Lummerland

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Lummerland ist eine fiktive Insel aus den Büchern Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer und Jim Knopf und die Wilde 13 von Michael Ende. Sie kommt auch in den gleichnamigen Fernsehfilmen der Augsburger Puppenkiste vor. Auch durch das Lummerland-Lied wurde Lummerland als „Eine Insel mit zwei Bergen“ und – zunächst – vier Einwohnern im deutschen Sprachraum eine Metapher für einen kleinen abgegrenzten und freundlichen Bereich.

Geografie[Bearbeiten]

Die Insel ist außerordentlich klein und dicht besiedelt. An Gebäuden werden erwähnt:

In der Fortsetzung des Kinderbuches Jim Knopf und die Wilde 13 stellt sich Lummerland schließlich als der Gipfel einer Bergregion eines untergegangenen Kontinents heraus, von dem einzig die beiden Berggipfel Lummerlands den Meeresspiegel überragt haben. Auf wundersame Weise wird der versunkene Kontinent schließlich gehoben und Lummerland verliert sein Inseldasein. Michael Ende verknüpft in seiner anspielungsreichen Abenteuergeschichte an dieser Stelle den Mythos des untergegangenen Atlantis mit einer multikulturellen Utopie.[1]

Der – ohnehin alliterierender – Name der Insel bildet zusätzlich einen Stabreim mit einer der beiden Hauptfiguren des Buches: Lukas, dem Lokomotivführer.[2]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Die Eisenbahnstrecke ist die dominierende Infrastruktur der Insel. Der Schienenverkehr in Lummerland ist fiktiv und widerspricht deshalb in einer Reihe von Punkten realem Schienenverkehr. Die Vorstellungen über diesen Eisenbahnbetrieb sind vor allem aus zwei Quellen gespeist, dem Buch selbst und der Darstellung durch die Augsburger Puppenkiste.

Völlig ungeklärt zu sein scheint, ob der Schienenverkehr in Lummerland mit einer Voll- oder Schmalspurbahn betrieben wird. Die meisten Rekonstruktionen gehen wohl von einer Vollbahn aus.[3] Er wurde aber auch als Schmalspurbahn in 15 Zoll Spurweite / 381 mm rekonstruiert, was als Modellbahn dem Maßstab 1:43,5 entspricht.[4] Weitere Irritationen ergeben sich daraus, dass die Zahl der Eisenbahntunnel auf Lummerland unklärbar zu sein scheint: Der Illustrator der Bücher, Franz Josef Tripp, zeigt zwei (ohne allerdings die gesamte Strecke darzustellen und eines davon sieht eher aus wie eine Lawinenschutzverbauung).[5] Die Augsburger Puppenkiste rekonstruiert drei.[6] An anderer Stelle ist von fünf Tunneln die Rede[7], in der lummerländischen Nationalhymne[8] dagegen von „vielen“ Tunneln.

Unstrittig ist, dass der Schienenverkehr in Lummerland von Lukas den Lokomotivführer (und später auch durch Jim Knopf) durchgeführt wird und dass dafür die Dampflokomotive EMMA zur Verfügung steht (und später noch die Dampflokomotive MOLLY). Der Schienenverkehr in Lummerland ist eine sehr wichtige Angelegenheit für die Insel. Zeitweise beschäftigt er 40% der Einwohner.

Buch[Bearbeiten]

Der Illustrator beider Bücher, Franz Josef Tripp, gestaltete den Eisenbahnbetrieb auf Lummerland zeichnerisch, wobei er sich nicht immer an die Vorgaben im Text hält.

