Karl Gans

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Karl Gans (* 29. August 1893 in Berlin) war ein Kriminaldirektor der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Er war im Rahmen der Besetzung Polens im September 1939 in die Planung für das jüdische Getto in Lodz tätig.

Laufbahn[Bearbeiten]

Im Jahre 1921 wurde er zum Kriminalkommissar ernannt[1]. Bis zum Jahre 1932 diente er im Polizeipräsidium Berlin. Durch eine Anordnung des preußischen Innenministers Carl Severing[2] wurde er zur Polizei nach Weißenfels versetzt.

Seine politische Orientierung wird durch seinen Beitritt zur NSDAP als Mitglied Nr. 3262607 am 1. Mai 1933 deutlich. Damit war auch sichergestellt, dass er nicht aus dem Polizeidienst nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Februar 1933 entfernt wurde. Vielmehr führte eine Empfehlung eines Bekannten bei Hermann Göring als neuem Chef der Polizei dazu, dass er einen Posten im Geheimen Staatspolizeiamt Berlin (Gestapa Berlin) antreten konnte[3].

Seit Beginn des Jahres 1934 wurde er im Geschäftsverteilungsplan des Gestapa Berlin vom 22. Januar 1934 im juristischen Dezernat II F als Führer des Außendienstes mit dem Kriminalkommissar Erich Frohwann[4] aufgeführt[5]. Zur Gestapo kam er im Juli 1934 an die Staatspolizeileitstelle Berlin (Gestapo Berlin). Es folgte die übliche Versetzungsroutine nach 1935 im Reichsgebiet an verschiedene Orte der Dienststellen der Gestapo.

Kriegseinsatz[Bearbeiten]

Nach dem Überfall auf Polen durch die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 wurde er zum kommissarischen Leiter der Staatspolizeistelle Lodz (später umbenannt in: Staatspolizeistelle Litzmannstadt) ernannt[6]. Der Regierungspräsident in Kalasch Friedrich Uebelhoer[7] bestimmte in einer Anordnung vom 10. Dezember 1939, dass Gans die federführende Stellung im Arbeitsstab der Gesamtplanung für ein jüdisches Getto übernahm.[8] Diese Aufgabe wurde ihm als kommissarischer Leiter der Staatspolizeistelle Litzmannstadt erteilt.[9] Danach wurde er 1940/1941 zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei Krakau (BdS Krakau) zur Abteilung III versetzt. Nach seiner Beförderung zum Kriminaldirektor nahm er im Jahre 1941 wieder seinen Posten im Gestapa Berlin ein. Im Jahre 1943 erfolgte seine Verwendung im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in der Abteilung VI[10]. Gans wurde im November 1942 in das Amt VI des RSHA versetzt, weil dort ein großer Personalmangel entstanden war. Weiterhin wurden folgende Gestapo-Leute ins Amt VI versetzt:[11]

  • Walter Otten von der Stapo Bremen
  • Wilhelm Perschke von der Stapo Münster
  • Richard Hentschke vond er Stapo Chemnitz
  • Georg Mendel von der Stapo Karlsbad
  • Adolf Crohne von der Kriminalpolizeileitselle Halle

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Graf: Politische Polizei zwischen Demokratie und Diktatur: die Entwicklung der preussischen Politischen Polizei vom Staatsschutzorgan der Weimarer Republik zum Geheimen Staatspolizeiamt des Dritten Reiches (= Historische Kommission zu Berlin [Hrsg.]: Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin. Band 36). Colloquium-Verlag, Berlin 1983, ISBN 978-3-7678-0585-9, S. 344–345, passim.
  2. Carl Severing in der deutschsprachigen Wikipedia
  3. Christoph Graf, ebenda, S. 345
  4. Erich Frohwann in der deutschsprachigen Wikipedia
  5. Christoph Graf, ebenda, S. 421
  6. Michael Alberti: Anfänge und die Durchführung der "Endlösung": die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939-1945. Wiesbaden 2006.
  7. Friedrich Uebelhoer in der deutschsprachigen Wikipedia
  8. Klaus-Peter Friedrich (Hrsg.): Polen September 1939 – Juli 1941 (= Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 4). De Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-486-58525-4, S. 171 – 174, hier: S. 172 und Fn 6.
  9. Michael Alberti: Anfänge und die Durchführung der "Endlösung": die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939-1945. Wiesbaden 2006, S. 149.
  10. Funktionen von Karl Gans 1939–1943
  11. Thorsten J. Querg: Spionage und Terror: das Amt VI des Reichssicherheitshauptamtes 1939–1945. Berlin 1997, DNB 953514455, OCLC 40643995, S. 243 (403 S.).
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