K.St.V. Wiking Aachen

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Der Katholische Studentenverein Wiking ist eine katholische, farbenführende und nichtschlagende Studentenverbindung im Kartellverband Katholischer Deutscher Studentenvereine (KV) an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Seine Prinzipien sind Religion, Wissenschaft und Freundschaft. Sie wurde 1904 in Aachen durch Trennung von der Mutterverbindung K.St.V. Carolingia gegründet und gehört aktuell zu den fünf aktiven Aachener KV-Verbindungen. Im Amtsjahr 2013/2014 stellt der Wiking gemeinsam mit dem K.St.V. Alania-Breslau zu Aachen den Vorort im KV.

Wappen Karte
Wappen des K.St.V. Wiking Lage der kreisfreien Stadt Aachen in Deutschland.png
Basisdaten
Universität: RWTH Aachen
Gründung: 23. Juni 1904 in Aachen
Verband: KV
Kürzel: Wk!
Farben: rot-gold-rot
Wahlspruch: Virtus et Veritas!
Website: www.kstvwiking.de

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge im Jahre 1904[Bearbeiten]

Am 23. Juni 1904 wurde der K.St.V. Wiking durch Teilung des seit 1871 in Aachen ansässigen Katholischen Studentenvereins Carolingia ins Leben gerufen. Ein Conventsbeschluss der Carolingia sah eine Teilung und Neugründung beim Überschreiten der Mitgliederzahlen von 50 Burschen und 10 Füxen vor. Dreizehn Gründungsmitglieder, darunter Gründungssenior Paul Rossié, traten der neuen Korporation bei.

Die Gründungsmitglieder des K.St.V. Wiking im Jahr 1904

Anfangs war es für den jungen Wiking schwierig, an der Universität Fuß zu fassen. Im Sommersemester 1904 erließ die Studentenschaft der Technischen Hochschule zu Hannover unter Leitung des Studenten Heile eine Denkschrift gegen die konfessionell zusammengeschlossenen Kommilitonen. Anschließend trat der Student Heile als Wanderprediger des Verbandes Deutscher Hochschulen auch in Aachen auf und hielt Hetzreden gegen eine zweite KV-Korporation neben der Carolingia. Dies ermutigte die Studentenschaft, eine Resolution an Rektor und Senat zu beschließen, man möge katholische Korporationen verbieten.

In einer engeren Sitzung, bei der auch Gründungssenior Paul Rossié anwesend war, sprach dieser den Nichtkonfessionellen die Befugnis ab, zu entscheiden, wer an der Hochschule eine Existenzberechtigung habe. Dennoch kam gegen die drei Stimmen der katholischen Korporationen Franconia, Carolingia und Wiking eine geschlossene Front zustande und die Forderungen verhärteten sich. Aufgrund der einseitigen Betonung des konfessionellen Standpunktes solle ihnen die Existenzberechtigung abgesprochen werden. Da jedoch der Senat der Hochschule die Erörterung der Resolution ablehnte, schlug die Verhinderung des Wiking fehl. Der neue Verein wurde auf der Publikationsfeier vom Rektor der Hochschule, Prof. Borchers, herzlich beglückwünscht. Bestehen blieb aber über vier Jahre die Spaltung der Aachener Studentenschaft.

Die Urgeschichte[Bearbeiten]

Aufgrund des fehlenden Philisteriums und der schlechten Behandlung durch die Mutterkorporation Carolingia hatte der Wiking eine schwere Zeit nach der Gründung. Die ersten Tagungen und Convente fanden auf den Zimmern einiger Mitglieder sowie in der Kneipe Kännchen statt, welche man bald zur Exkneipe bestimmte. Unter einigen Alternativvorschlägen einigte man sich schnell auf den Korporationsnamen Wiking, welcher sich - entsprechend der Frithjofssage - aus dem Verlassen der übervölkerten Heimat einstiger Wikinger ergab. Gleiches war mit dem Wiking der Fall, der die überfüllte Mutterkorporation Carolingia verlassen hatte.