Augsburger Puppenkiste[Bearbeiten]

Am prägendsten für den öffentlichen Eindruck über den Schienenverkehr in Lummerland sind aber die Verfilmungen der beiden Romane durch die Augsburger Puppenkiste und den Hessischen Rundfunk. So wählte die Deutsche Post AG für eine Briefmarkenserie 2001 Motive aus den Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste. Die für die Filmaufnahmen gebauten Modelleisenbahnanlagen für Übersichtsaufnahmen von Lummerland sowie ergänzend einzelne Bilder der Marionettenbühne, um Einzelszenen aufzunehmen, in denen Eisenbahnbetrieb vorkommt, prägen heute ganz maßgeblich das Bild vom Schienenverkehr auf Lummerland. Die Szenische Umsetzung durch das Puppentheater weicht in Manchem wiederum von den Darstellungen durch Michael Ende und der von Franz Josef Tripp ab.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Linear[Bearbeiten]

Eine Schule der Rekonstruktion dieser Eisenbahninfrastruktur geht von einem linearen Verlauf der Strecke über die Insel aus. Dazu zählt offensichtlich die Darstellung von Franz Josef Tripp[9], der ein Gleisende am Bahnhof Lummerland[Anm. 1] mit Prellbock als Abschluss zeigt. Aufgrund der Zeichnungen von Tripp wurde versucht das Schienennetz von Lummerland zu rekonstruieren.[10]

Dies korrespondiert auch damit, dass bei den Aufnahmen der Augsburger Puppenkiste in den Szenen, in denen der Postbote landet, ein bis ans Meer heranführendes Gleis gezeigt wird, das dort allerdings ohne Prellbock endet. Die dabei gezeigte Landschaft – im zu den Marionetten passenden Maßstab – weicht allerdings davon, wie die Eisenbahninfrastruktur auf dem in den Aufnahmen erscheinenden Gleisplan[Anm. 2] oder in den Übersichtsaufnahmen gezeigt wird, ab.

Kreis[Bearbeiten]

Eisenbahn auf Lummerland
nach: Augsburger Puppenkiste
Lummerland Hauptbahnhof

Andererseits – geprägt durch die Anlage der Augsburger Puppenkiste – wird für Lummerland eine als Kreisverkehr gestaltete Eisenbahninfrastruktur angenommen.[11] Eine Rekonstruktion der Anlage basiert auf einem Gleisplan der in der ersten Folge von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" gezeigt wird, wo er im Büro von Lukas dem Lokomotivführer an der Wand hängt. Dieser Gleisplan wurde um die Abweichungen der für die Aufnahmen tatsächlich ausgeführten Anlage ergänzt.[12] Außer diesen Fernsehaufnahmen des Hessischen Rundfunks gibt es wohl keine Unterlagen mehr zu der dafür damals errichteten „Modelleisenbahn“.[13] Eine Rekonstruktion, die diese Abweichungen mit einbezieht, etwa hinsichtlich des erwähnten Stumpfgleises[14], wird in nebenstehender Grafik wiedergegeben. Dort wird auch der Gleisanschluss gezeigt, der am Ende von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" in das neu akquirierte Neu-Lummerland gelegt wird.

Die Eisenbahnanlage der Augsburger Puppenkiste verwendete das Trix-Express-Gleissystem, das es schon vor dem Einsatz von Elektronik ermöglichte, zwei Fahrzeuge unabhängig voneinander zu steuern – in diesem Fall EMMA und MOLLY.[15]

Weitere Rekonstruktionen[Bearbeiten]

Über die genannten Darstellungen des Schienenverkehrs auf Lummerland hinaus gibt es noch weitere, freiere und sich weiter von diesen Vorlagen entfernende Modelle für den Schienenverkehr auf der Insel. So wird Kritik an der Sinnhaftigkeit eines als Kreisverkehr ausgestalteten Schienenverkehrs geübt und er „für die Bedürfnisse der Inselbevölkerung neu entwickelt. […] Aufgabe der Inselbahn ist die Versorgung des Schlosses mit Gütern aller Art sowie der Reiseverkehr vom Schloß [!] zum Hafen und umgekehrt.“.[16]

Fahrzeuge[Bearbeiten]

