Luftlandeunterstützungsbataillon 272

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Luftlandeunterstützungsbataillon 272
Wappen
Verbandsabzeichen
Aktiv 1961–2015
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Logo Heer
Unterstellung Logo Luftlandebrigade 31
Sitz des Stabes Oldenburg
Kommandeur
Oberstleutnant Markus Klebb
Wichtige
Kommandeure
Oberstleutnant i.G. Peter Springer

Das Luftlandeunterstützungsbataillon 272 (LLUstgBtl 272) mit Standort in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Oldenburg und Seedorf war der Luftlandebrigade 31 unterstellt und stellte die Einsatzunterstützung der Luftlandebrigade 31 sicher.

Aufgaben[Bearbeiten]

Das Bataillon ist ein Element der Krisenreaktion, welches mit der Aufstellung der Division Spezielle Operationen zum 1. April 2001 wirksam wurde. Es stellt die Einsatzunterstützung der Luftlandebrigade 31 bzw. von Einsatzkräften für “Spezielle Operationen“ im gesamten Aufgabenspektrum der Division Spezielle Operationen (DSO) sicher. Das Luftlandeunterstützungsbataillon ist ein für Luftlandeoperationen ausgebildeter Verband. Die Aufgaben im Einzelnen:

  • Versorgung und Nachschub für die Truppenteile der Luftlandebrigade 31 bei Übungen / Einsätzen im In- und Ausland sowie im Grundbetrieb
  • Sanitätsdienstliche Versorgung im Einsatz in den Behandlungsebenen 1 und 2
  • Durchführung der Feldinstandsetzung
  • Bereitstellen und führen der logistischen und sanitätsdienstlichen Unterstützung eines Einsatzverbandes „Operation gegen irreguläre Kräfte (OpIK)“ aus Truppenteilen der Luftlandebrigade 31 in einem Zeitfenster von fünf bis fünfzehn Tagen.
  • Logistische und sanitätsdienstliche Unterstützung der Spezialkräfte bei bewaffneten Rückführungen und militärischen Evakuierungsoperationen (milEvakOp).
  • Logistische und sanitätsdienstliche Unterstützung bei der Durchführung einer schnellen Anfangsoperation / Abschlussoperation.
  • Logistische und sanitätsdienstliche Unterstützung spezialisierter Kräfte bei Operationen in der Tiefe.

Um der Forderung nach einer schnellen weltweiten Verfügbarkeit zu entsprechen, besitzt das Bataillon die Fähigkeit, große Teile des Personals und Material im Lufttransport zu verlegen. Das Luftlandeunterstützungsbataillon 272 sieht sich mit seinem Wahlspruch „Fest zupacken, nie loslassen“ ganz dem Korpsgeist der Division spezielle Operationen verpflichtet:

Wir von der DSO
einsatzbereit – jederzeit - weltweit

Geschichte[Bearbeiten]

Das Bataillon wird am 1. März 1961 als Fallschirmjägerbataillon 313 in Wildeshausen aufgestellt. 1970 Umbenennung des Bataillon in Fallschirmjägerbataillon 272. 1971 wird die Luftlandeversorgungskompanie 270 in Lippstadt und die Luftlandesanitätskompanie 270 in Unna-Königsborn aufgestellt. 1990 wird das Fallschirmjägerbataillon 272 in Fallschirmjägerbataillon 272 Wiesel umbenannt. 1993 Verlegung der Luftlandeversorgungskompanie 270 an den Standort Oldenburg und der Luftlandesanitätskompanie 270 an den Standort Leer sowie Umbenennung des Fallschirmjägerbataillon 272 Wiesel in Fallschirmpanzerabwehrbataillon 272. 2002 Fusionierung und Umgliederung des Fallschirmpanzerabwehrbataillon 272 mit der Luftlandeversorgungskompanie 270 und der Luftlandesanitätskompanie 270 zum Luftlandeunterstützungsbataillon 272 an den Standorten Wildeshausen und Oldenburg. 2006 verlegt das Luftlandeunterstützungsbataillon 272 an die Standorte Oldenburg und Seedorf. Zum 31. März 2015 ist das Luftlandeunterstützungsbataillon 272 im Zuge der Einnahme der Struktur "HEER2011" aufgelöst worden.[1] Drei Kompanien des Bataillons wurden herangezogen zur Aufstellung einer Luftlandeversorgungskompanie und einer Luftlandesanitätskompanie des neuen Fallschirmjägerregiments 31 in Seedorf. Der Fallschirmgeräteluftumschlagzug verbleibt aufgrund der Infrastruktur in Oldenburg.

