Max Otto Lorenzen

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Max Otto Lorenzen, (* 26. Juni 1950 in Tellingstedt; † 24. August 2008 in Willershausen bei Marburg war ein deutscher Philosoph der Nachmoderne und Publizist.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Max Otto Lorenzen wurde am 26. Juni 1950 in Tellingstedt im Kreis Dithmarschen als Sohn des Schlachtermeisters Johann Lorenzen und seiner Ehefrau Elsa, gebürtig Beroleit, geboren. Sein Vater war ein aufgeschlossener und großzügiger Mann, Schützenkönig in Tellingstedt; seine Mutter war als Flüchtling vom ostpreußischen Hof nach Schleswig-Holstein gelangt. Am 24. April 1957 wurde er eingeschult in die Volksschule Tellingstedt, die er bis zum 17. März 1962 besuchte. Vom Frühjahr 1962 an ging er in das neusprachlich-naturwissenschaftliche Gymnasium in Heide (Holstein). Für den Übergang auf die höhere Schule hatten sich zunächst Schwierigkeiten ergeben, er sollte nämlich später als Kaufmann einen Textilladen aus der Familie übernehmen und deshalb zunächst auf der Volksschule bleiben. Tatsächlich wurde erst auf den Rat eines verwandten Studienrats entschieden, dass Max während des fünften Schuljahrs das Englisch- und Mathematikpensum der Sexta erarbeiten sollte und dann gleich in die Quinta kommen. Sein Vater starb, als er 15 Jahre alt war. Am 30. Mai 1969 bestand er das Abitur.

Studium[Bearbeiten]

Er begann ein Studium an der Hamburg in den Fachrichtungen Philosophie und Germanistik am 1. Oktober 1969, sein Interesse galt vor allem philosophischen Fragen. 1975 setzte Max Lorenzen sein Studium an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg fort. Die Professorin Renate Wieland förderte ihn. Sein Interesse an der französischen Philosophie führte ihn 1977 nach Paris. Den folgenden Winter verbrachte er in Hannover, ging dann aber für ein Jahr zum Studium zurück nach Paris. Von April bis August 1979 zog er sich zum Arbeiten nach Rennes zurück. Damals erschien seine erste, Gustav Landauer gewidmete Schrift „Der Geist der Dialektik oder die Erschöpfung der Kritik“. Ihr waren intensive Diskussionen über Anarchismus und Marxismus vorausgegangen, mit denen Max Lorenzen sich immer wieder auseinandersetzte. Zu Beginn heißt es: „Unser Anfang ist ein Scheitern… wir, die Jungen, sind schon überaltert und seufzen unter der Last der Erinnerung, unsere Bemühung ist, zu verstehen, warum uns alle Auswege versperrt sind, deswegen durchmessen unsere Schritte immer wieder die Ausmaße des Gefängnisses.“

1980/1981 wohnte Max Lorenzen zeitweilig in Hannover und dann wieder in Tellingstedt. Zu einer kleinen Schrift „Tagebuch eines Namenlosen“ aus dem Juni 1953 zum Aufstand in der DDR stammt sein Nachwort – schon im von ihm mit gegründeten Verlag „Die freie Gesellschaft“ in Hannover, in der seine spätere Frau, Jutta Berendt, die zugehörige leuchtend rote Zeitschrift „Die freie Gesellschaft. Vierteljahresschrift für Gesellschaftskritik und freiheitlichen Sozialismus“ herausgab, in der er regelmäßig publizierte. Zehn Hefte aus den Jahren 1981 bis 1984 haben sich in seinem Nachlass erhalten.

Publizist[Bearbeiten]

Im Juni 1981 heiratete er in Tellingstedt Jutta Lorenzen aus Heide, die er seit seiner Schulzeit kannte. Das Paar zog nach Wetter in Hessen. Max Lorenzen ging zur Promotion an die Universität in Marburg, doch kam es nicht dazu. 1991 erschien sein Hauptwerk im Felix Meiner Verlag „Metaphysik als Grenzgang. Die Idee der Aufklärung unter dem Primat der praktischen Vernunft in der Philosophie Immanuel Kants“. Der Schluss seiner Einleitung deutet bereits in die Richtung späterer Überlegungen: „… als Beitrag zur Schaffung der Voraussetzungen, um sich den gegenwärtig entstehenden philosophischen Fragestellungen öffnen zu können, möchte die nun folgende Einführung in die Grundstruktur des strebenden Bewusstseins gelesen werden.“

Entschieden hatte sich Max Lorenzen hiermit für die Stellung als freier Publizist – altmodisch ausgedrückt als Privatgelehrter. Der systematische Ausbau einer umfassenden Bibliothek eröffnete ihm beste Voraussetzungen. Lorenzens blieben im Umkreis Marburgs, wo die beiden Töchter zur Welt kamen, zogen 1985 nach Oberrosphe und kauften dann im Dezember 1989 das Haus in Willershausen. Die gewählte Lebensform ohne Erwerbstätigkeit wurde ermöglicht durch regelmäßige Zuwendungen aus Tellingstedt – aus eben jenem Textilgeschäft, das Max ‚eigentlich’ hatte übernehmen sollen.

