ein Polizeieinsatz des Bundesgrenzschutzes (Grenzschutzgruppe 9) im Zusammenhang mit der Entführung des Flugzeugs „Landshut“ durch die Volksfront zur Befreiung Palästinas im Jahr 1977.

Ziele waren die Befreiung der Geiseln (86 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder) und die Habhaftwerdung der vier Täter, die sich seit der Entführung in Spanien mittlerweile auf dem Flughafen Mogadishu (Somalia) befanden. Die Terroristen drohten mit der Erschießung aller Geiseln, wenn die Bundesregierung keine Gefangenenfreilassung vornimmt.

Der Einsatz wurde vorab von Präsident Siad Barre genehmigt.[2]

Einsatzleiter war der Kommandeur der GSG 9, Brigadegeneral im BGS Ulrich Wegener.[3] Die GSG 9 erlangte durch diesen Einsatz internationale Bekanntheit.[3] Es war der erste Anti-Terror-Einsatz der deutschen Polizei im Ausland.

Ablauf[Bearbeiten]

Am 16. Oktober 1977 erfolgte die Alarmierung der GSG 9 am Heimat-Standort der Einheit in Sankt Augustin-Hangelar nahe Bonn. Eines der Teams befand sich zu diesem Zeitpunkt in Köln bei einem Einsatz. 20 Männer wurden über Ankara in Richtung Zypern ausgeflogen, kehrten daraufhin jedoch wieder auf den militärischen Teil des Flughafen Köln/Bonn zurück.[4] Danach wurden 62[4] bzw. 60[5] GSG-9-Beamte von Köln über Kreta ausgeflogen, die Luftverlastung erfolgte durch die Lufthansa-Maschine „Stuttgart“.[5] Die Landung in Mogadishu erfolgte am 17. Oktober 1977 um 17:30 Uhr[2][4] bzw. 19:00 Uhr Ortszeit.[5]

In den fünf Jahren seit der Indienststellung der Einheit wurde mehrere hundert Male die Geiselbefreiung aus einem Passagierflugzeug trainiert; mehrfach auch an der LH-Boeing 737-200 Landshut.[6][7]

Zunächst wollte das somalische Militär das Flugzeug allein stürmen und die Geiseln befreien. Wegener hatte jedoch den anwesenden General davon überzeugen können, dass nur die GSG 9 die Befreiung durchführen sollte.[3] Das Militär unterstützte jedoch die GSG 9, z.B. indem die Soldaten kurz vor der Stürmung zur Ablenkung ein Feuer entzündeten.

Die GSG 9 näherte sich am 17. Oktober 1977 ab 23:15 Uhr dem Flugzeug heckseitig.[3] Das Betreten des Flugzeuges erfolgte am 18. Oktober 1977 um 00:00 Uhr[8] bzw. 02:00 Uhr Ortszeit.[4] Zwei Verbindungsoffiziere des britischen SAS zündeten außerhalb des Flugzeugs nicht-splitternde Handgranaten, um die Entführer zu blenden.[9] Diese explodieren nicht als Sprengsatz, sondern verursachen einen starken Lichtblitz, heftigen Lärm und verteilen Gummi-Splitter. Damit dienen sie der Überraschung und Ablenkung.[10] Sechs Trupps der GSG 9 mit je fünf Mann stürmten alle sechs Türen des Flugzeuges und sicherten das Flugzeug in sieben bis acht Minuten.[3][5]

Drei Terroristen wurden dabei von den GSG-9-Beamten erschossen. Die Stewardess Gabriele Dillmann wurde bei der Detonation einer Handgranate mit Plastikummantelung, die von den Terroristen bei der Stürmung der Polizei von der First Class in die Economy Class geworfen wurde, leicht verletzt. Ein Beamter wurde am Hals angeschossen, als die Terroristen das Feuer der Polizei erwiderten.[11] Die Terroristin Souhaila Andrawes wurde schwer verletzt festgenommen.

Später wurden die Geiseln mit GSG-9-Begleitung in die Bundesrepublik Deutschland ausgeflogen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Protokoll der "Landshut"-Entführung: "Wo sind die Schweine?" - SPIEGEL ONLINE - einestages. Abgerufen am 10. Februar 2017.
  2. 2,0 2,1 Das entscheidende Gespräch mit den Entführern: Montag, 17.Oktober 1977. In: welt.de. 17. Oktober 2007, abgerufen am 22. Januar 2017.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Rolf Tophoven: "Ich war überzeugt, dass es laufen würde": Befreiung der "Landshut". In: welt.de. 13. Oktober 2007, abgerufen am 22. Januar 2017.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 https://www.merkur.de/bayern/9-beamter-befreiten-landshut-2552919.html Bayern: GSG 9-Beamter: So befreiten wir die "Landshut" – Bayern. In: merkur.de. 18. Oktober 1977, abgerufen am 22. Januar 2017.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Jörg Diehl: Sturm auf die "Landshut": Die Nacht des Helden. In: Spiegel Online. 5. September 2007, abgerufen am 22. Januar 2017.
  6. Rolf Tophoven: "Ich war überzeugt, dass es laufen würde". Welt. 13. Oktober 2007. Abgerufen am 31. Juli 2017.
  7. Daniela Greulich: Ulrich Wegener: Ein Held, der keiner sein will. General-Anzeiger Bonn. 13. Juni 2017. Abgerufen am 31. Juli 2017.
  8. "Landshut"-Entführung: "Wir waren wie Lämmer auf der Schlachtbank". In: Spiegel Online. 9. Oktober 2007, abgerufen am 22. Januar 2017.
  9. Telegraph: Barry Davies, SAS soldier – obituary , 17. Mai 2016
  10. Beispielhafte Beschreibung aus dem Produktkatalog eines russischen Waffenhandels. Abgerufen am 1. August 2017.
  11. Klaus Wiegrefe: Neue Dokumente zur Landshut-Entführung: Lügen unter Freunden. In: Spiegel Online. 29. September 2008, abgerufen am 22. Januar 2017.
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