Interaktive Medizin

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Das der ganzheitlichen Betrachtung des Menschen verpflichtete Konzept einer interaktiven Medizin wendet wissenschaftliche Grundsätze der Kybernetik für die ganzheitliche medizinische Behandlung an. Es entspringt dem Konzept der Penta-Medizin, die den Menschen in fünf ihn existenziell prägenden Dimensionen in physikalischer, biologischer, sozialer, geistiger und emotionaler Hinsicht ganzheitlich behandelt. (Siehe Günter K. Schiepek: Self-organization in psychotherapy: testing the synergetic model of change processes (2014) [1])

Entsprechend den regelkreisförmigen Zusammenhängen von Natur und Gesellschaft gilt auch für die Medizin das Prinzip der Interaktion. In einer solchen Interaktion beeinflussen sich beim Menschen körperliche, emotionale, mentale, soziale Bereiche und das ökologische (biologische, physikalische) Umfeld gegenseitig und bewirken einen Prozess der Innen-Außenanpassung (H. v. Foerster). Grundsätzlich berühren und steuern sich also Umwelt, Körper und Seele wechselseitig. Die Eigenständigkeit eines Patienten, seine soziale Integration sowie geistig-emotionale Einflüsse auf ihn, müssen deshalb in besonderer Weise berücksichtigt und therapeutisch gesteuert werden kybernetisches Prinzip.

Durch eine ökologische und soziale Einbindung soll der Patient erleben, dass er nicht allein für sich verantwortlich ist, aber auch nicht ausschließlich die anderen für ihn. Er soll erleben, dass durch das Zusammenwirken von Umwelt, Familie, Partner und Gesellschaft und seiner eigenen Persönlichkeit seine Realität geprägt wird, Konfliktursachen und Krankheiten determiniert werden.

In einer kybernetisch ausgerichteten Therapie werden deshalb Realitätsbewältigung, soziale Kompetenz, emotionale Ausgewogenheit und körperliche Gesundung der Patienten in einem sich ergänzenden (komplementären) Zusammenhang gesehen. Es gelingt durch diese Behandlungsform besonders gut, den Patienten einfühlend und steuernd zu begegnen, ohne medizinische Belange und die individuelle Handlungsfähigkeit der Betroffenen zu vernachlässigen:

  • Therapie ist dabei als ein Informations-, Beziehungs- und Handlungsprozess zu verstehen. Therapeutische, im kybernetischen Sinne steuernde, Eingriffe und die Eigenständigkeit der Patienten halten sich dabei die Waage.
  • Kommunikative und verhaltenstherapeutische Verfahren dienen einer ziel-, lösungs- und konfliktorientierten Vorgehensweise. Introspektiv ermöglichen tiefenpsychologisch fundierte psychoanalytische Verfahren und die Methoden der humanistischen Psychologie einen schnellen Zugang zu den Problemen der betroffenen Menschen.
  • Während es in einer Behandlung einerseits um das Erleben einer inneren Ordnung geht (somatische Medizin), geht es andererseits um Kreativität (z.B. Kunsttherapie, Musiktherapie, Gestaltungstherapie) und die dadurch bewirkte Selbstregulierung (mehrdimensionale Therapie). Die Wahrnehmung seiner selbst durch Gestaltung, durch geistige Auseinandersetzung und durch Handlung stabilisiert die Patienten, lässt aber auch seelische und zwischenmenschliche Bedürfnisse und Konflikte spürbar werden. Dieser Selbstwahrnehmung dienen zudem Rollenspiele und die gestalttherapeutischen Ansätze der Gruppenführung. Sie fördern einen emotionalen Prozess, ohne unbedingt Probleme im Miteinander (Beziehungskonflikte) direkt ansprechen zu müssen.
  • Nicht zuletzt sind entspannungs- und körpertherapeutische Verfahren (z. B. Progressive Muskelrelaxation, Biofeedback, Analytische Körperarbeit, Feldenkraismethode, Funktionelle Entspannung, Heilgymnastik, Hypnotherapie) von großer Bedeutung, da sie die Hinführung zum Selbst, losgelöst von unmittelbar geistigen und seelischen Verpflichtungen unterstützen.
  • Mit den Mitteln der Beziehungsarbeit, durch Selbstregulierung und durch handlungszentrierte Maßnahmen kann also eine Stabilisierung der Patienten bewirkt werden, während die Gefahren von Überforderung oder andererseits der Manifestierung von Problemen durch fehlendes Einfühlungsvermögen minimiert werden (interaktive Medizin).

