Georges Figon

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Georges Figon (* 1928 in Paris; † 17. Januar 1966 in Paris) war eine V-Person der „Brigade Mondaine“ für den Kiez am Boulevard Saint-Germain, die am Verschwindenlassen des marokkanischen Oppositionspolitikers Ben Barka beteiligt war.

Leben[Bearbeiten]

Brasserie Lipp

Sein Vater war Generalinspekteur im Gesundheitsministerium und Kommandeur der Ehrenlegion. Von 1936 bis 1939 verbrachte Figon wegen Raub in einer Psychiatrischen Klinik. Dort lernte er Menschen kennen deren Taten von Gesunden ausgeführt Verbrechen darstellten und teilweise mit der Guillotine geahndet wurden.

1951 war er an einem bewaffneten Raubüberfalls auf eine Juwelierladen beteiligt, bei dem er auf der Flucht in den Boden schoß. Bei der Gerichtsverhandlung fiel er als aufgeweckt und intelligent auf und belehrte den Richter. Am 27. September 1955 verurteilte ihn ein Schwurgericht zu zwanzig Jahren Zuchthaus wegen Körperverletzung mit Mordversuch an einem Polizisten.

1961 wurde er auf Bewährung entlassen. Sein Anwalt war Jean Hug bei diesem arbeitete Pierre Lemarchand ein Leiter der Barbouzes, sein Schulfreund[1]. Figon gab Marguerite Duras zwei Interviews, von welchen eines im France Observateur unter dem Titel “Un voyou sans repentir” erschien. Pierre Desgraupes Interview mit dem Titel visage dans la pénombre erschien in fünf Spalten auf der Titelseite. Die Szene wird 1964 in den Fernsehfilm Le Détenu von Michel Mitrani aufgenommen, an dem Figon als als technischer Berater mitwirkte. Ein Artikel, in dem Figon Verachtung für die normalen Regeln der Gesellschaft ausdrückt wurde in Les Temps Modernes veröffentlicht. Peter Lennon führte ein Interview mit Figon welches am 14. September 1964 unter dem Titel Time for shooting, in The Guardian veröffentlicht wurde.[2] Figon war sozialversicherungspflichtig beim Verlag Les Presses Européennes beschäftigt. Er gründete eine Reihe von Zeitschriften, von denen jeweils nur die Erstausgaben erscheinen.

Für den 29. Oktober 1965 12:30 Uhr wurde Ben Barka in die Brasseri Lipp, 151, Boulevard Saint-Germain, 75006 Paris, um ein Filmprojekt über die Entkolonialisierung, welches unter dem Titel Basta zur Eröffnung der Primera Conferencia Tricontinental de La Habana im Januar 1966 gezeigt werden sollte, gelockt.

Ben Barka kam mit einem Linienflug aus seinem Exil in Genf am 28. Oktober 1965 um 23 Uhr am Flughafen Paris-Orly an. Hier erklärt Antoine Lopez, Leiter der Niederlassung der Air France auf dem Flughafen Paris-Orly, persönlicher Freund von Mohammed Oufkir und Mitarbeiter des Service de Documentation Extérieur et de Contre-Espionage dem Leiter der „Brigade Mondaine“, (Drogenkriminalität und Prostitution) in der Polizeipräfektur, Kommissar Louis Souchon (*1916 wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt), dass über die Extraordinary rendition von Barka Jacques Foccart informiert sei.[3]

Georges Figon war V-Person der „Brigade Mondaine“ für den Kiez am Boulevard Saint-Germain und wurde zur Absicherung der Rendition eingebunden. Ben Barka wurde von Lopez, Souchon, seinem Fahrer Roger Voitot (*1928) und Figon in einem zivilen Peugeot 403 der Polizeipräfektur erwartet. Am 29. Oktober um 12 Uhr entstiegen Ben Barka und Thami Azemmuri in der Rue du Dragon einem Taxi und wandten sich der Auslage des Buchladens »La Pochade« zu.

