High Responsibility Teams

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Ein High Responsibility Team (HRT) ist eine Gruppe von Menschen, die mit ihrem Handeln und dessen Konsequenzen eine hohe Verantwortung für das Leben und die Gesundheit von sich selbst und Dritten sowie für den Schutz der Umwelt tragen.

Einsätze und Kompetenzen[Bearbeiten]

Sie sind beispielsweise eingesetzt in der Luftfahrt (Piloten, Flight Attendants, Flugzeugtechniker), der Polizei und Bundespolizei, der Feuerwehr, in der medizinischen Versorgung (Anästhesie-, Chirurgie- und Notfallteams), auf Ölbohrplattformen oder in der Kernenergie. HRTs arbeiten in sog. High Reliability Organizations, die sich dadurch auszeichnen, dass sie auf einem extrem hohen Zuverlässigkeitslevel operieren müssen, da sich (technische) Störungen, wenn sie in der Situation auftreten und vom Team nicht erkannt und korrigiert werden, fatal für Menschen und Umwelt auswirken können.

HRTs überwachen z.B. die ablaufenden Prozesse in einer Leitstelle. Sie überwachen die physiologischen Parameter eines narkotisierten Patienten oder sie begeben sich aktiv in gefährliche Situationen, um das Leben anderer zu retten. Sie müssen ohne Fehler arbeiten, um z.B. ein Flugzeug funktionstüchtig auf die Strecke zu schicken. HRTs sind in bestimmten Phasen, wie z.B. während des Starts und der Landung eines Flugzeugs, besonders beansprucht und haben wiederum Ruhe- oder Routinephasen. Die Teammitglieder müssen häufig schnell eingreifen, wenn sich die Situation kritisch verändert, und effizient im Team zusammen arbeiten. Dies bedarf einer optimierten Kommunikation, Koordination sowie Kooperation im Team sowie eines effektiven Umgangs mit möglichen hierarchischen Unterschieden im Team. Schaffen HRTs es nicht, die an sie gestellten Anforderungen, wie bspw. Entscheidungen schnell und unter Ungewissheit treffen, zu erfüllen, kann es zu Vorfällen mit tragischen Konsequenzen kommen. Beispiele für das Versagen von HRTs sind Unfälle mit desaströsen Auswirkungen, wie bspw. das Teneriffa Airport Unglück 1977 sowie die Vorfälle in Atomkraftwerken (Three Miles Island, 1979; Tschernobyl, 1986) oder auf der Ölplattform Piper Alpha (1988).

Definition[Bearbeiten]

HRTs unterscheiden sich vor allem auch in den Konsequenzen ihrer Handlungen bzw. ihres Fehlverhaltens von den bisher in der Arbeits- und Organisationspsychologie überwiegend untersuchten Teams (vgl. Projektgruppen, Qualitätszirkel, teilautonome Arbeitsgruppen, Managementteams), denn sie müssen ihre Aufgaben meist unter schwierigen Umständen extrem zuverlässig beherrschen. Die Ergebnisse der ausgeführten Handlungen von HRTs wie bspw. die Operation eines gesunden anstatt des erkrankten Armes sind schwer rückgängig zu machen. Kommt es zu solchen Fehlhandlungen, ziehen diese zunächst körperliche und psychische Schäden bei Dritten nach sich und wirken sich zudem auch auf das eigene Team aus. Aufgrund dieser starken Verantwortung für das Leben anderer können HRTs hoch belastende Situationen weder unterbrechen (z.B. nochmal von vorne beginnen), aussetzen (um sich z.B. kurz zu erholen) oder beenden, sondern müssen sie bis zum Ende (erfolgreich) bewältigen oder abwarten, bis sich z.B. der Patient erholt oder verstirbt. Schlussendlich unterliegen die Ergebnisse der Handlungen von HRTs, wie bspw. der Tod einer Person oder die Explosion eines Kraftwerkes dem Druck der Öffentlichkeit. Ein weiterer zentraler Unterschied zu den klassischen Teams besteht darin, dass sich die Teammitglieder ggf. erst am Einsatzort kennenlernen, z.B. im Cockpit oder der Kabine eines Flugzeugs, im Katastrophengebiet oder bei einem Großbrand mit Verletzen, wenn Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei gemeinsam operieren. In solchen Situationen kommt es dann nicht nur auf die Adaptationsfähigkeit der Teammitglieder an den neuen Fall und die neue Umgebung an, sondern auch auf die Fähigkeit schnell und effektiv mit neuen Teammitgliedern zu kooperieren und zu kommunizieren.

Training[Bearbeiten]

Für den Kompetenzerwerb dieser HRTs hat sich in der Praxis ein Ansatz durchgesetzt, der auf einen Trainingsansatz aus der zivilen Luftfahrt zurückgeht, dem 1979 in den USA eingeführten Crew Resource Management (CRM). Mit Hilfe dieser Trainingsansätze, welche auf die nicht-technischen Kompetenzen der Teammitglieder ausgerichtet sind und ein konstruktives Fehlermanagement betonen, haben es verschiedene High Reliability Organizations es in den letzten 30 Jahren geschafft, ihre Unfallzahlen zu reduzieren. CRM-basierte Trainingskonzepte sind Instruktionsstrategien, um HRTs a) in der effektiven Nutzung aller verfügbaren Ressourcen (d.h. Menschen, Ausrüstung und Informationen) zu trainieren, b) um ihre Zusammenarbeit zu verbessern und damit ihre Leistung zu erhöhen und c) um so die Wahrscheinlichkeit möglicher menschlicher Fehler mit tragischen Konsequenzen für Mensch und Umwelt zu reduzieren.[1] CRM-basierte Trainingskonzepte fokussieren dabei das Teamwork, denn damit ein Team erfolgreich ist und zur Sicherheit in der HRO beitragen kann, muss in der Förderung und dem Training von Teams auf eine Differenzierung von Teamwork und Taskwork geachtet werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hagemann, Vera: Trainingsentwicklung für High Responsibility Teams. Pabst, Lengerich 2011, 978-3-89967-765-2.
  • Hagemann Vera, Kluge Annette, Ritzmann Sandrina: High Responsibility Teams – Eine systematische Analyse von Teamarbeitskontexten für einen effektiven Kompetenzerwerb. In: Psychologie des Alltagshandelns. Nr. 4,1, 2011, S. 22-42.
  • Kluge Annette, Hagemann Vera: Professionelle Zusammenarbeit: Neue Trainingskonzepte für High-Performance-Teams. In: Wirtschaftspsychologie aktuell. Nr. 3, 36-40.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]


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