Das kybernetische Prinzip einer interaktiven Medizin[Bearbeiten]

Hintergrund: Medizin ist Interaktion[Bearbeiten]

Leben stellt ökologisch die kybernetische Wechselbeziehung der Zellen aller Organe untereinander, der Organe miteinander, des Menschen mit der Umwelt und dieser mit dem Kosmos dar. Diese Wechselbeziehungen unterliegen Informationen, die Organismen erst lebensfähig machen und Information wiederum ist nichts anderes als Geist. Somit ist Geist Leben bzw. Körper bzw. Körper Geist ( „Santiago-Modell“).

Eine kybernetische Medizin berücksichtigt deshalb Wechselbeziehungen zwischen biologischen, gesellschaftlichen, familiären und interpersonellen Prozessen, physikalischem Umfeld, individuellem Körpergeschehen und seelisch-geistigem Erleben. Das medikamentöse, physikalische und psychotherapeutische Behandlungskonzept einer kybernetischen Medizin kann als eine „ökologische Ganzheitsmedizin" gesehen werden. Sie trägt dem Organischen, dem Geistigen, dem Seelischen und der Umwelt, einschließlich der sozialen Dimension, Rechnung (vgl. Wirsching, Stierlin u. a. 1989).

Die Erweiterung des klassischen linearen Ursache-Wirkung-Denkens zu einem regelkreisorientierten, d.h. kybernetisch-zirkulären Systemdenken (G. Bateson 1975) liegt der oben geschilderten Auffassung wissenschaftshistorisch zugrunde. Tatsächlich reicht das Spektrum der Krankheiten, bei deren Entstehung und Verlauf psychosoziale Einflüsse nachgewiesen wurden, von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen über die Anfälligkeit für Infekte, Unfälle, die großen Massenerkrankungen des Herzens und des Kreislaufs, des Stoffwechsels, der rheumatischen Leiden bis hin zur Großgruppe der Krebserkrankungen. Der Verlauf dieser Störungen zeigt sich zunehmend durch das Sozialleben und die Familienbeziehungen der Betroffenen bestimmt. Es stellt sich also die Aufgabe, therapeutische Strategien zu entwickeln, die diesem Sachverhalt Rechnung tragen.

Basis: Die fünf Systeme einer kybernetischen Medizin (das „Penta-Modell“)[Bearbeiten]

Bei der Aufgabe, therapeutische Strategien zu entwickeln, ist eine öko-systemische Sichtweise (G. Tansley 1935) hilfreich. Nach G. Weiner (1977) lassen sich dabei vier verschiedene Dimensionen des Individuums sowie die physikalische Umwelt unterscheiden, die jeweils Zugang zum Patienten eröffnen. Diese insgesamt fünf (penta) Bereiche einer öko-psychosomatischen Medizin ermöglichen einen spezifisch gezielten und regelkreiskonformen therapeutischen Ansatz. Es handelt sich um folgende Systeme:

Datei:Penta-Medizin Übersicht.jpg
Das Pentagramm der ganzheitlichen interaktiven Medizin

1. Das biologisch organismische System (Biochemische Vorgänge sowohl im Körper als auch in der Umwelt)

Innere Medizin, Umweltmedizin, Organ-, Hormonmedizin, Immunologie, Neurosomatik, Neurologie

2. Das emotionale System (Biochemische und psychologische Prozesse im ZNS mit Kognition und Affekt)

Psychosomatik, Neuropsychologie, Psychiatrie, Psychotherapie

3. Das soziale System (Körper, Geist, Gefühl und ihre soziale Interaktion)

Familienmedizin, Systemische Medizin, Allgemeinmedizin, Sozialmedizin, Familientherapie

