Olywelt

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Logo der Genossenschaft Olywelt e.G.

Die Olywelt ist eine Genossenschaft, deren Ziel die Einflussnahme auf die Besetzung der Ladengeschäfte in der Ladenstraße des Olympischen Dorfes in München ist. Dazu werden auch Läden aufgekauft. Das Motto lautet gemeinsam besser leben.

Ziele[Bearbeiten]

Teil der Ladenstraße vor der Umgestaltung. Die Fenster sind verklebt, der Gesamteindruck wenig offen.
Teil der Ladenstraße nach der Umgestaltung. Auf Anregung der Olywelt wurde eine offene Auslagengestaltung gewählt, der gesamte Bereich wurde optisch aufgebessert.

Im Olympischen Dorf in München gibt es 36 Ladeneinheiten, die in einer Ladenstraße angesiedelt sind. Aus Sicht der Olywelt hängt die Attraktivität von Wohnorten u.a. von der Nahversorgung ab. Daher will die Genossenschaft auf das Erscheinungsbild und den Branchenmix im Dorf Einfluss nehmen. Dazu kauft sie auch Läden auf. Angestrebt wird ein Ladenbesetzungs-Management ähnlich einem Einkaufszentrum, wobei die Olywelt mit den anderen Ladeneigentümern an einem Gesamtkonzept arbeitet, um den Wünschen und Bedürfnissen der Dorfbewohner zu entsprechen. Für die Genossenschaft selbst steht dabei langfristig nicht der Profit im Vordergrund. Stattdessen soll eine gute Durchschnittsmiete erzielt werden, wobei im Sinne des Bedarfs der Bewohner für entsprechend nachgefragte Geschäfte ohne hohe Gewinnmarge auch nur eine niedrige Miete verlangt wird.

Ebenfalls angestrebt und teilweise schon umgesetzt ist eine optische Verbesserung der Ladenstraße. Hierzu zählen Renovierungen, eine einladende und offene Gestaltung der Auslagen und eine gute nächtliche Beleuchtung.

Hintergründe und Bedeutung[Bearbeiten]

Zur Zeit der Entstehung der Olympischen Dorfes in München Ende der 1960er Jahre war die Ladenstraße im Helene-Mayer-Ring mit ihren 36 Ladeneinheiten den damaligen Strukturen des Einzelhandels adäquat. Diese änderten sich über die Jahrzehnte hinweg von einzelnen kleineren Ladengeschäften hin zu großen Ladeneinheiten[1] und zu einer Zentralisierung. Die Entwicklungen im Olympischen Dorf und die damit verbundenen Schwierigkeiten unterscheiden sich nicht von denen anderer Siedlungen und Stadtteilen aus dieser Zeit. Die Insellage des Olympischen Dorfes und damit der Ladenstraße sorgt dafür, dass letztendlich nur Dorfbewohner diese Einkaufsmöglichkeiten wahrnehmen.

Die 36 Ladeneinheiten in der Ladenstraße befinden sich im Besitz von ca. zwei Dutzend Eigentümern. Eine Koordination des Ladenangebots unter den Eigentümern fand nicht statt. Über die Jahrzehnte veränderte sich der Branchenmix zum Nachteil der Dorfbewohner. Der Mieterwechsel in der Ladenstraße verdreifachte sich in den Jahren 2000 bis 2010 auf drei Wechsel jährlich im Vergleich zu einem in den zwanzig Jahren zuvor. Die Ladenstruktur wurde monoton, zeitweise gab es vier Bäcker, drei Friseure und drei Internetcafés[2]. Schließlich begann eine Entwicklung weg von der Nahversorgung und hin zur Belegung mit Angeboten, die für den täglichen Bedarf irrelevant waren. Begründet ist dieses trading down in der Strukturänderung des Einzelhandels weg vom kleinen Ladengeschäft und hin zur Konzentration in Einkaufszentren; das Olympia-Einkaufszentrum ist nur zwei U-Bahn-Stationen entfernt. Naturgemäß ist zudem der einzelne Eigentümer eher gewinnorientiert und vermietet die Ladeneinheiten nicht unter dem Aspekt einer möglichst guten Nahversorgung für die Bewohner des Dorfes. Die heterogene Eigentümerstruktur verhinderte die Möglichkeit eines Gesamtkonzepts, wie es in vergleichbaren Geschäftsgegenden umgesetzt werden konnte, bei denen die Läden in der Hand eines Eigentümers sind.