Lopez identifizierte Barka, gegenüber Souchon und Voitot, die beiden Beamten in Zivilkleidung wiesen sich mit ihren Kriminaldienstmarken gegenüber Barka aus und erklärten, ihn zu einem Treffen zu bringen. Ben Barka stieg ohne sichtlichen Widerstand in das Fahrzeug der Präfektur. Thami Azemmuri blieb am 29. Oktober 1965 unbehelligt und machte am 30. Oktober 1965 die Entführung von Ben Barka öffentlich bekannt.[4]

Die Journalisten Jacques Derogy und Jean-François Kahn vom L’Express recherchierten bei Philippe Bernier, Ben Barka Abdelkader, dem Bruder von Ben Barka, und Pierre Lemarchand dem Rechtsanwalt von Georges Figon und veröffentlichen am 2. November 1965 einen Artikel mit der Überschrift: Les étranges coïncidences de l'affaire Ben Barka. (Die seltsamen Zufälle der Affäre Ben Barka).[5] Die Barbouzes beschäftigten sich wie ihre Vorgänger Organisation die Carlingue mit dem Verschleppen von Menschen. Am Rosenmontag 1963 entführten sie Antoine Argoud aus dem „Eden-Hotel-Wolff“. Georges Figon wurde als Beteiliger der Aktion am Boulevard Saint-Germain identifiziert.

Nach Allerheiligen, am Dienstag 2. November 1965 wurde der Untersuchungsrichter Louis Zollinger (*1922) wurde mit dem Fall des Verschwindenlassens von Ben Barka betraut.

Oufkir war von Mittwoch 3. November 1965 bis Freitag 5. November 1965 in offizieller Mission in Paris. Jacques Foccart und Innenminister Roger Frey waren über die Beteiligung von Oufkirs im Fall Ben Barka informiert, weshalb sich Frey sich bei einem Essen mit Oufkir durch Jacques Hector Auguste Aubert (*6. August 1913 in Cherbourg) [6] vertreten ließ.

Von Georges Figon werden Tonbandaufnahmen gemacht, in welchen er über die Entführung berichtet. Über den Peugeot 403 der Polizeipräfektur berichtet Figon, dass er mit Telefon und aufgesetzten Kraftfahrzeugkennzeichen ausgestattet war. Vor der Ausfahrt zum Flughafen Orly erklärte Barka er hätte noch einen Koffer in Paris. Nach der Ausfahrt zum Flughafen Orly verlangte Barka den Leiter der Operation zu sehen. Figon spekulierte, wen Barka mit dem Chef der Operation gemeint haben könnte und meint zweifellos den Leiter der Direction de la surveillance du territoire Figon erklärte, Barka hätte argumentiert: „Entschuldigen Sie, ich bin zuversichtlich, ich habe nichts gegen Frankreich.“ Barka hätte daran erinnert, dass er eine Audienz bei Charles de Gaulle erhalten hatte und drückte ihm gegenenüber als Staatschef hohe Wertschätzung aus. Barka erklärte, er könne mit ruhigem Gewissen den Dingen entgegensehen.

Tee für Ben Barka[Bearbeiten]

Die Polizisten sagten Ben Barka, die Motive für das Treffen seien unbekannt, aber dass ihr Chef ihn in einer Villa außerhalb von Paris in ruhiger Umgebung, ohne Aufsehens zu einem Gespräch erwarten würde. Scheinbar akzeptierte Ben Barka diese Antwort. Figon erklärte, dass die Sittenpolizisten beim Ablierfern von Ben Barka, die Villa des Zuhälters und Leiters der Barbouzes, Georges Boucheseiche in Fontenay-le-Vicomte nicht betreten hätten, sondern mit Lopez nach Paris zurückgekehrt wären. Ben Barka sei in ein komfortables Zimmer im Obergeschoss der Villa gebracht worden. Er sei sehr ruhig gewesen, hätte ein dickes Buch aus seinen Aktentasche geholt und begonnen zu lesen. Der Barbouz Pierrot Dubail schickte Figon mit einem Taxi los, um Tee für Barka zu kaufen. Georges Boucheseiche erklärte Ben Barka, dass sich der Chef etwas verspäten würde, Barka wurde suggeriert, dass es sich dabei um einen höheren Beamten handeln würde. Am Abend legte sich Ben Barka schlafen, Dubail telefonierte mit Ahmed Dlimi und Mohammed Oufkir und avisierte ihnen ein Paket, das eingepackt in der Villa sei.