4. Das geistige System (Denken, kulturelle Regeln wie Tradition, Religion und Ethik)

Psychotherapie, Psychiatrie, Existenzanalyse, Daseinsanalyse

5. Das physikalische-psychologische System (Psychologische Vorgänge in den Zellen, in der Umwelt und im Bewegungsapparat)

Physiologie, Physikalische Medizin, Neurologie, Umweltmedizin

Intervention: Medizin ist Steuerung[Bearbeiten]

Innerhalb dieser fünf Systeme eröffnen sich strategische Ansätze für Therapien. Es ist dabei zu klären, ob durch Steuern von Interaktionsmustern das jeweilige körperliche oder seelische Krankheitsgeschehen zu beeinflussen ist. Die Erfahrung zeigt, dass therapeutische Interventionen tatsächlich auch bei relativ geringem Zeitaufwand schon nachhaltig positive Veränderungen im Krankheitsverlauf durch Selbstregulation (Heilung) bewirken können. Damit zeichnet sich eine zunehmende Bedeutung kybernetischen Denkens und Handelns in der gesamten Medizin ab.

Der mehrdimensionale Ansatz einer interaktiven Medizin[Bearbeiten]

Das „Ich“ prägt das Gehirn (Popper u. Eccles 1990), nicht das Gehirn das „Ich“. Das „Ich“ wiederum wird durch Interaktion, d.h. durch die Umwelt gesteuert und auch geprägt. Somit kann auch Selbstregulierung (Heilung) mehrdimensional (somatisch, somato¬psychisch, psychosomatisch) therapeutisch gesteuert werden. Aus kybernetischer Sicht sind es fünf sich überlappende Regelkreise bzw. Ansätze, die therapeutischen Einfluss ermöglichen:

1. Nonverbal

Das Leben wird vom Säugling und Kleinkind vorwiegend emotional durch Berührung, Bewegung und andere Sinnesreize wahrgenommen, weniger intellektuell (M. Spitzer 1996). Dies sind nonverbale Prägungen. Bei gestörter Entwicklung in dieser Phase zeigen sich später u.U. schwer zu behandelnde somatische (z. B. Immunstörung, Cohen et al 1991) oder emotionale Probleme (Black and Greenough 1991).
  • Therapien: z.B. körperliche und medikamentöse Behandlungen (Posner u. Raichle 1996, S. 239) (vergl. Gross et al. 2002, Kap. 4, Am. 6,), Ergotherapie, Körperpsychotherapie.

2. Begegnungsorientiert

Mit dem körperlichen und emotionalen Kontakt zur Mutter (besonders in den ersten sechs Lebensjahren) und zu anderen Bezugspersonen geht sukzessive die emotionale und kognitive Begegnung des Kindes mit dem sozialen, biologischen und physikalischen Umfeld einher (Ruegg 1998). Begegnung bestimmt also früh die Entwicklung der Sinne, des Körpererlebens, der Affekte, des Intellektes, des geistigen Bewusstseins, des sozialen Lernens, der Kommunikation, der Beziehungsfähigkeit und des Vertrauens (besonders bei sogenannten „Frühstörungen").

Jede soziale und therapeutische Begegnung von dualer Interaktion und Kleingruppe bis hin zur therapeutischen Gemeinschaft, dient deshalb einer bewussten und unbewussten Begegnung. Soziale Auseinandersetzung und emotionale Aktivierung (von Baeyer 1967) durch Begegnung wird dabei von uns durch informativen (Psychoedukation) und therapeutischen Einfluss gezielt gefördert.

  • Therapien: z.B. stationäre Behandlungen.

3. Handlungsorientiert

Wie in der Entwicklung des Menschen die Anfänge von Handeln (z. B. spielen) schon vor der sprachlichen Entwicklung das Leben maßgeblich bestimmen und die Autonomie des Individuums fördern, bestimmen auch primär Handlungsverfahren die klinische Therapie. Sie erreichen unmittelbar, zum Teil ohne sprachliche Kommunikation, die Psyche (W.W.Jacobs u. C.Nadel 1999). Durch Handlungserfahrung, d.h. „Fehler und Erfolg" (Hollon 1998), Wiederholung und Kreativität werden Verhaltensänderungen und Ich-Stärkung ermöglicht (besonders bei alexithymischen Störungen, Psychosen und Zwängen).
  • Therapien: z.B. Verhaltenstherapie (A. T. Beck u. a. 1990), Gestaltungstherapie, Musiktherapie.