Eine Umfrage unter den Dorfbewohnern nach ihren Vorstellungen für eine Ladenbelegung zeigte, dass die vorhandenen Einzelinteressen der Eigentümer damit nur bedingt vereinbar waren. Einerseits ist eine Maximierung der Mietrenditen für den einzelnen Eigentümer mit dem gewünschten Branchenmix nicht vereinbar, andererseits müssten durch Zusammenlegung von kleineren Ladeneinheiten teilweise größere zusammenhängende Verkaufsflächen geschaffen werden, um für den Einzelhandel wieder attraktiver zu werden.

Die Suche nach einer Lösung führte schließlich zur Gründung einer in dieser Form einmaligen Bürgergesellschaft, nachdem eine erste Informationsveranstaltung über entsprechende Planungen positiv aufgenommen wurde. Auf Gewinnorientierung wurde von Anfang an verzichtet, weder erhalten Funktionsträger eine Vergütung noch wurde für die ersten zehn bis fünfzehn Jahre eine Ausschüttung auf die Genossenschaftsanteile in Aussicht gestellt. Da die Problematik des „trading down“ sehr verbreitet ist und die Genossenschaft breite Unterstützung erhielt, fand dieser Lösungsansatz Interesse in den Printmedien und in der Politik; z. B. engagieren sich neben mehrere Bezirksräten der Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer und der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter in der Olywelt. Es bleibt abzuwarten, ob dieses als tragfähig[3] wahrgenommene „Experiment“ einer Bürgergemeinschaft Vorbildfunktion für andere Siedlungen mit vergleichbaren Schwierigkeiten haben wird.

Historie[Bearbeiten]

  • 2007 bis 2011 entstand die Idee einer Bürgergesellschaft, die die Ladeneinheiten in der Ladenstraße aufkaufen und dann in abgestimmter Form einen den Interessen der Dorfbewohner entsprechenden Ladenmix schaffen sollte.
  • 2010 Realisierung einer Konzeptstudie
  • 8. August 2011: Gründung
  • Ende 2011: Einlagen von 162.000 Euro von 151 Mitgliedern
  • 13. Juli 2012: Eintrag ins Genossenschaftsregister der Landeshauptstadt München
  • Ende 2012: Einlagen von 486.000 Euro von 310 Mitgliedern. Die Olywelt hatte in diesem Jahr ihre erste Immobilie[4][5] erworben.
  • 2014 wurde das zweite Objekt gekauft, in dem im Dezember 2015 ein italienisches Restaurant eröffnete. Der bis dahin wenig frequentierte hintere Bereich der Ladenstraße samt Kirchplatz wurde dadurch erheblich belebt.
  • Mitte 2016: Einlagen von 777.000 Euro von 401 Mitgliedern[6], mit Hilfe vieler Ladenbetreiber wird ein öffentliches WLAN mit Freifunk in der Ladenstraße eingeführt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wohnwirtschaft heute, Ausgabe 34, S. 18-20: Dynamik im Einzelhandel – Gefahr für den Wert von Wohnimmobilien?
  2. Süddeutsche Zeitung, 20. November 2012
  3. Süddeutsche Zeitung, Lokalteil München, 1./2. August 2015
  4. Süddeutsche Zeitung, 10. November 2012: Bericht über die erste Mitgliederversammlung der Olywelt eG
  5. Süddeutsche Zeitung, R8, 22. Februar 2013
  6. Süddeutsche Zeitung, R10, 21. Juli 2016
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