Heinz Grill (Bergsteiger)

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Heinz Grill (2011)

Heinz Grill (* 1960 in Wasserburg am Inn) ist ein deutscher Kletterer und Autor spirituell-philosophischer Schriften.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Heinz Grill entwickelte sein eigenes Ideal eines leichten, schnellen und seilfreien Kletterstils mit geringem Materialaufwand. In diesem Stil durchstieg er die großen Alpinrouten des Karwendelgebierges, des Wilden Kaisers, der Reiteralpe und der Dolomiten. Da dieser Kletterstil damals noch heftig Anstoß erregte, wurde er aus dem Alpenverein ausgeschlossen.[1]

Nach der Zulassung zum Heilpraktiker (1985) und Ausbildung zum Yogalehrer (1986) begründete er einen spirituellen Schulungsweg mit Bewusstseins- und Körperübungen, den er zunächst unter der Bezeichnung „Yoga aus der Reinheit der Seele“ und später unter der Bezeichnung „Neuer Yogawille“ bzw. „Neue Yogaempfindung“ veröffentlichte.[2]

Gleichzeitig begann er die Tätigkeit als Buchautor. Es entstanden im Laufe der Jahre zahlreiche Buchveröffentlichungen zum Alpinismus und Klettern, zur Pädagogik, zu künstlerischen und spirituellen Themen, zur Heilkunde, Architektur und Yoga. Die Bücher wurden zum Teil in die englische, italienische, niederländische und slowakische Sprache übersetzt und veröffentlicht.

Zusammen mit Kletterfreunden eröffnete er ab 2006 ca. 90 neue Kletterrouten im Sarcatal.[3]

Gleichzeitig entstanden über 40 große Erstbegehungen in den Dolomiten.[4]

 
Atrium im Spazio d’Incontro in Tenno

Ab 2007 entwickelte er nach seinen spirituellen Ideen eine Innenarchitektur, die beim Ausbau des Spazio d’Incontro in Tenno und weiteren Häusern umgesetzt wurde.[5]

2010 formte er seinen Schulungsweg anhand von vier charakteristischen Prozessen methodisch weiter aus. Diese benennt er als den

  • spirituell-sozialen Prozess
  • künstlerischen Empfindungsprozess
  • Gedankenbildeprozess
  • Sinnesprozess.[6]

Klettern[Bearbeiten]

Er erkletterte 1977 seilfrei die großen Klettertouren im Wilden Kaiser, unter anderem den Schmuck-Kamin, die Rebitsch-Spiegl-Führe und die Pumprisse. Als Abstiege benutzte er ebenfalls Routen bis zum 6. Grad im seilfreien Abklettern. Diese Stilform setzte er schließlich in das brüchige Karwendelgebirge und in den Dolomiten fort. Neben seinen Zeitgenossen Renato Casarotto, Maurizio Giordani und anderen erkletterte er im Alleingang die großen Dolomitenwänden wie Civetta Nord-West-Wand, Marmolata Südwand, Furchetta Nord-Wand.[1]

Ab 2006 eröffnete er zusammen mit Kletterkameraden ca. 90 neue Kletterrouten im Sarcatal, die eine Mitte zwischen dem dort üblichen und mit Bohrhaken gesicherten Sportklettern und dem traditionellen alpinen Stil suchten. Diese Routen ermöglichen ein alpines Erleben auch in den weniger herausfordernden Schwierigkeitsgraden.[1] Sie gelten als besonders logisch und rhythmisch in der Linienführung, mit homogenem Schwierigkeitsgrad.[4][7]

In den Dolomiten entstanden zur gleichen Zeit etwa 40 große Erstbegehungen. Unter ihnen die "Via della guglia delle libertà, spigolo est" an der Grohmannspitze, die "Via Masarotto" und "Via l'uomo migliora il tempo" auf den Torre di Lagunaz und die "Via Internazionale" an der Cima Immink in den Pale di San Martino.[4]