4. Bewusstseinsorientiert Es ist die den Menschen unter allen Geschöpfen allein auszeichnende Fähigkeit, seine Sinneswahrnehmungen und seine Gefühle nicht nur zu speichern, sondern sie sich auch bewusst zu machen und sie zu differenzieren. Hieraus resultieren Kritikfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Reflexionsfähigkeit und geistige Vorstellungen. Auf das Bewusstsein, das sich biologisch erst nach Handlungs- und Gefühlsfähigkeit entwickelt (L. Huxley 1963), zielen alle sprachbasierten Therapien (besonders bei neurotischer Dekompensation und reaktiven Störungen).

  • Therapien: z.B. Kommunikations- und Familientherapie, humanistische und existenzielle Psychotherapie.

5. Beziehungsorientiert

Die genannten körperlichen Bereiche wie Entwicklung, Begegnung, Handlung sowie das Bewusstsein, sind beim menschlichen Individuum von bestimmenden Bezugspersonen abhängig (Caldji et al. 1998). Durch sie wird der Mensch ins Leben und die Welt geführt und sie „entscheiden" indirekt auch später über vieles in seinem Leben. Der Mensch ist im Beziehungsbereich besonders empfindsam, verletzbar, irritierbar, kann Vertrauensdefizite entwickeln und Kompetenz verlieren. Über beziehungsorientierte Behandlungsverfahren können gestörte Entwicklungsprozesse der Patienten schnell reinszeniert, bearbeitet und korrigiert werden. Im Besonderen wird auch die Mitarbeit, Lernfähigkeit und die Bereitschaft des Patienten, sich behandeln zu lassen, durch eine erreichte Stabilität in diesem Bereich gefördert (Eric Kandel 1999).
  • Therapien: z.B. Tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie.

Interaktive Therapien[Bearbeiten]

1. Öko-somato-psychotherapeutische Behandlungen[Bearbeiten]

Sie betonen die körperliche Genesung, fördern eine Ich-Stärkung und damit das seelische Gleichgewicht im Verhältnis zum biologischen und physikalischen Umfeld („mens sana in corpore sano“).

1.1 Klassisch somatische Medizin, z.B. Diagnostik, allgemeine Medikation und Psychopharmako-Therapie, Nährstoff-zufuhr, Schmerztherapie, medizinische Beratung.

1.2 Ganzheitliche somatische Therapieansätze, z.B. Naturheilkunde, Schlaftherapie, Lichttherapie, Farbtherapie, Genusstherapie, Atemtherapie (Feed-back), Ernährungsmedizin.

1.3 Physikalische Therapien, z.B. Massage, Gymnastik, Bewegungstherapie, Lauftherapie, Rückenschule, Feldenkraismethode, Sport, orthopädische Medikation.

1.4 Nonverbale Therapieansätze, z.B. Kunsttherapie, Musiktherapie, Körperpsychotherapie.

2. Psycho-sozio-therapeutische Behandlungen[Bearbeiten]

Sie betonen die geistige und emotionale Selbstfindung und die kognitiv-soziale Kompetenz. Es lassen sich derzeit vier bekannte Therapierichtungen unterscheiden, die viele sich berührende und überlappende Bereiche aufweisen. Sie werden von uns deshalb zirkulär integriert.

2.1 Erkenntnis- und kommunikativ geprägte Verfahren (Ärztliches Gespräch, systemische, milieutherapeutische und psychoedukative Behandlungsansätze). Sie bezwecken therapeutisch vor allem die informative Kommunikation, soziale Integration und emotionale Ausgewogenheit im sozialen Kontext (z. B. Systemische Paar- und Familientherapie, Soziotherapie, Sozialtherapie, Vorträge, themenzentrierte Gruppen).

2.2 Erkenntnisgeprägt-konditionierende Verfahren (Verhaltensmedizinische Behandlungen) Sie sehen eine Anpassung an soziale, individuelle und körperliche Notwendigkeiten an erster Stelle (z.B. Verhaltenstherapie, Entspannungstherapien).