Gliederung[Bearbeiten]

Das Bataillon gliederte sich in:

  • 1./- Versorgungs- und Unterstützungskompanie (Oldenburg)
  • 2./- Luftlandeversorgungskompanie (Oldenburg)
  • 3./- leichte Luftlandeversorgungskompanie (Seedorf)
  • 4./- Luftlandesanitätskompanie (spezieller Einsatz) (Seedorf)
  • 5./- Einsatzunterstützungskompanie (Seedorf)

Beschreibung einzelner Kompanien[Bearbeiten]

Versorgungs- und Unterstützungskompanie[Bearbeiten]

Die 1. Kompanie des Luftlandeunterstützungsbataillons 272 ist die Versorgungs- und Unterstützungskompanie. Die Kompanie hat eine Personalstärke von etwa 200 Soldaten aller Dienstgradgruppen. Zu den Aufgaben der Kompanie gehört zum einen die Personalgestellung für den Bataillonsstab und zum anderen die Versorgung der anderen Einheiten des Luftlandeunterstützungsbataillons 272. Zu den Kernfähigkeiten gehören die Instandsetzung des gesamten Fuhrparks aller Einheiten des Bataillons, das Herstellen und Halten der Fernmeldeverbindungen zwischen den Einheiten und die Versorgung aller Einheiten mit Wasser, Munition, Betriebsstoffen und Verpflegung.

Um diesen Aufträgen gerecht zu werden hält die 1./ LLUstgBtl 272 für jede einzelne Kompanie des Bataillons die entsprechenden Fernmelde- und Versorgungstrupps vor, die im Falle eines Einsatzes den Kompanien zur Verfügung gestellt werden, damit diese wiederum ihre Aufträge erfüllen können.

Für die Erfüllung der Aufträge benötigt die 1./ LLUstgBtl 272 ausgebildete Spezialisten in vielen verschiedenen Berufen, wie Bürokaufleute, Kraftfahrzeugmechatroniker, IT-Spezialisten, Kraftfahrer aller gängigen Fahrerlaubnisklassen und Lagerfachkräfte. Dieses gesamte Berufsspektrum wird durch die militärische Ausbildung abgerundet, denn ein Logistiker ist auch gleichzeitig ein Kämpfer der auch in der Lage sein muss sich und seine Kameraden zu schützen.

Diese Fachexpertise durfte die Kompanie schon mehrfach im Auslandseinsatz, entweder geschlossen oder in Teilen, beweisen. Zuletzt 2007 und 2010/2011 in Kabul und Kunduz, Afghanistan, konnten die Soldaten der Kompanie die Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und im Einsatz bestehen.

Luftlandeversorgungskompanie[Bearbeiten]

