Hans Heinrich Joost

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Hans Heinrich Joost (* 11. Januar 1903 in Ülsbyholz / Schleswig-Holstein) war als SS-Obersturmführer (SS-Nr. 290 704) und Angehöriger der Staatspolizeileitstelle Hannover (Stapo Hannover) Leiter der Außenstelle Ahlem. Unter seinem Kommando wurde das Massaker im Seelhorster Friedhof im März 1945 ausgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Laufbahn[Bearbeiten]

Seine Polizei-Laufbahn begann im Jahre 1922 in Hamburg. Nach der Absolvierung des Lehrgangs zum Kommissar in Berlin-Charlottenburg, wurde er im Jahre 1936 zur Staatspolizeileitstelle Hannover (Gestapo Hannover) versetzt. Nach seiner Aussage trat er freiwillig in den Dienst der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Im 2. Weltkrieg wurde er Mitte 1943 zum Kommandeur der Sicherheitspolizei (KdS) in Krakau versetzt, wo er als Kriminalkommissar zur Probe (KK z. P.) tätig war. Nach Hannover zurückgekehrt, übernahm er 1943 die Leitung des Referats II R (Ostarbeiter), das ab April 1944 zum Referat IV c2 umbenannt wurde.

Mord an ausländischen Gefangenen[Bearbeiten]

Nach Angaben von Mitarbeitern der Gestapo Hannover ging Joost im Verhör mit Gefangenen immer dann mit brutaler Gewalt vor, wenn diese nicht die Anschuldigungen gestehen wollten. Als 1945 Joost das Kommando über die Außenstelle Ahlem der Gestapo Hannover übernahm, hatte er auch dort die Befehlsgewalt über das dort vorhandenen Polizei-Ersatzgefängnis.

Am 3. April 1945 erhielt Joost vom Leiter der Gestapo Hannover SS-Obersturmbannführer Johannes Rentsch den Befehl, ein Hinrichtungskommando zusammenzustellen. Auf dem Friedhof Seelhorst[1] sollten Gefangene aus dem Polizei-Ersatzgefängnis Ahlem und dem Arbeitserziehungslager Lahde erschossen werden. Ein Kommando aus SS-Männern der Gestapo Hannover ermordete am 6. April 1945 dann die 154 ausgesonderten Gefangenen. Joost hatte die Ausführung der Hinrichtung einem Untergebenen übertragen und war auf dem Friedhof währende der Hinrichtung nicht anwesend.[2]

Britisches Militärgericht[Bearbeiten]

Die Strafverfolgung des Mordes an den Gefangenen übernahm 1945 noch ein Kommando der 7. US-Armee unter dem Major James W. Boost durch Sicherstellung von Aussagen der vorhandenen Zeugen. Im Jahre 1947 trat dann das britische Militärgericht der 5. Division in Braunschweig zusammen. Am 14. April 1947 verurteilte das Gericht drei SS-Männer (Adolf Methfessel, Reinhold Plünnecke und Kurt Rasche) zum Tode durch Erhängen verurteilt. Das Urteil gegen Rasche und Methfessel wurde vollstreckt. Plünneckes Urteil wurde später in lebenslängliche und dann in 15-jährige Haft umgewandelt.

Joost wurde 1948 von einem britischen Militärgericht in Hamburg zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich als reinen Befehlsempfänger dargestellt, der zu keinen rohen Gewaltakten fähig gewesen war. Auch danach konnte Joost noch ein Minderung seiner Strafe von fünf Monaten erreichen. Das Spruchgericht in Bielefeld verurteilte ihn dann am 21. April 1950 zu einem Jahr Gefängnis, wobei dann noch die Dauer der Internierungshaft von neun Monaten angerechnet wurde.

Weblinks[Bearbeiten]

Literaturquellen[Bearbeiten]

  • Friedel Homeyer, Beitrag zur Geschichte der Gartenbauschule Ahlem 1893-1979. (Hrsg. Landkreis Hannover in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Hannover), Hannover 1980
  • Ursula Krause-Schmitt, Marianne Ngo, Gottfried Schmidt: Niedersachsen II: Regierungsbezirke Hannover und Weser-Ems. Hrsg.: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des deutschen Widerstandes 1933–1945 e.V. (= Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 3). VAS - Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-7609-0983-3 (206 S.).
  • Herbert Obenaus, Sei stille, sonst kommst Du nach Ahlem!". Zur Funktion der Gestapostelle in der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule von Ahlem (1943-1945). (Hrsg. Kulturamt Hannover). Hannover 1988 (Kulturinformationen der Landeshauptstadt Hannover; Heft 16)
  • Marlis Buchholz et al.: Ahlem - Die Geschichte einer jüdischen Gartenbauschule und ihres Einflusses auf Gartenbau und Landschaftsarchitektur in Deutschland und Israel. Edition Temmen, Bremen 2008, ISBN 978-3-86108-039-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtfriedhof Seelhorst in der deutschen Wikipedia
  2. Herbert Obenaus, Die Erschießungen auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover April 1945, in: Landeshauptstadt Hannover (Hrsg.), Hannoversche Geschichtsblätter, 35. Jahrgang, 1981, S. 233-274
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