2.3 Beziehungsorientierte Verfahren (Psychodynamische Therapien) Sie betonen den emotionalen Beziehungsaspekt, die Ich-Stärkung und Selbstfindung (z.B. tiefenpsychologisch fundierte, analytische oder Körperpsychotherapie).

2.4 Bewusstseins- und sinngeprägte Verfahren (Existenzielle Psychotherapie) Neben der körperlichen und der seelischen Dimension gibt es eine dritte Dimension (Karl Popper). C. G. Jung spricht von einer transpersonalen Ebene, Victor E. Frankl von einem „Überb Symbole (1913 und 1968)

  • Kandel, E.; Memory from mind to Molecules (1999)
  • Kandel, E., Schwartz, J. H., ewusstsein" im Gegensatz zum „Unbewussten“ und zum „Unterbewusstsein". Nach Popper ist in diesem Kontext Erkennen und Denken immer von Annahmen geprägt, die sich auch in Überzeugungen, Strukturen, Regeln, Gebräuchen, Gesetzen und Ritualen eines Menschen wiederfinden. In unserer Behandlung ist es die Existenzanalyse, zum Teil auch die Daseinsanalyse, die versucht, den Menschen zu einer inneren Zustimmung seines eigenen Handels und Daseins zu bewegen.

3. Supportive Therapien[Bearbeiten]

Entsprechend dem dialogischen Prinzip der Natur ist auch der Mensch ein dialogisches Wesen. Er lernt durch Dialog. Im Dialog reguliert er sich und sein Umfeld. Ebenso reguliert das Umfeld aber auch ihn. Soziale oder Körpererfahrungen sind somit Teil des therapeutischen Prozesses. Sie werden in der Klinik wie folgt gesteuert: durch Psychoedukation, Ergotherapie, Tonen, Milieutherapie, Selbstregulationsübungen, Konzentrationstraining, Spieltherapie, Sport.

Die Möglichkeiten einer Klinik[Bearbeiten]

Medizin ist Prozess[Bearbeiten]

Wenn jemand eine stationäre Behandlung beginnt, ist es hilfreich, in kurzen Worten zu erklären, worum es in der Therapie geht.

Es geht darum, dass der Leidende medizinisch behandelt wird und trotzdem in der Lage ist, an sich selbst zu arbeiten. Dies bedeutet, dass der stationäre Aufenthalt nicht nur, wie normalerweise, darin besteht, dass der Patient untersucht wird, behandelt wird und Medikamente erhält.

Es wird vor allem versucht, einen Prozess in Gang zu setzen, bei dem der Patient auch mit ärztlich „steuernder“ Hilfe lernt, gesundheitliche Probleme als Chancen zum Neubeginn zu begreifen. Wir als Therapeuten haben die Aufgabe, den Patienten in seinem Heilungsprozess zu begleiten, darauf zu achten, dass er gefordert wird, dass er sich aber nicht selbst überfordert.

Die Symptome (körperlicher oder seelischer Art)[Bearbeiten]

Der Patient kommt mit Konfliktbelastungen und Symptomen in die Behandlung, die einer akuten Therapie bedürfen. Diese sind Folgen einer Erkrankung, die somatisch oder psychopathologisch diagnostiziert werden muss. Die Erkrankung ist als Ausdruck und Signal nicht rechtzeitig wahr- oder ernst genommener körperlicher oder seelischer Probleme zu begreifen.

Die Ursachen (Diagnostik)[Bearbeiten]

Wenn eine Therapie angemessen durchgeführt werden soll, bedeutet dies weit mehr als eine Behandlung von Symptomen. Eine reine Symptombehandlung, eine Vernachlässigung der Ursachen, nämlich der Konflikt, führt nicht zu einem wirklichen Erfolg. Jeder, der leidet, verfolgt aber eigentlich nur ein Ziel, nämlich sein Leiden so schnell wie möglich „los zu werden“. Insofern wird der Patient, der uns gegenüber steht, zunächst Schwierigkeiten haben zu akzeptieren, dass wir körperliche Untersuchungen machen oder Gespräche führen, die mit seiner Symptomatik anscheinend nichts zu tun haben. Er wird unter Umständen den Eindruck gewinnen, dass es um belanglose Dinge geht. Denn erst im Laufe der Zeit kann er tatsächlich spüren, dass Untersuchungen und Gespräche auch mit seinen Symptomen im Zusammenhang stehen.