Zu Beginn der 1990-er Jahre wünschte Max Lorenzen sich eingehender mit dem Werk Rilkes zu beschäftigen und wurde von einem Bekannten auf Ingeborg Schnack und Renate Scharffenberg aufmerksam gemacht (die Rilke-Chronik und andere Veröffentlichungen sprachen für sie). Er stellte sich vor und damit begannen die regelmäßigen Lesestunden, in denen allmählich die wichtigsten Werke des Dichters erschlossen werden konnten – dabei war seine Sehweise, die philosophische, überaus aufschlussreich. Auch ein Kontakt zu seiner Familie stellte sich her und er beteiligte sich an dem Französisch-Zirkel Gerhard Ehls, was ihn unter neue Menschen brachte. Nicht nur um in Ruhe an seinem neuen Buch arbeiten zu können, bezog Max Lorenzen von Juni 1997 bis zum April 1998 eine Nebenwohnung in Marburg. In dieser Zeit fand seine Ehe, in der es schon länger Konflikte gegeben hatte, ein Ende; als Jutta Lorenzen mit den Töchtern auszog, kehrte er Anfang 1998 nach Willershausen zurück.

Derweilen wuchs die Freundschaft mit Helmut Welger, die dann nach dem Vorbild eines Erfurter Vereins 1997 zur Gründung der „philoSOPHIA“ führte. Blättert man in den ersten Programmen, so fällt freilich auf, wie sehr sich unter dem wachsenden Einfluss von Max die Themen verändert haben. Beim allerersten Vortrag, den Helmut Welger über „Die Macht der Gefühle“ hielt und dem zugehörigen Kursangebot: vier Abende über „Die Philosophie der Gefühle“ geht es deutlich darum: „uns selbst vielschichtiger zu erfahren“. Ein „Philosophischer Lesekreis“ dagegen bot eine Einführung in Friedrich Nietzsches Leben und Werk – allerdings überwogen Themen wie „Glück und Trauer“ oder „Was ist gutes Leben?“. Geplant waren damals auch Gesprächskreise für Jugendliche, die allerdings auf kein Interesse stießen. Von Anfang an aber fanden sich bei den Veranstaltungen Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebens- und -berufsbereichen zusammen, die sich vom betont unakademischen Ton der Vortragenden und Kursleiter angesprochen fühlten. Was sich verändert hat, waren weniger die Zielsetzungen als vielmehr der Stil, den man von den Programmen ablesen kann – zuletzt waren sie auch in ihrer äußeren Gestalt deutlich professioneller als zu Beginn.

2001 erschien „Das Schwarze. Eine Theorie des Bösen in der Nachmoderne. Philosophisch-literarischer Essay von Max Lorenzen“. Im Vorwort betont der Verfasser: „Obgleich der Akzent dieses Buches auf der Reflexion liegt – wenn sie auch beinahe fortwährend unter dem Vorzeichen einer Erfahrung, eben des ‚Schwarzen’ stattfindet - , so ließe sich doch auch das Umgekehrte denken, es scheint, als wären manche Dinge oder Geschehnisse unserer Welt nur darstellbar, wenn die Literatur, oder auch Kunst und Musik, die Philosophie gleichsam an die Hand nehmen.“ Gerade sie Einbeziehung bedeutender Kunstwerke macht die Überlegungen Lorenzens nachvollziehbar und von besonderem Reiz ist es, wenn gemeinsame Erlebnisse aufscheinen wie der Besuch von „philoSOPHIA“ in der Würzburger Residenz oder die Begegnung mit „heiligem Jacobus“ in einer Frankfurter Ausstellung.

Im selben Jahr heiratete Max Lorenzen seine zweite Frau Ulrike.