Das rote Etikett einer Flasche spanischen Weins, durch das sich ein dünnes Goldband zog, veranlasste die Gründungsväter zur Wahl der Farben rot-gold-rot. Hierdurch wurde auch das streng heraldische Wappen mit nur einer Farbe und einem Metall gewahrt. Die Wahl des Wappentieres fiel auf den Drachen, welcher auf einem gotischen Schild prangt. Im Haupteck des Schildes symbolisiert das Kreuz das erste Prinzip Religion, der Stechhelm trägt die Krone der Freundschaft und an der Halseinschnürung als Helmkleinod den kostbaren Sold der Wissenschaft. Als Wahlspruch wurdeVirtus et Veritas angenommen, was der deutschen Fassung Trutzig für Wahrheit und Mannesehr entspricht. Man einigte sich zudem auf den Zirkel Ludwig Ingmanns, der in einem Zug zu schreiben war und mit keinem anderen Zirkel übereinstimmte. Das Vereinslied, welches die Ausfahrt der Nordlandhelden unter einem Seekönig schildert, wurde ganz auf den Kampfton der Frithjofssage des Esaias Tegnér abgestimmt.

Am 5. Mai 1907 fand der Umzug zur Jakobstraße in das geräumige Weinhaus Zum Wehrhaften Schmied statt, dessen Name nach dem Bezwinger des 1278 in die freie Reichsstadt eingedrungenen Grafen Wilhelm IV. von Jülich gewählt wurde. Besondere Bedeutung bekam das Lokal mit der Errichtung der Bronzestature Wehrhafter Schmied auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Jahre 1909. Bereits zum Sommersemester 1912 war der von Mufti Becker entworfene, kunstvoll geschnitzte Seniorstuhl vollendet und schmückte nun die Kneiptafel. Da zu den Stiftungs- und Winterfesten das Weinhaus Wehrhafter Schmied zu klein war, wurden der Englische Hof in der Hartmannstraße oder der Karlshaussaal gemietet. Am 26. Januar 1909 lebte zum ersten Mal nach fünf Jahren der Kaiserkommers als eine gemeinsame Veranstaltung aller Aachener Korporationen wieder auf, bei dem der Wiking den zweiten Vorsitz innehatte.

Der Erste Weltkrieg[Bearbeiten]

Im ersten Weltkrieg stellten sich ca. 300 Studenten der RWTH Aachen als Kriegsfreiwillige, von denen 200 nicht zurückkehrten. Dies führte zu einer Unterbrechung des studentischen Lebens in den Aachener Korporationen. Unter den Gefallenen befanden sich auch 16 Wikinger.

Die Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund, welcher schon in den Jahren vor der Machtergreifung einen starken Zulauf hatte, bekam nun auch von nicht politisch radikal gesinnten jungen Leuten einen immer stärkeren Zulauf. Diesen nutzte er zur Verdrängung des traditionsgebundenen studentischen Verbindungswesens aus. Nach kurzer Zeit wurden die Universitäten und Technischen Hochschulen ihrer akademischen Freiheit beraubt und gleichgeschaltet, durch einen Sonderkommissar des preußischen Innenministeriums wurde der AStA der RWTH Aachen aufgelöst.

Der Hochschulführer des NSDStB berief darauf die Erstchargierten aller Korporationen ein und verlangte, dass die Satzungen aller Korporationen den Ariernachweis enthalten und alle Mitglieder entweder dem NSDStB, der SA oder SS angehören müssen. Wegen SA-Dienst und Aufmärschen an Sonn- und Feiertagen blieb den Bundesbrüdern wenig Zeit für das Leben in der Korporation übrig. Katholischen Verbindungen wurde nahegelegt, ihre Verbindungshäuser in Kameradschaftshäuser umzuwandeln und der NS-Studentenschaft zur Verfügung zu stellen. Die diktatorischen Maßnahmen führten mit dem Verbot der Mitgliedschaft in studentischen Korporationen von Parteimitgliedern die Entscheidung zur Suspendierung des Wiking herbei. Auf dem Convent im Juni 1936 wurde der Antrag zur Suspendierung zum Wintersemester 1936/37 mit großer Mehrheit angenommen, als Liquidator wurde AH Veiten bestimmt, das Vermögen des aktiven Vereins sowie des Philistervereins wurde auf den Verein Wikingerhaus e.V. übertragen.

Das Wikingerhaus wurde ab 1939 als Quartier von der Gestapo beschlagnahmt, welche das Gebäude nach den Grundbesitzpapieren durchsuchte und dabei auch nicht vor der Beschädigung wertvoller Couleurgegenstände zurückschreckte. Zu den Opfern des Krieges werden 15 Wikinger gezählt, davon zehn Gefallende und fünf Vermisste.