Er wird beispielsweise wahrnehmen, dass sich aufgrund einer Gruppensitzung seine Kopfschmerzen verstärken, dass z.B. sein Blutdruck bei der Arbeit ansteigt, dass sein hoher Lipidspiegel unter Umständen in Zusammenhang mit Stress steht. Er erlebt, dass seine Symptome in Zusammenhang mit Konflikten oder Ängsten stehen. Deren Dramatik kann nun in der stationären Behandlung durch Dialog abgebaut werden. So erlebt der Patient, dass Heilung auch durch reflektierte Beziehung zu Ursachen beginnt.

Der Konflikt (Die Auseinandersetzung mit der Krankheit - Realitätsarbeit)[Bearbeiten]

Natürlich entsteht ein Konflikt, wenn zur Krankheit als solcher auch noch die Aufgabe des Kranken hinzukommt, sie zu verstehen. Er fühlt sich „überfordert“. Auf der einen Seite fürchtet er seine gesundheitlichen Probleme oder Ängste, auf der anderen Seite muss er sich mit ihnen auseinandersetzen. Es findet eine Parallele zum Leben statt, indem er vielleicht mit dem Schicksal hadert, ohne sich mit ihm auseinandersetzen zu können.

Der nächste Schritt in der therapeutischen Entwicklung wäre der, dass der Patient erkennen kann, dass er in vielen Bereichen die Auseinandersetzungen mit sich selbst führt. Er entdeckt Probleme in sich, die ihn oft daran hindern, das zu tun, was er im Grunde genommen für richtig hält. In diesem Moment ist der Therapeut nicht mehr, wie anfangs häufig subjektiv erlebt, ein „Gegner“. Der Arzt ist nun sein Verbündeter auf dem Weg zur Gesundung.

Die mehrdimensionale Interaktion (Beziehung und Krankheit)[Bearbeiten]

Die Beziehungen zu Menschen in einem therapeutischen Umfeld bringen natürlich immer wieder Probleme zum Ausdruck, die der Patient auch in seinem Alltagsleben hat. Im Unterschied zu seinem heimatlichen Umfeld hat er aber im klinischen Rahmen die nötige Distanz. Der Patient kann sich selbst in der stationären Interaktion anders, neu erleben und seine Probleme besser differenzieren.

Er erlebt sich selbst durch Interaktion körperlich und seelisch, ohne - wie zu Hause - hilflos zu sein. Er kann stationär nun feststellen, dass Probleme und Symptome, die er durch sein Umfeld verursacht sah, im Grunde von ihm selbst initiiert sind (70% aller Erkrankungen werden durch falsche Lebensweise und Stress hervorgerufen).

Die Entspannung („Katharsis“)[Bearbeiten]

Wenn ein Patient seine gesundheitlichen Probleme in dieser Situation durch Diagnostik, ärztliche Hilfe, mit oder ohne Medikation, versteht und akzeptieren kann, so bewirkt dies eine Entspannung (Aha-Effekt, Katharsis). Er kann selbst beobachten, dass Symptome sich verringern. Er kann sich wieder selbst ernst nehmen und erlebt auf der anderen Seite, dass er von anderen in seinen Sorgen respektiert wird. Realität wird möglich.

Die Änderung (Therapie)[Bearbeiten]

Der Patient kann im Schutz des Krankenhauses erleben, wie Menschen mit Hilfe anderer lernen, dass sie in ihrer Persönlichkeit respektiert und angenommen werden, so wie sie sind und nicht wie sie „sein sollten". Sicher wird dann auch manche Illusion der Wirklichkeit Platz machen. Diese Wirklichkeit gibt aber Geborgenheit, weil sie Grenzen, Orientierung und die Möglichkeit zur Entfaltung und Gesundheit gibt.