In den Büchern – sowohl im Text als auch in den begleitenden Zeichnungen – und Filmen zu Lummerland gibt es für den dortigen Schienenverkehr zunächst nur ein (EMMA), später zwei (MOLLY) Fahrzeuge, Dampflokomotiven. Kritiker dieses existentialistischen Schienenverkehrs fiel auf, dass damit die Transportfunktion einer Eisenbahn nur sehr begrenzt erfüllt werden kann.[17] In freieren Rekonstruktionen des Schienenverkehrs auf Lummerland sind deshalb auch Wagen vorgesehen, schon um standesgemäß einen Salonwagen für König Alfons den Viertelvorzwölften bereitstellen zu können, damit der königliche Schlafrock[18] durch die beim Eisenbahnbetrieb mit Dampflokomotiven allfälligen Emissionen, etwa Kohlenstaub, nicht ungebührlich beschmutzt wird. Ob der Salonwagen auch über ein Funktelefon verfügt – Telefonieren ist die Hauptbeschäftigung des Monarchen[19] – ist nicht bekannt.[20]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Schienenverkehr auf Lummerland wird nach einer Quelle von der Königlich-Lummerländischen Schienenverkehrsgesellschaft (KLS) betrieben.[21] Fahrpläne und Frachtkarten scheinen unbekannt, ihre Einführung wird aber wohl erwogen.[22]

Rezeption[Bearbeiten]

Nach Erik Moonen ist Lummerland „ein […] Modellstaat, in dem Mensch, Natur und Technik ein harmonisches Ganzes bilden“.[23] So taucht Lummerland als Beispiel für besonders kleine Inseln in einem Lehrbuch für Wirtschaftsmathematik auf,[24] in einem Microsoft Excel-Lehrbuch,[25] einem allgemeinen Datenbank-Lehrbuch[26] einem Deutsch-Lehrbuch für Grundschulkinder[27] sowie in einem Skript für kommunales Verwaltungsrecht[28] oder einem Krimi[29] und einer unüberschaubaren Zahl von selbstpublizierten Gedichtbänden. In ihren Memoiren vergleicht Annegret Held die Nordseeinsel Langeoog mit Lummerland, „schließlich gab es auf Langeoog auch eine Lokomotive“.[30]

Lummerland findet sich außerdem als Name für eine deutsche Freizeiteinrichtung beim deutschen Militäreinsatz in Afghanistan[31] sowie häufig für Kindertagesstätten verschiedener Träger, beispielsweise in Georgsmarienhütte,[32] Hamburg,[33] Bochum,[34] Cuxhaven,[35] oder Essen.[36] Wiesbaden-Dotzheim beherbergt eine Gartenhaus-Siedlung dieses Namens,[37] Iserlohn eine Kneipe.[38]

Vermutlich aufgrund der Assoziation mit der Eisenbahn warb die Deutsche Bahn mit Lummerland: Nur in Lummerland seien die Tarife einfacher als die der Deutschen Bahn. Damit bezog sich die Bahn auf den Klein- und Einfachheitsmythos.[39]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Borchmeyer u. Manfred Braun: Jimballa. In: Alberto Manguel u. Gianni Guadalupi: Von Atlantis bis Utopia. Ein Führer zu den imaginären Schauplätzen der Weltliteratur. München 1981. ISBN 3-88472-064-3, S. 167f.
  • Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. 7. Auflage. Stuttgart 1963.
  • Michael Ende: Jim Knopf und die wilde 13. Stuttgart 1962.
  • Werner Nell: Lummerland. „Ungefähr doppelt so groß wie unsere Wohnung“. In: Atlas der fiktiven Orte. Mannheim 2012. ISBN 978-3-411-08387-9, S. 58-62.