Die „Via Collaborazione“ am Spiz di Lagunàz wurde von der Fondazione Silla Ghedina Apollonio Menardi, Belluno als die beste Erstbegehung des Jahres 2011 ausgezeichnet.[8]

Kritik[Bearbeiten]

Kritik gab es vor allem gegen das Aufbereiten der Routen im Sarcatal mit Sicherungen, Befestigen von brüchigen Felsblöcken, Entfernen von Vegetation, sowie dem Reinigen der Touren. Hierdurch würde es den Wiederholern wesentlich leichter gemacht, als den Erstbegehern. Dies führe zu einem Überlaufensein der Routen und würde das Ideal einer unverändert belassenen Natur verletzen.[9][10]

Rezeption und Kritik[Bearbeiten]

Die Kritik der Kirchen am Werk Heinz Grills betrifft vor allem die Schrift Die Kirche und ihr geistiger Weltenzusammenhang sowie allgemein das sogenannte geistige Schauen. Indem sich der Autor Heinz Grill aus geistiger Schau den Evangelientexten anzunähern versucht, sei er nicht mehr kritisierbar für diejenigen, die diese Erkenntnissicht nicht besitzen. Der geistig Schauende werde dadurch zu einer absoluten Autorität.[11]

Der Religionswissenschaftler Georg Schmid meint 2001 auf relinfo.ch, der Webseite der Evangelischen Informationsstelle: Kirchen - Sekten - Religionen, dass die Eröffnung seiner ersten Yogaschule „… nach Meinung der Kritiker weniger basierend auf eigenen wirklichen Kenntnissen der Yogatradition, als auf seiner eigenen unmittelbaren Intuition und auf seinem Sinn für die Meisterrolle.“ beruhe. Er schreibt weiter: „Die Meistergesalt [sic] ist für ihn wesentlicher als der Yoga selbst. Grill selbst wird durch seine vielen Pulbikationen [sic] in kurzer Zeit für viele zum Meister, vergleichbar mit Yogananda und Sai Baba, mit grosser Ausstrahlung, offensichtlicherm Gespür für spirituelle Bedürfnisse moderner Sinnsucher und einem ebenso offenkundigen Talent, mit Steinerscher Optik in allen Lebensbereichen den verborgenen Sinn zu erkennen.“ Aussteiger aus Grills Yogaschulen und -seminaren berichten, dass sie eine „Abwertung der persönlichen Bedürnisse und Gefühle“ erfahren hätten und Grill keine Kritik zulasse und zudem andere Gruppen nicht toleriere.[12]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Gerd Heidorn, Das Spiel mit dem Rhythmus, DAV Panorama 1/2013, ISSN 1437-5923
  2. Karl Elberg, Vom Wesen des Berges, (Biografie über Heinz Grill) Soyen 1998, ISBN 3-935925-80-8
  3. http://www.klettern.de/
  4. 4,0 4,1 4,2 http://www.klettern-sarcatal.com/
  5. Thomas von Dall'Armi (Hrsg.), Aspkte einer beginnenden Synthese von Spiritualität und Baukunst ISBN 978-3-941995-98-7
  6. Heinz Grill, Das Wesensgeheimnis der Seele, Sigmaringen 2016, ISBN 978-3-9815855-5-1
  7. Marco Furlani in Klettertouren im Sarcatal, Padua 2011, , S. 9, ISBN 9788897299134
  8. http://www.fondazionesillaghedina.it
  9. Dante Colli, Arrampicata nella Valle del Sarca,, LA Rivista 5/6 2010, Club Alpino Italiano, S. 26 ff.
  10. http://www.bergsteigen.com/
  11. Martin Scheidegger, www.relinfo.ch
  12. Georg Schmid, www.relinfo.ch; vergl. auch Georg Schmid, Kirchen Sekten Religionen, Zürich 2003
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