Jens-Eberhard Jahn

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Jens-Eberhard Paul Wilhelm Jahn (* 1. Juni 1967 in Berlin-West) ist ein deutscher Sozial- und Sprachwissenschaftler, Publizist, Verleger und Politiker (ÖDP). Er lebt und arbeitet in Leipzig und Böttigheim in Unterfranken. Jahn hat drei Kinder.

Inhaltsverzeichnis

Biografie[Bearbeiten]

Jahn studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte, ferner Philosophie, Pädagogik, Slavistik, und Ethnologie in Berlin, Florenz und Heidelberg. Jahn war freiberuflich als Dozent tätig. Für Die Linke saß er im mittelsächsischen Kreistag. In Freiberg leitete Jahn das Zentrum für angewandte Sozialwissenschaft (ZAS) und war Mitarbeiter einer Landtagsabgeordneten. Von 2010-2013 arbeitete er im Deutschen Bundestag als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Alexander Süßmair in Berlin. Dort bearbeitet er die Themen Agrarpolitik, Tierschutz und Politik für ländliche Räume.

2014-2018 war er tätig als Projektmanager für berufliche Bildung für Nachhaltigkeit, freiberuflicher Dozent in Hannover, Dresden und Leipzig, Landeswahlbeauftragter der ÖDP in Berlin sowie als Journalist. 2018 unterrichtete er an allgemeinbildenden Schulen in Sachsen, seit 2019 an der Würzburger Waldorfschule.

Sprache und Gesellschaft[Bearbeiten]

Jahn veröffentlichte zahlreiche Aufsätze zu Sprache und Ethnizität, insbesondere bezogen auf die soziolinguistische Gemengelage an der nördlichen Adria und im ehemaligen Jugoslawien. In seinen bildungssoziologischen Aufsätzen näherte sich Jahn über interkulturelle Ansätze mehr und mehr radikal-humanistischen Positionen an, wie sie etwa von Ivan Illich vertreten wurden. Als Literaturwissenschaftler hat Jahn sich vorrangig mit Heinrich Böll beschäftigt und über dessen dramatisches Werk eine Monographie verfasst.

2003 war Jahn Autor einer Monographie zu Thema Grundeinkommen, Mühe und Muße. 2005 war er Mitgründer des Netzwerks Grundeinkommen, das nach eigenen Angaben (2014)[1] mehrere Tausend Mitglieder zählt und Teil des weltweiten Basic Income Earth Network (BIEN) ist. 2009 wurde von ihm unter dem Titel Ta anakaia europista eine Festschrift zu Ehren von Ronald Blaschke, Sprecher des Netzwerks Grundeinkommen, mit Texten zum Thema Grundeinkommen herausgegeben.

Jahn beschäftigt sich mit Themen der Postwachstumsideologie und kritisiert die "Vergötzung" des Wirtschaftswachstums. Daneben forscht er über entferntere Themen, wie die Geschichte der Sodomie/Zoophilie im Tierschutzrecht.[2]

Religion und Politik[Bearbeiten]

Jahn wurde evangelisch getauft und als Kind in eher evangelikalem Umfeld religiös sozialisiert. Anfang der 90er Jahre konvertierte er zur römisch-katholischen Kirche, entfremdete sich jedoch um die Jahrtausendwende von der Kirche. 2004 trat er der altkatholischen Kirche bei. Er war Mitglied eines Kirchenvorstandes[3] und Vorstandsmitglied des Bundes der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands.[4]

Seit Anfang der 10er Jahre wendet sich Jahn dem Judentum zu.

Jahn gründete 2005 mit anderen zusammen das Netzwerk Grundeinkommen in Deutschland. Anfang des Jahrtausends bekleidete er zahlreiche Ämter in der PDS, vor allem in Sachsen, später der Partei DIE LINKE.

Jahn war Direktkandidat im Wahlkreis Spandau 3 für die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2011.

Seit 2017 ist er Mitglied der ÖDP, für die er im selben Jahr für den Deutschen Bundestag kandidierte. Seit 2019 ist er Kreisvorsitzender der ÖDP in Leipzig. Von April 2019 bis September 2020 gehörte er dem Bundesvorstand der Partei an, seit Ende 2020 deren Programmkommission. 2019 kandidierte Jahn auf Listenplatz 4 für die ÖDP bei der Wahl zum Europäischen Parlament. Im September 2020 scheiterte er bei der Wahl zum Parteivorsitzenden.

Jahn tritt für eine Modernisierung und ökologische Radikalisierung der ÖDP ein.

Werke (Auszug)[Bearbeiten]

  • Glaubensgemeinschaft und kirchliche Institution in den Hörspielen und Dramen Bölls. CD-Rom. Littera-Verlag Berlin 1999, ISBN 3-933246-17-2
  • Die Friesen. CD-Rom. Littera-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-933246-61-X
  • Mühe und Muße : Grundsicherung, Grundeinkommen, sozialökologischer Umbau der Gesellschaft. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, Leipzig 2003, ISBN 3-89819-167-2 (141 S.).
  • als Herausgeber: Ta anakaia europista. Texte zum bedingungslosen Grundeinkommen. Festschrift für Ronald Blaschke zum 50. Geburtstag . Zentrum für angewandte Sozailwissenschaft, Freiberg 2009, ISBN 978-3-00-027449-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage des Netzwerks Grundeinkommen, aufgerufen am 22. September 2014
  2. Sodomie/Zoophilie im neuen deutschen Tierschutzrecht. § 175b StGB a.F. in neuem Gewand?in: Zeitschrift für Sexualforschung 2014, Band 27(3), S. 237-252
  3. Verkleinerung des Kirchenvorstandes. Katholische Kirchengemeinde der Alt-Katholiken in Sachsen und Ostthüringen, 2016, abgerufen am 24. Mai 2019.
  4. Nicht Rauschmittel, sondern Kraftquelle Deutschlandradio Kultur vom 1. März 2014, abgerufen am 22. September 2014
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