Heinrich Wirth

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Heinrich Wirth, geb. am 20. Juni 1902 in Berlin-Wedding, gest. am 9. Januar 1978 in Berlin-Spandau wurde nach seiner Schulausbildung Geometer und arbeitete bis zu seiner Einberufung in den Militärdienst 1939 im Vermessungsamt Berlin-Weissensee.

Die militärische Ausbildung bekam Heinrich Wirth bei den Maikäfern in Jüterbog. 1939 wurde er zur Artillerie versetzt und machte den Feldzug in Polen und Frankreich mit. Als Geometer wurde er der Vermessung-Abteilung zugeteilt und vermaß die Atlantikküste Frankreichs bis runter zur Biskaya. Als seine Augen schlecher wurden und er mit 38 Jahren zu alt für den aktiven Militärdienst war, wurde er ins OKH in die Bendlerstrasse versetzt. Am 1.September 1943 wurde ihm das Kriegsverdientkreuz mit Schwertern verliehen. 1943/44 wurde seine Abteilung nach Thüringen in die Schokoladenfabrik Mauxion verlegt, die an Stelle von Schokolade jetz sogenannte Panzerbrote ähnlich unseren heutigen Müsliriegeln für Panzer- und U-Boot-Besatzungen produzierte. Dort leitete er als Stabswachtmeister die Abteilung für Kriegskarten- und Vermessungswesen, in der steometrische Luftbildaufnahmen ausgewertet wurden. In der Abteilung in Kompaniestärke dienten Frauen und Männer mit geeigneten Berufen, Vermessungsbeamte, Lithografen, Grafiker, Buchillustratoren, Kartenzeichner und auch Kunstmaler. 1945 wurde die Abteilung aufgelöst, alle kriegswichtigen Unterlagen und Maschinen wurden vernichtet und die Mannschaft bekam vom OKH den Befehl, sich in Gruppen zu zweit in Richtung amerikanische Front abzusetzen. Heinrich Wirth wurde gefangen genommen und ins sogenannte Todeslager Bad Kreuznach gebracht. Die erste Handlung war Abnehmen von Ohren und Eheringen. Nach Aussage von Heinrich Wirth sollen sich farbige Soldaten den Spaß gemacht haben, ihren weißen Kameraden die Eheringe zu stehlen und den deutschen Kriegsgefangenen zurck- zugeben, natürlich bekam niemand seinen richtigen Ring. Da Thüringen von den amerikanern besetzt worden war, durften alle Thüringer zurück in die Heimat. Heinrich Wirth als Berliner durfte ebenfalls zurück zu seiner Famie, die nach der Flucht aus Ostpreußen in Saalfeld untergekommen war. Er war über und über mit eiternen Wunden bedeckt, hatte wegen starker Halsschmerzen einen Schal unm den Hals und lag völlig apathisch in einer Ecke des offenen Kohlewagens.

Als ein Kamerad, ebenfalls ein Berliner, sich laut freute, endlich nach Hause zu kommen, packten ihn die Thüringen und warfen ihn aus dem Wagen zwischen die Räder. Die im Lager zurückgeblieben wurden zum Teil an die Franzosen ausgeliefert und kamen von ihnen in die Salzbergwerke, wo die meisten von ihnen starben. Unteroffizier Beckman, der Heinrich Wirth´s Sohn Günter Wirth zum Sammeln von Briefmaken angeleitet hatte, schaffte es nach seiner Entlassung bis Berlin und in die Straßenbahn nach Weissensee. An der Endhaltestelle mußte man ihn tot hinaustragen. Heinrich Wirth war nach sechs Wochen amerikanischer Gefangenschaft kaum wiederzuerkennen, sein Gesicht war von der Sonne verbrannt und sein Haar war weiß geworden.

Als Heinrich Wirth mit seiner Famile wieder nach Berlin in sein zur halben Ruine gewordenes Haus zurück durfte, wurde er Entnazifiziert und arbeitete als Tischler und reparierte Fenster in einer Gaststätte. Als es wieder möglich war, kam Heinrich Wirth als Vermessunginspektor ins Vermessungsamt Rathaus Schöneberg. Er wurde 1967 als Oberinspektor pensioniert und starb nach Operation am 8.Januar 1978 in Berlin-Spandau.

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