Ludwig Schröder

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Ludwig Schröder (* 18. April 1913 in Eppelheim / Baden-Württemberg) war seit 1939 bis November 1940 Angehöriger der Staatspolizeileitstelle Karlsruhe (Gestapo Karlsruhe). Ab November 1940 bis zur Auflösung im Juli 1944 gehörte er dem Grenzpolizei-Kommissariat Przemysl ( GPK Przemysl) in Polen an.

Laufbahn[Bearbeiten]

Als Sohn eines Landwirts absolvierte er die Volksschule von 1919 bis 1927. Anschließend besuchte er eine landwirtschaftliche Schule zur fachlichen Fortbildung und eine Handelsschule in Heidelberg. Seine fachliche Ausbildung beendete er ohne einen fachliche Qualifikation. Bis zum Jahre 1935 leistete er Gelegenheitsarbeiten in der Landwirtschaft seiner Eltern und bei der Buchhaltung in der Schlosserei seines Bruders.

Politisch orientierte er sich schon ab 1931 bei den Nationalsozialisten in der Hitlerjugend (HJ). Zwar bewarb er sich im Jahre 1932 bei der Polizei, die ihn jedoch wegen seiner geringen Körpergröße ablehnte. Am 1. Mai 1933 wurde er Mitglied in der NSDAP und der SA. Bei der SA wurde er im nationalsozialistischen Sinne politisch geschult. Am 30. Oktober 1935 unterschrieb er eine Aufnahme in die Wehrmacht für die Dauer von zehn Jahren.

Im Jahre 1937 wurde er zum Obergefreiten befördert. Jedoch schon ein Jahr später erfolgte am 30. April 1938 seine Entlassung aus der Wehrmacht wegen einer mangelnden Eignung. Danach bewarb er sich im Mai 1938 bei der Reichsbahn. Nach entsprechender Schulung und Prüfungen wurde er als Fahrdienstleiter und Zugabfertiger in Gengenbach / Baden beschäftigt.

Dienst bei der Gestapo[Bearbeiten]

Nach einer Bewerbung trat er am 1. Juni 1939 als Beamter und Kriminalassistent-Bewerber seinen Dienst bei der Staatspolizeileitstelle Karlsruhe (Gestapo Karlsruhe) an. Für die SS hatte er sich ebenfalls beworben, aber er war blieb bis 1945 nur ein SS-Bewerber. Bei der Gestapo Karlsruhe war er vorwiegend in der Registratur und in der Abteilung "Rückwanderer" tätig. Nach bestandener Fach-Prüfung I wurde er im Sommer 1940 zum Kriminalassistenten befördert. Als im Herbst 1940 die Deportation der Juden aus Karlsruhe und anderen Gebieten seines Dienstbereiches in Baden nach Frankreich begann, war er mit anderen Gestapo-Anghörigen dabei, die Juden aus ihren Wohnungen abzuführen.

Kommando in Polen[Bearbeiten]

Ab November 1940 wurde er nach Krakau zum Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD (KdS) abkommandiert. Nach kurzen Aufenthalt in Krakau erfolgte noch im November 1940 seine Versetzung zum GPK Przemysl. Bis zum Sommer 1942 war er in der Politischen Abteilung tätig, die vom SS-Sturmscharführer Timme geleitet wurde. In dieser Abteilung, die auch später das sogenannte "Judenreferat" betraf, hatte er Anträge für Pässe und "Rundfunkgenehmigungen" für Mitarbeiter bei Zivilbehörden zu bearbeiten. Weiterhin wurde er für laufende Büroangelegenheiten eingesetzt. Im Winter 1941/1942 überbrachte er dem Judenrat im jüdischen Bezirk Anweisungen, so z. B. bei der Pelzaktion.

Als die Leitung des GPK Przemysl im September 1942 vom SS-Untersturmführer Adolf Benthin auf den SS-Sturmscharführer Rudolf Bennewitz überging, erolgte in diesem Zeitraum des Sommers 1942 seine Versetzung in das Referat "Widerstandsbekämpfung"[1]. In diesem Referat bestand seine Hauptaufgabe darin, Vernehmungen auszuführen. Von Juli 1944 bis Ende September 1944 gehörte er einem Kommando an, das im Raum Sanok-Krosno-Dukla Partisanen bekämpfte. Danach wurde er für kurze Zeit nach Krakau abkommandiert beim KdS Krakau zur Bandenerfassungsstelle.

Als der Rückzug der Wehrmacht aus Polen im Herbst 1944 begann, kam er nach Mährisch-Ostrau. Da er im Frühjahr 1945 erkrankte, wurde er wieder zu seiner Dienststelle der Gestapo Karlsruhe versetzt. In den letzten Wochen des Krieges wurde er noch in der Außenstelle Heidelberg im April 1945 eingesetzt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Bis 1947 verbrachte er nach seiner Gefangennahme seine Zeit im Internierungslager Kornwestheim[2]. Danach betätigte er sich als Hilfsarbeiter, um dann ab 1957 in Weinheim als kaufmännischer Angestellter eine Beschäftigung aufzunehmen. Im Zuge der Ermittlungen wegen der Verbrechen, in die das GPK Przemysl verwickelt war, wurde er vom 30. November 1964 bis zum 11. Dezember 1964 in Untersuchungshaft genommen. In dem Urteil des Landgerichts Hamburg vom 14. Januar 1969 (Az: (50), 30/67) wurde er von dem Vorwurf freigesprochen, an Verbrechen im Rahmen der Tätigkeiten des GPK Przemysl beteiligt zu sein. Obwohl das Gericht viele Zweifel an seinen zum Teil widerlegten Aussagen vorbrachte, konnte ihm keine gegenteiligen Vorwürfe nachgewiesen werden.

In einem weiteren Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Hamburg sprach ihn die Grosse Strafkammer 7 am 19. März 1981 (Az: (37) 8/76) frei, da ihm keine Beteiligungen an Verbrechen beim GPK Przemysl nachgewiesen werden konnten.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. C.F. Rüter, Justiz und NS-Verbrechen, Band XXXI, München 2004, S. 529, S. 544
  2. C.F. Rüter, ebenda, S. 530
  3. C.F. Rüter, Justiz und NS-Verbrechen, Band XLIV, München 2011, S. 371-373

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