Ismael Ogando

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Datei:Ismael Ogando in exile (Rigaerkiez-Friedrichshain).jpg
Ismael Ogando am Rigaer straße in Friedrichshain (Juli, 2013).

Ismael Ogando (geb. 21. September 1985 in San Juan de la Maguana, Dominikanische Republik) ist ein dominikanischer Konzept- und Medienkünstler.[1]

Leben[Bearbeiten]

Ismael Ogando stammt aus einer katholischen Familie; beide Eltern arbeiten als sprachwissenschaftliche Akademiker in Santiago de los Caballeros (Dominikanische Republik), wo Ogando von 1994 bis 2003 die katholische Schule De La Salle besuchte sowie (zeitweise parallel) von 2002 bis 2004 am ICA bildende Kunst studierte. Einen einjährigen Militärdienst leistete er im Jahr 2005 ab.

Von 2006 bis 2010 studierte Ogando Klinische Psychologie an der Universidad Autonoma de Santo Domingo. In den Jahren 2008 bis 2010 arbeitete er außerdem als Journalist und Produzent für regionale und nationale Fernsehanstalten (TeleUniverso und TeleSistema) sowie als Kolumnist und Kunstkritiker für diverse lokale Zeitungen und Zeitschriften.

Infolge seiner politischen und publizistischen Tätigkeit sah sich Ogando 2012 gezwungen, die Dominikanische Republik zu verlassen. Nach Aufenthalten in Miami, Mexico City und New York gelangte er nach Berlin, wo er ab 2012 im Bezirk Neukölln ein Archiv für Performancekunst und Epistemologie begründete[2], Die von wichtigen Personen wie Prinzessin Marilyn Douala Bell und Bunsdespräsident Horst Köhler besucht wurde. und es bis 2015 kuratierte (Ausstellungsprojekte unter anderem: „Giving Contour to Shadows“[3] und „WIR SIND ALLE BERLINER“[4].). Ogando hat in Deutschland einen Antrag auf politisches Asyl gestellt.

Politischer Aktivismus und publizistische Tätigkeit[Bearbeiten]

Seit 2006 setzte sich Ogando in der Dominikanischen Republik für die Rechte von LGBT ein. Zudem beteiligte er sich an der Debatte über den Konflikt zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik und unternahm in den Jahren vor und nach dem Erdbeben in Haiti 2010 mehrere journalistische Recherchereisen nach Haiti. Unter anderem diese journalistischen Recherchen bilden die Grundlage für seine anschließende künstlerisch-aktivistische und publizistische Auseinandersetzung mit der politischen Agenda von Leonel Fernández und des jetzigen Präsidenten Danilo Medina, denen Ogando unter anderem vorwirft, in institutionelle Korruption (z.B. den Odebrecht-Skandal)[5] verstrickt zu sein und sich in Bezug auf den haitianisch-dominikanischen Konflikts ultranationalistischer Narrative zu bedienen. Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2012 kritisierte Ogando offen den Missbrauch öffentlicher Mittel für Wahlkampfzwecke durch Danilo Medina. Die unmittelbaren Reaktionen auf diese Kritik veranlassten ihn zur Ausreise. In Berlin hat Ogando seine Kritik am Regime Danilo Medina fortgesetzt, unter anderem durch Kunstprojekte, in denen die nationalistischen Narrative des dominikanischen Establishments fokussiert werden.

Ground Magazine[Bearbeiten]

Während seines Asylprozesses in Deutschland gründete Ogando Ground Magazine ein redaktionelles Projekt für Kunstkritik und Ästhetik, das zwischen 2015 und 2016 drei Themen veröffentlichte.[6]

Bearbeitet und kuratiert von Ogando ohne finanzielle Unterstützung, wurde das digitale Magazin auf einer Website von Ogando selbst entworfen und gehostet, dann kostenlos durch Newsletter verteilt und durch einen Beamten befördert Facebook page.

Künstlerische Tätigkeit[Bearbeiten]

Die künstlerische Tätigkeit Ogandos steht in einem engen Zusammenhang mit einem breiten Spektrum von Aktivitäten in den Bereichen Konzept- und Performancekunst, sozialer Aktivismus, Gender Studies und Identitätspolitik. Ogandos Performances und Installationen spielen häufig mit Dichotomien und Paradoxien. So thematisiert etwa die Performance „Dominican Shower“ die dominikanische Verleugnung der „blackness“, indem sie die Falschheit der damit verbundenen Wahrnehmung ausstellt: Ogando vollzieht in dieser Performance eine rituelle Waschung, bei der er seinen Körper transformiert, indem er ihn wiederholt mit großen Mengen von weißem Seifenschaum bedeckt. Durch die Aufführung dieser Performance an Kunstorten mit transnationalem Publikum lenkte Ogando die Aufmerksamkeit auf die nationale Dynamik der Verleugnung, erzeugte aber zugleich einen Ort der (Dis-)Identifikation, der einerseits auf nationale Tropen Bezug nimmt, andererseits aber auf die Identitätsverhältnisse im 21. Jahrhundert reagiert. Die Performance thematisiert somit die Intersektionalität von ‚Rasse‘ und Klasse unter Bezugnahme auf Gender und Sexualität[7].

In demselben Kontext steht die Installation „Altar“, die 2015 auf der Ghetto Biennale in Port-au-Prince gezeigt wurde und für die Ogando mit einem klassischen Komponisten aus der Dominikanischen Republik sowie einem haitianischen Kontratenor zusammenarbeitete, um eine Opernarie zu Ehren von Ezili Dantor zu produzieren. Die binationale Gemeinschaftsarbeit rückt die Ambiguität der dominikanisch-haitianischen Grenze und den irreführenden Charakter der nationalen dominikanischen Geschichtsschreibung in den Fokus, um die verborgenen Narrative ans Licht zu bringen, die das Bild der Dominikaner von der Haitianische Revolution bestimmen[8]. Im Jahr 2016 präsentierte Ogando in einer Installation auf der fünften Moscow Biennale for Young Art einige Ergebnisse jener Recherchen, die er während seiner Archivtätigkeit zwischen 2012 und 2015 unternommen hatte. Es geht dabei um Credo Mutwa Theorien über die Beziehungen zwischen ‚außerirdischen Wesen‘ und dem Wissen alter afrikanischer Zivilisationen sowie über die kolonialistische Aneignung dieses Wissens durch den Westen in Gestalt ethnologischer Archive[9].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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