Filme[Bearbeiten]

  • Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Schwarz/weiß 1961.
  • Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf und die wilde 13. Schwarz/weiß 1962.
  • Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. 1976.
  • Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf und die wilde 13. 1977.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In: Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. 1976: Lummerland Hbf.
  2. Erste Folge von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer", Szene im Büro von Lukas dem Lokomotivführer, wo der Gleisplan an der Wand hängt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alberto Manguel/Gianni Guadalupi: Von Atlantis bis Utopia. Ein Führer zu den imaginären Schauplätzen der Weltliteratur, Bd. 2. Ullstein, 1982, S. 79
  2. Heidi Aschenberg: Eigennamen im Kinderbuch: eine textlinguistische Studie, Gunter Narr Verlag, Tübingen 1991, ISBN 3823342029, S. 65 (Tübinger Beiträge zur Linguistik, Band 351).
  3. König.
  4. Heinert.
  5. Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Vorsatzblatt.
  6. König.
  7. Nell, S. 59, 61.
  8. Eine Insel mit zwei Bergen (Liedtext).
  9. Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Vorsatzblatt.
  10. König.
  11. König hält sie gar für „zwingend“.
  12. Der so rekonstruierte Gleisplan bei König, dort auch ein Link zu einer entsprechenden pdf, für die Umsetzung als Modellbahnanlage von Märklin.
  13. Rebo; König gibt die Reproduktion einer entsprechenden Auskunft der Augsburger Puppenkiste wider.
  14. Vgl. dazu: König.
  15. König, Rebo.
  16. Heinert.
  17. Heinert.
  18. Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, S. 8.
  19. Nell, S. 58.
  20. Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, S. 8.
  21. So: Heinert. In den Werken von Michael Ende findet sich das nicht.
  22. Heinert.
  23. Erik Monnen: Unbeschriebene Blätter und kleine Büchlein. Kleine Philosophie der modernen deutschen Kinder- und Jugendliteratur. In: Roland Duhamel, Guillaume van Gemert (Hrsg.): Nur Narr? Nur Dichter?: über die Beziehungen von Literatur und Philosophie, Königshausen & Neumann, 2008, ISBN 3826039114, S. 111
  24. Wenn auch mit fünf, statt mit vier Einwohnern. Horst Peters: Wirtschaftsmathematik: Lehrbuch, W. Kohlhammer Verlag, 2009, ISBN 3170208527, S. 90.
  25. Horst-Dieter Radke: Excel 2007 einfach professionell, Ralf Seelig, 2007, ISBN 3908497558, S. 15.
  26. Matthias Schubert: Datenbanken, Vieweg+Teubner, 2004, ISBN 3519005050, S. 33.
  27. Ingrid Maurer: Deutschunterricht mit Pinki und Paula, Persen Verlag, 2006, ISBN 3834436291, S. 16.
  28. Christina Meyer: Allgemeines Verwaltungsrecht, Kommunales Studieninstitut Kaiserslautern 2005, S. 11.
  29. Bernd Sieberich: Fördefratzen, Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 3981145992, S. 30.
  30. Annegret Held: Das Zimmermädchen, mareverlag, 2003, ISBN 3936384061, S. 26.
  31. Sascha Brinkmann, Joachim Hoppe: Generation Einsatz - Fallschirmjager berichten ihre Erfahrungen aus Afghanistan, Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 3937885250.
  32. Homepage Integrativkita Lummerland
  33. Homepage DRK-Kindertagesstätte Lummerland
  34. Homepage Kindertagesstätte Lummerland, Bochum
  35. Homepage der evangelischen Kindertagesstätte Lummerland
  36. Homepage der Diakonie-Kindertagesstätte Lummerland
  37. Living comfort in the passive house Final report
  38. Dieter Auer: Die besten und verrücktesten Kneipen-namen, Books on Demand, Norderstedt 2009 ISBN 3837077373.
  39. Harald Burger, Martin Luginbüh: Mediensprache. Eine Einführung in Sprache und Kommunikationsformen der Massenmedien, Walter de Gruyter, 2005, ISBN 3110173530, S. 423.
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