Letzte Lebenszeit[Bearbeiten]

Im „Schwarzen“ ist bereits das seit 2000 erscheinende „Marburger Forum“ angezeigt, dem in den neun Jahren seines Bestehens als Internet-Zeitschrift Lorenzen seine besten Kräfte widmete – er war, wie es in einem Nachruf heißt, „Motor und Seele“ dieser „Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart“, die mit der Zeit ein weit gespanntes Echo fanden und eine Schar von fast neunzig Autoren um sich versammelten. Das „Marburger Forum“ brachte neben wichtigen Schwerpunktthemen Aufsätze und Essays, Rezensionen und Gespräche, Theater- und Kunstkritiken, „Das Buch des Monats“ und vielerlei Berichte aus dem kulturellen Leben weit über die Stadt Marburg hinaus. Auch wenn ohne Max Lorenzen nur noch der neunte Jahrgang abgeschlossen werden konnte – alles bisher Erschienene bleibt im Netz zugänglich, also auch seine eigenen Beiträge.

In den folgenden zehn Jahren erweiterte sich sein Lebens- und Wirkungskreis über die Anfänge von „philoSOPHIA“ und „Marburger Forum“ hinaus. Man hatte den Eindruck, als stünde für Max Lorenzen eine neue, reiche Lebensphase offen. 2007 veröffentlichte er drei Erzählungen, die er postmodern nannte: „Krankheit. Kälte. Unsterblichkeit“. Bei seinen Lesungen in Marburg fanden sie ein aufmerksames Publikum. Vor allem aber begann seine Stimme zu gelten, so wurde er immer häufiger gebeten, Ausstellungen zu eröffnen – am Tag vor seinem plötzlichen Tod hatte er noch die Künstlergruppe in Radehausen vorgestellt. Besonders am Herzen aber lag ihm sein neues Buch, von dem etwa zwei Drittel schon vorliegen: eine grundlegende philosophische Arbeit: Der Arbeitstitel lautet „Philosophie der Nachmoderne. Die Transformation der Kultur – Virtualität und Globalisierung“ mit der Einleitung „Merkmale der Gegenwartsgesellschaft“. Das erste Kapitel ist überschrieben: „Zentrumsstrukturen“, im zweiten geht es um die „Operationsweise pluraler Gefüge“. Es folgen weitere Abschnitte: „Nachmoderne Freiheit“ und „Medien: Genuss und Leistung“.

Werke[Bearbeiten]

  • Max Otto Lorenzen „Der Geist der Dialektik oder die Erschöpfung der Kritik“, 124 Seiten in einem grauen Pappband, Hannover, Dez. 1979, Druckerei und Verlag Jürgen Otte.
  • Max-Otto Lorenzen „Metaphysik als Grenzgang. Die Idee der Aufklärung unter dem Primat der praktischen Vernunft in der Philosophie Immanuel Kants“. Verlag von Felix Meiner, 1991
  • „Das Schwarze. Eine Theorie des Bösen in der Nachmoderne. Philosophisch-literarischer Essay von Max Lorenzen“, 280 Seiten im Tectum Verlag in Marburg. 2001
  • Max Lorenzen „Krankheit. Kälte. Unsterblichkeit“. Drei Erzählungen. Verlag von Königshausen und Neumann in Würzburg, 2007
  • In Vorbereitung: Max Lorenzen „Eine Philosophie der Nachmoderne“ (Arbeitstitel)



Weitere Biografien:
Daniel Kahn, Daniel Möllermann, Daniel van Hauten, Daniel Wahner, David Bagration-Muchrani, David Eberhard, David von Felten, Dennis Maxeiner, Der Schundler, Der WalTmeister, Detlef Oeffner, Dieter Matz, Dietmar Neuerer, Dinko Radojevic, Dionysios Tselekidis, Dirk Thärichen, DJ Amok, DJ Ocram, Domenico Attanasii, Drago Persic, Eberhard Iskratsch, Edo Hemar, Ekkehard Mutschler, Eldon Hoke, Elijah (Rapper), Elmar Eggerl, Emil Manser, Emory Hale, Enis Fetahu, Enis Hajri, Ernst Anton Schmidt, Ernst Dorfner, Ernst Hoffmann (Chirurg), Ernst Schaal, Erol Pürlü, Erwin Herzog, Exemo, Fabian A. Ritter, Falco Kerius, Falko Vogt, Fazin Fakhr Yaseri, Fehmi Mert Günok, Ferhat Alici, Florian Böll, Florian Langmann, Franco Carlotto, Frank M. Bogun, Frank Sarfeld, Frank Schäfer (Unternehmensberater), Frank Schwede, Frank Zimpel, Franz Wegener, Franzjosef Eberling, Friedrich de Ponte, Friedrich Wöhr, FuckedUp! (Produzent und DJ), Gabor Laczko, Gaston de Mengel, Georg Friedrich Kremer, Georg Parlow, Georg Weiß, Georgi Iwanowitsch Beiman, Gerd Merheim, Giuseppe Cicala, Gori (Maler), Götz Keydana, Gregg Valentino, Grøbert & Grøbert, Gunnar Sohn, Günter Heyden, Hagen Dutzi

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