Die Barbouzes erwarten Dlimi und Oufkir nicht vor Samstag 30. Oktober 1965. Dubail erklärte Ben Barka, dass das Treffen auf Samstag verschoben wurde. Es wurde marokkanisches Essen zubereitet, von dem Ben Barka fast nichts aß. Ben Barka forderte Tee und Getränke. Barka erklärte Dubail, dass Frankreich ein Freund Marokkos sei, dass er vielleicht eines Tages Ministerpräsident von Marokko sei und dass sich dann viele Dinge in Marokko ändern würden vor allem bei der Polizei, weil bekannt ist, dass diese korrupt sei. Dubail stimmte tonlos zu und schließlich schlief Ben Barka ein.

Am Samstagnachmittag brachte Lopez, Dlimi und Mohamed Achachi mit dem Auto nach Fontenay le Vicomte. Es wurde verhindert, dass Ben Barka die Ankunft der Marokkaner sah. Die Barbouzes begrüßten sie in der Empfangshalle der Villa und Dubail gab dem marokkanischen Polizeichef Dlimi die Einschätzung von Barka, dass die marokkanische Polizei korruppt sei zum Besten. Dlimi lachte, und rief er wolle die marokkanische Polizei säubern! Gut das sei eine großartige Idee! Boucheseiche fragte Dlimi was sie tun würden und Dlimi antwortete ohne zu zögern, dass sie Barka liquidieren würden. Boucheseiche fragte in welcher Weise? Dlimi erklärte, dass hier nur festgelegt wird, dass er dass er liquidiert wird und dann auf einem Feld begraben wird. Eine gewisse Unsicherheit kam auf, da sich Niemand bereit erklärte Ben Barka zu liquidieren, was ursprünglich nicht vereinbart war. Figon gab an Julien le Ny davon abgeraten zu haben Ben Barka im Haus von Boucheseiche zu ermorden, da sonst die Leiche in vierzehn Tagen hier gefunden worden wäre das Haus von Lopez sei feucht und besser für den Mord geeignet. Auch Jean Palisse hatte Bedenken gegen die Form des Mordes. Dlimi bestand darauf: Sie entscheiden, aber vermeiden Sie eine unanagenehme Überraschung dass Mehdi (der Glückliche Beinamen von Barka) entkommt. Figon sagte zu Dlimi wir können hier nichts machen wir müssen ihn zu Lopez bringen. Boucheseiche stimmt dem zu. Le Ny, Dubail, Palisse (Dédé) und Boucheseiche machten anstalten zu gehen. Boucheseiche streichelte über seinen Bizeps und sagte er sei 53 Jahre alt und noch nicht völlig morsch er hätte eine gute Linke. Figon schlug vor Ben Barka Schlafmittel in den Tee zu mischen. Boucheseiche empfahl Phenergan. Dubail brachte Ben Barka Tee mit Phenergan. Nach einer Viertelstunde gingen Boucheseiche, Le Ny, Dubail und Palisse in das Zimmer von Ben Barka. Als die Gruppe eintrat warf Ben Barka sein Buch zur Seite, erhob sich von seinem Stuhl und fragte was ist passiert? Boucheseiche sagte es geht voran und streckte Ben Barka mit einen Faustschlag nieder. Dubail, Palisse und Le Ny, vier Barbouzes richteten Ben Barka übel zu.

