Franz Weithofer

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Franz Weithofer (um 1930)

Franz Weithofer (* 24. September 1877 in Mödritz; † 29. April 1940 in Brünn) war ein deutscher „Doktor der gesamten Heilkunde“, der sich der Kinderheilkunde widmete.

Biografie[Bearbeiten]

Weithofer stammte aus einer bäuerlichen Familie in Mödritz bei Brünn. Sein Vater war Bürgermeister in Mödritz. Weithofer wurde nach dem Studium in Wien und möglicherweise München Allgemeinarzt. Er spezialisierte sich auf die Kindermedizin, die es als eigenes Fach damals noch nicht gab. Die Beantwortung spezieller Fragen der Pädiatrie (Rachitis, Bauchlage) brachte ihm viel Anerkennung ein.

Er ließ sich von seiner ersten Frau scheiden. Zu der Zeit gab es die Zivilehe noch nicht, somit würde eine Wiederverheiratung die Exkommunikation nach sich ziehen. Deswegen heiratete er nicht mehr. Mit seiner jungen Partnerin Gabriele Janiczek reiste er nach Pressburg, dem Sitz des ungarischen Reichstags. Dort gab es Leute, die gegen Geld eine Adoption organisierten, und so wurden beide pro forma ungarische Staatsbürger evangelischen Glaubens und erhielten einen ungarischen Nachnamen, den sie aber nie benützten.

Weithofer wurde etwa 1915 Oberbezirksarzt, er spezialisierte sich in der Säuglings- und Kleinkindermedizin. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, als im Oktober 1918 die Tschechoslowakei gegründet wurde und Tschechisch dort zur vorrangigen Amtssprache wurde, lernte er Tschechisch und blieb Beamter. Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst vergrößerte Weithofer seine Praxis in Brünn. [1]

In Schöllschitz unweit von Mödritz richtete sich Weithofer ein Sommerhaus ein – ausgestattet mit Schwimmbad, Tennisplatz und großer Gartenanlage. Dort wurden Kinder aus der Verwandtschaft und aus dem Freundeskreis aufgenommen und gepflegt. Weithofer wusste um die Bedeutung von Frischluft und Bewegung: Zum Entsetzen der Landbevölkerung rannten die Kinder nackt durch das Gelände. Er wusste auch, wie wichtig gesunde Ernährung für Kinder war, und förderte, was heute biologisch-dynamischer Obst- und Gemüseanbau genannt wird. Weithofer wusste um die Gefahr von Overprotection und Reizüberflutung. Er starb im Alter von 62 Jahren.[2]

Ehrung[Bearbeiten]

  • Die Zednikgasse/Zedníkova in der Brünner Altstadt wurde im Februar 1942 nach ihm als Dr.-Weithofer-Gasse benannt und im Mai 1945 in Weithoferova umbenannt. Seit dem September 1946 trägt die Gasse wieder den Namen Zedníkova.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Závodník: Die Geschichte des Zusammenlebens der Tschechen und Deutschen in Brünn. 2008 (muni.cz [PDF; abgerufen am 16. September 2016]).
  2. Von der Autobahn weggefegt. In: „Brünner Heimatbote“ (Hrsg.): 57/01-02. ISSN 0007-263x. Bruna, Schwäbisch Gmünd 2004.
  3. Dr.-Weithofer-Gasse - ulica Dra Weithofera. In: Encyklopedie dějin města Brna (encyklopedie.brna.cz). 4. April 2012, abgerufen am 9. September 2016 (cz).

Weblinks[Bearbeiten]

  • Bruna, Verband zur Pflege des kulturellen Erbes der Deutschen in Brünn.
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