Die 2. Kompanie des Luftlandeunterstützungsbataillons 272 (2./LLUstgBtl 272) ist eine Luftlandeversorgungskompanie und mit annähernd 260 Soldaten die mit Abstand stärkste Kompanie des Bataillons. Die 2. Kompanie richtet ein und betreibt einen Luftlandeversorgungspunkt (LLVersPkt) und stellt den Hauptträger der logistischen Versorgung der Luftlandebrigade 31 dar. Zur Erfüllung ihrer vielseitigen Aufträge ist die Kompanie in 5 Teileinheiten untergliedert, von denen jede mit zahlreichen hochqualifizierten Spezialisten besetzt ist: Einer Kompanieführung, einer Umschlagstaffel, einem Instandsetzungszug, einem Transportzug und als Besonderheit innerhalb des Bataillons, einem Fallschirmgeräteluftumschlagzug. Die Umschlagstaffel (UgStff) stellt mit über 60 Soldaten die größte Teileinheit innerhalb der Kompanie dar und bevorratet nicht weniger als 5000 verschiedene Versorgungsartikel. Von der Unterlegscheibe bis zur LKW-Achse reicht die Palette aller gängigen Versorgungsgüter der Brigade mit einem Gesamtwert von mehreren Millionen Euro. Der Materialzug als Untereinheit der Umschlagstaffel ist verantwortlich für angelieferte Versorgungsgüter für die gesamte Luftlandebrigade 31, lagert diese ein oder bereitet sie für den Weiterversand vor. Verschiedenste Module innerhalb des Lagers des Materialzuges beinhalten Querschnittsmaterial von allen gängigen Fahrzeugen und Waffen der Brigade. Der Versand des Materials findet innerhalb Deutschlands oder international, durch die eigene Truppe oder durch Beauftragung ziviler Unternehmen statt. Der Nachweis- und Betriebszug bearbeitet die Anforderungen anderer Einheiten und ist für alle Belange der aufwendigen Datenverarbeitung zuständig. Zwei Umschlaggruppen sind verantwortlich für die Bereitstellung von Munition und Kraftstoffen. Innerhalb eines Jahres werden in der Umschlagstaffel mit Computerunterstützung an sieben Arbeitsplätzen mehr als 1.000.000 Anforderungen bearbeitet und mehr als 150 Tonnen Versorgungsgüter weiter verschickt. Mit über 50 Soldaten ist der Instandsetzungszug (InstZg) der personell zweitstärkste der Kompanie. Hier werden Fahrzeuge, Geräte und Waffen der Brigade gewartet und repariert. Die fachgerechte Ausführung der eingehenden Instandsetzungsaufträge wird durch gut ausgebildete Soldaten gewährleistet, die teilweise über Qualifikationen wie Kfz Meister, amtlich anerkannter Prüfer oder Waffenmechaniker verfügen und jährlich bis zu 20000 Arbeitsstunden leisten. Alle von der Teileinheit nicht ausführbaren Instandsetzungsaufträge werden an die zivile Wirtschaft in Oldenburg und Umgebung weitergegeben. Der Zug gliedert sich in mehrere Teileinheiten. Die Technische Einsatzführung (TEF) ist Ansprechpartner für alle zu unterstützenden Truppenteile. Hier werden die Instandsetzungsaufträge entgegen genommen, koordiniert und an die Soldaten der Prüfgruppe weitergeleitet. Die Soldaten der Prüfgruppe sind allesamt Kraftfahrzeugmeister – spezialisiert auf die Fachbereiche Rad/Kette, Waffe und Hydraulik. Eine spezielle Ausbildung qualifiziert sie zu amtlich anerkannten Prüfern. Dann beginnt die Arbeit der „Schrauber“. In verschiedenen Fachbereichen, von der zerlegenden Eingangsprüfung über Instandsetzung und Wartung bis hin zur abschließenden Ausgangsprüfung wird der Auftrag abgearbeitet. Der Transportzug (TrspZg) verfügt über unterschiedliche, geländegängige LKW mit einer Nutzlast von zehn bis fünfzehn Tonnen, mit denen die tägliche Realversorgung der Brigade sicherstellt und zahlreiche zusätzliche Transportaufträge in ganz Deutschland durchgeführt werden. Um die verschiedenen Versorgungsgüter den deutschen als auch bundeswehrinternen Vorschriften entsprechend transportieren zu dürfen, verfügen die Kraftfahrer über Ausbildungen im Bereich Ladungssicherung, können Gefahrgutscheine mit Aufbaukursen vorweisen und haben teilweise bereits eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer abgeschlossen. Alle Kraftfahrer sind äußerst erfahren was die Durchführung von Transporten angeht, da sie jährlich etwa 130.000 km Wegstrecke auf solchen zurücklegen. Hierbei stellt vor allem die räumliche Trennung des Bataillons auf die Standorte Seedorf und Oldenburg eine große organisatorische und logistische Herausforderung dar die es täglich zu bewältigen gilt.

Um den an eine Luftlandeeinheit gestellten Anforderungen gerecht zu werden, verfügt die 2. Kompanie über einen Fallschirmgeräteluftumschlagzug (FschGerLUZg). Dieser verwaltet, prüft, lagert, repariert und packt Personen- und Lastenfallschirme sowie Lufttransportgerät der Bundeswehr. Außerdem bereitet er Mengenverbrauchsgüter (MVG) sowie andere Lasten sowohl zum Absetzen aus Luftfahrzeugen, als auch zum Transport als Außenlast an Helikoptern vor. Instandsetzungsarbeiten werden von fachkundigem Personal innerhalb der Teileinheit bis zur Materialerhaltungsstufe (MES) 3 durchgeführt. Des Weiteren bildet die Kompanie durch den FschGerLUZg die Fallschirmpacker, sowie das Luftverlade- und Luftverlastepersonal der Luftlandebrigade 31 weiter, die ihre Ausbildung an der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt (Oberbayern) erhalten haben.

Über die angeführten Aufgaben hinaus zeichnete sich ein Großteil der Kompanie in der Vergangenheit in zahlreichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr von Somalia über den Kosovo bis Afghanistan aus. Hierbei stellte die Kompanie meist einen Großteil des Vorauskommandos der jeweiligen Einsätze. In 2013 stellt die Kompanie den Kern des Unterstützungsverbandes PRT Kunduz in Afghanistan. In 2015 wird diese traditionsreiche Kompanie mit wesentlichen Teileinheiten dem FschJgRgt 31 unterstellt werden.