So kann der Patient mit Hilfe eines stationären Aufenthaltes gesundheitliche Schwierigkeiten akzeptieren, ordnend und sogar steuernd auf sie einwirken. Es wird häufig noch wehtun, die Grenzen des Körpers und der Seele anzunehmen. Indem man aber erkennt, dass Krankheiten zum Leben gehören, auch bei anderen Menschen, wird Therapie zu einem verstehenden und annehmenden Prozess, der Steuerung stattfinden lässt. Änderung wird möglich.

Das Ergebnis („Homöostase“)[Bearbeiten]

Das Symptom ist der Versuch des Körpers und der Seele, auf Störungen von Gleichgewichten hinzuweisen. Ein wieder gefundenes Gleichgewicht („Homöostase“) führt zur Heilung, zur Lebensbewältigung. Die Voraussetzung, Leben, Krankheit und Heilung als Prozess zu sehen, ist gegeben. Gesundheit wird möglich.

Literatur[Bearbeiten]

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  • Beck, A. T. u.a.; BDI Beck Depression Inventory (1961)
  • Burrer, Erich W.: Die Kybernetik in der Psychologischen Medizin; Einführungsreferat anlässlich des 71. Psychotherapie-Seminars Freudenstadt (2012)
  • Caldji, Ch. et al.; Mental care during infancy (1998)
  • Cohen et al.; Stress (1991)
  • Foerster, H. v.: Sicht und Einsicht: Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie. Braunschweig (1985, Neuauflage: Heidelberg 1999)
  • Foerster, H. v., Pörksen, B.: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker, Heidelberg 1998 (2008)
  • Foerster von, H., Pask, G.; A Prediktive – Model for Self-Organising-Systems (1991)
  • Freud, S.: Zur Dynamik der Übertragung. In: Behandlungstechnische Schriften. Frankfurt a.M.: Fischer (2000, 3. Aufl.)
  • Gross et al.; Adolescentes on the net (2002)
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  • Hollon, S. D.; 1998; Defining Empirically Supp. Therapies (1998)
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  • Iacoboni, M.: Woher wir wissen, was andere denken und fühlen: Spiegelneuronen (2011)
  • Jakobs, W. J., Nadel Chambless D. L.; Neurobiology of Reconstructed Memory (1999)
  • Jaspers, K.: Existenzphilosophie (2010)
  • Jung, C. G.: Der Mensch und seine Symbole (1913 und 1968)
  • Kandel, E.; Memory from mind to Molecules (1999)
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  • Kilian, H.: Hinter uns steht nur der Herrgott – ein Chirurg erinnert sich (1963)
  • Luhmann, N.: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt am Main 1984, neue Auflage (2001)
  • Maturana, H., Varela, F.; Der Baum der Erkenntnis (1990)
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  • Mentzos, S.: Neurotische Konfliktverarbeitung; Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuerer Perspektiven (Geist und Psyche. Bd. 42239). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt a.M.(1992)
  • Popper, K.: Alles Leben ist Problemlösen (1984)
  • Popper, K., Ecceles, J.; Das Ich und sein Gehirn (1990)
  • Popper, K.; Objektive Erkenntnis. Ein revolutionärer Entwurf (1998)
  • Posner, M., Raichle, M. E.; Bilder des Geistes (1996)
  • Roth, W.: C. G. Jung verstehen. Grundlagen der Analytischen Psychologie. Patmos, Düsseldorf (2009)
  • Ruegg ,J. C.; Gehirn, Psyche und Körper (1998)
  • Schiepek, G.: Die Grundlagen der Systemischen Therapie, Vandenhoeck & Ruprecht (1999)
  • Schiepek, G. et al.: Self-organization in psychotherapy: testing the synergetic model of change processes, frontiers in psychchology (2014)
  • Spitzer, M.; Musik im Kopf (2002)
  • Streeck-Fischer, A.; Adoleszenz – Bindung – Destruktivität (1998)
  • Tansley, G.; The use and abuse of vegetational concepts (1935)
  • Weiner, G.; Allgemeine Psychologie (1977)
  • Weizsäcker, V.v: Gesammelte Schriften (1986–2005)
  • Weizsäcker, V.v.: Warum wird man krank? Ein Lesebuch (2008)
  • Wirsching, M., Stierlin, H. u.a.; Das erste Familiengespräch (1989)

Weblinks[Bearbeiten]

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