Nach Kriegsende erfolgte 1947 die Reaktivierung des Wiking - das Wikingerhaus wurde jedoch bis zur Rückgabe am 16. Mai 1950 von Angestellten der RWTH genutzt. Durch die Kriegsverluste und die schwierige Lebenssituation erschwerte sich die Vereins- und Keilarbeit. Die erneute Anerkennung am 28. Oktober 1950 durch den Rektor der Hochschule brachte den katholischen Studentenvereinen die volle Selbstständigkeit wieder.

Erwerb des Grundstücks und Hausbau[Bearbeiten]

Das Wikingerhaus zu seiner Fertigstellung im Sommer 1933
Der Kneipsaal des fertiggestellten Wikingerhauses

Um die Eigenheimfrage des Wiking, welcher immer noch im Wehrhaften Schmied tagte, zu lösen, wurde der Hausbauverein Wikingerhaus e.V. ins Leben gerufen und am 28. Januar 1926 in das Vereinsregister eingetragen. Es wurde mit der Stadt Aachen über den Erwerb des Marschiertors und des Ponttors verhandelt; auch gab es Pläne, den Langen Turm, einen ehemaligen Pulverturm, als Haus zu nutzen. Die Stadt lehnte diese Vorhaben jedoch aufgrund historischer Bedenken ab. Im Sommer des Jahres 1929 wurde zum 25. Stiftungsfest das Grundstück Alte Maastrichter Straße auf dem Königshügel für den Hausbau erworben; die Bauarbeiten konnten am 13. März 1933 beginnen. Unter tatkräftiger Mithilfe der über die Osterferien in Aachen weilenden Bundesbrüder konnte bereits am 25. März 1933 die Grundsteinlegung vollzogen werden. Zum 29. Stiftungsfest im Juli 1933 war das Wikingerhaus fertiggestellt. Mit dem Festkommers am 22. Juli 1933, bei dem S. Magnifizenz Herr Professor Röntgen als Vorsitzender des Philisterausschusses des KV die Festrede hielt, fand der erste Kommers im eigenen Heim statt. Höhepunkt der Feierlichkeiten stellte die Übergabe des Hauses an die Aktivitas am darauf folgenden Sonntag dar, an dem Hanna Klüwer, Frau des Alten Herrn Klüwer, den Wiking auch im Namen der Hohen Damen des Vereins herzlich beglückwünschte. In den Folgejahren erhielt die Straße ihren heute aktuellen Namen Eckertweg.

Das Vereinsleben bis heute[Bearbeiten]

In Anerkennung um die Verdienste der Reaktivierung des K.St.V. Alania-Breslau und K.St.V. Saxo-Lusatia Dresden in Aachen wurde der Wiking zum 50. Stiftungsfest zum ersten Mal in seiner Geschichte zum Vorort des KV gewählt.

In den 1960er Jahren führten viele Meinungsverschiedenheiten der Mitglieder zu zahlreichen Austritten aus der Aktivitas. Im Jahre 1981 reaktivieren Wikinger den 1904 gestifteten K.St.V. Pruthenia-Danzig zu Aachen. 1994 wurde das Wikingerhaus um ein Stockwerk erweitert, sodass weitere vier Studentenzimmer den Wikingern zur Verfügung standen. Die Vorbereitungen auf das 100. Stiftungsfest im Jahr 2004 beanspruchte eine kleine Aktivitas stark, was ebenfalls zu einigen Austritten führte. Da das Haus über den Zeitraum der Arbeiten von einem Jahr unbewohnbar war, erschwerte dies den Gewinn von Nachwuchs für den Wiking. Die letzte Renovierung des Hauses erfolgte 2009 mit einer Außensanierung.

Farbenstrophe[Bearbeiten]

Rot sind meines Liebchens Lippen,
golden wallt ihr Lockenhaar.
Und in Flammen feurig lodert
meine Liebe immerdar.
Wiking mahnt mich, treu zu bleiben
meinem Liebchen bis zum Tod -
Wiking durch Dein stolzes Banner,
||: Deine Farben rot-gold-rot. :||

Literatur[Bearbeiten]

  • Katholischer Studentenverein Wiking, Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum, Aachen 2004.
  • Michael Doeberl, Alfred Bienengräber (Hrsg.): Das akademische Deutschland. Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 614.

Weblinks[Bearbeiten]

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