Le Ny wog 110 Kilo und war 1,90 m lang, Dubail war Leibwächter von Jo Attia. Dubail schlug Ben Barka einen Gegenstand über den Kopf. Ben Barka war von kurzer Statur und kämpfte. Figon beschrieb: Ben Barka war blutig, sein Gesicht war unkenntlich. Sein Kopf war wie ein Kürbis. Im Erdgeschoss waren die Geräusche des einseigen Kampfes zu hören. Ben Barka wurde auf einen Stuhl gefesselt, seine Wille war ungebrochen. Anschließend gingen Dlimi und Achachi in das Obergeschoss. Als Ben Barka Dlimi sah hörte er auf zu kämpfen. Ben Barka wurde mit einer Schnur eine Kravatte gebunden und Dubail fesselte seine Füße. In diesem Moment erschien Oufkir im Erdgeschoss mit einem großen schwarzen Filzhut und frägt Figon Er ist dort oben? Figon antwortete mit Ja. Oufkir fragte: Es funktioniert gut? Figon schwieg bedeutungsvoll. Oufkir nahm von der, an der Wand hängenden Waffensammlung, ein kleines marokanisches Messer und ging in das Obergeschoss.

Als Ben Barka Oufkir sah begann er wieder zu kämpfen. Oufkir ritze die Kehle und Brust von Ben Barka. Figon beschrieb oufkir brutale Vorgehensweise mit dem Vergnügen eines Chirurgen bei der Operation. Dlimi erklärte Oufkir auf arabisch er müsse Ben Barka in das Haus von Lopez mitnehmen, Hausherr Boucheseiche warf nun Oufkir aus seiner Villa, worauf Oufkir vorschlug, Ben Barka in einem Krankenwagen zu transportieren. Ben Barka wurde geknebelt und in einem Fahrzeug einer diplomatischen Vertretung in das Haus von Lopez nach Ormoy gebracht. Figon behauptete auch an dieser Reise teilgenommen zu haben. Als die Gruppe beim Haus von Lopez ankam wurde der bewußtlose Ben Barka in den Keller gebracht. Dort fesselte ein weiterer Marokkaner Ben Barka an einen Heizkessel, dass dieser völlig bewegungsunfähig war und er nicht mehr atmen konnte. Le Ny forderte Ben Barka athmen zu lassen. Der Marokkaner antwortete darauf, Ben Barka ist fertig.

Die Mordsgesellschaft traf sich im Wohnzimmer. Oufkir erklärte er sei schnell gekommen und dass er kein Geld dabei hätte. Er hatte mehr als 100 Millionen Franc versprochen. Er bedauerte das die Aktion in Frankreich statt fand. Dann las Oufkir den Anwesenden die Leviten und forderte dazu auf auch den Zeugen und Geschichtsstudenten Thami Azemmuri zu ermorden.[7]

Am 10. Januar 1966 titelt L'Express J'ai vu tuer Ben Barka (Ich sah wie Ben Barka getötet wurde) [8]. Offiziell entzog sich Georges Figon der Festnahme durch die Polizei durch Suizid [9]. Marguerite Duras hat ihrem Freund Georges Figon[10] ein Kapitel in ihrem Buch Practicalities gewidmet.[11][12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Zeit, Die Folgen einer Affäre
  2. The Guardian, 27 October 2006 , I nearly saw Ben Barka get killed
  3. Falsche Bärte. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1966 (online24. Januar 1966).
  4. Sieben fehlen. In: Der Spiegel. Nr. 38, 1966 (online12. September 1966).
  5. L’Express, http://www.lexpress.fr/actualite/societe/histoire/les-etranges-coincidences-de-l-affaire-ben-barka_482689.html]
  6. Jacques-Aubert
  7. Von oben gedeckt. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1972 (online6. November 1972).
  8. L’Express du 10 janvier 1966, J'ai vu tuer Ben Barka
  9. http://www.britannica.com/facts/10/40917767/January-17-1966-Georges-Figon-ex-convict-who-claimed
  10. The New York Times, October 20, 1991, The Life and Loves of Marguerite Duras
  11. Marguerite Duras, Practicalities
  12. Life Feb 4, 1966, Fotos von Georges Figon
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