Leichte Luftlandeversorgungskompanie[Bearbeiten]

Im Rahmen der Umstrukturierung im Jahr 2002 wurde die 3. Kompanie des Luftlandeunterstützungsbataillons 272 aufgestellt. Sie ist strukturell ähnlich wie die 2./Luftlandeunterstützungsbataillon 272 aufgestellt, jedoch mit der Besonderheit, dass die Kompanie über drei Kampfmittelbeseitigungstrupps und zwei Luftumschlaggruppen verfügt. Der Auftrag der Kompanie besteht darin, die „Oldenburgische“ Luftlandebrigade 31 durch leichte, luftbewegliche Versorgungskräfte aus einem leichten Luftlandeversorgungspunkt und lageabhängig aus einem vorgeschobenen Luftlandeversorgungspunkt mit Versorgungsgütern aller Art zu versorgen. D.h., die Kompanie ist in der Lage, einen Luftlandeversorgungspunkt komplett durch das Absetzten von Lasten (also Güter aller Art und Fahrzeuge), mit Hubschraubern oder Flugzeugen, einrichten und betreiben kann. Hierzu ist es notwendig, dass der größte Teil der Soldaten zum militärischen Fallschirmspringer ausgebildet werden. Als besondere Fähigkeit dieser Kompanie ist die Kampfmittelbeseitigungsgruppe hervorzuheben. Diese höchst spezialisierten Soldaten sind dafür ausgebildet, jegliche Kampfmittel mit sämtlichen eingeführten sowie modifizierten Verfahren und Mitteln unschädlich zu machen und schließt ebenfalls das Beseitigen behelfsmäßiger Sprengvorrichtungen ein. D.h. die Soldaten der Kampfmittelbeseitigungsgruppe kennen Verfahren zur Erkundung, die Identifizierung, die Feldauswertung, das Unschädlichmachen, Bergen und die endgültige Beseitigung von nicht explodierten Kampfmitteln. Kennzeichnend für die 3. Kompanie – „die Leichte“ – ist die Fahrzeugausstattung. Da alle Fahrzeuge Luftverlastbar sein müssen, gibt es keine LKW über 2 to Nutzlast. Der Großteil besteht aus dem LKW 2 t tmil gl und LKW gl leicht LL RST (MB Wolf CDI).

Luftlandesanitätskompanie[Bearbeiten]

Im Wesentlichen setzt sich die 4./ Luftlandeunterstützungsbataillon 272 aus drei Teileinheiten sowie der Kompanieführung, der Luftlandekrankentransportzug sowie der Luftlandebehandlungszug. Die Kompanieführungsgruppe ist für die Steuerung des Einsatzbetriebes, Ausbildungs- und Übungsplanung sowie logistische Unterstützung der Kompanie zuständig. Der Luftlandekrankentransportzug ist für den Transport Verletzter und Kranker von den Truppenverbandsplätzen TVP der Bataillone zum Heeresverbandplatz der Brigade zuständig und unterstützt die Bataillone bei Bedarf mit Kräften beim Transport vom Verwundetennest zum TVP. Diensttuende zugeteilte Ärzte, Rettungsassistenten im Feldwebelrang und Rettungssanitäter sind mit Teilen zum Fallschirmsprungeinsatz befähigt. In kleinen Gruppen und hochmobil können die Soldaten des Luftlandekrankentransportzuges den Fallschirmjägerkräften überall hin folgen und wenn nötig sanitätsdienstlich versorgen. Im Luftlandebehandlungszug sind drei schnell verlegbare Teileinheiten mit Ärzten, Rettungsassistenten und Rettungssanitäter ausgeplant. In diesen Sanitätseinrichtungen, die in kurzer Zeit mittels Lufttransport verlegt werden können, werden notfallmedizinische Erstversorgungsmaßnahmen durchgeführt. Auch die Soldaten des Luftlandebehandlungszuges sind mit Teilen zum Fallschirmsprungeinsatz befähigt.

Einsatzunterstützungskompanie[Bearbeiten]

Die 5./ LLUstgBtl 272 führte als Ausbildungskompanie des Bataillons verschiedenste Ausbildungen in Lehrgangsform am Standort Seedorf durch. Der Auftrag der Kompanie „Durchführung der Allgemeine Grundausbildung“ wurde ab dem zweiten Quartal des Kalenderjahres 2011, aufgrund der Aussetzung der Wehrpflicht, eingeschränkt durchgeführt. Im April 2012 wurde die Allgemeine Grundausbildung im LLUstgBtl 272 eingestellt. Die Ausbildung der Rekruten erfolgt nun beim FschJgBtl 313. Zum Oktober 2012 wurde die Kompanie aufgelöst.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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49.4588646.664238Koordinaten: 49° 27′ 31,9″ N, 6° 39′ 51,3″ O