Gottfried Dierig

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Gottfried Dierig (* 28. Januar 1889 in Langenbielau, Schlesien; † 11. Mai 1945 ebenda) war Inhaber der Textilwerke Christian Dierig AG und Leiter der Reichsgruppe Industrie (RGI).

Inhaltsverzeichnis

Werdegang[Bearbeiten]

Als Sohn des Geheimen Kommerzienrats Friedrich Dierig und seiner Ehefrau Minna Bienert besuchte er die Volksschule in Langenbielau. Danach absolvierte er das humanistische Gymnasium zu Maria-Magdalena in Breslau. Es folgte ein Studium der Chemie an der Universität Straßburg[1]. An der Höheren Webschule in Mönchengladbach erwarb er die theoretischen Kenntnisse in der Färberei und Weberei. Es folgten mehrere Jahre eines Praktikums in den erlernten Fähigkeiten im In- und Ausland. Im Jahre 1914 kehrte er nach Langenbielau zurück und trat als Geschäftsführer und Mitinhaber in die Christian Dierig GmbH ein.

Kriegsdienst[Bearbeiten]

Im September 1914 diente er als Leutnant der Reserve bei der Fußartillerie[2]. Im August 1915 wurde er verwundet. Die Genesung und anschließende Innendienstfähigkeit in der Garnison erstreckte sich bis Mai 1916. Danach meldete er sich zur Infanterie und wurde im Juni 1916 Chef einer Maschinengewehr-Kompanie im Infanterie Regiment 105. Am 1. Dezember 1917 wurde er wiederum verwundet. Der Aufenthalt im Lazarett dauerte bis Juli 1918. Als Folge der schweren Verletzungen wurde er für untauglich für den Kriegsdienst eingestuft.

Rückkehr in den Betrieb[Bearbeiten]

Nach Kriegsende kehrte er in das väterliche Unternehmen nach Liebelau zurück. In den folgenden Jahren war er im Aufsichtsrat verschiedener Unternehmen wie der Baumwoll Finanz AG in Bremerhaven, der Christian Dierig Werke Berlin-Grünau AG und der Frankenberger Bleicherei, Färberei und Appretur AG Frankenberg/Sachsen, die sämtlich am 11. Juni 1928 zur Christian Dierig AG verschmolzen wurden.[3]

Leitende Positionen[Bearbeiten]

Dierig wurde in den folgenden Jahren Aufsichtsrat verschiedener Unternehmen, Mitglied der Handelskammer Schweidnitz und ab 1929 auch Mitglied im vorläufigen Reichswirtschaftsrat[4] und im Reichsverband der Deutschen Industrie[5]. Weiterhin war er im Verwaltungsrat der Berliner Handels-Gesellschaft[6] und Mitglied der Akademie für Deutsches Recht[7].

Funktionen in der NS-Regierung[Bearbeiten]

Dierig wurde von Adolf Hitler im Januar 1931 zu seinem persönlichen Berater in Wirtschaftsangelegenheiten berufen. Im Jahre 1932 wurde er zum Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der Reichsleitung der NSDAP[8] ernannt. Am Tage der Machtergreifung[9]der NSDAP, am 30. Januar 1933, wurde er Pressechef der NS-Regierung.

Seine Ernennung zum Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda[10] erfolgte im März 1933. Er gehörte auch zum Engeren Beirat der Reichswirtschaftskammer[11] und zum Beirat der Wirtschaftskammer Schlesien. Im Dezember 1936 ernannte ihn der Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht[12] zum Leiter der Reichsgruppe Industrie. Mit dieser Ernennung erhoffte Schacht, dass er damit eine Unterstützung gegen die Macht von Hermann Göring erlangen konnte.[13]

Leiter bei der Reichsgruppe Industrie[Bearbeiten]

Als Vorsitzender des Verbandes Schlesischer Textilindustrieller errang er eine Position, die es ermöglichte, dass er von März 1934 bis März 1937 Leiter der Hauptgruppe VI (Leder und Bekleidung) der RGI wurde. Daneben führte der von November 1934 bis Oktober 1938 die Wirtschaftsgruppe Textilindustrie in der RGI. Von Dezember 1936 bis Oktober 1938 leitete er die RGI.[14] Im Jahre 1941 war er Leiter der Industrieabteilung der Wirtschaftskammer Niederschlesien.

Als er in den letzten Kriegstagen aus Schlesien fliehen wollte, misslang ihm die Flucht über die Bergkette in Schlesien, so dass er sich am 11. Mai 1945 das Leben nahm.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann Teschemacher (Hrsg.): Handbuch des Aufbaus der gewerblichen Wirtschaft. Band 1. Leipzig 1963, DNB 012915998, S. 20.
  2. Fußartillerie
  3. Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1929, DNB 948663294, S. 455.
  4. Vorläufiger Reichswirtschaftsrat
  5. Reichsverband der Deutsche Industrie
  6. Berliner Handels-Gesellschaft
  7. Akademie für Deutsches Recht
  8. Reichsleitung der NSDAP
  9. Machtergreifung der NSDAP
  10. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
  11. Reichswirtschaftskammer
  12. Hjalmar Schacht
  13. Daniela Kahn: Die Steuerung der Wirtschaft durch Recht im nationalsozialistischen Deutschland: das Beispiel der Reichsgruppe Industrie (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte. Band 212). Klostermann, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-465-04012-5, S. 505 (556 S.).
  14. Rainer Eckert: Die Leiter und Geschäftsführer der Reichsgruppe Industrie, ihrer Haupt- und Wirtschaftsgruppen. In: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte. Band 20, Nr. 4, 1979, ISSN 0075-2800, OCLC 5528842261, S. 243–277, hier: 264.
  15. Jürgen Kuczynski: Die Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus. Akademie Verlag, 1966 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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